Mansfeld ist eine Kleinstadt im Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt (Deutschland). Die Stadt im östlichen Harzvorland beherbergte mit Burg Mansfeld den Sitz einer seit dem 10. Jahrhundert bestehenden Grafschaft und ist Namensgeber der bis in das späte 20. Jahrhundert bestehenden Montanregion Mansfelder Mulde.

Geografie Die Stadt Mansfeld liegt im östlichen Harzvorland, etwa 35 km nordwestlich von Halle (Saale). Das Gebiet der Gemarkung Mansfeld umfasst das Tal der Wipper, einige Seitentäler, die sich nach Westen zur Wipper öffnen, sowie die Bergrücken zwischen den Tälern, die durchschnittliche Höhen von 300 bis 350 m ü. NN erreichen und bereits zum Unterharz gehören.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Arnstein im Norden, Hettstedt, Gerbstedt, Klostermansfeld, Benndorf und Ahlsdorf im Osten, Hergisdorf, Allstedt und Sangerhausen im Süden und Harzgerode sowie Falkenstein/Harz (beide Landkreis Harz) im Westen.

Geologie Mansfeld liegt regionalgeologisch in der östlichen Harzabdachung sowie dem östlichen Harzvorland. Erstere wird geprägt durch die paläozoischen marinen Sedimente der Harzgeröder Zone, die Einschaltungen aus Kalksteinen sowie Diabasen enthalten. Im Nordwesten, bei Molmerswende, stehen die Graptolithen-reichen silurischen Bereiche dieser Zone an. Einmal quer durch die Gemeinde verläuft südöstlich anschließend bei Wippra und Friesdorf, die Wippraer Zone, die ein höher-metamorphes Stockwerk darstellt. In dieser gibt es verschiedengradig metamorphe Streifen, u. a. aus Phylliten. Die Harzgeröder Zone und die Wippraer Zone gehören zum Grundgebirge des Variszischen Gebirges, das vor ca. 300 Millionen Jahren verfaltet wurden.LAGB Sachsen-Anhalt: Digitale Geologische Oberflächenkarte 1:25.000 (WMS-Darstellungsdienst), WMS-Link: geodatenportal.sachsen-anhalt.de (GIS benötigt), abgerufen am 26. Oktober 2022.

Östlich anstehend, bei Annarode und Siebigerode, folgt im Untergrund das Vorland des ehemaligen Variszischen Gebirges mit mächtigen Rotliegendsedimenten, darunter Konglomerate und Sandsteine der Mansfeld-Schichten. Diese sind an der Erdoberfläche an der rötlichfärbung des Mutterbodens zu erahnen. Die Rotliegendsedimente überliefern einen ehemaligen ariden Raum vor ca. 290 Millionen Jahren.

Weiter östlich, bei Großörner, folgt der Randsaum der Mansfelder Mulde aus dem Zechstein. Dieser besteht aus der Füllung eines alten Meeres, darunter sind Tonstein und Kalkstein zu nennen. Ganz an der Basis des Zechsteins liegt eine Tonsteinsequenz, die wegen ihrer ausgeprägten Kupfer-Silber-Sulfidlagerstätten als Kupferschiefer bekannt ist. Sie wurde in der Vergangenheit intensiv abgebaut, siehe Mansfeld (Unternehmen).

Weiter östlich befinden sich die triassischen Zonen des Buntsandsteins.

Stadtgliederung Zu Mansfeld gehören die Kernstadt mit den Stadtteilen Mansfeld, Kajendorf (Stadtteil von Leimbach) und Leimbach sowie die folgenden Ortsteile: Ortsteil Einwohner Abberode (mit Steinbrücken und Tilkerode) 341 Annarode 476 Biesenrode (mit Saurasen) 404 Braunschwende 511 Friesdorf (mit Rammelburg) 318 Gorenzen (mit Baumerode) 327 Großörner (mit Rödgen) 1.932 Hermerode 109 Mansfeld (mit Leimbach) 3.168 Möllendorf (mit Blumerode) 283 Molmerswende (mit Horbeck und Leinemühle) 256 Piskaborn (mit Wimmelrode) 251 Ritzgerode 81 Siebigerode 587 Vatterode (mit Gräfenstuhl) 627 Insgesamt 10.083

Der Ortsteil Mansfeld trägt den Namenszusatz Lutherstadt (Mansfeld-Lutherstadt), der darauf beruht, dass der Reformator Martin Luther einen Großteil seiner Kindheit im Ort verbrachte.

