mini|Ortsbild von Forst an der Weinstraße

Forst an der Weinstraße ist eine Ortsgemeinde im vorderpfälzischen Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) und hat einen Namen als Winzerdorf. Sie gehört der Verbandsgemeinde Deidesheim an, innerhalb derer sie sowohl gemessen an der Einwohnerzahl als auch gemessen an der Fläche die kleinste Ortsgemeinde darstellt.

Geographie Lage Der Ort liegt am hügeligen Westrand der Oberrheinischen Tiefebene an der Deutschen Weinstraße im pfälzischen Weinbaugebiet. Nachbarorte sind Wachenheim im Norden, Friedelsheim im Nord- und Niederkirchen im Südosten sowie Deidesheim im Süden. Im Westen der Gemarkung erstreckt sich außerdem das Margarethental.

Erhebungen und Gewässer Der Pechsteinkopf ist ein hoher Berg westlich von Forst mit einem Basalt­vorkommen, das bis ins 20. Jahrhundert abgebaut und mit einer Drahtseilbahn zu Tal geschafft wurde. Mitten durch den Ort fließt der Stechgraben, durch den Nordosten der Gemarkung verläuft der Wachenheimer Bach.

Geschichte Der salische Graf Johann, Neffe von Kaiser Heinrich IV. und von 1090 bis 1104 als Johann I. Fürstbischof von Speyer, schenkte 1100 seine persönlichen Besitzungen im Speyergau, darunter auch Deidesheim, dem Hochstift Speyer. Der ausgedehnte Pfälzerwald westlich von Deidesheim, der in Urkunden „Vorst“ bzw. „Forst“ genannt wurde, war von dieser Regelung ausgenommen und blieb der fürstbischöflichen Jagd vorbehalten. In diesem Forst liegen die Anfänge des Dorfs. Ab 1474 unterstand der Ort dem Speyerer Amt Deidesheim. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Am 10. Mai 1525, während des Bauernkriegs, führte Kurfürst Ludwig V. in Forst erfolglose Verhandlungen mit den aufständischen Bauern des Geilweiler und des Bockenheimer Haufens.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Forst landesherrlich zum Hochstift Speyer. Im Jahr 1794 wurde das linke Rheinufer im Ersten Koalitionskrieg von den Franzosen besetzt. Von 1798 bis 1814 gehörte Forst zum Kanton Dürkheim () im Département Donnersberg () und besaß eine eigene Mairie.

Aufgrund der Vereinbarungen des Wiener Kongresses kam das Gebiet im Juni 1815 zunächst zu Österreich und wurde 1816 auf der Grundlage eines Staatsvertrags an das Königreich Bayern abgetreten. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte Forst von 1817 an zum Landkommissariat Neustadt im Rheinkreis, ab 1862 zum Bezirksamt Neustadt.

1902 wechselte die Gemeinde in das neu geschaffene Bezirksamt Dürkheim, ehe dieses 1931 wieder in sein Neustadter Pendant eingegliedert wurde. Ab 1939 war Forst Bestandteil des Landkreises Neustadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde Forst Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen Verbandsgemeinde Deidesheim.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahl von Forst; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.

Jahr Einwohner 1815 695 1835 789 1871 591 1905 589 1939 603 1950 746 Jahr Einwohner 1961 742 1970 687 1987 669 1997 732 2005 848

Religion Die Katholiken gehören zum Bistum Speyer und unterstehen dort dem Dekanat Bad Dürkheim. Seit 1. Januar 2016 ist der Ort eine Filiale der in Deidesheim ansässigen Pfarrei Hl. Michael. Zuvor hatte die katholische Gemeinde in Forst eine eigene Pfarrei, die zuletzt – von 2006 bis 2015 – eine Pfarrgemeinschaft mit den Pfarreien St. Ulrich (Deidesheim) und St. Martin (Ruppertsberg) bildete. Die Evangelischen gehören zur Protestantischen Landeskirche Pfalz. Ende 2017 waren 50,3 % der Einwohner katholisch und 26,8 % evangelisch. 20,8 % waren konfessionslos, und 2,1 % gehörten einer sonstigen Religion an.Gemeindestatistik EWOISneu, Stand: 31. Dezember 2017.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Forst besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl CDU Grüne FWG Gesamt 2024 6 1 5 12 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 7 1 4 12 Sitze 2009 per Mehrheitswahl 12 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Forst e. V.

