mini|hochkant=1.25|Fahrenzhausen

Fahrenzhausen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Freising in Bayern.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt an der Amper, etwa 25 Kilometer nördlich von München.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 17 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Das Gebiet um das moderne Fahrenzhausen und Appercha weist Zeugnisse antiker bronzezeitlicher Siedlungen auf.

In der Römerzeit hatte Fahrenzhausen ein Herrenhaus (Villa Rustica), das dazu beitrug eine Römerstraße zu unterstützen, die durch Oberndorf, Westerndorf, Biberbach, Indersdorf usw. führte.http://www.archaeologischer-verein-freising.de/index.php?load=Fahrenzhausen

Fahrenzhausen als Dorf wurde erstmals 1020 n. Chr. unter dem Namen Varnolveshusa gegen Ende der Ottonischen Dynastie erwähnt, als Heinrich V. Herzog von Bayern war. Der Ortsname deutet auf einen Gründer der Siedlung namens Farnulf. Es wurde 1280 während der Wittelsbacher Dynastie erneut mit dem Namen 'Vornolzhusn' erwähnt.https://www.fahrenzhausen-1020.de/

Eine örtliche katholische Kirche (ursprünglich St. Martin geweiht) wurde erstmals 1315 in 'Warnoltshausen' in den Kirchenbüchern (Konradinische Matrikel) von 1315 erwähnt.

In den Jahren 1372–74 wurde Fahrenzhausen als „Schrannenort“ bezeichnet, in dem ein Gericht abgehalten wurde. Ein gewisser Ott der Marschalk von Nannofen war „Richter in Varnoltzhausen“, der einen Gerichtsbrief über einen Verkauf von einem Stück Land im nahe gelegenen Dorf Viehbach schrieb.Filialkirche St. Vitus in Fahrenzhausen auf kirchenundkapellen.de

Der Schutzname der Kirche wurde um 1560 als St. Vitus geändert.

Fahrenzhausen und Umgebung wurden wahrscheinlich während des Dreißigjährigen Krieges betroffen, insbesondere 1632 während des schwedischen Einmarschs nach München, oder sogar beim französischen Angriff in der Umgebung Freising und Dachau im Jahr 1648. Zu Beschädigungen der Kirche im Dreißigjährigen Krieg gibt es allerdings keine direkten Hinweise. So sind die ersten Reparaturarbeiten nach dem Krieg auch erst aus dem Jahr 1670 bekannt.Filialkirche St. Vitus in Fahrenzhausen auf kirchenundkapellen.de

Während der Napoleonischen Kriege marschierten französische und bayerische Truppen aus München entlang der Isar in Richtung Freising und Landshut, vielleicht durch die Gegend um Fahrenzhausen. Sie waren auf dem Weg, in der Schlacht von Landshut und der Schlacht von Eggmühl im April 1809 zu kämpfen.K.K. Generalstab (Hrsg.): Der Feldzug des Jahres 1809 in Süddeutschland. Bd. 1, ÖMZ 1862/63 (1865), S. 150.

Fahrenzhausen gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Dachau des Kurfürstentums Bayern. Der Ort wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde.

Am 25. Juni 1844 zerstörte ein Hagelschlag in Fahrenzhausen alle Feldfrüchte und brachte die damals noch vorherrschend bäuerlichen Familien in große Not. Von diesem Hagelschlag berichten übrigens auch die Chroniken von Westerholzhausen (Indersdorf), Vierkirchen und Schönbrunn. Am nächsten Morgen, dem 26. Juni, versprachen die Gläubigen den Tagesheiligen Johannes und Paulus, die ohnehin als 'Wetterheilige' angerufen werden, alljährlich nach Westerndorf zu ihrem Bild zu wallfahren, damit sie künftig von solchen Unwettern verschont werden. Der Bittgang fand bisher jedes Jahr statt, auch während der beiden Weltkriege. Nur in den Corona-Jahren 2020 und 2021 musste er abgesagt werden.Hans Schertl, „Kirchen und Kapellen im Dachauer Land“. https://kirchenundkapellen.de/kirchen/fahrenzhausen.php

Im Zweiten Weltkrieg durchquerten Einheiten der US-Armee Fahrenzhausen und Umgebung im April 1945 kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und Münchens.https://www.geschichtsforum-freising.de/70-jahre-nach-der-vertreibung-vortrag-18-in-kammerberg/

Die Feierlichkeiten zum 1000. Jahrestag der Gründung von Fahrenzhausen im Jahr 2020 wurden größtenteils wegen der Covid-19-Pandemie abgesagt.

