Ückendorf ist ein Stadtteil von Gelsenkirchen im Ruhrgebiet. Am 31. Dezember 2023 lebten in Ückendorf 21.015 Einwohner.Bevölkerungszahl

Geografie und Verkehr mini|Alte Werbefläche an der Bochumer Straße Ückendorf ist im Südosten Gelsenkirchens an den Stadtgrenzen zu Bochum-Wattenscheid und Herne-Wanne gelegen. Im Norden und Westen grenzt Ückendorf an die Gelsenkirchener Stadtteile Bulmke-Hüllen, Neustadt und Rotthausen. Neben den beiden zuletzt genannten Stadtteilen zählt Ückendorf zum Stadtbezirk Gelsenkirchen-Süd. Mit einer Fläche von 6,821 km² ist Ückendorf zugleich der größte Stadtteil dieses Stadtbezirkes.

Der Ort ist ein sehr vielfältiger Stadtteil, der neben vielen einfacheren Wohnlagen mit Mehrfamilien- und Zechenhausbebauung auch gehobene Wohngebiete mit großzügigen Einfamilienhäusern aufweist, wie etwa das Wohnviertel östlich des Von-Wedelstaedt-Parks.

Ückendorf verfügt – vermutlich infolge eines Versehens bei einer in den 1920er Jahren durchgeführten kommunalen Gebietsreform – über eine rd. zwei Hektar große Exklave, die sich an der Stadtgrenze zwischen Bochum und Herne befindet.Exklave auf Gelsenkirchener-Geschichten.de, 1. Februar 2007 - Abgerufen am 25. September 2020

Wichtigster Verkehrsknotenpunkt ist der Ückendorfer Platz. An ihm treffen sich die drei wichtigsten Verkehrsadern: Zum einen die Bochumer und die Ückendorfer Straße, die den Stadtteil spitz zulaufend von Nord nach Süd durchziehen und von dieser Stelle an als Ückendorfer Straße nach Bochum-Wattenscheid führen, sowie zum anderen die nach Bochum-Günnigfeld verlaufende Osterfeldstraße.

Auf der Bochumer Straße verkehrt die Straßenbahnlinie 302 der BOGESTRA, die den Hauptbahnhof Bochum mit dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof, der Veltins-Arena und dem Gelsenkirchener Stadtteil Buer verbindet.

Ückendorf ist über die Anschlussstelle „Gelsenkirchen-Süd“ an die Bundesautobahn 40, den Ruhrschnellweg, angeschlossen.

Geschichte Die Entstehung Ückendorfs ist eng mit der Siedlungsgeschichte der altgermanischen Stämme verbunden, die zwischen dem vierten und dem siebten Jahrhundert auch im Bruchland an der Emscher sesshaft wurden. Es wird vermutet, dass sich die ersten Ückendorfer Siedler nach ihrem Anführer „Hugo“ oder „Hukko“ als „Huginge“ oder „Hukkinge“ bezeichneten, woraus sich der ursprüngliche Name „Hugingsdorf“ ableitete. Die wohl überwiegende Zahl der Höfe und Kotten war der Großgrundherrschaft des Stiftes Essen angehörig. Um 1254 wurde Ückendorf als Haupthof des Stiftes Essen erstmals urkundlich erwähnt.

