Gerhard Christian Garlichs (* 6. Dezember 1778 in Kniphausen;Frühe Lebensdaten mangels anderer Quellen auch aus Annemarie Ruge: Abstammungstafel des Jeverschen Zweiges der Familie Garlichs, nicht veröffentlichte Aufstellung von 1978 (s. Diskussion). † 7. Dezember 1830 in Bremen) war ein deutscher Kunstsammler und Mäzen. In der Literatur ist sein Nachname gelegentlich zu „Garlich“ verkürzt. miniatur|Gerhard Christian Garlichs (1805)
Werdegang Garlichs wuchs in Fedderwarden auf, machte eine Lehre zum Kaufmann und ließ sich in Bremen nieder. 1803 erhielt er auf Antrag das Bremer BürgerrechtChrist. Georg Garlichs: Erteilung des Bremer Bürgerrechts in 1803 - O (1799 - 1806), Nr. 394 zit.n. Die MAUS Gesellschaft für Familienforschung e.V. Bremen und wurde mit einem Mitglied der in Bremen etablierten Familie Barkhausen Inhaber einer „Mode-Waaren-Handlung“Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 1803: Mode-Waaren-Handlung von Barkhausen et GarlichsAnzeige in Num. 119 am Mittewochen, den 27 Juliet, welche später die „neuesten engl. Long-Shawls und französ. Bourre de Soie-Tücher in allen gangbaren Farben“ bewarb.Bremer Zeitung 1822, Anzeige in Beilage zu Nr. 158 vom 7. Juni Zunächst war er mit seiner Familie im Register von Bremen DomGerhard Christian Garlichs und Familie: Ortsfamilienbuch Bremen Dom zit.n. Die MAUS Gesellschaft für Familienforschung e.V. Bremen, später von Bremen-Vegesack verzeichnet.Gerhard Christian Garlichs und Familie: Ortsfamilienbuch Bremen-Vegesack zit.n. Die MAUS Gesellschaft für Familienforschung e.V. Bremen Dass 1817 zu den Trauzeugen seiner zweiten Ehe der Aeltermann Georg Wilhelm Grommé gehörte, spricht dafür, dass er inzwischen zu den Honoratioren der Stadt zählte. 1822 wurde als Zeichen der Sicherheit hervorgehoben, dass die „Verloosung eines Landguts unter Direction durch Gerhard Christian Garlichs“ stattfinde.Bremer Zeitung 1822, Beilage zu Nr. 98 vom 8. April.
Die Sammlung Garlichs Wie damals unter vermögenden Kaufleuten auch in Bremen üblichAndrea Weniger: „Der Sammler und die Seinigen“. Die Gemäldesammlung des Aeltermann Lürman (1789-1865) im Kontext Ihrer Entstehungszeit in Bremen, in: Kurt Dröge, Detlef Hoffmann (Hrsg.): Museum revisited. Transdisziplinäre Perspektiven auf eine Institution im Wandel. transcript Verlag Bielefeld, 2010, ISBN 3-8376-1377-1, S. 113–118.Andrea Weniger: Bürgerliche Sammlungskultur in Bremen am Beispiel der Gemäldesammlung des Aeltermann Theodor Gerhard Lürman (1789-1865), in: Niedersächsischen Jahrbuch für Landesgeschichte, herausgegeben von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 82, 2010, S. 339–370. stellte sich Garlichs eine private Kunstsammlung zusammen.Johann Hermann Duntze 1851: Geschichte der freien Stadt Bremen, Bd. 4, S. 397 f, Verlag Heyse Bereits 1822 hieß es:Adam Storck 1822: Ansichten der freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen, 648 S. Verlag Wilmans.
Garlichs hat dann diese Sammlung bis zu seinem unerwartet frühen Tod Ende 1830 weiter ergänzt. So wurde berichtet, aus dem Nachlass des Kunstsammlers Gerhard Oelrichs (1727–1789) „brachte einen großen Theil [von dessen Kunstsammlung] der Kaufmann Gerh. Christian Garlichs käuflich an sich, welcher mit dem Kunstmäkler Friedr. Adolph Dreyer auch den Rest jener Sammlung nebst einer großen Zahl meist werthvoller Kupferstiche und Handzeichnungen von den Erben ankaufte“.
