Die Geheimnissäulen auf dem Weg nach Maria Plain sind eine Reihe von insgesamt 16 Bildstöcken, die beginnend in der österreichischen Stadt Salzburg auf den nördlich davon befindlichen, im Gemeindegebiet von Bergheim liegenden Plainberg führen. Sie wurden im Jahr 1705 von einem unbekannt gebliebenen Stifter angelegt und bilden einen ohne bestimmten Namen gekennzeichneten, rund vier Kilometer langen Wallfahrtsweg zur Kirche Maria Plain. Die Steinsäulen I bis XV sind mit Ölbildern versehen, welche die 15 Rosenkranzgeheimnisse darstellen; den Abschluss der Reihe bildet eine Votivsäule mit der Entstehungsgeschichte. Die Geheimnissäulen waren im Laufe der Zeit kaum gepflegt worden, die Bilder waren zum Teil verschwunden oder dem Verfall nahegekommen. Private Rettungsaktionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in den 1980er Jahren konnten die Säulenreihe vom Untergang bewahren. mini|hochkant=1.2| Weiter Blick auf Salzburg, A. Hansch/A. Esinger 1875/1884 (bei Kemating)

Geschichte Anlage des Wegs der Barockzeit In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden auf dem Plainberg, ausgelöst durch einen immer stärker werdenden Wallfahrtsverkehr zum 1652 aufgestellten Gnadenbild Maria Plain, eine Wallfahrtsbasilika und ein Kalvarienberg angelegt. Maria Plain wurde in der Folge zu einem im gesamten deutschsprachigen Raum bekannten Wallfahrtsort.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die österreichische Habsburgermonarchie in den Spanischen Erbfolgekrieg verstrickt, im Zuge dessen 1704 im angrenzenden Bayern mit der Taktik der „Verbrannten Erde“ hunderte Ortschaften geplündert und verbrannt wurden. Man befürchtete, dass auch Salzburg und sein Umland davon nicht verschont bleiben würde. Aufgrund der kriegerischen Umstände, besonders durch den Sieg der Österreicher und seiner Verbündeten bei der Schlacht von Höchstädt an der Donau am 13. August 1704 wurde dieses Schicksal aber von der Gegend abgewendet.

Als Dank für diese Fügung stiftete ein bewusst unbekannt bleiben wollender, gottesfürchtiger Salzburger, vermutlich ein Kaufmann, im darauf folgenden Jahr 1705 aufgrund eines Gelübdes eine Reihe von 15 Bildstöcken aus Stein, versehen mit Ölbildern, die als Motiv die 15 Rosenkranzgeheimnisse tragen. Die Säulen werden daher auch als „Geheimnissäulen“ bezeichnet. Den Abschluss der Reihe bildet eine 16. Steinsäule, die als Votivsäule ein Marienbild sowie einen Text zur Entstehungsgeschichte und den Votivspruch des Erbauers trägt. Zu jener Zeit war es nicht unüblich, aus religiösen Motiven und zum Dank gerade auch auf Pilgerwegen einen Bildstock anlegen zu lassen, zumal solche nicht nur der Andacht dienten, sondern mit ihren darin befindlichen Kerzen oder Öllichtern auch in der Nacht den Weg wiesen.

Die Motivation des Stifters ist aber nicht nur in der glücklichen Abwendung von Kriegshandlungen zu sehen, sondern auch in seiner Frömmigkeit. Er hatte nach seinen Angaben als unmoralisch lebender Mensch am 26. Dezember 1686 eine Lichterscheinung, die ihn zum Glauben bekehrte. Welcher Natur diese Erscheinung gewesen sein könnte, ist nicht geklärt. Man vermutet, dass es sich dabei um ein in Salzburg selten zu sehendes Nordlicht handelte oder um das Erscheinen des Halleyschen Kometen. Letzteres jedoch stimmt nicht mit den Berechnungen der Kometenlaufbahn überein, sodass heute auch angenommen wird, dass der Unbekannte möglicherweise irrtümlich ein falsches Datum angegeben hat.

Rekonstruktion des Historismus Der Erbauer hatte außerdem der Stadt Salzburg Geld hinterlassen, damit die Säulen auch nach seinem Tod gepflegt würden. Im Laufe der Zeit aber wurden diese zunehmend schadhaft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren zwar die Säulen selbst noch gut erhalten geblieben, die Bilder aber, die auf Blech gemalt waren, befanden sich in äußerst schlechtem Zustand. Philipp Strasser, ein Salzburger Bürger und Bestattungsunternehmer, nahm 1906 eine Spendenaktion zur Erneuerung der Gemälde in Angriff, die aber letztlich nicht zustande kam. Er beschloss daraufhin, eigene Mittel dafür aufzuwenden. In den folgenden Jahren wurden sukzessive bis 1914 die Bilder vom Historienmaler Josef Gold im Stile der Nazarener neu geschaffen.

