Kager ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Pemfling im Landkreis Cham (Oberpfalz, Bayern).
Geographische Lage Das Dorf Kager liegt etwa 60 km nordöstlich von Regensburg und etwa 10 km nordwestlich der Kreisstadt Cham und damit im östlichsten Landkreis des Bayerischen Regierungsbezirks Oberpfalz. Kager befindet sich innerhalb des Naturparks Oberer Bayerischer Wald.
Geschichte Namensherkunft Kager bedeutet so viel wie Pfahlwerk, dichtes Gesträuch, lebender Zaun.E. Schwarz: Namenkundliche Grundlagen, S. 52 f. (Kag = Gehag, ahd = hac, mhd = hag lebende Hecke, kag = Erdauswurf mit Stauden)Schmied Willibald, Brunner, Johann, Die Ortsnamen des Bezirksamtes Cham, Universitätsbibliothek Regensburg, Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, urn:nbn:de:bvb:355-ubr02395-0065-0, S. 79.
Der Name ist sehr häufig und in vielen Gegenden Altbayerns und Österreichs anzutreffen.
Geschlechtername Im Mittelalter wird in dieser Gegend häufig das Geschlecht der Kagerer (alias Kager, von der Kager),Johann Michael Wilhelm von Prey: Sammlung zur Genealogie des bayerischen Adels. Band 16, S. 21 ff.Wiguleus Hund: Bayrisch Stammen-Buch, Band 1, S. 237 f. die unter anderem auf Geigant (Lkr. Cham) ihren Sitz hatten,Ein kleiner Ausflug in die Historie von Geigant, auf geigant.de genannt. Dieses weitverzweigte deutsche Rittergeschlecht soll seinen Namen nach deren Stammburg Kager und dem Dorf Kager (später Kogerau bis 1945, heute Kolová), östlich von Königsberg a.d. Eger, geführt haben.Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg. Band 88 (1938), S. 210.
Urkundliches über die Besitzverhältnisse Die Region um Kager gehörte ursprünglich (ab 1009) zu den Besitzungen des Bistums Bamberg. Vorher gehörte es zum Kollegiatstift zur Alten Kapelle in Regensburg.W. Straßer: Kager. Eine 600 Jahre alte Hofmark, in: Die Oberpfalz 52 (1964), S. 224 ff.
1413 erhält Ruprecht Donnersteiner in dem Streit um den Nachlass eines Pemflingers dessen sämtlichen Besitz ausgenommen „daz dorff zu kager mit allem zugehören, daz lehen ist von dem hochwirdigen Bystump zu Babenperg“.Monumenta Boica, Bd. 26, S. 314. Um 1454 sind die Eyttenharter (Eittenharter) als Inhaber beglaubigt, von denen sich Ruprecht „zue der Kager“ nennt.Monumenta Boica, Bd. 26, S. 479. Dieses Geschlecht war seit 1437 auch im Mitbesitz der Hofmark Pemfling.
Spätestens 1488 erfolgte die Erhebung Kagers zur Hofmark. Es hatte eine Sonderstellung unter den Hofmarken dieser Gegend inne: es war nicht immer vererbbar.
1518 hatte der Landsasse Mertein Ziegler (Zigler) das Lehen inne, der auch Burghüter zu Wetterfeld war. Ab 1539 findet sich Jörg von Murach als Inhaber. Ambronn: Landsassen (1982), S. 104f. Auf ihn folgt 1550 als Mit-, dann Alleinbesitzer Endreß Georg von Murach, dann 1584 dessen Stiefsohn Hans Christoph Fuchs der Jüngere, der Kager durch Testament von seinem Stiefvater erhält. Im Steuerbuch von 1590 ist der gesamte Besitz des Fuchs unter Kager zusammengefasst, dabei wird Pemfling, Darstein, Döfering, Grafenkirchen, Löwendorf, Engelsdorf, Rhan, Balbersdorf und Rackelsdorf erwähnt, um nur die wichtigsten Dörfer zu nennen.
