mini|Heidelberg-Granit (Pinklinie) des Kristallinen Odenwaldes und angrenzende geologische Gebiete: Schollenagglomerat (Sign. rot///), Tromm-Granit (TG, violett gerahmt), Rheingraben (RG) und Buntsandstein-Odenwald (BuO). Weitere Einheiten: Flasergranitoidzone (FGZ), Weschnitzpluton (WP), Böllsteiner Odenwald (BO), Zwischenzone (ZZ), Frankenstein-Komplex

Als Heidelberg-Granit-Gebiet wird der südliche Teil des Kristallinen Odenwaldes zwischen Weinheim und Heidelberg im Westen und der Buntsandsteinstufe im Osten bezeichnet.Unit III in der Gliederung bei Altherr bzw. Stein, Eckardt u. a.: Geologie des kristallinen Odenwalds – seine magmatische und metamorphe Entwicklung. In: Jahresberichte und Mitteilungen. Oberrheinischer Geologischer Verein, N.F. 83. 2001, S. 89–111.Geologische Übersichtskarten s. Geologische Übersichtskarten s. Exkursionsbericht Odenwald der Uni Frankfurt (PDF). Er intrudierte im Unterkarbon vor etwa 339 Mio. Jahren und repräsentiert somit eine Entwicklungsstufe der Variszischen Gebirgsbildung, deren Ursachen und Verlauf unter Geologie des Odenwaldes skizziert sind.

Die Hauptformationen des Heidelberger Granitgebietes Das Leitgestein, und damit namengebend für die südlichste Region des kristallinen Odenwalds, ist ein durch große Kalifeldspate vielfach porphyrartig wirkender Granit (pG),Erwin Nickel: Odenwald - Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. (= Sammlung geologischer Führer 65). 2. Auflage. Borntraeger, Berlin 1985, S. 3 ff., 21 ff. bei dem die hellen Gemengeteile Quarz, Kalifeldspat und Kalknatronfeldspat (Plagioklas) mit wechselnder Korngröße vorherrschen. Die durchschnittliche mineralogische Zusammensetzung liegt bei 20–25 % Quarz, 30–35 % Kalifeldspat, 35–40 % Plagioklas, 5–10 % Biotit (dunkler Glimmer) und ähnelt der des Tromm-Granits, der etwa 10 % mehr Quarz und etwas weniger Kalifeldspat enthält. Gemeinsam ist beiden auch die Infiltration von feinkörnigen aplitartigen Granitintrusionen (G2), wahrscheinlich die jüngsten im Odenwald. Diese Nachschübe weisen kaum Biotit, weniger Plagioklas, aber mehr Kalifeldspat und Quarz auf als der Heidelberg-Granit.Nickel, 1985, S. 22. mini|Hinter dem Rhyolith-Wachenberg-Rücken (links) das Granit-Granitoid-Gebiet zwischen Weinheim (Geiersberg) und Schriesheim (vom Hirschkopf aus fotografiert), dahinter Rhyolith- und Buntsandstein-Berge (u. a. Weißer SteinBlick vom Sendeturm des Weißen Stein in umgekehrter Richtung nach Norden über die Heidelberger Granit-Region und die Flasergranitoidzone (Bild 8)) nördlich Heidelbergs, rechts am Horizont: die Rheinebene Eine genaue Grenzziehung zum nördlichen Tromm-Granit ist kaum möglich, auch wenn eine Mischzone, das sogenannte Schollenagglomerat, südlich einer Linie Weinheim-Wald-Michelbach die Gebiete teilweise trennt.Nickel, 66, Karten S. XI und 15. Das Schollenagglomerat ist ein Verband von Gesteinen (Granit-Granodiorit-Diorit-Schiefergneis mit vielfältigen Übergängen), die im Zuge der Gebirgsbildung metamorphosiert und von Granitintrusionen aufgelöst wurden.Nickel, 1985, S. 16.

Die pG/G2-Verteilung im Heidelberg-Granit-Gebiet konzentriert sich auf die Region am Gebirgsrand zwischen Weinheim-Schriesheim und erstreckt sich bis zur Buntsandsteinstufe, die östlich des Tromm-Granits in der Otzberg-Störungszone (s. u.) entlang des Ulfenbachtals verläuft, dann bogenförmig (über Siedelsbrunn-Heiligkreuzsteinach-Vorderheubach-Altenbach) südwestlich bis Heidelberg ausschwingt und dadurch die Granite bedeckt (weiteres unter Geologie des Odenwaldes), worauf einige Anschnitte in Tälern (z. B. im Eiterbach- bzw. Neckartal) hinweisen. G2 tritt vorwiegend im östlichen Raum Lampenhain-Vorderheubach-Heiligkreuzsteinach auf.Karten, Nickel, S. XI, 64. Unterbrochen wird dieser Komplex durch Granodiorit-, Diorit/Gabbro-, Schiefergneis- sowie Rhyolith- und Tuffstein-Inseln, v. a. in einem Viereck zwischen Ritschweier-Oberflockenbach-Unter-Flockenbach-Leutershausen-Ritschweier. Südlich und östlich Schriesheims durchbrechen vulkanische Gesteine die Granite oder überdecken sie.

