mini|hochkant=1.5|Ein über Eck gehängter Spiegel erzeugt eine Täuschung auf Basis des realen optischen Phänomens der Vielfachspiegelung, die vom Gehirn falsch interpretiert wird. Der wenige Meter lange Raum scheint nach hinten nicht zu enden. Der Mann auf dem Foto ist zugleich auch der Fotograf.Der ursprüngliche Bildausschnitt ist etwas größer und zeigt einen Teil der Vorderseite des Kamera-Smartphones, das der Mann in der Hand hält, als Spiegelung. Dieser Teil wurde im obigen Bild weggeschnitten. mini|hochkant=1.5|Die Wahrnehmung der Körpergröße ist relativ zur Umgebung. Alle drei Schwesternpaare sind gleich groß.
Eine optische Täuschung (von griechisch optein: „sehen“; also „Täuschung des Sehens“; engl. visual illusion)In der wissenschaftlichen Literatur und auf wissenschaftlichen Kongressen zu dem Thema wird oft dem Begriff „visuelle Illusion“ (englisch visual illusion) der Vorzug gegeben, um dem Missverständnis vorzubeugen, dass die Täuschung etwas mit der Optik des Auges zu tun hat (dies ist nur für sogenannte „physikalische [visuelle] Täuschungen“ der Fall). Das Adjektiv optisch leitet sich vom griechischen Begriff optein = „sehen“ ab, nicht von Optik als einem Teilgebiet der modernen Physik. Regelmäßige wissenschaftliche Quellen zu visuellen Illusionen sind die englischsprachige Zeitschrift Perception und die Online-Schwesterzeitschrift i-Perception. ist eine Täuschung der visuellen Wahrnehmung.
Optische Täuschungen können nahezu alle Aspekte des Sehens betreffen. Es gibt Tiefenillusionen, Farbillusionen, geometrische Illusionen, Bewegungsillusionen und einige mehr. In all diesen Fällen scheint das Sehsystem falsche Annahmen über die Natur des Sehreizes zu treffen, wie sich unter Zuhilfenahme weiterer Sinne oder durch Entfernen der auslösenden Faktoren zeigen lässt.
Optische Täuschungen werden in der Wahrnehmungspsychologie untersucht, da aus ihnen Rückschlüsse über die Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn gewonnen werden können. Optische Täuschungen beruhen auf der Tatsache, dass Wahrnehmung auf unvollständiger Information beruht. Systematisch produziert und analysiert wurden optische Täuschungen zuerst in der Gestaltpsychologie.
Beispiele Relativität von Linien mini|links|Die scheinbar wellenförmigen senkrechten und waagerechten Linien sind gerade Linien. mini|Die Café Wall Illusion: Die waagerechten Linien sind exakt parallel. mini|In dieser Version der „Café Wall Illusion“ sind die Randlinien der schattierten Felder blau-grün (in RGB-Einheiten: B=180, G=180) mini|links|Die diagonalen Linien erscheinen in ihrem Verlauf zueinander geneigt, aber tatsächlich sind sie parallel.
Das Quadrat im Bild links besteht aus schachbrettartig angeordneten dunklen und hellen Teilquadraten. In einigen der dunklen Teilquadrate sind die Ecken durch kleine helle Quadrate gestört. Es entsteht der Eindruck, als seien die – nachweislich geraden – Trennlinien zwischen den Teilquadraten wellenförmig gekrümmt. Dabei spielt deren Helligkeit und Dicke eine wesentliche Rolle.
