Das Kastell Ad Militare war ein römisches Militärlager, dessen Besatzung für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am Limes Pannonicus zuständig war. Die Anlage befand sich in der Antike auf einem über dem rechten Donauhochufer gelegenen Höhenzug. Der Strom bildete in weiten Abschnitten die römische Reichsgrenze. Die weitgehend unbekannten Reste des Kastells befinden sich auf den Gemarkungen der kroatischen Ortschaft Batina (Kiskőszeg) in der Gespanschaft Osijek-Baranja.
Lage mini|Die Lage von Ad Militare am niederpannonischen Donaulimes mini|Südwestlich des heutigen Siegerdenkmals, im Bild auf dem erhöhten Plateau über der Kirchturmspitze, stand das römische Kastell. mini|Blick vom Gradac-Hügel am Siegesdenkmal nach Süden über die Donau ins ehemalige Barbaricum Auf der Lößhochebene des Gradac-Hügels, der in seiner Verlängerung nach Südwesten die Hügelkette der Banska kosa bildet, die von den Römern Aureus Mons (Goldener Berg) genannt wurde, lassen sich für die Forschung wichtige vorgeschichtlichen Spuren von Höhensiedlungen der Bronze- und Eisenzeit nachweisen. Das römische Militär wählte die Anhöhe aus strategischen Überlegungen. Das Kastell lag mit seinem Stabsgebäude (Principia) auf der leicht abschüssigen, gerundeten Hügelkuppe bei rund 162 Höhenmetern. Von dieser Stelle aus fällt das Land nach Westen, Norden und Osten um rund 70 Meter ab. Richtung Südwesten setzt sich der länglich ausgeformte Hügel zunächst fort, um anschließend sanft abzuflachen. Auch nach Nordosten, zum nahegelegenen Siegesdenkmal über der Donau, senkt sich die Kuppe um fast 30 Meter. An der nun folgenden Abbruchkante des Hügels stürzt eine steile Klippe 50 Meter tief zum Hochufer in Unterhanglage ab. Vom Gradac-Plateau aus konnte ein weites Umland, darunter auch das weitgehend flache, am anderen Ufer der Donau gelegene Barbaricum in nördlicher, östlicher und südöstlicher Richtung eingesehen werden. Dort lebten seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. die sarmatischen Jazygen, ein über Jahrhunderte hinweg gefährlicher Gegner Roms.Mirjana Sanader: Die Grenze in Kroatien. In: Gerhild Klose, Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Grenzen des römischen Imperiums. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3429-X, S. 156. Durch seine weit erhöhte Lage war die Fortifikation vor Hochwässern sicher, die das in der Antike von vielen Altarmen und Auen durchzogene Land überschwemmen konnten.
Forschungsgeschichte Der Kastellort wurde bereits im 19. Jahrhundert von ungarischen Forschern erstmals untersucht. Der Heimatforscher Elek Fényes (1807–1876) berichtete, dass er auf dem Hügel noch aufrecht stehende Ruinen des Kastells gesehen habe. Nach seiner Beschreibung lag der als alte Burg bekannte Ort südwestlich des damaligen Dorfes Kiskőszeg, dem heutigen Batina. Auch der ungarische Archäologiepionier Flóris Rómer (1815–1889) stellte in der Folge noch Baureste an dieser Stelle fest und barg einige gestempelte Ziegel.Zsolt Visy: A római limes Magyarországon. Corvina, Budapest 1989, ISBN 963-13-2282-3, S. 121. Nachdem Ungarn aufgrund des Vertrags von Trianon 1920 seine südlichen Gebiete an den neugegründeten SHS-Staat abtreten musste, wurden zuerst jugoslawische und seit den 1990er Jahren kroatische Behörden für die Fundstelle verantwortlich.
Die durch ungarische Archäologen auch an der Nordspitze des Gradac-Plateaus entdeckten römischen Baureste wurden 1947 während der Errichtung eines monumentalen sowjetisch-jugoslawischen Freiheitsmonumentes vernichtet.Carola Metzner-Nebelsick: Der „Thrako-Kimmerische“ Formenkreis aus der Sicht der Urnenfelder- und Hallstattzeit im südöstlichen Pannonien. Leidorf, Rahen 2002, ISBN 3-89646-505-8, S. 595. Im Herbst 1970 fand die bis heute umfangreichste Grabung, ein amerikanisch-jugoslawisches Projekt unter Beteiligung der Smithsonian Institution, Washington, D.C.Zvonko Bojčić, Marko Dizdar, Tomislav Hršak, Tino Leleković: Terenski pregled područja Batine. In: Annales Instituti Archaeologici 5, 1 (2009), S. 125–129; hier: S. 127. auf der Anhöhe statt, das von den Archäologen Stephan Foltiny und Ksenija Vinski-Gasparini geleitet wurde. Diese Grabung blieb bislang unpubliziert. Noch im Herbst desselben Jahres wurden unter der Leitung der Archäologin Danica Pinterović an zwei Punkten entlang der nordöstlich zum Freiheitsdenkmal verlaufenden Straße insgesamt 20 Sondagen vorgenommen, die über prähistorischen Schichten der Hallstatt- und Latènezeit römische Mauerfundamente sowie dazugehöriges Fundmaterial lieferten und sich wie die nachfolgende Grabung 1971 – gleichfalls unter Pinterović – auf einen Eckbereich des Kastells konzentrierten.Mirjana Sanader: Die Grenze in Kroatien. In: Grenzen des römischen Imperiums. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3429-X, S. 155. Im Frühjahr und Sommer 1989 fanden zwei Feldbegehungen auf dem Hügel statt, denen aber erst im Herbst 2008 und im Frühjahr 2009 zwei weitere Prospektionen folgten.Zvonko Bojčić, Marko Dizdar, Tomislav Hršak, Tino Leleković: Terenski pregled područja Batine. In: Annales Instituti Archaeologici 5, 1 (2009), S. 125–129; hier: S. 125. 2010 fand neben einer Probegrabung auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern auch eine vom Archäologischen Museum in Osijek initiierte geophysikalische Feldmessung mit einem Bodenradar statt, um weitere Erkenntnisse über das Kastell zu gewinnen. Eine weitere, die Ergebnisse von 2010 ergänzende geophysikalische Untersuchung wurde 2012 vorgenommen. Die Messergebnisse konzentrierten sich dabei weitgehend auf das Kastellzentrum.Domagoj Tončinić: Der Limes in Kroatien. In: Der Limes 1, 2015, S. 28–33; hier: S. 33.