Die Ortschaften von Mansfeld (anklickbare Karte)

Geschichte Sage zur Namensherkunft Nach einer Sage hielt Kaiser Heinrich einstmals Hof zu Wallhausen, da trug ihm einer seiner Mannen die Bitte an um ein Stück Feld, grenzend an die goldene Aue und so groß, dass er es mit einem Scheffel Gerste umsäen könne. Heinrich kam seiner Bitte nach, denn er liebte ihn um seiner Tapferkeit willen. Der Ritter aber umsäte mit einem Scheffel Gerste die Grenzen der späteren Grafschaft Mansfeld. Da erwachte der Neid der übrigen Ritter und sie sprachen zum Kaiser: „Jener hat deine Gnade gemissbraucht durch trügerische Deutung!“ Aber der Kaiser erwiderte mit Lächeln: „Gesagt ist gesagt, es ist des Mannes Feld.“ Daher stammen der Name Mansfeld und die Gerstenkörner im Wappen der Grafen von Mansfeld.Geschichte der Grafen von Mansfeld von Ludwig Ferdinand Niemann · 1834, Seite 2

Mittelalter mini|Mansfeld, Kupferstich um 1650 Im Jahre 1400 erhielt Mansfeld Stadtrechte. Die Entwicklung des Ortes bestimmte die Kupfer- und Silbergewinnung in Hütten. Seit 1996 trägt die Stadt den Beinamen „Lutherstadt“. Der Vater von Martin Luther, Hans Luder, siedelte sich hier 1484 als Hüttenmeister an. Luther verlebte im Ort seine Kindheit und besuchte 1488 bis 1496 die Schule, deren Standort urkundlich belegt ist. Das Gebäude „Luthers Schule“ wurde aufgrund baulicher Mängel abgerissen und 2000 neu aufgebaut. Im Elternhaus von Martin Luther befindet sich ein Museum. In der bereits 1497 vorhandenen St.-Georgs-Kirche war Luther Ministrant.

Frühe Neuzeit Bereits im 16. Jahrhundert hatten die Grafen von Mansfeld so große Schulden angehäuft, dass die Lehensherren Kursachsen und Magdeburg 1570 die Zwangsverwaltung übernahmen, um es vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. Die Grafen behielten alle Rechte als auch Sitz und Stimme bei den Reichstagen und den obersächsischen Kreistagen. Im Kronvertrag von 1700 beschlossen die Preußen, als Nachfolger der Magdeburger, die Verwaltung wieder zurückzugeben, was am 7. September 1716 auch geschah. Die Schuldenlast war aber nicht wirklich weniger geworden, daher blieb Kursachsen bei der Zwangsverwaltung. Bereits 1751 musste der letzte Fürst von Mansfeld Heinrich Paul Franz II. das erst 1690 erhaltene Fürstentum Fondi verkaufen. Er hinterließ 786.393 Taler Schulden, zum Vergleich die Zwangsverwaltung seit 1590 hatte nur rund 400.000 Taler eingebracht.Geographisch-statistisches Zeitungs-, Post- und Comtoir-Lexicon, M-N, S. 51

Nach dem Tod des letzten Grafen im Jahr 1780 ging die Stadt zusammen mit dem übrigen preußischen Anteil der Grafschaft an das brandenburg-preußische Herzogtum Magdeburg. Die Stadt Mansfeld unterstand als sogenannte Immediatstadt direkt der Regierung des Herzogtums in Magdeburg. Die damals noch selbstständige Stadt Leimbach war eine Mediatstadt und gehörte ebenfalls zum Herzogtum. Kursachsen erhielt Eisleben.

Moderne mini|Aquarell um 1830 Napoleonische Kriege und Restauration Im Jahre 1807 ordnete Napoleon Mansfeld dem Königreich Westphalen seines Bruders Jérôme zu. Die Stadt gehörte seitdem zum Distrikt Halle im Saale-Departement. Von der ehemaligen Grafschaft blieben die Ämter Adern, Bockstadt und Bornstedt bei Sachsen.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress wurde zum 1. Oktober 1816 der Mansfelder Gebirgskreis im Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen eingerichtet, dem die Stadt Mansfeld zugeordnet wurde. Das Landratsamt des Mansfelder Gebirgskreis war seitdem in Manfeld, das ursprünglich zum sächsischen Teil der Grafschaft Mansfeld gehörte.

Zeit des Zweiten Weltkriegs mini|Blick vom Schloss auf den Stadtkern von Mansfeld, um 1930 mini|Gleicher Blickwinkel, um 2007 Während des Zweiten Weltkrieges wurde im Gasthaus „Schloß Mansfeld“ des Ortsteiles Leimbach ein Arbeitslager für 100 süddeutsche sogenannte „Halbjuden“ eingerichtet, die im Rahmen des Sonderkommandos J Zwangsarbeit verrichten mussten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebiet durch die amerikanischen Streitkräfte von der nationalsozialistischen Herrschaft befreit. Zur Verteidigung des Ortes hatten Angehörige des Volkssturms die heutige Bundesstraße 86 südwestlich von Annarode mit sechs zur Panzerabwehr umfunktionierten FlaK-Geschützen und Panzersperren befestigt. Am 13. April 1945 kam es zu einem kurzen Feuergefecht an der Bundesstraße 86 bei Pölsfeld, als ein Geschütz auf die amerikanischen Streitkräfte schoss und durch erwidertes Feuer vernichtet wurde. Daraufhin ergaben sich die anderen Stellungen.Deutsches Historisches Museum: Rudolf Herz: Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Annarode / Südharz bei Mansfeld. Verfügbar online unter Rudolf Herz: Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Annarode / Südharz bei Mansfeld aud dhm.de, abruf am 2. Mai 2021.

