mini|Die germanischen und romanischen Dialektgruppen in der Region Elsass mini|Ein Sprecher aus Molsheim, westlich von Straßburg spricht Elsässisch mini|Blatt aus dem Elsässer Bilderbogen von Henri Loux (um 1903)

Unter Elsässisch oder Elsässerdeutsch versteht man die im Elsass verbreiteten alemannischen, südfränkischen und rheinfränkischen Dialekte. „Elsässisch“ in diesem Sinne ist keine linguistisch in sich kohärente Dialektgruppe, sondern eine geografisch bzw. politisch und kulturell bestimmte Sammelbezeichnung für die über die gesamte Region des Elsass verteilten lokalen Mundarten. Unter Elsässisch im linguistischen Sinne versteht man lediglich die (nieder-)alemannischen Dialekte.Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Aufl., J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2016, S. 173, Stichwort Elsässischvgl. ISO 639-3 gsw (= „Schweizer Deutsch, Alemannisch, Elsässisch“), unterschieden von z. B. pfl (= „Pfälzisch“)

Unter Dialekte des Elsass werden hingegen neben den germanischen (deutschen) auch die in einigen Gebieten der Vogesen (Welche) und die zwischen der deutsch-französischen Sprachgrenze und der Regionalgrenze im Süden (Franc-Comtois/Territoire de Belfort/Kanton Jura) gesprochenen traditionellen romanischen Dialekte (Langues d’oïl) verstanden.

Dialektgruppen mini|Das traditionelle Verbreitungsgebiet westoberdeutscher (= alemannischer) Dialektmerkmale im 19. und 20. Jahrhundert. Das Elsass liegt in dessen nordwestlichem Teil.

Die im Elsass verbreiteten deutschen Mundarten werden von der Dialektforschung größtenteils den alemannischen Mundarten zugeordnet. Das zum Oberdeutschen zählende Alemannische (= Westoberdeutsche) wird überwiegend durch das Niederalemannische (hier: Oberrheinalemannisch) vertreten, die im Süden an der Grenze zur Schweiz verwendeten Mundarten werden hingegen dem Hochalemannischen zugerechnet.

Einige Dialekte im Norden und Nordwesten werden den rheinfränkischen Mundarten zugeordnet. Das Rheinfränkische wird bereits zum Mitteldeutschen und in diesem zum Westmitteldeutschen gezählt. An der Grenze zur Pfalz werden dem Pfälzischen verwandte Dialekte, im sogenannten Krummen Elsass lothringisch-fränkische Mundarten gesprochen.

Orthal Elsässisch hat in Frankreich den Status einer Regionalsprache. Allerdings hat Frankreich die Europäische Charta zu deren Schutz und Förderung zwar unterzeichnet, aber bislang noch nicht durch das Parlament ratifiziert.

Mit Orthal (Orthographe alsacienne) gibt es seit 2003 (damals noch unter der Bezeichnung Graphal) den Versuch, die elsässischen Schreibweisen zu vereinheitlichen und zu standardisieren, um so ein einheitliches Schreiben zu ermöglichen, vergleichbar der 1976 eingeführten Schriftsprache für die luxemburgischen Mundarten. Die elsässische Sprache soll dadurch nicht standardisiert werden; Orthal kann alle verschiedenen regionalen Varianten beschreiben.

Abgrenzung und innere Gliederung mini|Isoglossen im südlichen Oberrheintal mini|Dialekt- und Sprachgruppen im metropolitanen Frankreich und einigen benachbarten Regionen

Eine der Isoglossen, die im Elsass und in Nachbarregionen zur Unterscheidung zwischen oberdeutschen (hier: alemannischen) und mitteldeutschen (hier: rheinfränkischen) Mundarten herangezogen werden, ist die Germersheimer Linie, die anlautendes Pf- von P- trennt (Beispiel: standarddeutsch Pfund, alemannisch Pfund, rheinfränkisch Pund). Diese Isoglosse ist in der Karte rechts jedoch nicht dargestellt; einen ähnlichen Verlauf hat die Bruder-Isoglosse (siehe unten). Meist verlaufen zur Mundartgliederung verwendete Isoglossen jedoch nicht identisch, weswegen man nicht von einer alemannisch-fränkischen Mundartgrenze sprechen kann, sondern nur von einer einen Übergang abbildenden Sprachgrenzzone.

In der Karte dargestellte Isoglossen von Nord nach Süd: Bruder: nördliches Bruder, Bruuder zu südlichem Bruader, Brüeder, Brueder. Wird manchmal auch zur Abgrenzung von Fränkisch zu Alemannisch verwendet. gewesen: nördliches gwää, gwä, gwan zu südlichem gsii, gsi, gsin. Seife: nördliches Seif zu südlichem Seife, Seifa, Seifi, Seipfe. Imperativ von „sein“: nördliches sei zu südlichem bisch, bis. Kind: nördliches Kind zu südlichem Chind. Diese Isoglosse wird in der Regel zur Abgrenzung zwischen dem Nieder- bzw. Oberrheinalemannischen und dem Hochalemannischen benutzt.

Die in der Karte rote, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Linie stellt die 1871–1918 geltende französisch-deutsche Staatsgrenze dar. Diese deckt sich nicht mit der französisch-deutschen Sprachgrenze.