Fuchs verkauft Kager 1610 an den Obristen Georg Wolf Kolb von Raindorf, womit die endgültige Lösung aus dem Pemflinger Erbe erfolgte.Piendl: Cham (Historischer Atlas 1955, S. 40). Nachdem 1623 der Katholik und Münchner Wittelsbacher Maximilian I. die Obere Pfalz und somit auch Kager als Entschädigung für seine Kriegsdienste bekommen hatte, betrieb er mit aller Macht die Rekatholisierung Bayerns. Am 30. Dezember 1627 soll Georg Wolf von Raindorf auf Kager die Landesfürstliche Mahnung erhalten haben, entweder katholisch zu werden oder innerhalb von 10 Wochen sein Landsassengut zu verkaufen und wegzuziehen. Am 22. Februar 1628 wird Maximilian wirklich Herr der Oberpfalz. Am 26. April 1628 erlässt der Kurfürst das Religionsedikt: Entweder Übertritt zur katholischen Religion oder Verkauf des Eigentums und nach sofortiger Zahlung der Steuern Auswanderung. Kolb dient dem Kurfürsten weiterhin: Nach verschiedenen Schlachten wurde er 1647 als Generalwachtmeister Leitung der Befestigung der Stadt Cham. Blieb 1647 während des Abfalls des Generals von Werth dem bayerischen Kurfürsten treu. Ernennung 1647 zum Stiftshauptmann von Waldsassen, Feldmarschall-Leutnant, Kämmerer und Pfleger von Reichenberg-Pfarrkirchen.Kolb von Raindorf, Andreas: ca. 1595 Raindorf b. Runding/Opf — 13. 4. 1666 Pfarrkirchen/Obb; Feldmarschall-Leutnant In: bavarikon.de
Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Kager an die Familie Schwenck. Nach ihrem Vater Georg Andreas Mathias von Schwenck bewohnten das Gut Rittmeister Matthias von Schwenck, genannt „Georg Andreas Mathias Schwenck auf Kager“, der auch Stadtkämmerer in Cham war; er starb 1715 im Alter von 74 Jahren. Sein Grabstein befindet sich in Chammünster an der Außenmauer der Kirche. Sein Bruder Johann Friedrich von Schwenk ‚von und zu Kager‘, der am 6. Dezember 1724 mit 66 Jahren starb; sein Grabmal befindet sich in der Stamsrieder Kirche.
Am 4. Januar 1725 wird Baron Leopold Christoph Anton von Vieregg im Kirchenbuch als Besitzer des Landsassengutes Kager genannt.Matrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=61 Er selbst wurde am 23. September 1705 als das achte von neun Kindern des Baron Ferdinand, Joseph de Vieregg, Baron von Gerzen, Mangern und Hohannesbrunn in Gerzen geborenMatrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/gerzen/Gerzen021/?pg=129, er starb am 17. April 1760.Matrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=555 Mit seiner Frau hatte er sieben Kinder: *04.01.1725 Ferdinand Anton, *24.01.1726 Franz Anton Georg, *19.04.1727 Anna Maria Theresia Franziska Juliana, *28.10.1728 Christian Friedrich Simon Judas Thathäus, *20.02.1731 Maria Antonia Adelheid, *19.05.1734 Maria Anna Franciska Josepha, *27.12.1737 Josepha Theresia Maria Anna Monika Adelheid. Ab 1734 nennen die Kirchenbücher den Vater: ‚Baron Anton de Vieregg de Gerzen und Kager‘.Matrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=61
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=67
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=74
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=83
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=105
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=126
https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=150
Am 21. Mai 1753 heiratet Anna Maria de Viereck, Tochter des Besitzers des Gutes Kager, Franz Anton de Viereck, wohnhaft in Kager, den Baron Karl Joseph de Drechsel aus Deuffstetten.Matrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=392 Karl Joseph von Drechsel stirbt mit 63 Jahren am 14. Juli 1785, seine Frau mit 64 Jahren am 4. Januar 1800.Matrikeldaten von 1.) https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/pemfling/Pemfling008/?pg=188
2.) https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/pemfling/Pemfling008/?pg=208 Auch deren Sohn Joseph Maria Freiherr v. Drechsel (1754–1780Matrikeldaten von 1.) https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/stamsried/Stamsried003/?pg=249 2.) https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/regenstauf/Regenstauf003/?pg=526) und der Enkel Karl Joseph Graf v. D. (*26.06.1778Matrikeldaten von https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/regenstauf/Regenstauf003/?pg=206) nannten sich von bzw. auf Kager. mini|Karl Joseph von Drechsel, Deutsche Digitale Bibliothek Dieser Karl Joseph von Drechsel wurde ein prägender Kopf der Ära Montgelas: Er wurde, nachdem Thurn und Taxis schweres Fehlverhalten bei der Ausübung der Post nachgewiesen worden warDie Protokolle des Bayerischen Staatsrates, 1799 bis 1817, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Reinhard Stauber und von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns durch Margit Ksoll-Maecon, Band 3, 1808 bis 1810, bearbeitet von Esteban Mauerer, München 2015, Nr. 2: Protokoll der Geheimen Staatskonferenz vom 13. Februar 1808 BayHStA Staatsrat 8, 12 Blätter. Unterschriften der Minister und des Königs. S. 64–69., 1817 erster bayerischer Generalpostmeister.