Später marschierte die 9. amerikanische Armee in das Gebiet ein und besetzte es. Gemäß der Beschlüsse der Konferenz von Jalta wurde im Juli 1945 das Mansfelder Land wie weite Teile Ostdeutschlands von den Amerikanern an die Rote Armee übergeben und kam dadurch wieder in den Einfluss des nächsten totalitären Regimes (Sowjetunion).

Nachkriegszeit und DDR Aus der sowjetischen Besatzungszone wurde 1949 die DDR. Durch die Einstellung des Kupferschieferbergbaus im Mansfelder Land (siehe Mansfeld (Unternehmen)) nahm die Bevölkerungsanzahl seit den 1960er Jahren stetig ab.StaLa Sachsen-Anhalt: Stadt Mansfeld - Landkreis Mansfeld-Südharz; Bevölkerungsstand 1964 - 2010. In: auf stala.sachsen-anhalt.de, Abruf am 2. Mai 2021.

Mansfeld wurde 1952 in den Kreis Hettstedt im DDR-Bezirk Halle eingegliedert. Zu ihm gehörten alle heutigen Mansfelder Ortschaften bis auf Annarode und Siebigerode, die dem Kreis Eisleben angegliedert waren.Topographische Karte 1 : 200.000 der DDR, Ausgabe Volk (1979–1989), Online veröffentlicht vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie unter: Topographische Karte 1 : 200 000 der DDR (TK200-DDR) auf gdz.bkg.bund.de, abgerufen am 25. Mai 2021.

Nachwendezeit Nach der Wende und friedliche Revolution in der DDR wurden in Mansfeld erstmals wieder demokratische Wahlen durchgeführt und bürgerliche Freiheiten zurückgewonnen. Wie in weiten Teilen Ostdeutschlands ging jedoch die für den Sozialismus gewachsene Wirtschaft an der neuen Marktwirtschaft größtenteils zu Grunde, wodurch in den 1990er und 2000er Jahren in und um Mansfeld eine hohe Arbeitslosigkeit herrschteBundeszentrale für Politische Bildung bpb: Der lange Weg zur Einheit – Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Ost- und Westdeutschland. In: Der lange Weg zur Einheit – Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Ost- und Westdeutschland auf bpb.de, abgerufen am 2. Mai 2021. und sich der Abwanderungstrend seit 1960 weiter fortsetzte.

Mansfeld lag im wiedergegründeten Bundesland Sachsen-Anhalt weiterhin im Landkreis Hettstedt. Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Mansfelder Land, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Landkreises Mansfeld-Südharz.

Eingemeindungen Die Stadt Leimbach wurde 1950 eingegliedert. Im Jahr 2005 wurden acht Gemeinden in die Stadt Mansfeld eingegliedert, die früher teilweise im Amt Rammelburg lagen.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005 Mit diesen Eingemeindungen hat Mansfeld seine Fläche fast versiebenfacht, die Einwohnerzahl annähernd verdreifacht. Im Jahr 2009 folgten weitere sechs Gemeinden.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Abberode 06.03.2009 Annarode 01.01.2005 Biesenrode 01.01.2005 Blumerode 01.07.1950 Eingemeindung nach Möllendorf Braunschwende 06.03.2009 Friesdorf 06.03.2009 Gorenzen 01.01.2005 Gräfenstuhl 01.07.1950 Eingemeindung nach Vatterode Großörner 01.01.2005 Hermerode 06.03.2009 Leimbach 01.07.1950 Möllendorf 01.01.2005 Molmerswende 06.03.2009 Piskaborn 01.01.2005 Rammelburg 01.07.1950 Eingemeindung nach Friesdorf Ritzgerode 06.03.2009 Siebigerode 01.01.2005 Steinbrücken 01.07.1950 Eingemeindung nach Abberode Tilkerode 01.07.1950 Eingemeindung nach Abberode Vatterode 01.01.2005 Wimmelrode 01.07.1950 Eingemeindung nach Piskaborn

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4.105 2005 8.919 2010 9.770 2015 9.089 2020 8.517 Jahr Einwohner 2021 8.480 2022 8.348 2023 8.226 2024 8.096 2025 7.946

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022