Nago-Torbole ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol. Sie gehört zur Talgemeinschaft Comunità Alto Garda e Ledro.

Etymologie Nach Christian Schneller ist der Name Nago aus der Aphärese von Benaco, dem alten Namen des Gardasees, entstanden. Benaco leitet sich nach vorherrschender Meinung aus dem Keltischen ab. Womöglich aus bennacus was in etwa „mit vielen Landspitzen“ bedeutet. Vereinzelt wird auch ein illyrischer Ursprung des Wortes angenommen. Der Name Torbole leitet sich aus dem lateinischen turbulus im Sinne von ad aquas turbulas (dt. bewegtes/stürmisches Wasser) ab. Nach Carlo Battisti ist der Name Torbole aus der Bezeichnung turba vel vivarium entstanden, mit der die Grafen von Arco ihren Fischmarkt benannten.Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 131. Das nicht mehr gebräuchliche deutsche Exonym lautet Naag-Turbel.

Wappen Blasonierung: Geteilt, oben rot, unten weiß. In der oberen Hälfte zwei offene silberfarbene Türme in Schrägansicht mit Fenstern und Guelfen-Zinnen. Darüber zwischen den beiden Türmen ein aufgerichtetes weißes Pferd. Die untere Hälfte besteht aus einem gewellten See in Blau und Silber.Mariano Welber: Gli stemmi dei comuni del Trentino. S. 121. Die zwei Türme symbolisieren die beiden Dorfgemeinschaften, aus denen sich die Gemeinde zusammensetzt. Das aufgerichtete Pferd steht für Wagemut und Freiheit. Die untere Hälfte symbolisiert den Gardasee. Eingerahmt wird das Wappen von einem Lorbeer- und einem Eichenzweig. Der Ursprung des Wappens ist ungewiss. Es wurde 1982 von der Gemeinde offiziell als Gemeindewappen übernommen.

Geografie Lage Die Gemeinde Nago-Torbole besteht aus den zwei Fraktionen: Torbole liegt am nördlichen Teil des Gardasees, direkt an der Küstenstraße Gardesana Orientale. Der Ort selbst liegt 68 m über dem Meeresspiegel. Hier mündet die Sarca in den Gardasee, die diesen als Mincio bei Peschiera del Garda wieder verlässt. Nago befindet sich oberhalb von Torbole auf über 200 Metern unterhalb des Passo San Giovanni (), eingebettet zwischen der Monte Bondone – Monte Stivo Gruppe im Norden und der Monte-Baldo-Kette im Süden. Der Pass stellt eine wichtige Ost-West-Verbindung zwischen dem Vallagarina – dem südlichen Teil des Etschtales – und dem nördlichen Bereich des Gardasees dar.

Der Weiler Tempesta bildet keine eigene Fraktion und besteht lediglich aus einigen Häusern am Ostufer des Gardasees südlich von Torbole. Südlich von Tempesta bildet die Gemeindegrenze gleichzeitig die Grenze zur Provinz Verona (Region Venetien).

Die Gemeinde hat ihren Sitz in Torbole.Gemeindestatut auf Italienisch (PDF; 320 kB), abgerufen am 29. Mai 2017. Der höchste Punkt wird am Monte Altissimo di Nago mit erreicht.

Nachbargemeinden sind: Arco, Brentonico, Ledro, Mori und Riva del Garda alle in der Provinz Trient gelegen sowie Malcesine in der Provinz Verona.

Zum über 28 km² großen Gemeindegebiet gehören Teile des Naturparks Monte Baldo, darunter zum Teil die NATURA 2000 Schutzgebiete Lago di Loppio und Monte Baldo di Brentonico.Fondazione Museo Civico Rovereto: Guida al Parco naturale del Monte Baldo. S. 41–47.

Klima

Gemäß der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden ist Nago-Torbole der Klimazone E zugeordnet, die die Heizperiode vom 15. Oktober bis 15. April festlegt.Website der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 20. Mai 2019 (italienisch) (PDF; 330 kB)

