mini|hochkant=1.30|Winterlicher Blick auf Sebnitz mit katholischer Kirche Sebnitz ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie ist ein staatlich anerkannter Erholungsort in Ostsachsen am Rande des Nationalparks Sächsische Schweiz. Sebnitz wird auch Stadt der Kunstblumen oder Stadt der Seidenblumen genannt.

Geographie mini|hochkant=1.30|Gemarkungen der Stadt Sebnitz Die Stadt Sebnitz liegt zwischen der Sächsischen Schweiz und dem Lausitzer Bergland im Tal des Flusses Sebnitz und in dessen Seitentälern. Die geografische Höhe beträgt zwischen 250 und 460 m über NN. Naturräumlich liegt das Stadtgebiet in den Naturregionen Sächsisches Lössgefilde (Stadtzentrum mit Sebnitztal) sowie Sächsisches Bergland und Mittelgebirge (Tanzplanhänge und Landschaft um Hinterhermsdorf). Als „Hausberg von Sebnitz“ gilt der – mit seinem in Tschechien liegenden Gipfel – Berg Tanzplan (Tanečnice). Östlich von Sebnitz liegt Dolní Poustevna (Niedereinsiedel) im Schluckenauer Zipfel. Zu den Bergen zählt ebenso der Wolfstein.

Ortsteile sind Sebnitz, Altendorf, Lichtenhain, Mittelndorf, Ottendorf, Saupsdorf (alle am 1. Oktober 2012 als am 1. März 1994 gegründete Gemeinde Kirnitzschtal eingemeindet), Schönbach (am 1. Dezember 1935 eingemeindet), Hofhainersdorf (am 1. Januar 1920 eingemeindet), Amtshainersdorf (1. Juli 1950), Hertigswalde (1. Juli 1950) und Hinterhermsdorf (1. Oktober 1998). Der Ortsteil Hinterhermsdorf liegt oberhalb des Kirnitzschtales etwa zehn Kilometer südöstlich des Hauptortes.

Geschichte Gründung Sebnitz ist eine Gründung deutscher Bauern aus Franken. Der Name leitet sich wahrscheinlich von Sebenica (slawisch für Finkenwaldbach) ab. Die älteste urkundliche Erwähnung des Baches findet sich in der Oberlausitzer Grenzurkunde von 1223/1241, mit der die Grenzen zwischen dem Königreich Böhmen und dem Bistum Meißen festgelegt wurden. Als Mittelpunkt der Marktsiedlung entstand zwischen Ende des 12. Jahrhunderts und Anfang des 13. Jahrhunderts der rechteckige Marktplatz. Sebnitz wurde 1451 erstmals als Städtlein („stetlin“) bezeichnet.

Entwicklung zur Kunstblumenstadt mini|Karte von Sebnitz (um 1770) mini|Sebnitz um 1830 Das auf der Marktmitte 1714/15 erbaute Rathaus wurde 1854 durch Brand zerstört. Das daneben befindliche schuppenartige Häuschen, die Fleischbänke (Verkaufsstände der Fleischer) wurden 1804 durch Hochwasser zerstört. Sebnitz war eine Ackerbürgerstadt, d. h. Handwerk, Handel und Landwirtschaft waren die Existenzgrundlage der Bürger. Unter den Handwerken war die Leinenweberei das wichtigste. Die Weber arbeiteten seit dem 16. Jahrhundert zumeist im Auftrage von Verlegern (Fakturisten). Sie exportierten in viele Länder der Erde. Mit dem Niedergang der Handweberei, insbesondere verursacht durch die Industrialisierung dieses Industriezweiges in England, gewann durch den Einfluss deutschböhmischer Blumenmacher die Herstellung künstlicher Blumen stark an Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt 4000 Einwohner und 375 Häuser, 1881 waren es 6354 Einwohner und im Jahr 1900 8648 Einwohner. Am 15. September 1854 vernichtete ein großer Stadtbrand den gesamten Stadtkern und das althergebrachte mittelalterliche Stadtbild. Insgesamt fielen den Flammen 72 Wohnhäuser, 42 Scheunen und Hintergebäude, das Rathaus und die Schule zum Opfer.Datei:Sebnitz nach dem großen Brand 1854..png

