Ulli Wittich-Großkurth (* 17. Juni 1932 in Jena) ist eine deutsche Keramikerin und Kunsthandwerkerin.

Leben und Werk Ulli Großkurth absolvierte nach der Volksschule den Besuch der Universitätsschule Jena bei Peter Petersen. Von 1947 bis 1950 erlernte sie bei dem Töpfermeister Walter Gebauer in Bürgel den Beruf der Scheibentöpferin. Von 1950 bis 1953 besuchte sie die Fachschule für angewandte Kunst in Erfurt und von 1954 bis 1957 einen Meisterlehrgang bei Gebauer, den sie mit dem Erhalt des Meisterbriefs beschloss. Seit 1957 war sie freischaffend in ihrer eigenen Werkstatt „Töpferklause“ in Jena-Winzerla tätig. Es erfolgte der Eintrag in die Handwerkerrolle, und seit 1958 trug sie den Titel "Anerkannte Kunsthandwerkerin". Im selben Jahr wurde sie Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR (VBK), dem sie bis 1990 angehörte. Von 1962 bis 1970 hatte sie den Vorsitz der Sektion Kunsthandwerk/Formgestaltung im Bezirk Gera des VBK inne. Von 1968 bis 1974 war Ulli Wittich-Großkurth Vorstandsmitglied des VBK im Bezirk Gera und Mitglied des Zentralvorstands. Seit 1974 war sie auch Mitglied des Beirats für Kunsthandwerk beim Ministerium für Kultur. Von 1977 bis 1979 hatte sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein in deren externer Keramikwerkstatt in Bürgel. 1978 gehörte sie zu den Mitbegründern der zentralen Arbeitsgruppe Keramik im VBK der DDR.

Ihre Schüler waren u. a. Andreas Greiner-Napp (* 1960), Annette und ihr Sohn Lorenz Wittich (* 1966), Franziska Munkelt (* 1968) und Sabine Eichelberger.

Für ihre eigene künstlerische Entwicklung fühlt sie sich dem Maler Willi Sitte verbunden. Sie schätzt dessen Verdienste auf bildkünstlerischem Gebiet.

1990 war Ulli Wittich-Großkurth Mitbegründerin der Töpferinnung Thüringen und des Verbandes Bildender Künstler Thüringens. Sie war auch Begründerin des Bundes Thüringer Kunsthandwerker e.V. und Erste Vorsitzende des Bundes deutscher Kunsthandwerker Frankfurt/Main. 2010 wurde sie zum Jurymitglied für das Internationale Keramik-Symposium in Römhild berufen.

Studienreisen führten sie nach Ungarn, in die UdSSR, nach Bulgarien, Polen, in die ČSSR und 1978 nach Italien. 1981 reiste sie nach Frankreich, 1983 und 1984 in die Bundesrepublik Deutschland. An einigen internationalen Symposien nahm Großkurth teil: 1973 in Siklós / Ungarn, 1974 in Subotica / Jugoslawien, 1975 in Römhild.

Sie hatte eine bedeutende Anzahl von Personalausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der Zeit der DDR u. a. an der Internationalen Biennale für zeitgenössische Keramik in Faenza und 1962/1963 und 1967/1968 an der Fünften und VI. Deutschen Kunstausstellung sowie von 1977 bis 1988 an der VIII. bis X. Kunstausstellungen der DDR in Dresden.

Ulli Wittich-Großkurth wurde Mitglied der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM) und zeigte in den Berliner Räumen der GBM 2011 eine Ausstellung ihrer Keramiken. Sie engagierte sich im Protest gegen den Neonazismus in Deutschland. Im Auftrag des GBM-Bundesvorstands schuf sie 2012 den Friedenspreis der GBM und des Europäischen Friedensforums, der am 15. Februar 2012 an das Aktionsbündnis »Dresden Nazifrei« übergeben wurde.

Ehrungen 1964 bis 1966 drei Diplome in Faenza 1968 Handwerkernadel in Silber 1969 Aktivist der Sozialistischen Arbeit 1969 Anerkennung des Ministeriums für Kultur im Wettbewerb „Kleinplastik“ 1974 Kunstpreis der Stadt Gera 1974 II. Preis der Ersten Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder in Erfurt 1975 Eintragung ins Ehrenbuch der Stadt Jena 1979 Diplome der Keramik-Biennalen Sopot / Polen und Ulaanbaatar / Mongolei 1981 Verdienstmedaille der DDR

Werkbeispiele

Freundliches Begegnen (Medaille; von der Porzellanmanufaktur Meißen hergestellt in braunem Böttger-Steinzeug, 1974) Deckelvase mit Wickeldekor (Fayence, 1974; Kunstgewerbemuseum Dresden) Pokal (Fayence, 1974; Kunstgewerbemuseum Dresden) Taubenlichtkasten und Deckelvase (mit blau-weißer Seidenglanz-Tonglasur und Wickeldekor, 1974; Schloss Molsdorf, Erfurt) Frucht (Keramik, gewickelt & frei aufgebaut, 1976) Doppeldeckeldose (1986; Salzsteinzeug, Drehform, plastisch modelliert; 27 × 19 cm; auf der X. Kunstausstellung der DDR)

Personalausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung

1992: Gera, Museum für Angewandte Kunst; Rudolstadt, Landesmuseum Heidecksburg und Sondershausen, Schlossmuseum („Keramik aus Leidenschaft“) 2010/2011: Bürgel, Keramikmuseum („Retrospektive“) 2015: Römhild („Spätlese. Ulli Wittich-Großkurth – Keramik aus sieben Jahrzehnten“) 2023: Jena, Stadtmuseum ("Ich wollte immer nur spielen")

Literatur Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970 Jutta Hammer: Schöpferische Erweiterung traditioneller Grenzen. Zum Schaffen der Jenaer Kunsthandwerkerin Ulli Grosskurth-Wittich. In: Bildende Kunst, Berlin, 1975, S. 582–585 Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984 Dietmar Eisold: Lexikon Künstler in der DDR. Ein Projekt der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. Neues Leben Berlin 2012, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 1037. Janin Pisarek: Märchen aus Ton. Ulli Wittich-Großkurth im Portrait. In: Märchenspiegel. Zeitschrift für internationale Märchenforschung und Märchenpflege, Jahrgang 28, Heft 2/2017.

Weblinks Website Ulli Wittich-Großkurth Ulli Wittich-Großkurth bei Bildindex der Kunst & Architektur

Einzelnachweise

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