Solche Formationen sind noch in Steinbrüchen aufgeschlossen, die Bausteine sowie Straßenschotter herstellen: Rhyolith wird bzw. wurde vor allem bei Weinheim (Wachenberg, ), Schriesheim (Ölberg) und Dossenheim abgebaut, Granit/Granodiorit beispielsweise am Steinberg nahe der Ursenbacher Höhe (Granodiorit: 35 % Plagioklas, 25 % rötlicher Quarz, 25 % Kalifeldspat, 10 % Biotit und Hornblende). Ein Sonderfall ist im Granitgebiet der Hohen Waid bei Schriesheim der Granatfelsen als ca. 200 m lange und 50 m breite Linse in Metamorphiten. Die Kalkgranate haben sich wahrscheinlich aus silikathaltigen Kalksteinen durch Kontakt mit der metamorphen Umgebung gebildet.Nickel, S. 52 ff.

Tektonische Prozesse Durch die Kontinentalverschiebung drifteten in der Devon- und Karbon-Zeit (vor etwa 380-320 Mio. Jahren) zwischen einem Nord und einem Südkontinent kleine Terrane und Inseln aufeinander zu. Infolge der Zusammenschiebungen wurden einmal Gesteine tief in die Erdkruste versenkt (Subduktion) und in ca. 15 Kilometer Tiefe aufgeschmolzen, zum Zweiten – zusammen mit Magmagesteinen – langsam wieder in die Erdkruste hochgedrückt, wo sie im Laufe von 60 Mio. Jahren allmählich abkühlten und auskristallisierten. So entstand das Variszische Gebirge, zu dem der Odenwald zählt,Wolfgang Franke: The mid-European segment of the Variscides: tectono-stratigraphic units, terrane boundaries and plate tectonic evolution. In: Geol. Soc. London Spec. Publ. 179, 2000, S. 35–61. und als Teil davon die südlichste Region des Heidelberger Granits mit den oben genannten Granit- und Mischgesteinzonen.

In der Fachliteratur werden sowohl die Entstehung der verschiedenen Formationen des kristallinen Odenwaldes wie auch die Abgrenzung gegenüber den benachbarten Einheiten in Verbindung mit den tektonischen Prozessen diskutiert.Calo Dietl: Structural and Petrologic Aspects of the Emplacement of Granitoid Plutons: Case Studies from the Western Margin of the Joshua Flat-Beer Creek-Pluton (White-Inyo Mountains, California) and the Flasergranitoid Zone (Odenwald, Germany). Dissertation. Heidelberg 2000, S. 196. Unterschiedliche Auffassungen gibt es bezüglich der Abgrenzung der südlichen Granit- und Granodioritkomplexe gegenüber der zentralen Flasergranitoidzone. Willner (1991) und Krohe (1994)C. Dietl: Structural and Petrologic Aspects. 2000, S. 194. beschreiben, wie Altherr, eine Störungszone (strike-slip zone) als Grenze zwischen der Flasergranitoidzone und dem Weschnitzpluton und betonen die Unterschiede der Intrusionsstrukturen: Im südlichen Teil des Bergsträßer Odenwalds treten die Intrusionen als große nach oben dringende Plutone auf, wohingegen sie der zentralen Region meistens eine enge und komplexe Verbindung eingehen. Deshalb teilen sie den Bergsträßer Odenwald in zwei unabhängige tektonisch-metamorphische Einheiten (unit 2 und unit 3). Stein dagegen fasst die Flasergranitoidzone mit Weschnitzpluton, Tromm-Granit und Heidelberg-Granit zusammen, da er keine Störungszone ermitteln konnte.C. Dietl: Structural and Petrologic Aspects. 2000, S. 215.

mini|Von der Rheinebene aus weit sichtbar sind die Porphyr (Rhyolith)-Steinbrüche zwischen Schriesheim (auf dem Granitgrundgebirge, links oben am Bildrand) und Dossenheim. Als geologische Fenster geben sie einen Blick frei zurück in die Zeit des Vulkanismus im Rotliegenden Für diese Annahme sprechen v. a. die Radiometrische Messungen von Kreuzer und Harre,H. Kreuzer, W. Harre: K/Ar-Altersbestimmungen an Hornblenden und Biotiten des Kristallinen Odenwalds.- In: G. C. Amstutz, S. Meisl, E. Nickel (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. (= Der Aufschluss Sonderband 27). 1975, S. 71–77. Rittmann (1984) und Todt (1995), die weder eine bedeutende Zeitdifferenz zwischen den Intrusionen noch zwischen den Höhepunkten der Metamorphosen in beiden units zeigen: 235Uran-207Blei- und 238Uran-206Blei-Datierungen an Zirkonen von Metamorphiten, die aus Sedimenten entstanden sind, des zentralen (336–337 Mio. Jahre) und des südlichen Bergsträßer Odenwalds (342 Mio. Jahre, 332 Mio. Jahre) beziehen sich auf thermale Spitzen der regionalen Metamorphose.Todt u. a., 1995, s. C. Dietl: Structural and Petrologic Aspects. 2000, S. 216. Die anschließende Abkühlungsgeschichte ist hergeleitet von Kalium-Argon- und 40Argon-39Argon Werten von Hornblende (343-335 Mio. Jahre; 334 Mio. Jahre) und Biotit (328-317 Mio. Jahre; 330 Mio. Jahre).Kreuzer und Harre (1975), Rittmann (1984), s. C. Dietl: Structural and Petrologic Aspects. 2000, S. 216. Die weitere Beweisführung ist unter Flasergranitoidzone aufgeführt.