Geschichte Frühgeschichte und Antike Die ersten menschlichen Spuren in Nago-Torbole lassen sich auf das späte Jungpaläolithikum zurückdatieren. Zahlreiche Steinartefakte wurden bei Castel Penede, den Ausläufern des Monte Altissimo di Nago und des Monte Creino gefunden, die den Schluss zulassen, dass es sich nicht nur um sporadische Besuche in der Gegend handelte. Weitere Funde aus dem Mesolithikum wurden bei Prati di Nago und Pré Alta entdeckt. Die ersten menschlichen Überreste stammen aus einer Grabstätte der Kupfersteinzeit am südöstlichen Ortsrand von Nago. Andere Funde weisen auf die Präsenz von Menschen in der Bronzezeit und Eisenzeit hin. Auf letztere lässt sich die Fundstelle Busa Brodeghèra beim Rifugio Altissimo Damiano Chiesa zurückführen.Franco Bonomi, Tullio Pasquali, Valentino Rosà: Arco, Nago-Torbole e Mori. S. 181–190. mini|links|Grabungsstätte bei Castel Penede Der Fritzens-Sanzeno-Kultur in der Eisenzeit wird die Gründung einer Siedlung unterhalb von Castel Penede zugeschrieben. Bei mehreren Grabungen, die ab 2019 von der Universität Trient am westlichen Abhang des Burgberges durchgeführt wurden, wurden die Reste einer Siedlung freigelegt, die ab dem 6. Jahrhundert. v. Chr. bis zur späten römischen Kaiserzeit im 5. Jahrhundert n. Chr. bestand.Emanuele Vaccaro (et al.): Il sito preromano e romano del Doss Penede (Nago-Torbole, TN): la campagna di scavo 2019. In: Associazione Internazionale di Archeologia Classica (Hrsg.): The Journal of Fastionline. (=FOLD&R Italy Series N. 478). 2020, S. 1. (PDF)

Aus der Römerzeit waren bereits 1832 die Reste einer Nekropolis auf dem Burgberg freigelegt worden. In der Nähe fand man auch gotische und römische Münzen aus den Regierungszeiten Vespasians und Konstantins.

Den Römern wird auch der Bau einer ersten Straße über das Valle S. Lucia zum Seeufer zugesprochen. Sicher ist, dass der Karrenweg über diesen kleinen Taleinschnitt bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts die einzige Straßenverbindung zwischen Nago und Torbole war. Weitere römische Fundstücke wurden im Ortskern von Nago bei der Pfarrkirche S. Vigilio sowie im Ortsteil Tempesta am Ufer des Gardasees entdeckt.Giorgia Gentilini, Gian Pietro Brogiolo, Walter Landi: Castel Penede a Nago nel Sommolago. S. 217.

Mittelalter Während der Byzantinischen Herrschaft gehörte der nördliche Uferbereich des Gardasees und damit auch die Gegend um Nago-Torbole der Curtis Ripae, also dem Hof Riva, an. Ende des 10. Jahrhunderts fiel dieser dem Bischof von Verona zu, in dessen Besitz er bis 1027 verblieb, als Konrad II. ihn dem Hochstift Trient einverleibte.Giovanbattista Mezzi: Nago e Torbole: dalle origini al secolo XVI. S. 36–39.Geschichte Riva del Gardas (italienisch), abgerufen am 16. Februar 2018. 1039 wurden dem Pustertaler Stift Sonnenburg Nutzungs- und Eigentumsrechte in Sommolago („locus Summolacus“), der Gegend am Nordufer des Gardasees zwischen Riva, Arco und Torbole am Unterlauf des Sarca, übertragen.

Ab dem 12. Jahrhundert begann sich die Geschichte der beiden Orte differenzierter herauszukristallisieren. 1154 wurde Torbole und 1171 Nago erstmals schriftlich erwähnt. Im gleichen Jahrhundert weiteten die Grafen von Arco geschickt ihren Machtbereich auf die beiden Orte aus. Dabei war Torbole wegen des Hafens und der damit verbundenen Zolleinnahmen und Nago aufgrund von Castel Penede von Interesse. Zwischen 1198, als den Arcos von Philipp von Schwaben das Recht zugestanden wurde eine Zollstation am Hafen von Torbole zu errichten, und 1210, als sie vom Fürstbischof von Trient Friedrich von Wangen die Burg oberhalb von Nago als Lehen erhielten, konnten sie ihren Machtbereich am nordöstlichen Eckpunkt des Gardasees festigen.Giovanbattista Mezzi: Nago e Torbole: dalle origini al secolo XVI. S. 44–45.Giorgia Gentilini, Gian Pietro Brogiolo, Walter Landi: Castel Penede a Nago nel Sommolago S. 217–218.Emanuele Curzel, Gian Maria Varanini: La documentazione dei vescovi di Trento (XI secolo - 1218). S. 81.

Die Lage am wichtigen Verbindungsweg zwischen Etschtal und Gardasee führte unweigerlich dazu, dass durch beide Orte im Laufe der Geschichte immer wieder Heerscharen durchzogen. So 1243 im Konflikt zwischen Ghibellinen und Guelfen, als guelfische Truppen nach ihrer Niederlage gegen die Verbündeten Ezzelinos III. da Romano die beiden Orte brandschatzten.Giovanbattista Mezzi: Nago e Torbole: dalle origini al secolo XVI. S. 51–60.

