mini|August von Kotzebue rahmenlos|zentriert|128px mini|August von Kotzebue (1818) August Friedrich Ferdinand von Kotzebue [] (* 3. Mai 1761 in Weimar;Geburtsangabe in Weimarische wöchentliche Anzeigen vom 9. Mai 1761, S. 75. † 23. März 1819 in Mannheim) war ein deutscher Dramatiker, Librettist, Schriftsteller und Publizist. Als solcher war er äußerst erfolgreich und produktiv, er schrieb über 240 Stücke, die auf allen Bühnen Europas gespielt wurden. Neben August Wilhelm Iffland war er der meistgespielte Autor seiner Zeit, allein Johann Wolfgang von Goethe inszenierte 80 seiner Dramen. Er wirkte unter anderem in St. Petersburg, Wien, Königsberg und Reval, im Baltikum kam er zu Besitz und begründete die deutsch-baltischen Linien der Familie. Auch politische Ämter hatte er inne, zuletzt war er russischer Staatsrat und Generalkonsul. Als spätaufklärerischer Denker war er für eine aufgeklärte Restauration und kritisierte die deutsche Nationalbewegung polemisch. So wurde er zum Hassobjekt der nationalliberal gesinnten Studenten. Kotzebues Ermordung durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand war der Auslöser der Karlsbader Beschlüsse.

Leben Früher Werdegang August Kotzebue kam als Sohn des braunschweigischen Kanzleisekretärs, später sachsen-weimarischen Legationsrats und Geheimen Referendärs Levin Karl Christian Kotzebue (1727–1761) und dessen Ehefrau Christine, geborene Krüger (1736–1828), am 3. Mai 1761 im Gelben Schloss in Weimar (Sachsen-Weimar-Eisenach) zur Welt, das der angesehenen Ratsfamilie Kotzebue als Wohnsitz diente. Sein Vater starbam 17. Oktober 1761 (Weimarische wöchentliche Anzeigen vom 17. Oktober 1761, S. 167.). wenige Monate nach seiner Geburt. August Kotzebue verlebte im Gelben Schloss einen Teil seiner Jugend und wohnte später in einem Wohnhaus in der Schlossgasse 6. Er besuchte das Wilhelm-Ernst-Gymnasium in Weimar, an dem er unter anderem von Johann Karl August Musäus unterrichtet wurde. Musäus war durch die Heirat mit Juliane Krüger der Onkel von August Kotzebue. 1776 stand der junge Kotzebue als Schauspieler gemeinsam mit Goethe in dessen in Weimar uraufgeführtem Stück Geschwister in der Rolle des Briefträgers auf der Bühne.Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Teil 1 Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Begr. von Helmut de Boor … Bd. 7, Teil 1, Das Zeitalter der Französischen Revolution: 1789–1806. 2., neubearb. Auflage. C. H. Beck, München 2000, S. 472. Im Jahre 1777 legte er die Reifeprüfung ab und begann im Alter von 16 Jahren das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Jena, das er in Duisburg fortsetzte und 1780 abschloss. Anschließend ließ er sich für kurze Zeit als Rechtsanwalt in Weimar nieder.

Durch Beziehungen von Johann Eustach von Görtz, dem ehemaligen Prinzenerzieher und Oberhofmeister am Weimarer Hof sowie preußischen Botschafter am russischen Hof, wurde er Sekretär des Generalgouverneurs in Sankt Petersburg. Er wurde 1783 zum Assessor am Obersten Gerichtshof in Reval berufen und war von 1785 bis 1795 als Präsident des Magistratsgerichts für ziviles Recht des Gouvernements Estland tätig. In den russischen Adelsstand (von Kotzebue) erhoben, heiratete er im Februar 1785 Friederike Julie Dorothea von Essen (1763–1790), die als Tochter des Generalleutnants und des Oberkommandanten von Reval, Reinhold Wilhelm von Essen, dem alten estländischen Adel entstammte.

Erste Werke An den Bühnenstücken des sogenannten „Theatergenies“ August von Kotzebue kam um 1800 kaum ein Theaterbesucher vorbei.Rolf Haaser: Kotzebue durch Nietzsches Augen: „Das eigentliche Theatertalent der Deutschen“ und die Perspektiven der Forschung. In: Kotzebue International. vom 17. Januar 2025. doi:10.58079/133ti Doch Kotzebues literarische Anfänge lagen nicht im Bereich des Dramas, sondern im erzählerischen Schreiben. In den Jahren 1780 und 1781 erschienen anonym mehrere epische Texte, die als seine frühesten heute bekannten Veröffentlichungen gelten – Werke, die von der Forschung bislang weitgehend unbeachtet blieben.Max Graff: Erzählerische »Jugendsünden«? Zu Kotzebues ersten Publikationen. In: Kotzebue International. vom 16. April 2021. doi:10.58079/qn0y

