Hell and Back Again ist ein Dokumentarfilm von Danfung Dennis aus dem Jahr 2011. Der Film behandelt den Krieg in Afghanistan und den problematischen Übergang eines US-Soldaten aus dem Krieg zurück in den Alltag sowie das Thema der posttraumatischen Belastungsstörung bei heimkehrenden US-Soldaten.
Die Premiere des Films fand im Januar 2011 auf dem Sundance Film Festival statt, bei dem der Film Preise in den Kategorien World Cinema Grand Jury Prize: Documentary und World Cinema Cinematography Award: Documentary erhielt.Eric Hynes: , Sundance Film Festival, 29. Januar 2011, abgerufen am 14. August 2014 Am 24. Januar 2012 wurde der Film für einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert, verlor jedoch gegen die Dokumentation Ungeschlagen.
Hintergrund Der Regisseur Danfung Dennis arbeitete bereits ab 2006 als Kriegsfotograf in Afghanistan, wobei ihn der Fotojournalismus jedoch zunehmend frustrierte. Er wechselte zu Filmen und neuen Medien, um zu versuchen, die Menschen in den USA zum Thema Afghanistan-Krieg „wachzurütteln“ und die „brutale Realität des Krieges auf eine ehrliche Art zu zeigen“.Hell and Back Again: (PDF; 867 kB), abgerufen am 14. August 2013 Dennis filmte schon einige Zeit, als er die Möglichkeit bekam, im Juli 2009 vier Wochen mit der US Marines Echo Company, 2nd Battalion, 8th Marine Regiment zu verbringen. Die Einheit beteiligte sich an dem bis dahin größten Lufteinsatz seit dem Vietnamkrieg. Am ersten Tag des Einsatzes lernte er Nathan Harris kennen, als dieser ihm, trotz der hohen Temperaturen, seine letzte Wasserflasche gibt. Zuerst war der Film nur auf die Situation in Afghanistan konzentriert und sollte unter dem Titel Battle for Hearts and Minds erscheinen. Teile des damaligen Filmmaterials wurden für die Ausgabe Obama's War der Dokumentations-Reihe Frontline benutzt.
Dennis entschied sich erst sieben Monate später dafür, Harris als Hauptperson der Dokumentation zu porträtieren. Bei der Begrüßung der Marines nach deren Heimkehr stieg Harris nicht aus dem Bus aus, woraufhin Dennis von Harris' Verwundung erfuhr.Lauren Feeney: Hell and Back Again: Telling True Stories of War, 24. Februar 2012, abgerufen am 14. August 2013 Er nahm Kontakt zu Harris auf und dieser lud Dennis zu sich nach Hause ein. Dennis verbrachte insgesamt ein Jahr mit Harris und dessen Frau.Michael Kamber: Hell and Back Again, The New York Times: Lens, 27. September 2011, abgerufen am 14. August 2013
Handlung miniatur|Marines der 2nd Battalion, 8th Marine Regiment zu Beginn der Operation Khanjar Der Fokus der Dokumentation liegt auf der Geschichte des 25-jährigen Nathan Harris, eines Sergeanten der US Marines Echo Company, 2nd Battalion, 8th Marine Regiment. Harris wird zusammen mit seiner Einheit im Juni 2009, im Zuge der Operation Khanjar, in der afghanischen Provinz Helmand nahe der Stadt Sork-Duz abgesetzt. Die Mission seiner Einheit ist die Einnahme einer Brücke. Die Einheit ist von Feinden umgeben, die sie nicht sieht, und kommt nur langsam voran. Am ersten Tag stirbt ein Marine, Lance Corporal Charles Seth Sharp, und zwölf kollabieren aufgrund der Temperaturen von bis zu 54 °C.National Public Radio: To 'Hell And Back,' With A Marine And His Wife, 18. Oktober 2011, abgerufen am 14. August 2013
In einem Hinterhalt wird Harris sechs Monate später, kurz vor seiner Heimkehr, durch einen Schuss in die Hüfte lebensgefährlich verwundet. Nach der Heimkehr nach Yadkinville in North Carolina hat Nathan Harris Probleme, sich wieder in die Gesellschaft einzufinden. Der Film zeigt ihn und seine Frau Ashley in Alltagssituationen: bei einem Einkauf bei Wal-Mart, bei einem Drive-in-Restaurant und auf der Suche nach einem neuen Haus. Zudem werden Harris' Arzttermine und Physiotherapie gezeigt. Aufgrund der Verwundung entwickelt er eine posttraumatische Belastungsstörung, die eine Medikamentenabhängigkeit zur Folge hat. Harris' Ziel ist es, trotz der schweren Verwundung, wieder in den Kampfeinsatz zurückzukehren.hellandbackagain.com: More about the film, abgerufen am 14. August 2013
Produktion Visueller Stil miniatur|Der Regisseur Danfung Dennis auf dem Moscow International Film Festival (2011) Insgesamt entstand innerhalb von sechs Monaten Filmmaterial von etwa 100 Stunden. Bei der Ausgestaltung des visuellen Stils arbeiteten Dennis und die Filmeditorin Fiona Otway eng zusammen. Sie diskutierten ihre Ansichten über den Krieg, wobei klar wurde, dass sich das gängige Bild und Dennis Erfahrungen deutlich unterschieden.Brandon Harris: DANFUNG DENNIS, “HELL AND BACK AGAIN”, 15. November 2011, abgerufen am 14. August 2013