Sein Urenkel Max Ulrich von Drechsel (* 03.10.1911) gehörte zur Gruppe der Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Das Kirchenbuch, das die Trauungen von 1764 bis 1803 in der Pfarrei Cham St. Jakob aufführt, berichtet auf ein und derselben Seite für 1797 von Andreas von Moro und 'Franz Xaver de Vieregg et Kager', wohnhaft in Gerzen und KagerMatrikeldaten von 1.) https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/cham/Cham013/?pg=137 2.) Dieser Drechsel gehört zu der Familie des späteren Widerstandskämpfers gegen Hitler. mini|140px|Wappen derer von Moro Andreas von Moro (*07.02.1765 –†25.11.1829, jeweils in Hof bei ChamMatrikeldaten von 1.https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/cham/Cham002/?pg=18 2.https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/cham/Cham019/?pg=155) kaufte 1800 von Baron von Drechsel für 28.000 Gulden das Landsassengut Kager.StA Amberg, Häuser und Rustikalsteuerkataster der Steuergemeinde Pemfling 1808, Nr. 65 Fassion 63. Das Innenministerium erteilt diesem 1820 die Genehmigung ein Patrimonialgericht II. Klasse zu bilden. Die letzten Reste der Adelsherrschaft wurden während der Revolution 1848 aufgehoben. mini|Wappen der von Moro, Edle aus Venedig, 1815 in den Bayerischen Adel aufgenommen
Entstehung des Dorfes – Kager heute mini|Ortsblatt von Kager 1831 Ursprünglich umgaben das Gut, das bis ins 18. Jahrhundert auch mit Auf der Kager bezeichnet wurde, nur die zu ihm gehörigen Selden und Taglöhnerwohnungen. Durch die Aufteilung des Acker- und Wiesenlandes entstand aus der ehem. Hofmark Kager (der kleinsten geschlossenen Hofmark des Landgerichts Cham) das heutige Dorf. Im Jahre 1946 wurde die 1818 auf Basis des bayerischen Gemeindeedikts gebildete Gemeinde Kager aufgelöst und kam zu Pemfling. Damit war die selbständige Geschichte des alten Edelsitzes abgeschlossen.
Obwohl der natürliche Mittelpunkt eines Ortes, die Kirche, fehlt, macht der alte Teil des Dorfes noch heute einen selten geschlossenen Eindruck. Der einheitliche Ursprung aus dem alten Gutshof ist eindeutig. In jüngerer Zeit ist eine Siedlung (von den Einwohnern auch „Strasskager“ genannt) an der Straße, etwas außerhalb des alten Dorfes, entstanden.
Kirchlich gehörte Kager ursprünglich zur Pfarrei Pemfling, schloss sich aber Mitte des 16. Jh. der Pfarrei Stamsried an, da sich Pemfling zur Lehre Luthers bekannte, und blieb dadurch katholisch. Am 12. Juli 1867 wurde Kager wieder in die Pfarrei Pemfling gepfarrt.Bischöfl. Ordinariatskanzlei: Oberhirtliches Verordnungsblatt für das Bistum Regensburg (1867), S. 72.
Burg Kager / Hofmarkschloss Kager Die Burg Kager (Liste der Baudenkmäler in Pemfling, Aktennummer: D - 3 - 72 -146 35Liste der Baudenkmäler in Pemfling – Wikipedia) liegt auf dem höchsten Punkt eines ca. 20 m hohen, nach drei Seiten deutlich abfallenden Spornausläufers auf ca. 407 m ü. NN.mini|Kager auf der Apian-Karte von 1568