Sebnitzer Christbaumschmuck Von etwa 1870 bis etwa 1910 war Sebnitz ein Zentrum der Herstellung von Christbaumschmuck. Anders als in Zentren wie Gablonz oder Lauscha wurde der Sebnitzer Schmuck in Heimarbeit hergestellt. Dabei wurden zusammengelötete Eisendrahtgerüste oder Formen aus Pappe oder Watte mit Materialien wie Lochfolien (ausgestanzte Paillettenfolien), Stoffreste, Chenille, Stanniol, Plätt, Flitter, Kantillen (Bouillondraht, leonische Drähte), Kunstblumen, Gablonzer Hohlglasstäbchen, Glasperlen, Karton oder Glanzbilder (Oblaten) verziert. Gegen den industriell hergestellten Weihnachtsschmuck konnte er sich nicht behaupten, weshalb die Produktion schließlich einging. Sebnitzer Christbaumschmuck hat heute einen hohen Sammelwert.Vgl. Alfred Dünnenberger-Hager: O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Selbstverlag, Baar 2015, ISBN 978-3-03808-008-4, S. 365–373; Wolfram Metzger, Jutta Tremmel-Endres: Bäume leuchtend, Bäume blendend … Historischer Christbaumschmuck. Mit Texten von Hinrich Behning und Helmuth Thoma. Info, Karlsruhe 1996, ISBN 3-88190-209-0 (Katalog zur Ausstellung des Badischen Landesmuseums 1996/97), S. 100–105.

Zentrum deutscher Kunstblumenherstellung Als bei dem großen Brand 1854 viele arme Weber ihre Webstühle verloren hatten, gingen sie, erst vereinzelt und später in größerer Zahl zur Produktion künstlicher Blumen über, ein Arbeitsfeld, das seit Ende der 1830er Jahre aus Böhmen kam. 1906 zählte Sebnitz 38 Blumenfabrikanten und -Händler, 43 Blätterfabrikanten und 14 Knospen- und Staubfäden-Fabrikanten.Alfred Meiche: Die Anfänge der Kunstblumenindustrie in Dresden, Leipzig, Berlin und Sebnitz. Meinhold, Dresden, 1908 Sebnitz wurde um 1900 das Zentrum deutscher Kunstblumenherstellung. Es gab zu dieser Zeit über 200 kleinere und größere Blumenfabriken mit fest angestellten Arbeiterinnen und Arbeitern und darüber hinaus Tausende von Heimarbeitern. Am 17. März 1894 wurde von Heimatforscher Alfred Meiche in der Lokalzeitung Grenzblatt vorgeschlagen, ein Heimatmuseum einzurichten. Im Frühjahr 1908 nahm sich der Gewerbeverein der Sache an und erste Exponate wurden in der Stadtschule an der Kirche untergebracht. Im Jahr 1909 erfolgte der Aufbau einer Ausstellung und am 23. Mai 1909 wurde das Stadtmuseum Sebnitz eröffnet, welches 1930 neue Räumlichkeiten erhielt.mini|Staatswappen der DDR aus Sebnitzer Kunstblumen mini|Lage des Kernortes in der Stadt

Ende des Zweiten Weltkrieges Am 11. Mai 1945 wurde der seit 1908 amtierende Bürgermeister Otto Steudner (1876–1950), der die Stadt kampflos der Roten Armee übergeben hatte,Anja Weber: Sebnitz vor der Zerstörung bewahrt, in: Sächsische Zeitung, 27. Januar 2016, abgerufen am 3. Juli 2021. seines Amtes enthoben und als neuer Bürgermeister der Arzt Willy Muder eingesetzt. Am 30. September 1945 zählte Sebnitz vorübergehend durch die Aufnahme vieler Heimatvertriebener und Flüchtlinge 14.500 Einwohner. Am 12. November 1945 wurde Karl Seewald neuer Bürgermeister. Am 1. Juni 1946 hatte Sebnitz 13.203 Einwohner und 1304 Wohnhäuser und 183 Betriebe. Am 16. Februar 1948 besuchten 1847 Kinder in 47 Klassen mit 35 Lehrern die Grundschule. An der neu gegründeten Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung wurde am 12. Juli 1948 zum ersten Mal das Abitur abgelegt. Zu DDR-Zeiten war der VEB Kunstblume Sebnitz einer der größten Arbeitgeber in der Region. Außerdem war der VEB Hebezeugwerk Sebnitz in der Stadt ansässig, der 1950 das Gelände der ehemaligen Papierfabrik Sebnitz übernahm und dort Kräne fertigte.

Verwaltungsgliederung in der DDR Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurde Sebnitz Kreisstadt des Kreises Sebnitz. Die postalische Kennung der Stadt Sebnitz in der DDR war die Nummer 8360. Die Gemeindenummer der Stadt lautete 121530 – Bezirk Dresden – Kreis Sebnitz – Die Größenklasse (GK) der Stadt war die 14.Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik – Seite 286 – Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1986. 1. Auflage VLN 610.DDR.LSV 9897 – Staatsdruckerei der Deutschen Demokratischen Republik

Nach der Wende Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Einführung der Marktwirtschaft in den neuen Bundesländern mussten jedoch viele Industriebetriebe schließen. Heute wird nur noch in geringem Maße und vor allem in Schauwerkstätten geblümelt, wie der regionale Ausdruck für das Herstellen von Kunstblumen in Heimarbeit genannt wird. Im Januar 2002 wurde Hinterhermsdorf auf der Grünen Woche in Berlin mit der Goldmedaille im 20. Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft ausgezeichnet. Im Jahr 2003 richtete Sebnitz den Tag der Sachsen aus.Manfred Schober: Sebnitz. Aus der Geschichte einer sächsischen Stadt an der Grenze zwischen Elbsandstein und Oberlausitzer Bergland. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2003, S. 9–18. Im August 2008 wurden die ehemaligen Grenzabfertigungsanlagen zum benachbarten Dolní Poustevna/Niedereinsiedel beseitigt.