Diese frühen Arbeiten umfassen im Einzelnen: die balladenhafte Verserzählung Ralph und Guido, die im Oktober 1780 im Teutschen Merkur von Christoph Martin Wieland erschien,[August von Kotzebue]: Ralph und Guido. In: Der Teutsche Merkur vom Jahr 1780. Herausgegeben von Christoph Martin Wieland, viertes Vierteljahr [Oktober 1780], Weimar 1780, S. 3–8. den schmalen Band Er und Sie. Vier romantische Gedichte (1781, Eisenach), der neben dem Versepos Theodebald und Amelinde drei weitere Balladen enthält,August von Kotzebue: Er und Sie. Vier romantische Gedichte. Johann Georg Ernst Wittekindt, Eisenach 1781; Neuausgabe, herausgegeben von Max Graff, Wehrhahn, Hannover 2020. sowie die Prosafragmente Ich, eine Geschichte in Fragmenten, die 1781 als Eröffnungsstück des ersten Bandes des literarischen Journals Ganymed für die Lesewelt veröffentlicht wurden.[August von Kotzebue]: Ich, eine Geschichte in Fragmenten, zu Nuz und Frommen der mannbaren Jugend, an’s Licht gebracht von mir selbst. Johann Georg Ernst Wittekindt, Eisenach 1781; Neuausgabe, herausgegeben von Max Graff, Wehrhahn, Hannover 2020.

In Reval erwarb er sich Anerkennung durch seine Romane Die Leiden der Ortenbergischen Familie (1785 , ) und Die Geschichte meines Vaters (1788) sowie durch die Dramen Adelheid von Wulfingen (1789, ), Menschenhass und Reue (1790, ) und Die Indianer in England (1790 ). Der positive Ruf, der aus diesen Arbeiten erwuchs, wurde jedoch nahezu zerstört durch die drastische zynische Satire Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn (), die 1790 (mit dem Namen Knigges auf der Titelseite) erschien.

Nach dem Tod seiner ersten Frau unternahm Kotzebue eine kurze Reise nach Paris im Dezember 1790, hielt sich danach im Frühjahr 1791 in Mainz auf. In dieser Zeit erschien seine erste umfangreiche autobiografische Schrift Meine Flucht nach Paris im Winter 1790, in der Kotzebue den Verlust seiner Frau literarisch verarbeitete. Im September 1791 kehrte er nach Reval (heute Tallinn) zurück, wo er seinen Dienst beim Zivilgericht wieder aufnahm.

Innerhalb weniger Jahre veröffentlichte er sechs Bände verschiedener Skizzen und Erzählungen (Die jüngsten Kinder meiner Laune, 1793–1796Volltext) und mehr als zwanzig Dramen, von denen viele in mehrere europäische Sprachen übersetzt wurden.

Im Jahr 1795 legte er sein Amt nieder und zog sich auf ein Anwesen zurück, das er nahe Reval erworben hatte, und widmete sich der literarischen Arbeit.

Theater- und Direktorenzeiten Bereits in den Jahren 1782 und 1783, zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn in Russland, wurde August von Kotzebue durch seinen damaligen Arbeitgeber Friedrich Wilhelm von Bauer (1731–1783; auch: Baur, Bawr) mit administrativen Aufgaben für die deutsche Bühne in St. Petersburg betraut. Im Juni 1782 debütierte Kotzebue zudem als Dramatiker: Sein historisches Drama Demetrius Iwannowitsch. Zaar von Moscau wurde von dem Ensemble des Deutschen Theaters in St. Petersburg uraufgeführt.Für eine detaillierte Auseinandersetzung mit Kotzebues Anfängen als Theaterautor in Russland sowie zur Textgrundlage des Dramas Demetrius Iwannowitsch vgl. Andreas Keller, Das Deutsche Theater in St. Petersburg (Freiburg: Universität Freiburg, 2001); Gerhard Giesemann: Kotzebue in Russland. Materialien zu einer Wirkungsgeschichte (Frankfurt am Main: Harrassowitz, 1971); sowie August von Kotzebue: Demetrius Iwannowitsch. Zaar von Moscau. Ein russisches Original Trauerspiel in fünf Aufzügen (1782), hg. v. Gerhard Giesemann (Fernwald: Litblockin, 1994).