Um ein „ehrliches Porträt des Krieges“ zu erzeugen, verbindet Dennis in seinem Dokumentarfilm die zwei Handlungsstränge des Einsatzes in Afghanistan und der Situation von Nathan Harris in North Carolina. Hierbei verwendet er Rückblenden, um die „Desorientierung“ und „emotionale Taubheit“ zwischen dem „Verlassen einer Welt von Leben oder Tod“ und der „Rückkehr in eine Welt, die banal und oberflächlich scheint“ darzustellen. Laut Dennis ist es „in Wirklichkeit nur ein Kampf“, statt zwei verschiedener.Nigel M. Smith: INTERVIEW | "Hell and Back Again" Director Danfung Dennis on Capturing War and All That Comes After, Indiewire, 6. Oktober 2011, abgerufen am 14. August 2013 In einem anderen Interview erklärte er seinen Anspruch darin, die „Ethik des Fotojournalismus“, also die reine Beobachterrolle, mit der „Erzählweise des Films“ zu kombinieren, um eine „eindringliche, emotionale Erfahrung“ zu erschaffen.
Danfung Dennis verarbeitete viele persönliche Erfahrungen, da er sein Filmmaterial nicht mit Nathan Harris besprach. Harris bekam den Film erst nach der Fertigstellung zu sehen.Adam Schartoff: , Public Broadcasting Service, 13. Oktober 2011, abgerufen am 14. August 2013
Filmtechnik Die Dokumentation wurde komplett mit einer Canon EOS 5D Mark II gefilmt. Dies stellte Dennis vor einige Herausforderungen; er nannte hierbei speziell den Ton, die Bildstabilisierung, die Fokussierung und die Tatsache, dass die Kamera aufgrund der hohen Temperaturen in Afghanistan innerhalb von 15 Minuten überhitzte. Er baute sein Stativ um, sodass es eine erweiterte Tonausrüstung tragen und er es an seiner Panzerweste befestigen konnte. Zudem trainierte er die manuelle Fokussierung. Gegen die Überhitzung half lediglich die Abschaltung der Kamera. Für seine Dreharbeiten mit Harris und seiner Frau veränderte er seine Ausrüstung, damit diese möglichst kompakt ausfiel und die Kamera nicht zu auffällig wirkte.Charlotte Cook: , The Documentary Blog, 21. Juli 2010, abgerufen am 14. August 2013 Seine Entscheidung für die Canon EOS 5D Mark II begründete er in einem Interview damit, dass er so die „Ästhetik der Fotografie“ und „Ethik des Journalismus“ mit der „Narrative [einer] Dokumentation“ kombinieren konnte, um eine „beeindruckende, umfassende Erfahrung“ zu kreieren.
In Afghanistan nutzte Dennis ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 24 bis 70 mm, bei einer maximalen Blendenzahl von 2,8. Dennis begründete die Objektivwahl mit der „Vielfalt, [die für] weite und enge Aufnahmen nötig war“. In Yadkinville nutzte er zwei Normalobjektive, ein Objektiv mit einer Brennweite von 35 mm, bei einer maximalen Blende von 1,4, und ein zweites mit einer Brennweite von 50 mm und einer maximalen Blende von 1,2. Aufgrund der hohen Blende konnte er auch in Situationen mit geringer Beleuchtung filmen.Briefing Room: , Broadcast Engineering, 5. September 2012, abgerufen am 14. August 2013
Ton Im Film ist keine Musik im klassischen Sinn vorhanden. Dennis verwendete jedoch reale Geräusche als Musikuntermalung, die er in Afghanistan aufnahm und zum Teil deutlich veränderte (siehe auch Musique concrète). Eine Szene im Film, in der ein Dorf gesichert wird, ist dazu mit Kriegsgeräuschen unterlegt, die auf 2 % ihrer ursprünglichen Geschwindigkeit verlangsamt wurden. Dies ergibt ein „anhaltendes Dröhnen“. Dasselbe Dröhnen verwendete Dennis bei der Unterlegung eines Gesprächs zwischen Harris und seinem Arzt hinsichtlich der Gefahren der Schmerzmittel. Er versucht dabei, „die Linie zwischen Gegenwart und Vergangenheit durch [den] Ton alleine [verschwimmen zu lassen]“. Dennis erklärte dazu, dass Harris' Flashbacks „oft mit einem Geräusch beginnen“. Er versuche, zu „transportieren, wie es sich anfühlt, wirklich einen Flashback zu haben“.Noah Nelson: A Soldier's Story Set To Gunfire In 'Hell And Back' , National Public Radio, 9. Oktober 2011, abgerufen am 14. August 2013
Ebenso wie er beim Schnitt eng mit der Editorin Fiona Otway zusammenarbeitete, ist der Ton eine Kooperation zwischen Dennis und dem Sounddesigner J. Ralph. Ralph schrieb zusätzlich den Song „Hell And Back“, der während des Abspanns zu hören ist. Der Interpret des Stücks ist Willie Nelson.
