Der Sachsenring ist eine Rennstrecke in Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz in Sachsen.

Im Jahr 1927 wurde erstmals ein Rennen auf dem alten, heute nicht mehr für Motorsportrennen genutzten Straßenkurs ausgetragen. Der Sachsenring ist damit eine der traditionsreichsten Rennstrecken Deutschlands.

Geschichte Vorgeschichte Nachdem bereits vor 1900 erste Motorradrennen veranstaltet wurden, entstanden mehr und mehr Rennstrecken, die nichts anderes als Straßenkurse waren. Unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg wurden zu Beginn der 1920er Jahre wieder vermehrt Motorradrennen durchgeführt. So gründeten am 31. Juli 1925 die Einheimischen Sepp Wagner und Paul Berger, begeistert von ihren Besuchen beim seit 1923 ausgetragenen Marienberger Dreiecksrennen, den Motorradfahrer-Club Hohenstein-Ernstthal und Umgebung 1925. Dieser Club machte es sich zur Aufgabe, ein eigenes Rennen zu veranstalten, woran jedoch zunächst aufgrund des Widerstands der Bevölkerung nicht zu denken war.

Ursprünge und Straßenrennstrecke mini|links|Streckenkarte Sachsenring Die Ursprünge des Sachsenrings gehen auf das Badberg-Vierecksrennen zurück, welches erstmals am 26. Mai, dem Himmelfahrtstag des Jahres 1927 vor über 140.000 Zuschauern stattfand. Der 8,71 km lange Straßenkurs führte gegen den Uhrzeigersinn durch Hohenstein-Ernstthal nach Norden, um dann in westlicher Richtung parallel zur heutigen A4 Chemnitz–Gera zu verlaufen. Auf der heutigen Bundesstraße 180 ging es nach Süden, um dann in der Queckenberg-Kurve auf die Start-Ziel-Gerade einzumünden. Nach zwei Auflagen musste die Veranstaltung nach Protesten der Bürgerschaft wegen der zahlreichen Unfälle zunächst ausgesetzt werden.

In den 1930er Jahren jedoch wurde die zwischen Chemnitz und Zwickau gelegene Rennstrecke fester Bestandteil des internationalen Rennkalenders. 1934 wurde erstmals der Große Preis von Deutschland für Motorräder auf der Strecke ausgetragen, bei dem es vier Todesopfer zu beklagen gab: der 500-cm³-Europameister des Vorjahres, der Schwede Gunnar Kalén, der aktuelle 500er-Europameister Pol Demeuter sowie dessen Teamkollege Erik Haps, der unter dem Pseudonym „Noir“ startete, aus Belgien und der Deutsche Erich Hirth. 1936 wurden im Rahmen des Grand Prix die Europameister ermittelt. Im Jahr 1937 erhielt der Kurs den Namen „Sachsenring“, nachdem auf dem vorher als Sachsenring bezeichneten Grillenburger Dreieck im Tharandter Wald die Rennaktivitäten eingestellt wurden und u. a. der geplante Neubau des Sachsenrings am Pöhlberg bei Annaberg 1933–1934 scheiterte.

Im Jahr 1949 belebte man nach der kriegsbedingten Pause die Rennen wieder. 1950 besuchten ca. 400.000 Zuschauer den Lauf zur gesamtdeutschen Motorradmeisterschaft. Ein weiterer Höhepunkt waren die auf dem 8,7 km langen Kurs ausgetragene Straßenrennen der Straßen-Radweltmeisterschaft 1960, wo beim Amateurrennen Bernhard Eckstein vor Täve Schur gewann.

mini|links|Start zum Formel-Junior-Rennen 1963 mini|hochkant|Anfahrt zur Queckenbergkurve 1963 Ab 1961 erlebte der „alte“ Sachsenring seine Blütezeit, denn bis einschließlich 1972 wurden auf dem Hochgeschwindigkeitskurs Läufe zur Motorrad-Weltmeisterschaft ausgetragen. Dabei waren zeitweise auch die einheimischen Zweitakt-Rennmaschinen von MZ aus dem nahe gelegenen Zschopau konkurrenzfähig. Die schnellste Rennrunde überhaupt fuhr jedoch der 15-fache Weltmeister Giacomo Agostini aus Italien auf einer 500-cm³-MV Agusta mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 180 km/h. Im Jahr 1969 kam der junge britische Weltmeister und Publikumsliebling Bill Ivy bei einem Sturz im Zentrum von Hohenstein-Ernstthal ums Leben.

Den Lauf bei den 250ern gewann 1971 der Westdeutsche Dieter Braun, worauf viele Zuschauer die (west)deutsche Nationalhymne mitsangen. 1972 wurde letztmals ein Großer Preis der DDR ausgetragen. Aufgrund fehlender Sicherheitsvorkehrungen und gestiegener Kosten verzichtete die DDR darauf, weiterhin einen Weltmeisterschaftslauf auszurichten.