Zu Beginn des Jahres 1798 nahm Kotzebue den Ruf als Direktor am Hoftheater in Wien an, legte das Amt aber infolge von Meinungsverschiedenheiten mit den Schauspielern am Ende des Jahres nieder. Kotzebue blieb in seiner offiziellen Funktion als "Theaterdichter" mit der Direktion des Burgtheaters bis zu seinem Lebensende verbunden. Während seines Aufenthaltes in Wien war er publizistisch auch als Theaterkritiker für die Wiener Zeitung tätig.Hermann Schlösser: Der Einzug des Feuilletons in die kaiserlich privilegierte Wiener Zeitung. Eine pressegeschichtliche Fallstudie. In: Klaus Amman, Hubert Lengauer, Karl Wagner (Hrsg.): Literarisches Leben in Österreich 1848–1890. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2000 (= Literaturgeschichte in Studien und Quellen. 1). ISBN 3-205-99028-5, S. 416.Rebecca Unterberger: Vom Diarium zur Zeitung: Wiener Zeitung auf litkult1920er.aau.at, verfasst im März 2017, redaktionell ergänzt im Februar 2019. Nach der Beendigung des Vertrages mit dem Burgtheater, kehrte Kotzebue mit seiner Familie 1799 in seine Geburtsstadt zurück, aber da zwischen ihm und Johann Wolfgang von Goethe kein gutes Verhältnis bestand und er zudem von der romantischen Schule angegriffen wurde, wurde seine Position in Weimar unhaltbar.

Im April 1800 beschloss er, zusammen mit seiner Familie zurück nach Estland zu reisen, wurde aber an der preusissch-russischen Grenze wegen des Verdachts, er sei Jakobiner, verhaftet und als politischer Gefangener nach Tobolsk und Kurgan in Sibirien verschleppt. Zu seinem Glück hatte er einen Einakter (Der alte Leibkutscher Peters III.) geschrieben, das der Eitelkeit des russischen Kaisers Paul I. schmeichelte. Er wurde infolgedessen nach drei Monaten begnadigt, zurückgeholt und mit dem Krongut Worroküll in Livland (heute Vooru in Estland) entschädigt.Sebastian Böhmer: Der Prozess des August von K. Im Jahr 1800 erlebte August von Kotzebue als Verbannter in Sibirien einen Unrechtsapparat, wie er erst viel später bei Kafka literarische Wirklichkeit wurde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Mai 2025, S. 16. Nach seiner Rückkehr aus Sibirien erhielt er außerdem die Leitung des Deutschen Theaters in Sankt Petersburg, die er zwischen August 1800 und April 1801 innehatte.Vgl.: Anna Ananieva: Nachwort. In: August von Kotzebue, Graf Benjowsky oder die Verschwörung auf Kamtschatka. Ein Schauspiel in fünf Aufzügen. (= Theatertexte. Band 80). Wehrhahn, Hannover 2024, S. 263–326. Seine Erlebnisse während der Zeit zwischen der Verhaftung und Befreiung hat Kotzebue in dem autobiographischen Werk Das merkwürdigste Jahr meines Lebens (2 Bde., 1801) literarisch verarbeitet.

Nach der Ermordung Paul I. kehrte Kotzebue im Frühjahr 1801 nach Deutschland zurück und hielt sich hier bis 1806 auf. In dieser Zeit versuchte er erneut in der literarischen Gesellschaft Weimars Fuß zu fassen und ging später nach Berlin, wo er in Verbindung mit Garlieb Helwig Merkel (1769–1850) Der Freimütige (1803–1809) herausgab und seinen Almanach dramatischer Spiele (1803–1820) begann. Am Berliner Hof und in der Künstlerszene schätzte man ihn sehr.Rolf Haaser: Kotzebue als Ideengeber und Impresario höfischer Feste für die Königin Luise von Preußen. In: Kotzebue International. (8. Januar 2024), doi:10.58079/vk2v Der König ernannte ihn zum Mitglied der dortigen Akademie der Wissenschaften.

In seiner Wahlheimat Reval spielte Kotzebue eine maßgebliche Rolle in der Professionalisierung des dortigen Theaterwesens. Ab 1807 wirkte er aktiv an der Gründung einer festen Bühne sowie eines Schauspielhauses mit, das er zeitweise selbst leitete.Elisabet Rosen: Rückblicke auf die Pflege der Schauspielkunst in Reval. [= Revaler Theater-Chronik. Festschrift zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses in Reval im September 1910. Herausgegeben vom Revaler Deutscher Theaterverein]. F. E. Haag, Melle 1910.

Von 1814 bis 1815 leitete Kotzebue das Theater im ostpreußischen Königsberg, während er hier als russischer Generalkonsul tätig war.

Arbeit als Journalist und Zeitschriftenherausgeber