Im Beispiel rechts oben scheinen die Querbalken keilförmig zu sein; tatsächlich sind alle horizontalen Linien exakt parallel. Diese Täuschung wurde 1874 erstmals von Hugo Münsterberg (1863–1916), der sie auf einer amerikanischen Pferdebahnabokarte vorfand, beschrieben und im Jahre 1894/1897 als Die verschobene Schachbrettfigur veröffentlicht. Sie heißt deshalb auch Münsterberg-Täuschung. A. H. Pierce beschrieb sie 1898 im Titel einer Arbeit als Illusion of the Kindergarten Patterns, da sie an Flechtmuster im Kindergarten erinnert (in Psychological Review 5(3), 233–253). Der jüngste Name stammt von Richard L. Gregory, der sie 1973 nach einer schwarz-weiß gefliesten Wand in einem Café aus dem 19. Jahrhundert in der Innenstadt Bristols als Café Wall Illusion (Kaffeehaus-Täuschung) bezeichnete. Nach McCourtM. E. McCourt: Brightness induction and the Café Wall illusion. „Perception“ Nr. 12, 1983. S. 131–142. kann die Café-Wall-Illusion über einen Helligkeitskontrast erklärt werden. Sind die Reihen schwarzer und weißer Felder durch schmale graue Linien getrennt, dann nimmt man diese zwischen schwarzen Feldern als deutlich heller wahr und zwischen hellen Feldern dunkler. Die Wahrnehmung verbindet nun die hell erscheinenden Linienabschnitte mit den Ecken der hellen Felder und entsprechend die dunkel erscheinenden Liniensegmente mit den Ecken der dunklen Felder. Diese subjektiven Konturen werden als zur Horizontalen geneigt wahrgenommen und lassen deshalb die Rechtecke keilförmig erscheinen. Der Effekt ist nicht auf ein Muster abwechselnd schwarzer und weißer Fliesen beschränkt, er tritt z. B. auch bei einer abgestuften oder kontinuierlichen Schattierung der Fliesen zwischen schwarz und weiß aufA. Kitaoka, B. Pinna, G. Breistaff: Contrast polarities determine the direction of Café Wall tilts. „Perception“ Nr. 33, 2004. S. 11–20.. Die Illusion ist stark von der Breite und dem Grauwert der Trennlinie abhängig und erreicht ihr Maximum, wenn die Breite der Linie um einen Faktor zwei bis drei kleiner ist als das Auflösungsvermögen des AugesSubjective contours triggered by border lines below the resolution limit. bei uni-ulm.de (etwa eine Bogenminute, also 1/60 Sehwinkelgrad). Der Eindruck wellenförmig verlaufender Abgrenzungen kann auch entstehen, wenn Reihen mit ungleicher Periodenlänge kombiniert werden. Es gibt auch farbige Versionen.R. L. Gregory: Vision with isoluminant color contrast: 1. A projection technique and observations. Perception Nr. 6, 1977. S. 113–119.
Im vierten Beispiel (links unten) entsteht der Eindruck, die diagonalen Linien verliefen in einem spitzen Winkel zueinander, tatsächlich jedoch sind sie exakt gerade und parallel. Diese Illusion heißt auch Zöllner-Täuschung. Tauben empfinden diese Illusion im Vergleich zum Menschen genau umgekehrt, sie unterschätzen die Winkel zwischen den Linien.S. Watanabe, N. Nakamura, K. Fujita (2011). Pigeons perceive a reversed Zöllner illusion. „Cognition“ Nr. 119 (1). S. 137–141.
Einfluss der Flächentönung auf die Linientäuschung mini|Die hellgrauen Balken sind parallel. mini|links|Nach einer geeigneten Grautonänderung verschwindet der ursprüngliche Täuschungseffekt. Die Grundlagen der nachfolgenden Illusion, deren Original von Victoria Skye stammt, gehen ursprünglich auf Akiyoshi Kitaoka zurück.Skyes schräges Gitter aus michaelbach.de, abgerufen am 18. Mai 2021 Die nicht-parallel erscheinenden hellgrauen Balken sind tatsächlich parallel. Außerdem wirken die dunkelgrauen Balken leicht geschwungen, obwohl sie in Wirklichkeit exakt parallel angeordnete Rechtecke darstellen (Abbildung rechts).
Ersetzt man jedoch den vorher hellen Grauton durch einen Farbton, der dunkler ist als der Farbton der vertikalen Balken, so verschwindet der ursprüngliche Täuschungseffekt. Die vorher nicht-parallel wirkenden Balken erscheinen nun wieder parallel, jedoch leicht gewellt (Abbildung links).
Relativität von Längen mini|links|Jeweils gleich lang sind die beiden blauen Linien, die beiden pinkfarbenen Linien, die braune und die rote Linie sowie die hellgrüne und die dunkelgrüne Linie. mini|Der rote Punkt im Innern des Dreiecks halbiert die Dreieckshöhe. Die rote und die blaue Strecke sind gleich lang. mini|links|Die beiden roten Strecken sind gleich lang. mini|Sander’sche Täuschung
Das Beispiel im Bild links oben zeigt verschiedene Varianten der Müller-Lyer-TäuschungInga Menkhoff: Die Welt der optischen Illusionen, Parragon Books Ltd., S. 14 und 15.. Die beiden blauen, die beiden pinkfarbenen, die braune und die rote sowie die hellgrüne und die dunkelgrüne Strecke sind jeweils gleich lang, der Betrachter nimmt jedoch unterschiedliche Längen wahr.