mini|hochkant|Verwachsener Bildstock XIII Aussendung des Hl. Geistes In den folgenden Jahrzehnten waren aber weiterhin Verfallserscheinungen zu verzeichnen. Wiederum verrosteten die Bilder oder bleichten aus und die Säulen kamen zusehends herunter. Drei Bildstöcke waren im Zuge von Bauarbeiten nach 1945 überhaupt verschwunden. Bereits 1932 sollte von der Stadt Salzburg eine Säule restauriert werden, was jedoch aus Kostengründen (Kostenvoranschlag: das Zweifache eines Beamten-Monatsgehalts) abgelehnt wurde. In den siebziger und achtziger Jahren hatten Schreiben an die Salzburger Bürgermeister Heinrich Salfenauer und Josef Reschen zur Folge, dass der Bildhauer Conrad Dorn mit einem Gutachten zur Restaurierung der Geheimnissäulen betraut wurde. Tatsächliche Aktionen kamen aber nicht zustande, zumal man annahm, dass sich die Restaurierung für die Stadtgemeinde als problematisch erweisen würde, da ein Teil der Bildstöcke sich auf Privatgrund befindet.

Wiederherstellungsmaßnahmen im Jahr 1986 mini|hochkant|Rekonstruierter Bildstock VIII Dornenkrönung Medizinalrat Herbert Dorn konnte bereits in den Jahren nach 1980 einige Maßnahmen von privater Seite zur Restaurierung einzelner Säulen in Gang setzen; den endgültigen Erfolg aber erlangte er, indem es gelang, ortsansässige wirtschaftliche Unternehmen und die regionale Presse für die Sache zu interessieren. Eine öffentliche Spendenaktion, die „Aktion zur Rettung der Bildsäulen Maria Plain“, kam so zustande und brachte in der Folge die benötigten Mittel ein. Damit wurden die anfallenden Restaurations- und Wiedererrichtungsarbeiten an den Bildstöcken I–X ermöglicht, die sich auf dem Gemeindegebiet der Stadt Salzburg befinden. Die drei fehlenden Steinsäulen wurden ersetzt und an neuen Orten aufgestellt, und die Bilder wurden vom Maler Ady Fuchs restauriert oder stilistisch im Einklang mit den Säulen aus dem Barock neu gestaltet.

Die auf dem Gemeindegebiet von Bergheim befindlichen fünf Säulen XI–XV wurden 1986 mit Glasmosaiken von einem Benediktiner-Pater Roman versehen. Die effektvollen, aber mit den barocken Säulen nicht harmonisierenden Mosaiken waren umstritten und wurden letztlich im Februar 2009 durch die originalen Öltafeln, die ebenfalls von Ady Fuchs schon zuvor gleichzeitig mit den anderen neu gestaltet worden waren, wieder ersetzt.

Unterschutzstellung Die auf Salzburger Stadtgebiet befindlichen Bildstöcke sind heute mitsamt den drei wiedererrichteten Säulen im Eigentum der Stadt Salzburg. Die erhaltene Originalsubstanz steht seit 1987 unter Denkmalschutz.Putzer 2009 Der Bergheimer Teil der Säulenreihe ist im geschützten Objekt erfasst.

Die Bildstöcke Geheimnissäulen I bis XV mini|hochkant|Bildstock XI Auferstehung, Details des Säulenkopfes (Tabernakel) Die Säulen sind aus Konglomeratstein (Nagelfluh) vom Salzburger Rainberg gefertigt. Jede besitzt einen tabernakelartigen Kasten, in dem sich das jeweilige Bild befindet. In der Österreichischen Kunsttopographie von 1916 werden die Tabernakelsäulen beschrieben als .Österreichische Kunsttopographie, hrsg. v. Kunsthistorischen Institute der k. k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Band XI, III. Teil: Gerichtsbezirk Salzburg. Kunstverlag Anton Schroll, Wien 1916, S. 379 (online: unredigiertes Transkript eines Scans, abgerufen am 6. März 2012). Auf diesen Giebeln ist bei fast allen Säulen ein Metallschild angebracht mit der Aufschrift Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen. Auf einigen Bildstöcken befindet sich zudem auf dem Säulenschaft ein kleines Schild mit der in römischen Ziffern dargestellten Nummer der Säule in der Reihenfolge des Wegs.

Die in den Kästen befindlichen Ölbilder sind auf Metalltafeln gemalt.

Die Malereien der Bildstöcke I–V zeigen entsprechend dem 15-teiligen Bildprogramm den Freudenreichen Rosenkranz, die in den Säulen VI–X den Schmerzhaften Rosenkranz; die Bilder mit den Nummern XI–XV, die sich alle auf Bergheimer Gebiet befinden, haben den Glorreichen Rosenkranz zum Motiv. Der Weg entlang der Bildstöcke ist als Rosenkranzweg zu sehen. Die in Hinblick auf den Leidensweg Christi auch anzutreffende Benennung als „Kreuzweg“ ist – obschon er in einem Kalvarienberg endet – als falsch einzustufen, dieser würde explizit das Bildprogramm der Passion zeigen.

Übersicht Bildspalten Bildstock und Bildmotiv sortieren die in den 1980ern rekonstruierten Bildstöcke respektive Gemälde an das Ende Spalte Bauliche Anmerkung gibt einen Link auf die entsprechende Denkmalliste