Die Wiesenbrücke in Schopfheim ist eine 1911/1912 errichtete Straßenbrücke über den Fluss Wiese. Trotz ihrer vergleichsweise geringen Länge von 40 Metern gilt sie aufgrund ihrer Bauform als außergewöhnliche Ingenieurleistung ihrer Zeit.
Geschichte Nachdem lange Jahre zwischen Schopfheim und dem am Berg Entegast gelegenen Stadtwald eine Holzbrücke mit drei BogenfeldernEine Fotografie findet sich bei Karl Seith: Beiträge zur Geschichte der Stadt Schopfheim. Im Zusammenhang mit der Deutschen Geschichte. Stadt Schopfheim, Schopfheim, 1976, S. 229. gestanden hatte und diese 1907 zum wiederholten Mal durch ein Hochwasser beschädigt worden war, entschloss sich der Gemeinderat zu einem Brückenneubau aus Beton. Den Entwurf fertigte der Ingenieur Friedländer vom Freiburger Büro Brenzinger & Cie. an. Aufgrund guter Gründungsmöglichkeiten am Ufer entschied man sich für einen sehr flachen Bogen. Zur Ausführung kam es in den Jahren 1911 bis 1912. Im Laufe der Jahre traten Korrosionsschäden an der Bewehrung auf, da man eine zu geringe Betondeckung gewählt hatte. Nach einer unsachgemäßen Sanierung in den 1960er Jahren war das Bauwerk in den 1990er Jahren in einem sehr schlechten Zustand, so dass es in den Jahren 1994 bis 1995 grundlegend saniert werden musste. Nachdem Fritz Leonhardt die Brücke als besondere Ingenieurleistung und damit als erhaltenswertes Baudenkmal eingestuft hatte, gewährte das Landesdenkmalamt einen Zuschuss für die Sanierungsmaßnahmen.Schlaich, Schüller: Ingenieurbauführer Baden-Württemberg. S. 154. Im März 2024 wurde beanstandet, dass die Brüstung der Brücke zu niedrig sei und die Stadt Schopfheim erhöhte daraufhin die historische Betonbrüstung mit einem Holzaufbau, was in Teilen der Bevölkerung kritisiert wurde.Das ist nicht mehr unsere Brücke. in: Badische Zeitung vom 15. März 2024.
Lage und Beschreibung Die Brücke westlich des Zentrums von Schopfheim überquert die Wiese, die in diesem Abschnitt eher seicht verläuft, von Norden nach Süden. Der Hebel-Wanderweg verläuft über die Wiesenbrücke, an deren Ufer sich eine Station befindet.
links|miniatur|Blick unter die Brückentrasse Die rund 40 Meter lange Brücke ist 5,60 Meter breit und etwa vier Meter hoch. Als Hauptträger dient ein Zweigelenkbogen aus bewehrtem Beton, der im mittleren Teil als Brüstung über der Fahrbahn hochgezogen ist. Der Bogen weist bei einer Spannweite von 34,80 Metern eine Höhe von 2,40 Meter auf, was auch für moderne Verhältnisse ungewöhnlich ist. Um Biegezwang zu vermeiden, wurden an den Kämpfern Gelenke aus Beton eingesetzt. Diese weisen eine Spiralbewehrung auf, die für die damalige Zeit neuartig war. Die Fahrbahn wird von dreistegigen Plattenbalken mit Querrippen getragen, die zwischen den Hauptträgern aufliegen. Auf der in Flussrichtung rechten Uferseite ist die Brücke für die bessere Verkehrsführung beidseitig verbreitert.
Während die rechte Uferseite von Felsen dominiert wird und der Brücke ausreichend Halt liefert, musste am linken Ufer die Gründung 9,50 Meter unterhalb des Fahrbahnprofils vorgenommen werden und damit drei Meter tiefer als geplant. Für ein sicheres Fundament wurde die Sohle hier sägezahnförmig ausgebildet.Schlaich, Schüller: Ingenieurbauführer Baden-Württemberg. S. 155.
Literatur Jörg Schlaich, Matthias Schüller: Ingenieurbauführer Baden-Württemberg. Bauwerk Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-934369-01-4, S. 154–155. Walter Flößer: Die Schopfheimer Wiesenbrücke — ihre Geschichte von 1882–1992. In: Jahrbuch Schopfheim 1992, S. 36–49 Walter Flößer: Die Wiesenbrücke in neuem Glanz. In: Jahrbuch Schopfheim 1995, S. 74–78
Weblinks
Wiesenbrücke in Schopfheim. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg. Brücke in Schopfheim (Baustelle). In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
Einzelnachweise
Kategorie:Straßenbrücke in Baden-Württemberg Kategorie:Wiesenbrücke Kategorie:Brücke im Landkreis Lörrach Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Bauwerk in Schopfheim Kategorie:Brücke in Europa Kategorie:Bauwerk aus Beton Kategorie:Bogenbrücke Kategorie:Kulturdenkmal in Schopfheim