Bürgermeister Von 2009 bis 2024 war Bernhard Klein (CDU) Ortsbürgermeister von Forst. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 74,95 % in seinem Amt bestätigt.

Zur Direktwahl am 9. Juni 2024 trat Klein nicht erneut an. Es wurde auch kein anderer Wahlvorschlag eingereicht, auch bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am 9. Juli war noch kein Kandidat gefunden worden. Erst bei der nächsten Ratssitzung nach der Sommerpause fand sich mit Thomas Keller (Grüne) ein Kandidat; er wurde einstimmig vom Rat zum Ortsbürgermeister gewählt.Neues Führungstrio in Forst. In: Die Rheinpfalz, Mittelhaardter Rundschau. Nr. 206, 4. September 2024.

Wappen

Sehenswürdigkeiten und Kultur Kulturdenkmäler mini|Pfarrkirche St. Margareta

Der Ortskern ist als Denkmalzone ausgewiesen. Hinzu kommen zahlreiche Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die katholische Kirche St. Margareta. Sie wurde zwischen 1716 und 1723 errichtet und besitzt einen 40 m hohen Turm, der aus dem Jahr 1767 stammt. In den Kirchenhügel wurde 1933 das Kriegerdenkmal als offene Krypta mit dreiteiligem Kreuzgewölbe gebaut.

Sonstige Bauwerke Das Nördliche Ungeheuer, eine Steinskulptur von Steinbildhauer-Meisterin Janet Weisbrodt (Niederkirchen bei Deidesheim) am nördlichen Ortseingang, sowie das Südliche Ungeheuer als Pendant am südlichen Ortseingang, geschaffen von Steinbildhauer-Meisterin Bettina Morio aus Deidesheim, spielen auf die bekannte Weinlage Forster Ungeheuer an.

Der Eichbrunnen, der Pechsteinbrunnen und der Hansel-Fingerhut-Brunnen stehen im oder nahe beim Ortszentrum.

Der Lagenstein mit eingravierten Forster Weinlagen ist ein Aussichtspunkt westlich des Dorfs, ebenso die Madonnenstatue in der Weinlage Mariengarten und das Hahnenböhler Kreuz in der Gewanne Hahnenböhl (Gemarkung Deidesheim), das als hölzernes Wetterkreuz 1803 errichtet und 1886 durch ein Kreuz aus Eisen ersetzt wurde.

Natur Der Westen der Gemarkung liegt im Naturpark Pfälzerwald, der wiederum Bestandteil des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord ist. Innerhalb des Gemeindegebiets befinden sich drei Naturdenkmale, unter ihnen die Bismarckhöhle. Sie befindet sich westlich des Ortes nah am Waldrand und wurde 1885 aus Anlass des 70. Geburtstags von Reichskanzler Otto von Bismarck geschaffen. Die Gedenktafel am Eingang trägt eine Inschrift, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen den Namen „Bismarck“ ergeben:

mini|Bismarckhöhle

Bringt Wetter dich In Not, So kehre bei mir ein. Männiglich Arm wie Reich, Christ oder Heid, Künftig soll geschützet sein.

Das Naturschutzgebiets Haardtrand – Am Bechsteinkopf trägt die Nummer NSG-7332-174.Rechtsverordnung Das Naturschutzgebiet NSG-7332-220 Forster Bruch erstreckt sich zwischen Forst und der Bundesstraße 271 östlich des Ortes.