Die Eruptivgesteine bildeten sich in der Zeit des Ober-Rotliegenden vor etwa 260 Mio. Jahren, als große Erschütterungen der Erdkruste den Odenwald durchrüttelten und Vulkane, v. a. im Gebiet um Weinheim (Wachenberg (), Daumberg), Schriesheim/DossenheimBilder vom Steinbruch am Ölberg bei SchriesheimBilder des Steinbruchs SporenbergBilder vom Steinbruch Leferenz bei Dossenheim (vor 290-270 Mio. Jahren) und Heidelberg-Ziegelhausen, an alten Störungszonen aus der Erde drangen, Tuffe (z. B. zwischen Schriesheim und WilhelmsfeldBilder vom Leichtersberg nachweisbar) und GlutwolkenBilder des Auersteins bei Heidelberg aus ihren Kratern schleuderten und Lava auf eine flachwellige Granit-Gneis Erdoberfläche gossen, die nach Verwitterung der variszischen Berge übriggeblieben war. Diese alte permische Rumpffläche ist im Kanzelbachtal noch sichtbar: Östlich von Schriesheim am Allmannsbacher Kopf (unterschiedliche Schreibweisen, u. a. Allmesbach, ), am Wendenkopf ()Bilder Aufschluss am Wendenkopf bzw. am Leichtersberg lagert Rotliegendes auf dem Granit. Ein weiteres Zeugnis der geologischen Vergangenheit ist der Rhyolith-Steinbruch Weinheim, wo die erstarrte Schlotfüllung des Wachenberg-Vulkans zu Schotter verarbeitet wird. In Schriesheim/Dossenheim dagegen ist der Abbau der auf dem Granitgebirgsrumpf aufliegenden Quarzporphyrdecken inzwischen eingestellt. Die Ausbruchsstelle dieses Vulkans lag vermutlich im Gebiet des heutigen Rheingrabens und versank mit allen Materialien bei dessen Einbruch.

mini|Westlich von Ziegelhausen ist durch den Neckareinschnitt zwischen der Buntsandsteindecke und dem Granit verkieselter Zechstein aufgeschlossen, der in der Sedimentationszeit im Perm abgelagert wurde, als das Zechsteinmeer den Granitrumpf der inzwischen verwitterten und abgetragenen variszischen Berge bedeckte.

Ein Relikt der Sedimentationszeit findet man bei Ziegelhausen: Zechstein aus dem Erdzeitalter des jüngeren Perm, als das Zechsteinmeer die Region überflutete und sie mit Ablagerungen bedeckte, die für den Erzbergbau bedeutsam sind, da in die Dolomite später eisen- und manganhaltige Quarzlösungen eindrangen.

Die östliche Grenze des Heidelberger Granitgebietes ist durch Buntsandsteinablagerungen (unterer B. im Schriesheimer-Heidelberger Raum, die Hauptgipfel liegen im mittleren oder oberen B., so im Katzenbachtal bei Schriesheim) aus dem Mesozoikum (Erdmittelalter) zwischen 250 und 65 Mio. Jahren geprägt (s. auch Buntsandstein-Odenwald). Damals wurden bis zu 600 m mächtige Buntsandstein-, Muschelkalk-, Keuper- und Jura-SchichtenG. Frenzel: Die Nephelingesteinsparagenese des Katzenbuckels im Odenwald. Der Aufschluss Sonderband 27, 213–228, Heidelberg 1975. abgelagert, die im Odenwald größtenteils nicht mehr erhalten sind, bis auf die Buntsandsteine z. B. der das Neckartal begrenzenden Bergzüge.

Bei variszischen und späteren (v. a. tertiären) tektonischen Vorgängen rissen, v. a. im westlichen Teil in der Nähe des heutigen Rheingrabenrands, immer wieder in den Gesteinsmassen Spalten auf, in welche z. B. jüngere Aplite, wie südwestlich von Altenbach, oder Schmelzen eindrangen und dort zu Ganggesteinen auskristallisierten. Beispiele sind u. a.