mini|Joshua Lawrence Chamberlain Joshua Lawrence Chamberlain (* 8. September 1828 in Brewer, Penobscot County, Maine; † 24. Februar 1914 in Portland, Maine) war ein US-amerikanischer Professor, General des US-Heeres während des Sezessionskriegs und Politiker. Er wurde besonders als Kommandeur des 20. Maine-Infanterieregiments in der Schlacht von Gettysburg berühmt. Nach dem Krieg wurde er viermal hintereinander für jeweils ein Jahr zum Gouverneur seines Heimatstaates Maine gewählt und führte als Kommandeur dessen Miliz.

Leben Kindheit und Jugend Joshua Lawrence Chamberlain wurde als erstes von fünf Kindern Joshua Chamberlains Jr. und Sarah Dupee Brastow Chamberlains geboren. Sein ursprünglicher Name war Lawrence Joshua Chamberlain, benannt nach Commodore James Lawrence, der durch den Krieg von 1812 bekannt geworden war. Chamberlain änderte seinen Namen später jedoch in Joshua Lawrence.

Die Familie hatte eine große militärische Tradition: Chamberlains Urgroßväter hatten im Franzosen- und Indianerkrieg sowie im Unabhängigkeitskrieg gekämpft, sein Großvater Joshua Chamberlain Sr. hatte es im Krieg von 1812 zum Oberst der Miliz gebracht. Diesen Dienstgrad bekleidete auch Joshuas Vater.

Joshua Lawrence Chamberlain lebte in unmittelbarer Nachbarschaft der Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe. Schon in seiner Jugend war er bei ihr zu Gast und hörte sie später bei Besuchen aus ihrem Werk Onkel Toms Hütte lesen. Dies brachte ihn bereits früh mit abolitionistischem Gedankengut in Berührung.

Nachdem Chamberlain die Major Whitings Military and Classical School in Ellsworth besucht hatte, beabsichtigte sein Vater, ihn auf die US-Militärakademie nach West Point, New York zu schicken. Seine tiefreligiöse Mutter wollte ihn gerne als Pastor oder Missionar sehen.

Nach seinem 18. Geburtstag studierte er erfolgreich klassische Literatur, Griechisch und Latein, um eine Aufnahme auf dem Bowdoin College in Brunswick zu erreichen. Chamberlain trat 1848 dort ein und zeigte sein Sprachentalent, unter anderem für Griechisch, Latein, Französisch, Deutsch, Spanisch, Hebräisch und Arabisch.

Als Student besuchte er die First Parish Church in Brunswick. Dort wurde er Chorleiter und lernte seine spätere Frau, Frances Caroline Adams, kennen, die Adoptivtochter des Pastors George E. Adams. Sie heirateten 1855. Chamberlain bezeichnete sie später einmal als „den ständigen Mittelpunkt jedes seiner Träume und die Seele jedes seiner Gedanken“.Chamberlain an seine Frau am 10. Oktober 1862, in: Mark Nesbitt: Through Blood & Fire: Selected Civil War Papers of Major General Joshua L. Chamberlain, S. 24

Professor in Bowdoin Chamberlain besuchte das Theologische Seminar in Bangor ab 1852. Während dieser Zeit verdiente er sich nebenbei Geld, indem er Deutsch unterrichtete und die Orgel in seiner Heimatkirche spielte. Chamberlain graduierte im Sommer 1855 und lehnte im Folgenden mehrere Angebote ab, als Pastor einer Gemeinde zu arbeiten. Er nahm stattdessen die Einladung des Bowdoin College an, als Lehrer für Logik und Theologie zu wirken. Die Hochschule ernannte Chamberlain 1856 zum Professor für Rhetorik und Rede und später zum Professor für moderne Sprachen Europas. Im Oktober desselben Jahres kam sein erstes Kind Grace Dupee, genannt Daisy, zur Welt. 1858 brachte „Fanny“ Chamberlain den Sohn Harold Wyllys zur Welt.