Den Status der Kreisstadt verlor Sebnitz im Zuge einer Gebietsreform 1994. Im Jahr 1995 wurde Sebnitz Große Kreisstadt. Die Nachbargemeinde Kirnitzschtal wurde am 1. Oktober 2012 nach Sebnitz eingemeindet. Durch die Eingliederung bekam die Exklave Hinterhermsdorf, die am 1. Oktober 1998 eingemeindet wurde, wieder direkten Anschluss an das Stadtgebiet.

Medien- und Justizskandal im November 2000 Im November 2000 geriet die Stadt Sebnitz bundesweit in die Schlagzeilen.MDR Figaro: Sebnitz, eine Stadt unter Verdacht Aufgrund von Zeugenaussagen berichteten viele Medien, dass der sechsjährige Joseph Kantelberg-Abdullah am 13. Juni 1997 in einem Sebnitzer Freibad von rassistischen deutschen Jugendlichen ertränkt worden sei und hunderte Gäste dabei nicht eingeschritten seien.Badeunfall erweist sich als rassistischer Mord In: Die Tageszeitung, 24. Oktober 2000, abgerufen am 12. November 2017. Im Anschluss erließ die Oberstaatsanwaltschaft in Dresden gegen drei Verdächtige Haftbefehl. Die eigentliche Todesursache des Jungen war ein Herzinfarkt beim Schwimmen mit anschließendem Ertrinken, ausgelöst durch einen angeborenen, von der Mutter bei den Ermittlungen jedoch verschwiegenen Herzfehler,Sebnitz: Joseph starb an Herzversagen. In: Der Spiegel, 24. Januar 2001. wie Der Spiegel im Januar 2001 meldete. Die Vorgänge um den Tod des Jungen führten zu einer monatelangen bundesweiten intensiven Berichterstattung, in deren Rahmen der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Mutter des Jungen empfing.Eine medien-kritische Fallanalyse der Berichterstattung rügte vor allem die handwerklichen Fehler der Journalisten und den Kampagnencharakter. Siehe dazu: Rainer Jogschies: Emotainment. Journalismus am Scheideweg. Der Fall Sebnitz und die Folgen. Lit Verlag, 2001.

Auch der Filmregisseur Volker Schlöndorff interessierte sich für den vermeintlichen Stoff.Ullrich Fichtner: Ein plötzlicher Kindstod. In: Die Zeit, 49/2000. Noch kurz vor der Aufdeckung der wahren Todesursache verabschiedete der Stadtrat einen 66-Punkte-Katalog (Wie weiter in Sebnitz?), in dem die Stadt Forderungen in Gesamthöhe von 34 Millionen DM zusammenfasste. Das Dokument forderte von der Landesregierung neben präventiven Jugendprojekten unter anderem eine Sanierung der Bahnstrecke nach Bad Schandau (20 Millionen DM), eine Wetterstation (20.000 DM) und Pressereisen für Chefredakteure zum Dialog mit Sebnitzer Jugendlichen (50.000 DM).

Tag der Sachsen 2003 Vom 5. bis 7. September 2003 richtete Sebnitz den Tag der Sachsen, der als größtes Volksfest im Freistaat Sachsen gilt, aus. Das Motto war „Da blümelt Ihnen was!“ in Bezug auf die Bedeutung Sebnitz’ als Kunstblumenstadt.

Hochwasser 2010 Am 6. August 2010 begannen starke Regenfälle über dem Gebiet von Sebnitz, worauf der gleichnamige Fluss stark anstieg, den Markt überschwemmte und ihn fast unbegehbar machte. Zudem liefen mehrere Keller voll, und Straßen wurden überschwemmt. Als nach einigen Tagen das Wasser wieder zurückging, zeigte sich das Ausmaß der Schäden. Der Markt war stark beschädigt worden. Die Wiederaufnahme des Unterrichts an Sebnitzer Schulen war ursprünglich für den 9. August geplant, musste jedoch aufgrund der Unbegehbarkeit des Marktes und der Schulwege auf den 11. August verschoben werden.

775-Jahr-Feier der Stadt Sebnitz