Ab 1973 wurden Motorradrennen zur DDR-Meisterschaft und zum Pokal der sozialistischen Länder sowie Touren- und Rennwagenrennen mit rein osteuropäischen Teilnehmern ausgetragen. Die Zuschauerzahlen lagen weiterhin im Bereich zwischen 200.000 und 300.000, das Sachsenringrennen hatte Volksfestcharakter. Der Sachsenring wurde nicht wie vergleichbare Naturrennstrecken im Westen komplett umgebaut, lediglich am Ende der Start-Ziel-Geraden, vor der Einfahrt in die Stadt, wurde eine Schikane eingebaut.

Aus für die Straßenrennstrecke und Bau der permanenten Rennstrecke mini|Pressezentrum und Boxenanlage im Jahr 2008 mini|Colin Edwards auf dem neuen Kurs, 2004 mini|MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring Im Jahre 1990 brachte das Ende der DDR indirekt das endgültige Aus für die Naturrennstrecke, die vor dem Hintergrund steigender Geschwindigkeiten durch moderne Rennfahrzeuge nicht den zeitgemäßen Sicherheitsanforderungen entsprach. Trotz zweier Bremsschikanen kam es beim Sachsenring-Rennen 1990 zu drei tödlichen Unfällen. Insbesondere der Rennbetrieb innerhalb der Ortschaft war nicht mehr tragbar, obwohl am Schleizer Dreieck noch einige Jahre an Häusern vorbeigerast wurde und dies bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man nach wie vor üblich ist.

Eine verkürzte Strecke außerorts wurde diskutiert, doch die Umsetzung ließ auf sich warten. Der AMC Sachsenring Hohenstein-Ernstthal sowie der ADAC Sachsen veranstalteten von 1992 bis 1995 Sachsenring-Rennen auf den tschechischen Rennstrecken in Most bzw. Brünn.

1995 wurde das am Start-Ziel-Bereich der alten Rennstrecke gelegene Verkehrssicherheitszentrum mit multifunktionalem Veranstaltungsgelände und (noch nicht permanent verfügbarer) Rennstrecke eröffnet. Nun bot sich wieder die Möglichkeit, Rennsport vor Ort zu betreiben. Das rennsportliche Comeback erfolgte 1996 mit den Veranstaltungen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) sowie dem ADAC Super Tourenwagen Cup.

Der omegaförmige Teil der Strecke, der bergab um einen bewaldeten Hügel führt, wurde zwar zum neuen Merkmal des Sachsenrings, aber der Rest des Kurses wurde von einigen Aktiven als zu eng und zu langsam kritisiert, zumal dies kaum an die flüssige alte Strecke erinnerte. Dank kontinuierlicher Verbesserung von Streckenstandard und Infrastruktur gelang es, ab 1998, die Motorrad-Weltmeisterschaft, die auf dem Hockenheimring und zuletzt auf dem Nürburgring immer weniger Zuschauer angelockt hatte, nach 26 Jahren auf den Sachsenring zurückzuholen. Seit 2003 zählt der Deutschland-Grand-Prix stets über 200.000 Besucher am Rennwochenende, 2024 und 2025 wurden jeweils über 250.000 Zuschauer gezählt.

Auch bedingt durch das große Zuschauerinteresse wurden im Laufe der Jahre umfassende Veränderungen an der Strecke vorgenommen. Unter anderem wurde eine neue Boxenanlage sowie ein neuer Start-Ziel-Turm errichtet. Im Jahr 2001 wurde ein Streckenumbau fertiggestellt, durch den der Sachsenring ein schnelles Bergabstück vor der Bergauf-Kurve Queckenberg erhielt und auf 3670 m verlängert wurde. Seitdem berührt die Strecke den öffentlichen Verkehr nicht mehr und der Sachsenring ist erstmals in seiner Geschichte eine permanente Rennstrecke.

mini|Zwei Aston Martin DBR9 vor einem Lamborghini Murciélago LP670 R-SV Von 2007 bis 2023 war der Sachsenring Bestandteil des ADAC GT Masters, in deren Rahmenprogramm 2011 zudem ein Lauf der FIA-GT1-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde.

Obwohl die DTM wegen finanzieller Differenzen zwischen 2003 und 2022 nicht auf der Strecke antrat, gelang es den örtlichen Veranstaltern und dem ADAC jüngst, die Motorrad-Weltmeisterschaft am Sachsenring bis zum Jahr 2031 zu sichern. Der Rennkalender für die DTM-Saison 2023 sah wieder eine Veranstaltung auf dem Sachsenring vor.

mini|MZ-Cup – Amateur-Rennserie mit MZ Skorpion seit 1996Offizielle Website des MZ-Cups (Sachsenring 2020) Bei aktuellen Veranstaltungen gerade aus dem Hobbybereich stellt sich das strenge Lautstärkelimit als Problem dar, sodass viele Events am Sachsenring trotz großem Interesse nicht stattfinden können.

