mini|Bettina Köster, 1979 Bettina Köster (* 15. Juni 1959 in Herford; † 16. März 2026 in Capaccio Paestum, Italien) war eine deutsche Musikerin, Komponistin, Textdichterin, Musikproduzentin und Autorin.
Köster war von 1981 bis 1984 Sängerin und Haupttexterin der Band Malaria!, sie arbeitete anschließend als Solokünstlerin. Köster war bekannt für ihre tiefe, warme, verrauchte Stimme, sie galt als „Hildegard Knef des Punk“. Ihr Gesangsstil, androgynes Styling und das von Köster verkörperte Frauenbild ließen sie zur Ikone der queeren Subkultur werden. Im Jahr 2021 bezeichnete sie sich als „nicht binär“.
Mania D Ausgangspunkt für Bettina Kösters künstlerische Entwicklung war das West-Berlin der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, das SO36 in Kreuzberg und der Dschungel in Schöneberg, ein u. a. von Iggy Pop und David Bowie bevorzugt besuchter Nachtclub. Köster, die an der Berliner Hochschule der Künste studierte, spielte ab dem Herbst 1978 in der Berliner Underground-Band DIN A Testbild Saxofon. Im Mai 1979 startete Köster mit Karin Luner, Beate Bartel, Eva Gössling und Gudrun Gut das All-Girl-Bandprojekt Mania D.Alfred Hilsberg: Girls, Girls, Girls. In: Sounds 11/79, S. 46. (Interview). Es trat in New York im Herbst 1979 in Arleen Schloss’ Performance Loft „A’s“ und im Club Tier 3 auf.Mania D in New York 1979. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. März 2011, S. 31. Abgerufen am 24. Februar 2012. Mit Gut eröffnete sie im Sommer 1979 Eisengrau, einen Konzeptstore, der Underground-Mode, Super-8-Filme und Kunst zeigte. Kösters Eisengrau-Konzept entwickelte sich zum Berliner Szenetreffpunkt um Tabea Blumenschein, Alexander von Borsig, Blixa Bargeld und weiteren. Ab 1980 publizierte Eisengrau Musikwerke von Underground-Bands in kleiner Auflage auf Kassetten, wodurch es zum Musikmedium wurde. Köster zählt zu den „Genialen Dilletanten“, einer Gruppe von Musikern und Künstlern in Berlin, die ab 1980 in ständig wechselnden, lockeren Band-Formationen als Liebesgier, Nachdenkliche Wehrpflichtige, Einstürzende Neubauten u. a. spielten.Festival Genialer Dilletanten. Abgerufen am 7. November 2015. Wolfgang Müller von Die Tödliche Doris prägte mit seinem Buch über die Berliner Szene im Merve-Verlag den Begriff der „Genialen Dilletanten“. Seit Frühjahr 2015 zeigt das Goethe-Institut eine gleichnamige Ausstellung. John Peel, ein legendärer britischer Radiomoderator, verlieh am 25. Juli 1981 Köster, Gut und Beate Bartel, die sich da bereits getrennt hatten, den Titel „Queens of Noise“. Zur Single des Jahres ernannte John Peel die Mania-D-Produktion track 4 in seiner Radio-Show.
Malaria! Köster und Gudrun Gut gründeten nach einem Zerwürfnis mit Beate Bartel 1981 Malaria!, die auch international erfolgreichste deutsche All-Girl-Band. Kösters Gesang prägte das Image der Band nachhaltig. Die Musikerin Anne Clark gestand Kösters Stimme mehr Bandbreite als der von Marianne Faithfull zu: „Sie beherrscht wie nur wenige Sängerinnen nicht nur die Lässigkeit, sondern auch die Leidenschaft und das Drama: Die Schichten von Kösters Gesang könnten auch von drei oder vier verschiedenen Sängerinnen stammen! Es klingt nach Männern und Frauen, die sich abwechseln und überlagern, aber es ist alles Bettina, und sehr sinnlich & apokalyptisch.“ Köster sang im New Yorker Studio 54 und im Mudd Club u. a. und tourte mit Siouxsie and the Banshees und The Birthday Party in Europa und den USA. 1982 gestaltete sie mit Malaria! den Eröffnungsabend der documenta 7 in Kassel. „Zu den prominenten Fans der Band gehörte Catherine Deneuve, Nick Cave-Wegbereiter Mick Harvey spricht heute noch in höchsten Tönen von Köster und Co.“ Im selben Jahr wirkte sie in Rosa von Praunheims Film Rote Liebe mit.