Umfang und Güte der Sammlung von Garlichs wurden bald auch über Bremen hinaus bekannt.Bibliopolisches Jahrbuch 1836: Gemäldesammlungen von Garlich und Meinerzhagen, Bd. 1-2, Verlag J. J. Weber; Conversationslexicon für bildende Kunst 1846: Privatsammlungen von Gemälden findet man bei den Herren von Garlich, Meinerzhagen, Bd. 2, Verlag Romberg. So besuchte der bayerische Kronprinz Maximilian II. Joseph während einer Reise durch Norddeutschland, die er wie andere Reisen incognito unter dem Pseudonym „Graf von Werdenfels“ durchführte, Ende März 1830 einige Tage lang auch Bremen.Der Bayerische Volksfreund 1830, Nro. 55, 6. April, S. 127: Kronprinz Maximilian von Bayern Ende März incognito nach Bremen; Fränkischer Merkur 1830, Nro. 143, 23. Mai: Mehrtägiger Aufenthalt des Kronprinzen Maximilian von Bayern in Bremen;Venanz Müller: Maximilian II., König von Bayern: ein vaterländisches Geschichtsbild, 1864, S. 64; Friedrich Schmidt: Geschichte der Erziehung der pfälzischen Wittelsbacher, in: Monumenta Germaniae Paedagogica, Band 19, Verlag A. Hofmann, 1899, S. ccvi. Dabei ließ er sich in Begleitung des für auswärtige Beziehungen zuständigen Senators Heinrich Smidt durch Garlichs auch dessen Kunstsammlung zeigen.
Nach dem Tod von Garlichs entschieden die Hinterbliebenen, sich von der Mehrzahl der Kunstwerke zu trennen. Zunächst wurden offenbar Teile der Sammlung unmittelbar an Interessierte veräußert,Anonymus in: Karl Ludwig Methusalem Müller (Hrsg.): Zeitung für die elegante Welt. Verlag Leopold Voß, Berlin, Leipzig, 1831, Jg. 31, Ausg. 85, S. 680, Faksimile in reader.digitale-sammlungen.de. so an die Fürsten zu SalmAdriaan W. Vliegenthart 1981: Bildersammlung der Fürsten zu Salm, Zutphen, Verlag Walburg, 1981, S. 89. Die übrigen Werke wurden versteigert. Das hierfür erstellte 67 Seiten umfassende „Verzeichniss einer Gemäldesammlung ausgezeichneter Künstler, nachgelassen von dem verstorbenen Herrn Gerhard Christian Garlichs“Katalog zur Auktion der Kunstsammlung Garlichs, 67 S., 1831, Bremen, Verlag Johann Georg Heyse, in: AKH Bremen, Kat. Br. 1811-1834 führt neben 31 Kupferstichen immerhin 322 Gemälde auf, „unter welchen Bilder von Rapael, Lucas Kranach, R. Poussin, Gilles Mosaert und anderen Meistern ersten Ranges glänzten“. Die bevorstehende Versteigerung stieß auf Aufmerksamkeit weit über Bremen und die Nachbarschaft hinaus, so schilderte eine sächsische Zeitung etliche der angebotenen Bilder lobend im Einzelnen. Auch aus heutiger Sicht zählt die durch Garlichs aufgebaute Kunstsammlung mit denen von Berkenkamp, Castendyk, Lambertz, Lürman, Oelrichs, Post und Wilckens zu den bedeutendsten von Bremen. So zeigen die ausführlichen Beschreibungen der Werke und ihrer Provenienz, dass damals neben Werken „nach Art von“ auch zahlreiche Originale bedeutender Meister zum Angebot kamen.Meister der 1832 angebotenen Gemälde u. a. Altdorfer, Backhuyzen, Breughel, Cranach, Correggio, van Dyk, Dürer, Franz Hals, Holbein, Jordaens, Menken, van Leyden, Lorrain, Poelenburg, Poussin, Raphael, Rembrandt, Rubens, Velasquez, Waterloo, de Wit Ob die Versteigerung entsprechend dem handschriftlichen Eintrag im überlieferten Auktionskatalog nur im März 1832 stattfand, oder – entsprechend dem darin gedruckten Datum – teilweise bereits im Oktober 1831, ist unklar. Die meisten Zuschläge gingen jedenfalls an Bremer Sammler und Künstler, so an die Aelterleute Delius und Theodor Gerhard Lürman, an Heyse und Dreyer. Etliche Male erhielt jemand aus der Familie Eggers, ein Mal jemand aus der Familie Garlichs den Zuschlag. Der Kunstverein Bremen erwarb damals ebenfalls einen Titel. Die überlieferten Unterlagen zeigen, dass nahezu alle angebotenen Kunstwerke zum Verkauf kamen. Dabei wurden bis zu 200 