Im März 2023 hat die Landesdirektion Sachsen (LDS) wegen des gesundheitsgefährdenden Lärms, welcher bei Hobby-Rennveranstaltungen auftritt, einen Bescheid auf immissionsschutzrechtliches Einschreiten gegen das Verkehrssicherheitszentrum Sachsenring erlassen. Dieses wird damit verpflichtet, die Lärmbelastung der umliegenden Wohnbebauung ab sofort auf die gesetzlich zulässigen Höchstwerte zu reduzieren. Abgeschlossene Vereinbarungen mit einigen wenigen Anwohnern, welche diese Überschreitungen akzeptieren, dürfen nicht mehr berücksichtigt werden.

Die seit Jahren regelmäßig stattfindenden Läufe des MZ-Skorpion-Cups, die 1998, 1999 und 2001 auch im Rahmen des Motorrad-Grand-Prix noch mit Sportschalldämpfern ausgetragen wurden, werden daher seit einigen Jahren dort nur noch mit den straßenzugelassenen Originalauspuffanlagen durchgeführt. Für Veranstaltungen wie Motorrad-WM-Rennen werden Ausnahmegenehmigungen erteilt.

2018 wurde zum Gedenken an Ralf Waldmann die Kurve 11 in Ralf-Waldmann-Kurve umbenannt.

Statistik Siegerlisten Erste Austragungen 1927 bis 1928 Jahr Klasse Sieger 26. Mai 1927 175 cm³ (DKW) 250 cm³ Kein Starter erreichte das Ziel. 350 cm³ (Schüttoff) 500 cm³ (BMW) 750 cm³ (Wanderer) 1000 cm³ (Indian) Gespanne (350 cm³) Kein Starter erreichte das Ziel. Gespanne (600 cm³) O. Müller / (Rudge) Gespanne (1000 cm³) / (BMW) 17. Mai 1928 175 cm³ Kein Starter erreichte das Ziel. 250 cm³ Degenkolbe (Dunelt) 350 cm³ (Schüttoff) 500 cm³ (Rudge) 750 cm³ Schüßler (Wanderer) 1000 cm³ (A.J.S.) Gespanne (350 cm³) / Walter Aurich (Schüttoff) Gespanne (600 cm³) / W. Gehre (A.J.S.) Gespanne (1000 cm³) / (Indian)

Motorrad-Grands-Prix 1934 bis 1939 Jahr Rennen 250 cm³ 350 cm³ 500 cm³ 1934 IX. Großer Preis von Deutschland (Rudge) (Norton) (DKW) 1935 X. Großer Preis von Deutschland (DKW) (Norton) (Norton) 1936 XI. Großer Preis von Deutschland /XIII. Großer Preis von Europa der F.I.C.M. (Excelsior) (Norton) (Norton) 1937 XII. Großer Preis von Deutschland (DKW) (Norton) (BMW) 1938 XIII. Großer Preis von Deutschland (DKW) (Norton) (BMW) 1939 XIV. Großer Preis von Deutschland (Moto Guzzi) (DKW) (Gilera)

Motorrad-WM-Läufe 1961 bis 1972 Jahr Rennen 50 cm³ 125 cm³ 250 cm³ 350 cm³ 500 cm³ 1961 4. Großer Preis der DDR (MZ) (Honda) (MV Agusta) (MV Agusta) 1962 5. Großer Preis der DDR (Kreidler) (Honda) (Honda) (Honda) (MV Agusta) 1963 6. Großer Preis der DDR (Suzuki) (MZ) (MV Agusta) (MV Agusta) 1964 7. Großer Preis der DDR (Suzuki) (Yamaha) (Honda) (MV Agusta) 1965 8. Großer Preis der DDR (Suzuki) (Honda) (Honda) (MV Agusta) 1966 9. Großer Preis der DDR (Honda) (Honda) (MV Agusta) (Jawa-ČZ) 1967 10. Großer Preis der DDR (Yamaha) (Yamaha) (Honda) (MV Agusta) 1968 11. Großer Preis der DDR (Yamaha) (Yamaha) (MV Agusta) (MV Agusta) 1969 12. Großer Preis der DDR (Derbi) (Kawasaki) (Benelli) (MV Agusta) (MV Agusta) 1970 13. Großer Preis der DDR (Jamathi) (Derbi) (Yamaha) (MV Agusta) (MV Agusta) 1971 14. Großer Preis der DDR (Derbi) (Derbi) (Yamaha) (MV Agusta) (MV Agusta) 1972 15. Großer Preis der DDR (Jamathi) (Maico) (Yamaha) (MV Agusta) (MV Agusta)

Seit 1998