Im Bild rechts oben halbiert der rote Punkt im Innern des Dreiecks die senkrechte Dreieckshöhe, für den Betrachter erscheint der Punkt jedoch weiter von der Dreiecksgrundseite entfernt als von der Spitze.Inga Menkhoff: Die Welt der optischen Illusionen, Parragon Books Ltd., S. 19. Die rote und die blaue Strecke in den Trapezen sind gleich lang, obwohl die rote Strecke im oberen Trapez vom Betrachter als länger empfunden wird als die blaue im unteren Trapez.
Im Bild links unten sind die beiden roten Strecken an den Mauerkanten gleich lang, die rechte Strecke empfindet der Betrachter jedoch als länger. Auch hier handelt es sich um eine Variante der Müller-Lyer-Täuschung.Inga Menkhoff: Die Welt der optischen Illusionen, Parragon Books Ltd., S. 15.
Im Bild rechts unten ist die nach dem Psychologen Friedrich Sander benannte Sander’sche TäuschungSandersche Täuschung Dorsch – Lexikon der Psychologie, abgerufen am 30. Dezember 2021 dargestellt: Die beiden eingezeichneten Parallelogrammdiagonalen sind gleich lang. Die Diagonale im größeren Parallelogramm erscheint jedoch merklich länger.
Relativität von Krümmungen mini|links|Alle Radien sind identisch, also auch alle Krümmungen. mini|Die beiden roten Parallelen, welche die sternförmig verlaufenden Geraden schneiden, erscheinen gekrümmt, obwohl sie parallel zueinander sind. Im Bild links scheinen von links nach rechts die Krümmungsstärken der drei Kreisbögen abzunehmen.
Aus den im rechten Teil des Bildes dargestellten zugehörigen Vollkreisen wird jedoch ersichtlich, dass alle Radien identisch sind.
Somit haben auch alle Kreisbögen dieselben Krümmungen.Inga Menkhoff: Die Welt der optischen Illusionen, Parragon Books Ltd., S. 27.
Im Bild rechts erscheinen die beiden roten Parallelen, welche die sternförmig verlaufenden Geraden schneiden, gekrümmt. Tatsächlich sind sie jedoch parallel zueinander.
Diese Täuschung ist benannt nach dem deutschen Arzt und Physiologen Karl Ewald Konstantin Hering und wird als Hering-TäuschungLexikon der Neurowissenschaft (spectrum.de über die Hering-Täuschung) bezeichnet.
Relativität von Farben mini|links|Nachbild mini|Schwarz kann abhängig von der Farbigkeit und der Beleuchtung der Umgebung als gelb und blau als weiß wahrgenommen werden.
mini|links|Wahrgenommene Gelbtönung Wenn man etwa eine halbe Minute lang das grüne Quadrat im Bild links oben intensiv betrachtet und den Blick anschließend auf die freie Fläche daneben lenkt, so erscheint darauf als Nachbild ein Quadrat in der Komplementärfarbe rot.
Im Bild links unten erscheint die Fläche zwischen den Kreisen und dem Rechteck gelb getönt, obwohl sie weiß ist. Dieser sogenannte Wasserfarbeneffekt entsteht in diesem Fall dadurch, dass die inneren Ränder dieser Fläche gelbe Linien sind.in Anlehnung an: Farbtäuschungen aus illusionen.biz, abgerufen am 31. März 2023
Im Jahr 2015 wurde unter dem Stichwort #TheDress das Foto eines schwarz und blau gefärbten Kleids millionenfach auf Twitter verbreitet (Bild rechts).siehe den entsprechenden Artikel der englischen Wikipedia: The dress Auch zahlreiche Medien zeigten das Bild und meldeten, dass die meisten Menschen es auf dem überbelichteten Foto und aufgrund des gelblichen Lichts der Umgebung als weiß und gold-farbiges Kleid wahrnahmen. Die optische Wahrnehmung mancher Menschen korrigiert jedoch die Farbstichigkeit, so dass rund ein Fünftel der Betrachter das Kleid in den tatsächlichen Farben sahen. Eine Minderheit von Menschen sieht das Kleid manchmal in weiß-gold und manchmal in schwarz-blau. In der Abbildung zeigt der Kasten auf der linken Seite, dass die optische Erscheinung des schwarz-blauen Kleids in gelbstichigem Licht identisch ist mit der Erscheinung des gelb-weißen Kleids in blaustichigem Licht, die im Kasten auf der rechten Seite dargestellt ist. Die beiden waagerechten Balken verbinden jeweils die identisch gefärbten Flächen, um dies zu beweisen.
Relativität von Helligkeit mini|links|Der graue Balken erscheint links heller, besitzt aber überall den gleichen Grauwert. mini|Hell ist relativ: Die Quadrate A und B haben den gleichen Grauwert.