Ensemble: Amerikanische Siedlung im Perlacher Forst mini|Luftbild mini|Wohnblöcke in grüner Umgebung mini|Zweifamilienhaus im Osten der Siedlung

Die Amerikanische Siedlung im Perlacher Forst ist in ihrem erhaltenen Umfang ein Ensemble mit besonderer geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung (Aktennummer: E-1-62-000-105). Die Siedlung liegt im südlichen Bereich des Stadtteils Giesing unmittelbar angrenzend an den Perlacher Forst. Der Standort war auf Grund seiner Nähe zum damaligen Hauptquartier der Militärregierung für Bayern in der sog. McGraw-Kaserne, der vormaligen Reichszeugmeisterei, gewählt worden, die etwa einen Kilometer entfernt liegt.

Die Siedlung im Perlacher Forst wurde in der Umsetzung der sog. „Ersatzbauprogramme I und II“ errichtet, die in Bonn auf Ministerebene mit der „Amerikanischen Hohen Kommission“ 1953 ausgehandelt worden waren. Dies sollte der Entlastung der schwierigen Wohnungssituation in Deutschland dienen, waren viele Wohnbauten noch für die Angehörigen der US-amerikanischen Streitkräfte beschlagnahmt. In München waren insbesondere in den Stadtteilen Harlaching und Solln viele Wohnhäuser von US-Amerikanern bewohnt.

Noch 1953 begannen die Planungen durch das Finanzbauamt München I (heute Staatliches Bauamt) unter Beteiligung der freiberuflichen Architekten Emil Freymuth, Immanuel Kroeker und Alwin Seifert für die Wohnanlage im Perlacher Forst, die beiden ersteren wohl für die Planung der Bauten und letzterer hinsichtlich der Grünanlagen. Das Areal war ein bis dahin unbebautes Waldgebiet als Teil des Perlacher Forstes. Den „Baulichen Lageplan“ (= „Structural Layout“) legte Freymuth im Juli 1954 für die Gesamtanlage vor. Dieser setzt die Straßenführung und Verteilung der Baukörper fest. Geplant waren insgesamt 80 Zeilenbauten, die sich jeweils aus drei Mietshäusern zusammensetzen. Die in die Pläne eingezeichneten Baumumrisse und Baugruppen zeigen eine starke Durchgrünung an. Spätestens 1955 erfolgte eine Umplanung. Man strich mehrere der Zeilenbauten in der südöstlichen Randlage der projektierten Siedlung und ersetzte diese durch insgesamt 50 Einfamilien- bzw. Doppelhäuser. Die Planungen der Zeilenbauten wie auch der kleineren Wohnhäuser erfolgte nach Vorgaben bzw. in Zusammenarbeit mit dem Southern Area Command (Sacom). Bereits 1957 war die Wohnsiedlung bezugsfertig.

Die städtebauliche Anlage hat für die erste Hälfte der 1950er Jahre eine herausragende Stellung. In das ehemalige Waldgebiet, das nur in Teilen gerodet wurde, legte man ein System von geschwungen geführten Straßen an, die jeweils nicht durchgängig sind und damit eine direkte Durchfahrt verhinderten. Die Zeilenbauten sind mit großen Abständen zueinander in Gruppen angeordnet und dabei in Straßenabschnitte gegliedert, in denen sich diese in trauf- und giebelständiger Position zur Straße hin gegenüberstehen: Lincolnstraße 26–54 (gerade); Cincinnatistraße 1–30 mit Leifstraße 26, 28, 30; Wikingerstraße 1–6, 7–29 (ungerade); Leifstraße 7–25, 27–35 (ungerade); Cincinnatistraße 32–59 mit Minnewitstraße 1, 3, 5 und Pennstraße 1,3, 5; Pennstraße 2, 4, 6–47, 48–60 (gerade); Minnewitstraße 2, 4, 6, 7–13, 15–23 (ungerade) mit Pennstraße 49, 51, 53. Als Gemeinschaftsbauten waren ein Family-Theatre (heute Kino), ein Klubhaus, ein Hospital, eine Highschool und eine Church vorhanden. Im Offizierswohnbereich sind die Bauten straßenweise ebenfalls als zusammenhängende Gruppen gefasst: Bantingstraße nördlicher Teil; Bantingstraße südlicher Teil; Pennstraße 55–61 (ungerade), 62–84; Marklandstraße 2–14 (gerade), 15–37, 39, 41; Winlandstraße 1, 3, 6–28. Die Wohnbauten folgen in ihrer Gestaltung US-amerikanischen Vorstellungen. Es sind schlichte Zeilenbauten mit drei Geschossen, flachen Satteldächern und kleinen Balkonen sowie größeren Fenstern bei den durchgesteckten Wohnräumen. Die Einfamilien- und Doppelhäuser sind zweigeschossig und ebenfalls am Außenbau ungegliedert.

Nachträglich fanden Veränderungen an der Siedlung und den Bauten statt. Die Straßen erhielten nach der Aufgabe der Siedlung durch die US-amerikanischen Streitkräfte 1992 seitlich begleitende Gehwege. Noch zurzeit der Nutzung durch die US-Streitkräfte sind bei allen Zeilenbauten Erneuerungen vorgenommen worden, wobei insgesamt die Balkone und flächendeckend alle Fenster und Haustüren ausgetauscht worden sind. Mehrfach und wiederholt wurden auch nach Aufgabe der US-Streitkräfte die Zeilenbauten sowie die Einfamilien- und Doppelhäuser erneuert und dabei zum Teil stark verändert. An keiner Stelle ist jedoch bisher die Grundfläche der Bauten und deren Kubatur abweichend ersetzt worden. Später hat man das ehemalige Internatsgebäude abgebrochen und beim Hospital die Hochvorfahrt beseitigt. Auch das Schulgebäude ist äußerlich vollständig erneuert. Die ehemalige Church ist in der jetzigen Nutzung durch die russisch-orthodoxe Gemeinde in München mit zahlreichen historisierenden Elementen ergänzt. Im südlichen Teil der Minnewitstraße wurden drei Zeilenbauten entfernt. Die Flächen, auf denen die abgebrochenen Bauten standen, sind nicht in die Umgrenzung des Ensembles einbezogen.

Baudenkmäler

Anmerkungen

Literatur

Weblinks

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