Eingemeindungen Im Zuge der bayrischen Gemeindegebietsreform wurde Fahrenzhausen am 1. Juli 1972 um Großnöbach (mit Jarzt) vergrößert. Gleichzeitig wechselte die vergrößerte Gemeinde vom Landkreis Dachau in den Landkreis Freising. Am 1. Januar 1977 wurden etwa 150 Einwohner der Gemeinde Haimhausen und am 1. Januar 1978 etwa 50 Einwohner der ehemaligen Gemeinde Günzenhausen (bei Eching) nach Fahrenzhausen umgegliedert. Schließlich wurde am 1. Mai 1978 der frühere Hofmarksort Kammerberg eingemeindet. 1984 wurde der Gemeindeteil Weißling nach Petershausen im Landkreis Dachau umgegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3166 auf 5041 Einwohner bzw. um 59,2 %. Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 2564 2800 3120 3369 3584 3916 4505 4624 4784 5067

Politik

Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014 und 2020 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:Gemeinde Fahrenzhausen: Wahl des Gemeinderats 2020, Amtliches Endergebnis, abgerufen am 22. Juni 2020

Partei/Wählergruppe 2002 2008 2014 2020 CSU 5 5 4 5 SPD 2 2 2 2 FDP – – – 1 Freie Wählergruppe Einigkeit 6 5 5 5 Freie Bürgerliste 3 4 5 7 Gesamt 16 16 16 20

Nach Prozenten wurde folgendermaßen abgestimmt: Partei/Wählergruppe 2002 2008 2014 2020 CSU 33,5 % 27,8 % 22,5 % 26,2 % SPD 12,9 % 15,7 % 13,8 % 9,8 % FDP – – – 2,5 % Freie Wählergruppe Einigkeit 33,8 % 28,9 % 29,0 % 27,7 % Freie Bürgerliste 19,8 % 27,6 % 34,7 % 33,8 % Gesamt 100 % 100 % 100 % 100 %

Bürgermeister Zum Ersten Bürgermeister wurde im März 2014 Heinrich Stadlbauer (Freie Bürgerliste) mit 53,4 % der Stimmen gewählt. Bei der Kommunalwahl 2020 wurde er mit 67,7 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Er verstarb am 1. Juni 2022 im Alter von 61 Jahren nach schwerer Krankheit.Süddeutsche Zeitung vom 1. Juni 2022: Nachruf: Trauer um Heinrich Stadlbauer, von Petra Schnirch, abgerufen am 2. Juni 2022 Die Neuwahl zum Bürgermeister fand am 25. September 2022 statt. In der Stichwahl am 9. Oktober erzielte mit 59,9 % der Stimmen Susanne Hartmann (FDP) die absolute Mehrheit. Wegen eines Wahlrechtsverstoßes des Wahlleiters Andreas Karl hatte das Landratsamt eine Wiederholungswahl angeordnet, bei der Susanne Hartmann ohne Mitbewerber am 30. April 2023 mit 91 Prozent der Stimmen gewählt wurde.Süddeutsche zur Wiederholungswahl, abgerufen am 1. Mai 2023

Wappen

mini|hochkant|Kirche St. Veit Baudenkmäler

Die spätgotische Pfarrkirche St. Veit aus dem 15. Jahrhundert wurde später im Stil des Barock umgestaltet. Charakteristisch und weithin sichtbar ist der schlanke Zwiebelturm.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft 2017 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 44, im produzierenden Gewerbe 530 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 431 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren es 172 Personen. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 2304. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier, im Bauhauptgewerbe zehn Betriebe. Im Jahr 2016 bestanden zudem 54 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 2038 Hektar, davon waren 1759 Hektar Ackerfläche und 247 Hektar Dauergrünfläche.

Bildung 2018 gab es vier Kindertageseinrichtungen mit 286 Plätzen und 244 betreuten Kindern – davon 43 unter drei Jahren, und eine Volksschule mit acht Klassen und 189 Schülern, die von elf Lehrern unterrichtet wurden (Schuljahr 2017/18).

Persönlichkeiten

Carl von Paur (1804–1873), Beamter und Politiker, geboren in Unterbruck Franz Pahl (1928–2018), Ehrenbürger (2013)Einer, der Spuren hinterlassen hat: Nachrauf auf Franz Pahl aus Fahrenzhausen Engelbert Siebler (1937–2018), Weihbischof im Erzbistum München und Freising, aufgewachsen in Jarzt, Ehrenbürger (2015) H.H. Geistlicher Rat und Pfarrer i. R. Anton Mayer (1928-2019), Dekan und Pfarrer, einer der Gründungsväter der Gemeinde, Ehrenbürger (1994) Heinrich Stadlbauer (1961–2022), 1. Bürgermeister (2014–2022) Georg Vierthaler (* 1957), Theater- und Opernmanager, aufgewachsen in Gesseltshausen Bernhard Karl (* 1966), Filmkurator und Festivalgründer, aufgewachsen in Fahrenzhausen

Literatur Alois Angerpointner: 500 Jahre St.-Georgs-Kirche in Weng. In: Amperland, 1968, S. 27–29, 64–65

Weblinks

Gemeinde Fahrenzhausen

Übersicht über die Kirchen und Kapellen im Gemeindegebiet Fahrenzhausen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Freising Kategorie:Gemeindegründung 1818

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)