Bis in die Neuzeit hinein blieb die dörfliche Struktur Ückendorfs unverändert. Die Gemeinde bestand aus einigen Bauernhöfen, deren Namen – wie etwa Niermann, Schüffler, Schulte-im-Hofe, Dördelmann, Grollmann – sich noch heute in den Straßennamen Ückendorfs wiederfinden. Im Jahre 1486 lebten in Ückendorf 60 Einwohner, die sich im Wesentlichen auf 14 Höfe verteilten; 1855 waren es 337 Einwohner. Als Bauerschaft zählte Ückendorf zum Kirchspiel und späteren Dekanat Wattenscheid, das dem Erzbistum Köln angehörte. mini|links|Zeche Holland, Schacht I und II, um 1910 Das rasche Wachstum Ückendorfs begann erst Ende des 19. Jahrhunderts durch den Ruhrbergbau. Mit dem Beginn der Kohleförderung auf der Zeche Holland im Jahre 1856, auf der Zeche Rheinelbe im Jahre 1861 und auf der Zeche Alma im Jahre 1872 „explodierte“ die Bevölkerungszahl binnen 35 Jahren auf das Vierzigfache (1855: 337 Einwohner; 1875: 5.275 Einwohner; 1890: 13.129 Einwohner). In kurzer Zeit entstand in Ückendorf die entsprechende Infrastruktur. Dazu gehörten das 1905 im Stil der Weserrenaissance errichtete – heute nur noch zu Wohnzwecken genutzte – Knappschaftskrankenhaus in der Knappschaftsstraße, das anfänglich über 200 Betten verfügte, die Bergarbeitersiedlung Flöz Dickebank (sie ist in ihrer äußeren Struktur noch weitgehend unverändert erhalten und vermittelt einen guten Eindruck der damaligen Wohnverhältnisse), die 1874 in Betrieb genommene Bahnstrecke Osterath–Dortmund Süd der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft über Bochum nach Dortmund (ein Relikt aus dieser Zeit ist der – heute genau auf der Stadtgrenze von Bochum und Gelsenkirchen liegende – Bahnhof Gelsenkirchen-Wattenscheid), die Almaschule an der heutigen Hohenfriedberger Straße (1883), die Parkschule in der Parkstraße (1899), die Rheinelbeschule in der heutigen Carl-Mostert-Straße, das Elektrizitätswerk (das bis 2004 in einigen baulichen Resten auf dem Werksgelände der Firma W. Geldbach noch erkennbar war), der 1906 stillgelegte Schlachthof an der Ückendorfer Straße Ecke Dördelmannshof, die katholische Kirche St. Josef, deren Grundstein am 11. November 1894 an der Ecke Ückendorfer Straße und Südstraße (heute Virchowstraße) gelegt wurde (die Pfarrgemeinde St. Josef wuchs in den 1920er Jahren zur größten Pfarrgemeinde Deutschlands), die evangelische Nicolaikirche, die am 15. März 1894 an der Ecke Ückendorfer Straße und Nordstraße (heute Flöz Sonnenschein) eingeweiht wurde. mini|Zeche Alma, um 1907 Aufgrund seiner Größe wurde Ückendorf im Jahre 1876 ein eigenes Amt im Landkreis Gelsenkirchen und löste sich damit vom Amt Wattenscheid. Erster Amtmann war Hermann Schaefer, ihm folgte 1879 Adalbert Cramer (an den heute noch die Bezeichnung der Straße Cramerweg erinnert). Das erste Amtshaus stand in der Ziegelstraße; später wurde ein neues Amtshaus in der Knappschaftsstraße (Ecke Bochumer Straße) errichtet und das erste Amtshaus zum Armenhaus umgewidmet.

Am 1. April 1903 wurde Ückendorf (damalige Schreibweise der Gemeinde: Ueckendorf) ein Teil der neu entstehenden Großstadt Gelsenkirchen und verlor damit seine Eigenständigkeit. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde 21.937 Einwohner. Der ab dem 1. April 1896 amtierende letzte Amtmann, Carl von Wedelstaedt, war von 1919 bis 1928 erster Oberbürgermeister Gelsenkirchens.

1935 gründete der Soziologe Wilhelm Brepohl die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet, die ihren Sitz zunächst in Brepohls Wohnung und dann im Verwaltungsgebäude der Glück-Auf-BrauereiJohannes Weyer: Die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet (1935–1941). Ein Beispiel für Soziologie im Faschismus. In: Soziale Welt, 35: 1984, S. 128 in Ückendorf hatte.

Im Zweiten Weltkrieg zählte Ückendorf neben Scholven zu den am meisten bombardierten Stadtteilen Gelsenkirchens. Allein am 17. Januar 1945 gingen bei einem schweren Luftangriff auf Ückendorf 46 Sprengbomben, zwei Luftminen, 2.300 Brandbomben und 250 Phosphorbrandbomben nieder. Die Befreiung vom nationalsozialistischen Regime erfolgte Anfang April 1945 durch US-amerikanische Truppen, die sich in den Ückendorfer Straßen zuletzt einen Häuserkampf mit dem Volkssturm und dem – mit Panzerfäusten, historischen Waffen, Sensen und Dreschflegeln ausgestatteten – Freikorps Sauerland lieferten. Nach der Niederschlagung dieser letzten Widerstände zogen die US-amerikanischen Truppen – begrüßt von vielen überlebenden Ückendorfern, an die die Amerikaner Zigaretten verteilten – mit Sherman-Panzern über die Bochumer Straße in den Stadtteil ein.