Veranstaltungen mini|Winterverbrennung beim Hansel-Fingerhut-Spiel

Seit 1721 ist das Hansel-Fingerhut-Spiel nachgewiesen. Dieses Frühlingsfest mit Winterverbrennung wird jährlich am Sonntag Laetare gefeiert und zieht Zuschauer auch von außerhalb der Region an. Am 9. Dezember 2016 wurde es in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Weinkerwe beim Ungeheuer findet am ersten Augustwochenende statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Fruchtbarkeit der Böden und das milde Klima veranlassten bereits die Römer, hier Edelkastanien, Mandeln, Feigen und Zitrusfrüchte anzupflanzen, speziell aber den Weinbau einzuführen. Forst liegt in der Region Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße und ist berühmt für seine Weinlagen, wie Forster Ungeheuer (38,0 ha)Forster Ungeheuer - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Kirchenstück (3,7 ha)Forster Kirchenstück - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Musenhang (17,7 ha)Forster Musenhang - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Pechstein (19,0 ha)Forster Pechstein - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Bischofsgarten (46,7 ha)Forster Bischofsgarten - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Elster (8,4 ha)Forster Elster - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024, Freundstück (4,3 ha)Forster Freundstück - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024 und Jesuitengarten (7,3 ha)Forster Jesuitengarten - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 16. Februar 2024. Die Einzellagen gehören zur Großlage Forster Mariengarten. (PDF, 0,7 MB) Die Rebsorte Riesling dominiert mit einem Anteil von etwa 85 Prozent an den rund 180 Hektar Rebfläche. Zu den noch selbst vermarktenden Weinerzeugern des Ortes gehören Acham-Magin, Eugen Müller, Eugen Spindler, Georg Mosbacher, Heinrich Spindler, Lucashof. Werlé Erben sowie der Forster Winzerverein. Die Erwerbstätigkeit wird zunehmend auch durch Tourismus und Gastronomie geprägt.

Verkehr mini|Deutsche Weinstraße innerhalb von Forst

Forst ist ein Straßendorf. Die ursprünglich einzige Straße durchzieht den Ort von Nord nach Süd, heute mit einer Länge von etwa 1,2 km als Teilstück der Deutschen Weinstraße. Dies war früher zugleich die Bundesstraße 271, die Bad Dürkheim und Neustadt an der Weinstraße verbindet.

Eine erste kleine Umgehungsstraße wurde um 1970 direkt am östlichen Dorfrand gebaut; sie wurde inzwischen jedoch vom Ort „eingeholt“ und firmiert mittlerweile als Landesstraße 516. In den 1990er Jahren wurde die B 271 für die gesamte Region 1 km nach Osten verlegt und berührt die Weinorte nicht mehr. Über die B 271 und deren Anschluss Deidesheim besteht seitdem auch eine schnelle Anbindung von Forst an die Autobahn 65 (Anschlussstelle 11 Deidesheim), über die in etwa 25 Minuten Ludwigshafen oder in etwa 50 Minuten Karlsruhe erreicht werden kann. In nördlicher Richtung gelangt man auf der B 271 nach Bad Dürkheim und zur dortigen Anschlussstelle der Autobahn 650 (Bad Dürkheim–Ludwigshafen). Nahverkehrsmäßig ist die Gemeinde über die von Busverkehr Imfeld betriebene Buslinie 512 nach Neustadt angebunden.

Tourismus Durch die Waldgemarkung verlaufen der Prädikatswanderweg Pfälzer Weinsteig und ein Wanderweg, der mit einem roten Punkt markiert ist. Westlich des Siedlungsgebietes verläuft einer durch die Weinberge, der mit einem roten Balken gekennzeichnet ist und von Neuleiningen bis nach Siebeldingen führt.

Forstwirtschaft Forst ist Besitzer von etwa 52 Hektar Wald. Er wird vom Forstzweckverband Mittelhaardt im Forstrevier Wallberg bewirtschaftet.

Persönlichkeiten Ehrenbürger mini|hochkant|Ehrenbürger Paul Tremmel

1. Dezember 1969: Richard Mosbacher (1898–1977), Bürgermeister von Forst (1945–1956) 19. März 1984: Josef Spindler (1904–1988), Bürgermeister von Forst (1956–1960) Paul Tremmel (1929–2025), Pfälzer Mundartdichter, wohnte bis 2016 in Forst. 7. September 2021: Dieter Bonn 7. September 2021: Hans Rau (* 1941), langjähriges Mitglied im Gemeinderat, engagierter Ehrenamtler, Chronist

Söhne und Töchter der Gemeinde