Im Bürgerkrieg Chamberlain wurde als Professor für moderne Sprachen Europas 1861 ein zweijähriger Aufenthalt zu Studien in Europa angeboten. Er ließ sich von seinen Pflichten am College freistellen, ging aber nicht nach Europa, sondern verzichtete auf diese Reise, weil inzwischen mit dem Angriff auf Fort Sumter der Bürgerkrieg ausgebrochen war. Für Chamberlain stellte dies, wie er später schrieb, eine Beleidigung für die Flagge der Vereinigten Staaten und eine Verachtung der „Ehre und Autorität der Union“ dar. Weiter schrieb er: „Die Vollständigkeit und Existenz des Volkes der Vereinigten Staaten sind in offenem und bitteren Krieg angegriffen worden.“"The integrity and the existence of the People of the United States had been assailed in an open and bitter war.", In The Hands of Providence, S. 60 Statt die Europareise anzutreten, bot er 1862 seine Dienste dem Gouverneur von Maine, Israel Washburn, an. Er schrieb ihm, die Männer des Nordens müssten „die teuersten persönlichen Interessen opfern, um unser Land vor der Verwüstung zu bewahren und die nationale Existenz gegen Verrat zu Hause und Missgunst im Ausland zu verteidigen. Dieser Krieg muss mit einer raschen, starken Hand beendet werden, und jeder Mann sollte vortreten und darum bitten, an den ihm angemessenen Platz gestellt zu werden.“"This war […] will not cease until the men of the North are willing to leave good positions, and sacrifice the dearest personal interests, to rescue our country from desolation, and defend the National Existence against treachery at home and jeopardy abroad. This war must be ended, with a swift and strong hand; and every man ought to come forward and ask to be placed at his proper post.", Chamberlain an Israel Washburn am 14. Juli 1862, in: Mark Nesbitt: Through Blood & Fire: Selected Civil War Papers of Major General Joshua L. Chamberlain, S. 10

Chamberlain wurde am 8. August 1862 zum stellvertretenden Kommandeur des neu aufgestellten 20. Maine Infanterieregiment ernannt, das von Oberst Adelbert Ames geführt wurde. Das neue Regiment wurde im Camp Mason in Portland ausgebildet. Auch Chamberlains Bruder, Thomas Davee, war als Sergeant Angehöriger des Regiments. Das Regiment wurde nach der Ausbildung der 3. Brigade der 1. Division des V. Korps der Potomac-Armee in Virginia unterstellt. An der Schlacht am Antietam nahm es nicht aktiv teil, bei der Verfolgung der ausweichenden Nord-Virginia-Armee nahm es an einigen Gefechten teil. Das 20. Maine wurde dann mit Chamberlain während der Schlacht von Fredericksburg in den heftigsten Kampfhandlungen beim Angriff auf die Marye’s Heights eingesetzt und erlitt dabei schwere Verluste. Am 27. August 1862 wurde Chamberlain ein Mitglied im Bund der Freimaurer (Loge United Lodge #8 in Brunswick).Todd E. Creason: Famous American Freemasons, Band 2, Paperback (281 Seiten). Erschienen bei Lulu.com (Dezember 2007) ISBN 978-0-557-07088-6 (S. 141f.)H. Paul Jeffers: The Freemasons In America: Inside Secret Society; Paperback (280 Seiten) erschienen bei Kensington Books (Citadel Verlag) September 2007; ISBN 978-0-8065-2836-6

mini|links|Little Round Top bei Gettysburg (Fotografie von Timothy H. O’Sullivan, 1863) mini|Der Angriff der Konföderierten (rot) auf die äußerste linke Flanke der Union (blau) am Little Round Top am 2. Tag der Schlacht von Gettysburg An der Schlacht bei Chancellorsville nahm das Regiment wieder nicht aktiv teil. Der Regimentskommandeur Oberst Ames wurde zum Brigadegeneral befördert und übernahm eine Brigade und Chamberlain, nun Oberst, erhielt das Kommando über das 20. Maine. Er führte es in der Schlacht von Gettysburg und hatte dort seine größte Stunde als Verteidiger des Little Round Top, einer taktisch sehr bedeutenden und daher hart umkämpften Erhebung auf dem Schlachtfeld. Als seinen Männern nach mehreren abgewehrten Attacken die Munition ausging, befahl er einen von ihm persönlich angeführten Bajonettangriff auf die bergauf vorrückenden Feinde, und so gelang es ihm, das sein Regiment angreifende 15. Alabama Infanterieregiment abzuwehren und den Hügel zu behaupten. Während dieses Kampfes wurde Chamberlain zweimal verwundet. 1893 erhielt Chamberlain die Medal of Honor für die Verteidigung des Little Round Top. In der Laudatio hieß es, er erhalte sie „für tapfersten Heldenmut und großartige Entschlossenheit in der Verteidigung der Stellung auf dem Little Round Top gegen wiederholte Angriffe und der Unterstützung der Stellung auf dem Great Round Top“.Thomas A. Desjardin: Stand Firm Ye Boys from Maine: The 20th Maine and the Gettysburg Campaign. Thomas Publications, Gettysburg, PA 1995, ISBN 1-57747-034-6, S. 148.