Bevölkerung Zum 31. Dezember 2023 lebten 21.015 Einwohner in Ückendorf.Bevölkerungszahl

Anteil der weiblichen Bevölkerung: 50,0 % (Gelsenkirchener Durchschnitt: 50,5 %)Anteil der weiblichen Bevölkerung Anteil der männlichen Bevölkerung: 50,0 % (Gelsenkirchener Durchschnitt: 49,5 %)Anteil der männlichen Bevölkerung Ausländeranteil: 29,6 % (Gelsenkirchener Durchschnitt: 26,0 %)Ausländeranteil

Städtebauliche Entwicklung Ückendorfer Platz Der Ückendorfer Platz bildet das historische Zentrum Ückendorfs. Er entwickelte sich aus dem Burbrink, dem ursprünglichen Dorfplatz der Gemeinde. Der Platz war von Lindenbäumen umgeben (an die heute noch die Bezeichnung der nahegelegenen Straße „Im Lindacker“ erinnert) und verfügte über einen von einer natürlichen Quelle gespeisten Dorfteich („Amtsteich“), der 1898 im Rahmen des Gleisumbaus für die Straßenbahnlinie 2 trockengelegt wurde. Auf dem Platz befand sich der „Lindenstein“, ein Findling, der seinen Namen seinem Standort unter der Dorflinde verdankt. Der Lindenstein markierte die Versammlungsstätte der Dorfbauern und war zugleich Richtstätte der untersten Gerichtsbarkeit, an der bis ins 18. Jahrhundert hinein noch Recht gesprochen wurde. Als sich am Ückendorfer Platz ein Verkehrsknotenpunkt entwickelte, fand der Lindenstein zunächst einen neuen Platz am Amtshaus in der Ziegelstraße; heute befindet er sich am Haupteingang des Von-Wedelstaedt-Parks. Der Sage nach soll der Lindenstein von einem auf dem Tippelsberg (im heutigen Bochum-Riemke) hausenden Riesen im Streit mit dem auf dem Mechtenberg (im heutigen Essen-Kray) hausenden Riesen auf den Ückendorfer Dorfplatz geworfen worden sein. Der Lindenstein war damals allgemein so bekannt, dass seine bloße Existenz als Beleg für die Wahrheit dieser Sage angeführt wurde.

„En stüksken van de twei risengripers op den Tieppelsbiarg un op den Mechtenbiarg.

Git wietet doch alle, dat frööer op den Mechtenbiarg en rise wuonde un enen op de Tieppelsbiarg. De Tieppelsbiarg liet en stünken van Baukem un de Mechtenbiar liet enige smiet wiages van Watsche na Allenessen hen.

De beiden risen bokken ümmer tehoupe broud. Einmal moch de eine backen, dann brach de andere sin broud un so gonk et ümmer üm. Nu moch es de kedel op den Mechtenbiarg broud backen, un de vam Tieppelsbiarge moch sine Knisten brengen. Wann nu de rise op den Mechtenbiarg in den truag schrappen, dann war et tid, dat de vam Tieppelsbiarge sin broud brach. Dat schrappen i de truag ludden uwwer so hat, as wann et gedonnert hedde. – As nu de stunne da was, wa de rise achter Baukem denner kommen moch, schrappen sik de op de Leithe faquanz an den rüggenstrank un depper darunner. Dat konn awwer de op den Tieppelsbiarg häören, un he kam ok richtich un brach de broude. Awwer da ha de in de Leithe nach nich de uawen angebot, un de van Baukem kam te fröü. Da wor he so böüse, dat he enen stein nam un den einen risen smeit. Dä leip awwer wech un kam in en paar sprüngen in Ueckentüarp an. Da fol ok de stein terdale, un he liet nach di dat spreitenhüsken. Den grouten stein kent alle lüe, de in de giegend wont, un he het nich andes as de groute kieseling van de kedel op den Tieppelsbiarg.“

Sage von den beiden Riesen auf dem Tippelsberg und auf dem Mechtenberg.

Ückendorfer Straße Historisch betrachtet bildet nicht die Bochumer, sondern die Ückendorfer Straße die eigentliche Hauptstraße Ückendorfs. Sie verband den Hellweg in Wattenscheid mit dem Lippe-Hellweg und durchkreuzte dabei den dörflichen Mittelpunkt Ückendorfs, den heutigen Ückendorfer Platz. Nachdem an der Ecke zum Festweg die erste Ückendorfer Schule errichtet worden war, erhielt die Straße erstmals einen Namen und wurde „Schulstraße“ genannt. Ihren heutigen Namen erhielt die Ückendorfer Straße erst mit der Eingemeindung Ückendorfs nach Gelsenkirchen. Auch die Straßenbahnlinie 2, die heutige Linie 302 der BOGESTRA, verlief seinerzeit nicht über die Bochumer, sondern über die Ückendorfer Straße, und zwar Anfangs lediglich eingleisig. Der Straßenbahnverkehr auf der Ückendorfer Straße wurde 1955 eingestellt.

Bochumer Straße mini|links|hochkant=1.2|Das Justizzentrum Gelsenkirchen an der Bochumer Straße