Andererseits zog man aufgrund der Lage nicht nur Soldaten und Söldner an, sondern auch Reisende. Einer der Ersten war Dante Alighieri, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf Castel Penede weilte und dies in der Divina Commedia erwähnte.Giorgia Gentilini, Gian Pietro Brogiolo, Walter Landi: Castel Penede a Nago nel Sommolago. S. 222–224. mini|Gedenktafel an den venezianischen Flottentransport Galeas per montes 1439

Frühe Neuzeit Im Dezember 1438 fiel Castel Penede und damit die beiden Orte in den Herrschaftsbereich der Republik Venedig. Während des Kampfes um die Vorherrschaft auf dem Gardasee zwischen Venedig und den Viscontis aus Mailand, wurde 1439 die im Unternehmen Galeas per montes vom Etschtal zum Gardasee transportierte venezianische Flotte in Torbole zu Wasser gelassen. Pier Candido Decembrio, der das venezianische Unternehmen beschrieb, bezeichnete Torbole noch als kleines Landgut. Mit Venedig nahm aber die Bedeutung Torboles als Hafenort zu, was zu einem merklichen Bevölkerungszuwachs führte, so dass die erstmals 1175 erwähnte Kirche S. Andrea in Torbole erweitert werden musste.Geschichtlicher Abriss der Kirche S. Andrea in Torbole (italienisch), abgerufen am 30. Januar 2018. Zwischen 1458 und 1459 wurde mit dem Bau eines Karrenweges an der zum Gardasee abfallenden Südwand des Monte Brione erstmals eine direkte Landverbindung zwischen Torbole und Riva geschaffen. Damit entfielen die bis dahin nötigen Umwege über Arco und die damit verbundenen Straßenzölle.Mauro Grazioli: Una via meraveiosa e bella che va da Riva a Torbole. In: CAI SAT Sezione Riva del Garda (Hrsg.): Annuario 1991. Riva del Garda 1991 S. 62–67.

Die venezianische Epoche endete 1509 als Maximilian I. mit seinen Truppen die Burg und die beiden Orte nach der Niederlage Venedigs in der Schlacht bei Agnadello und dem damit verbundenen Rückzug der Venezianer aus dem Gebiet des oberen Gardasees besetzen konnte. In der Folgezeit kehrten die Grafen von Arco als kaiserliche Lehensherrn zurück. Die Gemeinde behielt aber eine weitgehende administrative Autonomie, wie aus den erhaltenen Gemeindestatuten hervorgeht.Giorgia Gentilini, Gian Pietro Brogiolo, Walter Landi: Castel Penede a Nago nel Sommolago. S. 224–226.

1580 setzte Michel de Montaigne auf seiner Italienreise mit dem Boot von Torbole nach Riva über und hinterließ eine erste kurze literarische Beschreibung des Ortes.

Moderne Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Castel Penede 1703 von den Franzosen unter General Vendôme zerstört und verfiel zur Ruine. 1766 ließ Maria Theresia von Österreich in Tempesta eine Zollstation errichten, um die Einfuhr von billigem Getreide aus Venetien über den See zu unterbinden. Eine Maßnahme, die den Unmut der Bevölkerung hervorrief, so dass die Zollstation zwei Jahre später von einer aufgebrachten Menge zerstört wurde.Dazio di Tempesta - Giornaletrentino.it (italienisch), abgerufen am 1. Februar 2018. mini|hochkant|Hafen von Torbole (Ludwig Friedrich Hofelich) Im gleichen Jahr konnte nach drei Jahren Bauzeit zum ersten Mal auch die neue Straße zwischen Nago und Torbole begangen werden. Diese als Strada dei forti bekannte Straße (heute via Europa) wurde um 1773 fertiggestellt. Auf seinem Weg nach Torbole während seiner Italienischen Reise im September 1786 nutzte Johann Wolfgang von Goethe allerdings noch den alten durch das Valle S. Lucia führenden Karrenweg. Goethe hielt sich nur einen Tag und eine Nacht in Torbole auf, das zu diesem Zeitpunkt immer noch einen ärmlichen Eindruck auf ihn hinterließ. Die Haustüren ohne Schlösser, die Fenster statt mit Glas mit Ölpapier bespannt und die Häuser ohne hygienische Einrichtungen, dem Naturzustande ziemlich nahekommend, wie Goethe an Anlehnung an Rosseau in seinem Tagebuch festhielt. Dennoch überwog das köstliche Schauspiel, den der See und die Natur bot, zumal er auch an seinem Werk Iphigiene gut vorankam.Maria Luisa Crosina, Franco Farina: Il viaggio segreto con Goethe da Karlsbad a Malcesine. S. 136–138.