Chamberlain erhielt im August 1863 das Kommando über die 3. Brigade der 1. Division des V. Korps. Krankheitsbedingt musste er aber im Winter seine Truppen verlassen und konnte erst im Mai 1864 zur Schlacht bei Spotsylvania wieder zu ihnen stoßen. Er führte seine Brigade im Kampf bei Bethesda Church und übernahm anschließend, nach Reorganisation des V. Korps, das Kommando über die 1. Brigade der 1. Division. Die Brigade bestand aus sechs Regimentern aus Pennsylvania.

Chamberlains Brigade hielt während der Belagerung von Petersburg am 18. Juni 1864 eine Position vor der Hauptlinie der Unionsarmee bei Rives Salient. Die Brigade sollte von dort aus eine befestigte konföderierte Stellung angreifen. Während des Angriffs wurde Chamberlain von einer Kugel getroffen und brach zusammen. Die Ärzte glaubten, er würde die Verwundung nicht überleben. Als Generalleutnant Ulysses S. Grant, der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, davon erfuhr, beförderte er den vermeintlich Sterbenden zum Brigadegeneral. Chamberlain erholte sich jedoch wider Erwarten und konnte das Kommando über die Brigade später wieder übernehmen. Er führte sie am 29. März 1865 gegen konföderierte Stellungen an der Quaker Road, wo er auf seinem Pferd verwundet wurde. Weil Chamberlain die Brigade trotz der Verwundung weiter führte, wurde er für diese Leistung zum Brevet-Generalmajor ernannt.

Chamberlain wurde dazu ausgewählt, die formelle Kapitulation der konföderierten Nord-Virginia-Armee entgegenzunehmen. Als er die Übergabeformation vor den zur Kapitulation herannahenden konföderierten Truppen unter dem Kommando von General John Brown Gordon zur Respektbezeugung das Gewehr präsentieren ließ, wurde ihm große Anerkennung zuteil. Dies brachte ihm im Norden zwar auch Kritik ein, Gordon jedoch nannte ihn später einen der „ritterlichsten Soldaten in der ganzen Unionsarmee“. Während der Siegesparade der Unionsarmeen in Washington kommandierte er die 1. Division des V. Korps.

Chamberlain nahm während des Bürgerkrieges an 24 Schlachten und Gefechten teil und wurde dabei sechsmal verwundet, fünfmal wurde sein Pferd unter ihm weggeschossen.James M. McPherson in der Einleitung zu The Passing of the Armies, S. 11 Die Soldaten unter seinem Kommando erbeuteten in diesen Gefechten acht Fahnen und nahmen 2700 Gegner gefangen.Alice Rains Trulock: In the Hands of Providence: Joshua L. Chamberlain and the American Civil War, S. 333 Chamberlain verlor während all der Zeit im Felde nie die emotionale Bindung zu seiner Familie. Dies kam in zahlreichen Briefen zum Ausdruck, in denen er sich darüber beklagt, nicht bei seiner Frau und seinen Kindern sein zu können.Im August 1863 schrieb er zum Beispiel: „Ich bin glücklich mit dem Gedanken, euch alle wieder zu Hause zu sehen – nun sind meine kleinen Lieblinge alle zusammengeschmiegt – alle – vor diesem Wort verharrte ich – Tränen füllten meine Augen, ein dumpfer, heftiger Schmerz durchströmte mein Herz. Aber es ist alles gut, gut und glücklich mit der, deren süßes Antlitz noch immer in meinem Herzen leuchtet. Komm und lass mich deine teuren Lippen küssen, kostbare Frau“, in: Through Blood and Fire, S. 106

Nach dem Bürgerkrieg