Viele Isoglossen des Elsässischen bzw. aller Dialekte im Oberrheingraben verlaufen in West-Ost-Richtung und erzeugen dabei eine Nord/Süd-Staffelung. Diese Unterschiede in Aussprache und Grammatik haben sich vermutlich meist während des Mittelalters herausgebildet. Dabei haben sich möglicherweise Sprachmerkmale von Norden nach Süden durchgesetzt, links des Rheins stärker als rechts des Rheins. Man vermutet, dass dabei oft als alemannisch bezeichnete Sprachmerkmale von als südfränkisch bezeichneten Sprachmerkmalen ersetzt wurden (z. B. neuhochdeutsche Diphthongierung und Monophthongierung: wis/weiß und guot/gut). Eine These zur Entstehung dieser Staffeln besagt, dass die Einflüsse der fränkischen Dialekte durch den stärkeren Verkehr im Elsass schneller vorgedrungen sind als auf der rechten Rheinseite. Das Straßburgische wird oft als alemannisch-südfränkische Enklave im umgebenden alemannischen Mundartgebiet betrachtet, die Handelsbeziehungen dieser Stadt reichten weit nach Norden.

Verbreitung und Status In einer Umfrage des Amts für Sprache und Kultur im Elsass (Office pour la Langue et la Culture d’Alsace, Elsassisches Sprochàmt (OLCA)) von 2022 äußerten sich die Einwohner der Region Elsass folgendermaßen:Etude sociolinguistique sur l’alsacien et l’allemand Rapport de présentation Mai 2022 (PDF), auf alsace.eu 46 % erklärten, fließend oder gut Elsässisch zu sprechen (Dialektsprecher) 19 % erklärten, ein wenig Elsässisch zu sprechen oder es ein wenig zu verstehen (Grundkenntnisse) 34 % erklärten, kein Elsässisch zu sprechen (ohne Kenntnisse) Im Vergleich zu einer Umfrage 2012 wurde erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Anstieg der Dialektsprecher verzeichnet, als 43 % angaben, Elsässisch zu sprechen, was allerdings im Rahmen statistischer Unschärfen bleibt. Des Weiteren ist ein Rückgang der Passivsprecher von 33 % auf 19 % und ein Anstieg von Nichtsprechern von 25 % auf 34 % zu bemerken.

Elsässische Lieder, speziell Kinderlieder, werden auch heute noch gerne gesungen, Theater wie das Théâtre de la Choucrouterie von Roger Siffer spielen Dialektstücke z. B. von Gustave Stoskopf.

Alle in Frankreich neben dem Standardfranzösischen gesprochenen Sprachen genießen aufgrund der französischen Sprachpolitik keinen genauen offiziellen Status. Die Dialekte im Elsass und das Hochdeutsche werden nur als Regionalsprache bezeichnet, ohne dass dies rechtliche Folgen hätte. Die europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen wurde zwar von Frankreich nicht ratifiziert, dennoch haben mehrere Gemeinden (darunter Straßburg und Mülhausen) freiwillig beschlossen, viele Inhalte der Charta umzusetzen, um den Dialekt und Hochdeutsch zu fördern. Auch die damals bestehende Region Elsass erklärte sich dazu bereit; seit der Neugliederung der französischen Regionen 2015 wurde diese Charta auf die Region Grand Est und damit auch Lothringen übertragen.

Nichtsdestotrotz gibt es im Elsass neben der Förderung des Hochdeutschunterrichts auch viele dialektsprachige Straßenschilder, mundartliche Sendungen wie Rund um sowie Kurse zum Erlernen des Dialekts. Die jeweiligen Dialekte werden eher selten schulisch erlernt, aber es gibt vereinzelt in den sogenannten "école maternelles" dialektsprachige Angebote, die wachsenden Zuspruch erhalten.

Dialektmerkmale Der Wortschatz der elsässischen Dialekte ist unter anderem im Wörterbuch der elsässischen Mundarten dokumentiert.

Beispiele

Lautverschiebung b zu w und g zu w: deutsch aber, alemannisch abber – elsässisch àwwer deutsch Magen, Wagen – alemannisch Mage, Wage – elsässischEbenfalls im rechtsrheinischen Hanauerland. Mawe, Wawe (oder Wàje)

Typisch für das Elsässische ist der Einfluss des Französischen auf den Wortschatz: deutsch Fahrrad – elsässisch VeloAuch in der Schweiz und Teilen Südbadens üblich. deutsch Bürgersteig – elsässisch TrottwarVon frz. trottoir, auch in Gegenden Deutschlands, z. B. in Baden, der Pfalz und einigen Teilen Württembergs sowie in der Schweiz üblich.

„Alemannisierung“: Wörter französischer Herkunft werden mit deutschen Endungen verwendet: deutsch wählen – elsässisch schwasiere(n) (von französisch choisir)

Dialektbeispiele Straßburger Stadtdialekt mini|Zweisprachiges Straßenschild in Straßburg

Der heute aufgrund der Dominanz des Französischen in der Stadt kaum noch gesprochene Straßburger Dialekt ist ein Stadtdialekt, der sich ähnlich wie der Wiener oder Berliner Dialekt deutlich von den Mundarten des Umlandes abhebt. Das Straßburgerische zeichnet sich durch den hohen Anteil von rheinfränkischen Mundartmerkmalen aus.

Auszug aus dem Gedicht „Isszitt“ („Eiszeit“) von Emilienne Kauffmann:Nach: Basler Zeitung, 10. Jan. 1997.

Schlettstädter Elsässisch

Eine Ansprache, die bei einer „muttersprachlichen Gesellschaft“ in Schlettstadt/Sélestat gehalten wurde, im Vergleich mit dem Dialekt am Kaiserstuhl (ca. 20 km östlich von Schlettstadt in Baden) und Standarddeutsch.