Rezeption Veröffentlichung Der Film kam am 5. Oktober 2011 in die Kinos, nachdem er zuvor auf dem Sundance Film Festival 2011 und dem Moscow International Film Festival 2011 aufgeführt worden war. Am ersten Wochenende nahm der Film dabei 3.413 US-Dollar ein, wobei er zuerst lediglich in einem Kino lief. Insgesamt spielte der Film weltweit 40.949 US-Dollar ein.Box Office Mojo: Hell and Back Again, abgerufen am 25. November 2020 Die Verbreitungsrechte für Nordamerika besitzt Docurama Films, welche die Dokumentation am 24. Januar 2012 auf Blu-Ray und DVD veröffentlichten.Docurama: Hell and Back Again Directed by Danfung Dennis, abgerufen am 14. August 2013Kevin Ritchie: Oscars 2012: Danfung Dennis on “Hell and Back Again”, realscreen, 24. Februar 2012, abgerufen am 14. August 2013 Die Senderechte für das Fernsehen sicherte sich Public Broadcasting Service. Dort wurde die Dokumentation am 24. Mai 2012 innerhalb der Filmserie Independent Lens ausgestrahlt.Independent Television Service: Hell and Back Again, abgerufen am 14. August 2013 Der Film wurde außerdem beim kanadischen Filmfestival Hot Docs und zwischen dem 24. August 2012 und dem 31. August 2012 im kanadischen Bloor Hot Docs Cinema gezeigt.Hot Docs: , abgerufen am 14. August 2013, abgerufen am 14. August 2013 Am 12. Oktober 2011 wurde der Film in Großbritannien veröffentlicht, worauf am 21. Dezember 2011 Frankreich folgte.Filmdates UK: Hell and Back Again, abgerufen am 14. August 2013Allocine: Hell and Back Again, abgerufen am 14. August 2013 Für Großbritannien wird ein Einspielergebnis von 315 US-Dollar angegeben.Box Office Mojo: HELL AND BACK AGAIN: Foreign Box Office, abgerufen am 14. August 2013 Zu den Kinoveröffentlichungen in Großbritannien und Frankreich kamen mehrere Ausstrahlungen der Dokumentation auf dem spanischen Sender Canal+ im April und September 2012.Canal+ ES: , abgerufen am 14. August 2013
In Österreich fanden 2012 und 2013 auf dem frame[o]ut-freestyle-Filmfestival beziehungsweise auf dem Filmfestival Kitzbühel die einzigen Vorführungen des Dokumentarfilms im deutschsprachigen Raum statt.Museumsquartier Wien: , aufgerufen am 31. August 2013Filmfestival Kitzbühel: , abgerufen am 31. August 2013
Kritiken Von Kritikern wurde der Film ausgesprochen positiv bewertet. So listet Rotten Tomatoes insgesamt 31 Kritiken, die durchweg positiv ausfielen. Der Metascore der Dokumentation liegt bei 81 von 100, basierend auf 17 Kritiken.
Der Filmkritiker Roger Ebert resümiert, der Dokumentarfilm präsentiere „[Harris'] neue Realität mit einem erstaunlich guten Einsatz von Bild- und Tonbearbeitung“. Die letzten Szenen entfalteten eine „emotionale und stilistische Kraft, die [die Zuschauer] nicht kommen sehen“. Er bewertet den Film deswegen mit dreieinhalb von vier möglichen Sternen.Roger Ebert: HELL AND BACK AGAIN (UNRATED), Chicago Sun-Times, 22. Februar 2012, abgerufen am 14. August 2013