Das Akademische Gymnasium von Linz ist ein Gymnasium auf der Spittelwiese im Altstadtviertel im Stadtteil Innenstadt. Es wurde 1542 gegründet und ist das älteste der fünf österreichischen Akademischen Gymnasien.

Geschichte Die ursprünglich als Evangelische Landschaftsschule 1542 gegründete Einrichtung war zuerst jenseits der Donau in Luftenberg bei Steyregg angesiedelt und verdankt ihre Gründung Philipp Melanchthon. Ihre Standortbestimmung hat eine bewegte Geschichte: Nach mehreren Wechseln kam sie 1573 von Enns in das Linzer Landhaus, von den Jesuiten wurde sie in deren Seminarsgebäude transferiert, ehe der 1870 begonnene Neubau vom Wiener Architekten Karl Stattler errichtet wurde. Dem Bau mussten zwei vom Schlierbacher Abt Balthasar Rauch (1645–1660) akquirierte Bürgerhäuser weichen, die als Stadthof für die Zisterzienser aus Schlierbach konzipiert waren.

Von 1796 bis 1854 trug die Schule erstmals den Titel akademisch, 1965 wurde ihr dieser wiederum verliehen. 1863 erfolgte die Erhebung zum Staatsgymnasium erster Klasse und die Übernahme der Lehrer in den Staatsdienst, worauf die zeitweise Bezeichnung als 1. Bundesgymnasium Linz zurückzuführen ist. Das Gymnasium ist die historische Stammschule der heute noch aktiven katholischen Schülerverbindung Nibelungia 1901 zu Linz und der pennalen Burschenschaft Ostmark.

Architektur Das dreigeschoßige Schulgebäude in der Spittelwiese wurde von 1870 bis 1872 nach den Plänen Karl Stattlers erbaut und steht unter . Das monumentale palastartige Eckgebäude im Stil des Historismus mit quadrierten Wänden und gequaderten Ecken hat zur Spittelwiese einen leicht vortretenden erhöhten reich gegliederten Mittelrisalit mit einem Säulenportal und einem darüber liegenden Balkon. Das Foyer hat ein Muldengewölbe und einen Stichkappenkranz. Der Aufgang zum Stiegenhaus ist mit Säulen flankiert. Die zweiarmige dreiläufige Monumentaltreppe mit einem gemeinsamen Antritt hat eine bemerkenswerte Gusseisenbrüstung. Die Treppenpodeste und die Gänge sind kreuzgratgewölbt und haben teils noch die originale zarte Dekorationsmalerei. Der Festsaal im ersten Obergeschoß im Stil der Neorenaissance hat eine Dreiportalanlage und eine Bühne.

Ausstattung Es gibt ein barockes jesuitisches Thesenblatt nach Alessandro Marchesini als Stich aus 1732 als Leihgabe der Elisabethinen. Es gibt eine Studentenfahne des Akademischen Gymnasiums aus 1838 mit Ölbildern der Heiligen Katharina und Leopold. Ehemalige Sammlungen der Schule, die Bibliothek des Jesuitengymnasiums, eine Siegelsammlung, eine Autographensammlung, befinden sich heute in Linzer Museen.

Schule Das Akademische Gymnasium ist allgemeinbildend, altsprachlich und humanistisch ausgerichtet. Englisch wird ab der ersten Klasse, Latein oder Französisch ab der dritten unterrichtet. In der fünften Klasse müssen die Schüler zwischen Latein, Französisch und Altgriechisch wählen. Auch ein Musikschwerpunkt wird angeboten.