Die archäologischen Forschungen haben sich in der Vergangenheit verstärkt auf die reichlich vorhandenen vorrömischen Befunde konzentriert. Heute ist von dem Kastell Ad Militare nichts mehr zu sehen. Die im 19. Jahrhundert noch erhaltenen oberirdischen Baureste sind noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollständig abgetragen worden.
Baugeschichte Ausführungen zu den wenigen Grabungen fanden nur marginalen Eingang in die Literatur, weshalb deren weiterführende Beschreibung derzeit nicht möglich ist. Der rund 220 × 200 MeterZvonko Bojčić, Marko Dizdar, Tomislav Hršak, Tino Leleković: Terenski pregled područja Batine. In: Annales Instituti Archaeologici 5, 1 (2009), S. 125–129; hier: S. 128. große Garnisonsort wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. eingerichtet. Zum Fundgut aus der Frühphase gehören wohl drei während der Regierungszeit des Kaisers Augustus (31 v. Chr.–14 n. Chr.) entstandene Asse, die während der Herrschaft des Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.) mit der Marke AVG gegengestempelt wurden.Danica Pinterović: Limesstudien in der Baranja und in Slawonien. In: Archaeologia Iugoslavica. 9 (1968 ), S. 55–82; hier S. 77.
Stabsgebäude Eine erste Klärung der erhaltenen Strukturen brachten die geophysikalischen Untersuchungen von 2010 und 2012. Dabei wurden die Umrisse der mit ihrer Längsseite nordwestlich-südöstlich orientierten Principia in vielen Einzelheiten geklärt. Diese besitzt den typischen mittelkaiserzeitlichen Grundriss mit einem rechteckigen offenen Innenhof, um den sich verschiedene Dienstzimmer gruppieren. Am Nordwestende des Atriumhofes schließt sich eine die gesamte Schmalseite des Bauwerks einnehmende Basilika an. Der mächtige Baukörper umfasst eine Fläche von rund 20 × 40 Metern. Aus der Mitte der rückwärtigen Wand des Stabsgebäudes wölbt sich die knapp fünf Meter tiefe halbrunde Apsis des Fahnenheiligtums (Aedes principiorum) hervor. Die Ausgestaltung des Heiligtums mit dieser Form von Apsiden lässt sich ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. beobachten.Anne Johnson (dt. Bearbeitung von Dietwulf Baatz): Römische Kastelle. von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 152. Das Heiligtum war von der Basilika aus betretbar. An der südwestlichen Flanke des Fahnenheiligtums schließen sich zwei fast quadratische, nebeneinanderliegende Verwaltungsräume an, die ihren Zugang ebenfalls von der Basilika aus hatten. Ein ähnlicher Aufbau darf an der geophysikalisch nicht geklärten Nordostflanke angenommen werden.
Bauinschrift Das bedeutendste und aufgrund seiner spätantiken Entstehung sehr seltene epigraphische Zeugnis aus Ad Militare ist eine 1909 geborgene und in das Museum nach Pécs gebrachte steinerne Bauinschrift der Legio VI Herculia aus dem Jahr 307 n. Chr., die Kaiser Galerius (305–311) gewidmet ist..
[…] [d(omini) n(ostro) C(aio) Gal(erio) V]al(erio) M[aximiano p(ontifici) m(aximo) Germ(anico) max(imo) V Sar(matico) max(imo) III Persic(o) max(imo) II] [Brit(annico) ma]x(imo) II Carp[ic(o) max(imo) V Armen(iaco) max(imo) Medic(o) max(imo) Adiabenic(o)] [max(imo) t]rib(unicia) potest(ate) [XV? co(n)s(uli) VI? p(atri) p(atriae) prco(n)s(uli) P(io) F(elici) Inv(icto) Aug(usto)] leg(ion) VI Herc[ul(ia) d(evota) n(umini) m(aiestati)que eius] die VII Kal(endas) Oc[t(obres) Severo Aug(usto) et Maximino Caes(are) co(n)ss(ulibus)]
Der ungarische Historiker Péter Kovács stellte die Überlegung auf, dass aufgrund dieser für die Legio VI Herculia sehr frühen Inschrift das Kastell Ad Militare möglicherweise deren erster Garnisonsort gewesen ist.Péter Kovács: The Late Roman Army in Pannonia. In: Acta antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae. 44 (2004), S. 115–122; hier: S. 116.
Zwei silberne Fibeln, die wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts stammen, könnten vielleicht westgotischen Offizieren gehört haben und markieren die Spät- und Endzeit des Kastells.
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