Reichstaler je Titel erzielt – das damalige Jahresgehalt eines einfachen BahnbeamtenRolf-Fredrik Matthaei: Kaufkraft alter Währungen. Felix Bierhaus: Wert eines Reichstalers aus dem Jahre 1800 bzw. 1850. –, vor allem für Werke von Breughel, Frank, Netscher, Raffael und de Wit. Der Gesamterlös der Auktion muss also erheblich gewesen sein. Tatsächlich berichtete später Bernhard Garlichs, einer der Söhne des Erblassers, dass er während seiner Jahre nach 1832 in Missouri wiederholt „mit Geld aus der Heimat unterstützt“ worden war. Heutzutage befinden sich mehrere Gemälde aus der damaligen Sammlung Garlichs im Bestand der Kunsthalle Bremen.Martina Rudloff (Hrsg.) 1997: Bremen und die Niederlande. Jahrbuch 1995/96. 280 S., Verlag Hauschild, ISBN 3-931785-26-2Andreas Kreul, Kunsthalle Bremen (Hrsg.) 1994: Kunsthalle Bremen: Verzeichnis sämtlicher Gemälde. 313 S., Verlag Harrassowitz, ISBN 3-447-03595-1
Gemeinnützige Tätigkeiten Es entsprach dem damaligen Selbstverständnis vermögender Bremer Bürger, sich an der Verwaltung öffentlicher Einrichtungen ihrer Stadt zu beteiligen und eigenes Vermögen in Stiftungen zur Versorgung von Witwen, Waisen und anderer Bedürftiger einzubringen.Andreas Schulz 2002: Vormundschaft und Protektion: Eliten und Bürger in Bremen 1750-1880, Stadt und Bürgertum, Bd. 13, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 790 S., ISBN 3-486-56582-6
So war auch Garlichs von 1814 bis 1822 Laien-Diakon der Domkirche St. Petri zu Bremen und gehörte dem Verwaltungsrat des angeschlossenen evangelisch-lutherischen Waisenhauses an.Heinrich Wilhelm Rotermund 1829: Geschichte der Domkirche St. Petri zu Bremen und des damit verbundenen Waisenhauses und der ehemaligen Domschule, ...., Verlag Wilhelm Kaiser, Bremen
Garlichs war zudem wie Johann Smidt Mitglied der Sankt-Jacobus-Bruderschaft, einer exklusiven Gruppe von zwölf Honoratioren der Bremer Gesellschaft. Sie hatte damals noch im Bremer Geschichtenhaus ihren Sitz.Bremer Geschichtenhaus: Die Sankt-Jakobus-Bruderschaft. Das Gründungsstatut setzte den Brüdern sowohl ein eigennütziges Ziel – dem leiblichen Wohl zu frönen – als auch ein gemeinnütziges Ziel – karitativ tätig zu sein. Zur Erfüllung der letztgenannten Pflicht übernahmen die Jakobs-Brüder beispielsweise die Kosten und Verwaltung eines Witwenhauses im Bremen-Schnoor.taz vom 30. Juli 2007: Das Bremer Geschichtenhaus.
Außerdem war Garlichs förderndes Mitglied des Bremer Kunstvereins seit dessen Gründung im Jahr 1823.Bremer Kunstverein 1823: Protokoll vom 13. December 1823, Archiv KH Bremen, Vereinsprotokolle 1823-1849, Akte 24 a, S. 2
Politische Ämter Als Laien-Diakon gehörte Garlichs zu demjenigen Personenkreis, den der Bürgerconvent nach damaligem Recht zur Beratung beizuziehen hatte.Johann Caspar Bluntschli, Karl Ludwig Theodor Brater (Hrsg.) 1859: Deutsches Staats-Wörterbuch, Bd. 4, Verlag Expedition des Staats-WörterbuchsFerdinand Donandt 1830: Versuch einer Geschichte des bremischen Stadtrechts: Mit einer Einleitung über die Entstehung und Fortbildung der bremischen Verfassung bis zum Jahre 1433, Bd. 1, Verlag J.G. Heyse
Nach dem Abzug der Franzosen wurde Garlichs selbst Mitglied des Bürgerconvents. Als dann die reichsfreie Stadt Bremen 1827 wegen der fortschreitenden Versandung der Weser vom Königreich Hannover Gelände für das spätere Bremerhaven erworben hatte, wurde Garlichs von der Bürgerschaft zum Mitglied einer achtköpfigen Deputation ernannt, welche die wirtschaftliche Entwicklung des neuen Gebiets fördern sollte.Rita Kellner-Stoll 1982: Bremerhaven: 1827-1888. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bremerhaven, Bd. 4, 450 S., Stadtarchiv Bremerhaven, ISBN 3-923851-01-4
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