Bekannte Absolventen Liste bekannter Personen, die das Akademische Gymnasium besuchten (sortiert nach Geburtsjahr): Name Lebensdaten Bemerkung 1577–1657 Doktor beider Rechte, Professor am Tübinger Collegium Illustre 1751–1805 Sänger und Komponist 1750–1840 katholischer Geistlicher, Physiker und Rektor der Universität Wien 1758–1808 Kirchenrechtler 1771–1843 Ordenspriester, Musiker und Historiker 1800–1864 katholischer Theologe und Geistlicher 1809–1870 Geistlicher, Ordensstifter 1811–1879 Kaufmann, Politiker 1828–1885 Psychiater 1842–1913 Mundartdichter 1844–1906 Physiker, Mathematiker, Philosoph 1846–1938 Mundartdichter 1859–1915 Bischof der Diözese Linz 1860–1927 Politiker, Geistlicher 1863–1934 Schriftsteller, Theater- und Literaturkritiker 1873–1965 Archivar, Historiker, Numismatiker 1874–1932 Bundeskanzler (Österreich) 1883–1958 Politiker 1885–1968 Klassischer Philologe 1888–1967 Arzt, Komponist 1889–1971 Heimatforscher 1891–1988 Bürgermeister von Linz 1893–1983 Maler 1893–1984 Landeshauptmann von Oberösterreich 1895–1981 Operetten- und Filmkomponist 1896–1960 Bischof der Diözese Linz 1900–1975 Historiker 1901–1999 Komponist, Dirigent, Intendant 1901–1966 Historiker 1906–1990 Politiker 1908–1931 Nichte Adolf Hitlers 1913–2002 Volkskundler 1921–2025 Literaturwissenschaftler 1921–2006 Landeshauptmannstellvertreter 1921–2005 Landeshauptmann von Oberösterreich 1923–2018 Komponist, Chorleiter und Musikpädagoge 1923–2017 Architekt und Dombaumeister 1927–2020 Historiker 1927–2014 Bürgermeister von Linz 1928–2019 Jurist 1929–2025 Landeshauptmann von Oberösterreich, Jurist 1941 Architekt 1942 Musiker (Hornist) 1943 Diplomat, Politiker, Autor 1950 Finanzmathematiker 1951 Schachkomponist 1951–2016 Organist, Musikwissenschaftler 1955 Schriftsteller 1957 Musiker, Komponist 1957–2001 Schriftsteller, Performer 1957 Kunsthistoriker, Numismatiker, Oberösterreichische Landesmuseen 1957 Schriftsteller 1957 Politiker, Jurist 1959 Politiker und Theologe 1960 Filmregisseur, Filmkurator 1961 Regisseur, Drehbuchautor 1963 Komponist 1963 Schriftsteller 1964 Autor, Kulturpromoter 1965 Rechtsanwalt, Bundesrat 1967 Politiker, Unternehmensberater 1970 Direktor der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München 1974 Musiker (Cellist) 1974 Politiker, Jurist 1975 Astrophysiker, Fernsehmoderator 1975 Filmemacherin 1975 Ärztin, Politikerin 1979 Kabarettistin

Bekannte Unterrichtende Rudolf Ardelt, Historiker Gabriela Moser, österreichische Politikerin Günter Rombold, Theologe und Kunsthistoriker

Sport Das Akademische Gymnasium Linz nahm bereits mehrere Male an den Hockeybundesmeisterschaften teil und wurden schon oft Meister. Auch an den Hallen-Schulmeisterschaften (Leichtathletik) nimmt das Akademische Gymnasium teil, auch hier konnte das Gymnasium mehrere Titel verbuchen. Die Fußballmeisterschaften sind schon fast Tradition an der Schule, doch gewinnen konnte man noch nicht. Seit neuestem nimmt das Akademische Gymnasium auch an den Landes-Floorballschulmeisterschaften teil und konnte gleich im ersten Jahr den Unterstufentitel erreichen.

Literatur Zum Gymnasium Reihe Jahresbericht des K.K. Staats-Gymnasiums zu Linz. Linz 1864–1918 (, Jahrgänge 1898–1915). Joseph Gaisberger: Geschichte des k. k. akademischen Gymnasiums zu Linz. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 15, Linz 1855, S. 1–124 (). Franz Thalmayr, Anton Sauer, Ernst Sewera: Katalog der Lehrerbibliothek des k. k. Staats-Gymnasiums in Linz. In: Jahresbericht des K.K. Staats-Gymnasiums zu Linz. Linz 1899, 1901, 1905 (). Franz Xaver Lehner: Die Münzensammlung des k. k. Staats-Gymnasiums zu Linz. In: Jahresbericht des K.K. Staats-Gymnasiums zu Linz. Linz 1908, S. 1–24 (). Franz Thalmayr: Zum vierzigjährigen Bestande des Gymnasialgebäudes. In: Jahresbericht des K.K. Staats-Gymnasiums zu Linz. Linz 1914, S. 25–32 (). Ehrentafel der im Kriege gefallenen ehemaligen Schüler der Anstalt. In: Jahresbericht des K.K. Staats-Gymnasiums zu Linz. Linz 1915, S. 71–73 (). Willibald Katzinger, Monika Klepp, Gerhart Marckhgott, Erika Sokolicek: Die Geschichte des Akademischen Gymnasiums Linz. Trauner Verlag, Linz 1998. Monika Klepp: Die jüdischen Schüler des Staatsgymnasiums Linz im Jahre 1938 (Umfeld – Schicksale). In: Akademisches Gymnasium (1. Bundesgymnasium) Linz (Hrsg.): Jahresbericht über das Schuljahr 2003/2004. Linz 2004, S. 25–44 ().

Zum Gebäude Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Linz 2009. Linz, Obere und Untere Vorstadt, Bauten im Straßenverband, Spittelwiese Nr. 14, Akademisches Gymnasium, S. 302–303.

Weblinks

Website des Akademischen Gymnasiums Linz

Einzelnachweise

Kategorie:Gymnasium in Linz Akademisches Gymnasium Kategorie:Humanistisches Gymnasium in Österreich Kategorie:Bildungseinrichtung in der Diözese Linz Kategorie:Katholische Schule in Österreich Kategorie:Baudenkmal (Oberösterreich) Akademisches Gymnasium