Von 1983 bis 2001 lebte Köster in New York, wo sie als Filmautorin und Produzentin mit der Regisseurin Isabel Hegner zusammenarbeitete. 1997 komponierte Köster die Filmmusik für den Film Peppermills, der 1998 auf der Berlinale den Teddy Award in der Kategorie Bester Kurzfilm gewann. Regie führte die Schweizerin Isabel Hegner, deren 2003 publizierten Dokumentarfilm Burma: Anatomy of Terror Köster mitproduzierte. Bei der Recherche zum Film über Burma stieß Köster auf Material über die Drogenprinzessin Olive Yang, woraus der Thriller Mandalay Moon entstand, den sie zusammen mit dem Autor Martin Schacht schrieb.Martin Schacht: Mandalay Moon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2007, ISBN 978-3-499-24362-2. 2005 spielte Köster mit der Musikerin Jessie Evans im Vorprogramm von The Vanishing, woraus sich das Musikprojekt Autonervous entwickelte, das 2006 ein Album veröffentlichte. Ab 2009 trat Bettina Köster regelmäßig mit der Wiener Schlagzeugerin Ines Perschy und auch solo in Clubs wie dem „Salon des Amateurs“ und auf Festivals auf.
Diskografie 1980: Track 4, ManiaD, Monogam 1980: ManiaD Live in Düsseldorf & SO36, Eisengrau 1980: White Christmas, Liebesgier, Marat Records (7″) 1981: Malaria (12″), Marat Records 1981: How Do You Like My New Dog? (7″), Les Disques Du Crépuscule 1982: Emotion (LP), Moabit Musik 1982: New York Passage (12″), Jungle Records 1982: White Water (12″), Les Disques Du Crépuscule 1982: Die Hausfrauen – New York Berlin, Psycho Records 1983: Revisited – Live (Kassette), ROIR 1984: Beat The Distance (12″), Rebel Rec. 1991: Compiled (CD), Moabit Musik 1991: Kaltes Klares Wasser (CDM), Moabit Musik 1992: Elation (CDM), Moabit Musik 1993: Cheerio (CD), Moabit Musik 2001: Compiled 1981–1984 (CD) 2001: Versus EP (12″), Superstar Recordings 2002: Track 22, Universal Musik (Jürgen Teipel, Frank Fenstermacher: Verschwende Deine Jugend. Punk und New Wave in Deutschland.) 2003: Delirium: Remixed, Remade, Remodelled (CD) MFS 2006: Autonervous (CD) 2009: Queen of Noise (CD), Asinella Records 2017: Kolonel Silvertop (CD), Pale Music
Filmografie 1979: Fashion Interllection, Regie: Karin Luner, Super-8-Film, Metropol Berlin 1980: Women in Rock, Regie: Wolfgang Büld, VHS, ARD, STUD!O K7, Berlin 1982: Rote Liebe, Regie: Rosa von Praunheim 1998: Peppermills – Regie: Isabel Hegner 1992: Girls Bite Back – Regie: Wolfgang Büld 2011: arte tracks Malaria! Reportage von Valérie Paillé 2015: B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989 – Regie: Jörg A. Hoppe & Klaus Maeck & Miriam Dehne, Heiko Lange 2024: Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute – Regie: Reto Caduff
Schriften Marke B, Berliner Labels. Verbrecher Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-935843-18-6 (mit Thomas Fehlmann und Daniel Meteo). Interview mit Jürgen Teipel in seinem Buch Verschwende Deine Jugend.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Musikproduzent Kategorie:Musiker (Berlin) Kategorie:Unternehmer (Berlin) Kategorie:Künstler (Herford) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Künstler der feministischen Kunst Kategorie:Dark-Wave-Musiker Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Frau