mini|Außenansicht der Oberen Saline mini|Außenansicht der Oberen Saline

Das Anwesen Obere Saline 20 befindet sich in Hausen, einem Stadtteil der unterfränkischen Kurstadt Bad Kissingen. Zunächst zur Salzgewinnung errichtet, wurde das Anwesen von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim für die Zwecke der Würzburger Bischöfe ausgebaut und um die Salinenkirche erweitert. Später wurde für die Kuraufenthalte von Reichskanzler Otto von Bismarck die Bismarck-Wohnung eingerichtet. Die Obere Saline gehört zu den Bad Kissinger Baudenkmälern und ist unter der Nummer D-6-72-114-188 in der Bayerischen Denkmalliste registriert.

Heute beherbergt der Baukomplex das Museum Obere Saline und den Reiterverein Bad Kissingen.

Geschichte Die Obere Saline wurde zwischen 1764 und 1767 im Auftrag von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim zur Salzgewinnung errichtet und ab 1770 zusätzlich zur Kurresidenz ausgebaut. Der Haupttrakt war zunächst in der Mitte offen und wurde erst zwischen 1770 und 1772 überbaut, wodurch sich die zusammenhängende, symmetrische und schlossähnliche Front ergab, die heute noch erhalten ist.

Zwischen 1876 und 1893 absolvierte Reichskanzler Otto von Bismarck in der Oberen Saline mehrere Kuraufenthalte in der eigens für ihn eingerichteten Bismarck-Wohnung. Die Bismarck-Wohnung bildet heute den Kern des Bismarck-Museums. Die Obere Saline wurde zu Ehren von Fürstbischof Seinsheim auch Friedrichshall genannt; der Wortbestandteil „-hall“ bezeichnet hierbei – wie beispielsweise auch im Namen des Ortes Bad Reichenhall – eine Salzerzeugungsstätte.

Am 27. Juli 1823 verstarb Mathias von Flurl während seines Aufenthaltes in der Oberen Saline, als er diese in seiner Funktion als Salinen-Inspektor zum Zwecke einer Inspektion aufsuchte.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 146.

Ein wichtiger Pächter der Oberen Saline war von 1875 bis 1900 der in Münnerstadt geborene Jurist Karl Streit (* 31. März 1833, † Februar 1902).Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 147–154.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 6. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2022, S. 155–163 Er wurde in dieser Funktion von seinem Bruder Ignaz Streit bevollmächtigt; dieser konnte die Pacht nicht selber ausüben, weil er sonst seine Würzburger Anwaltskanzlei hätte aufgeben müssen. Während der 14 Kuraufenthalte Otto von Bismarcks in der Bismarck-Wohnung der Oberen Saline wurde Karl Streit zum Gastgeber des Reichskanzlers. Streits und Bismarcks ehemalige Tätigkeit in der Landwirtschaft bildete die Basis für eine tiefe Freundschaft zwischen beiden Männern.

Im Lauf der Jahre legte Karl Streit mit Hilfe seiner Frau Elise in der Oberen Saline eine umfangreiche Sammlung von mindestens zwölf Werken des zu jener Zeit unbekannten Tilman Riemenschneider an.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 152–153. Im Jahr 1888 veröffentlichte Streit unter dem Titel »Tylmann Riemenschneider – 1460-1531 – Leben und Kunstwerke des Fränkischen Bildschnitzers – Mit 93 Abbildungen von Karl Streit – Kgl. Oekonomierath zu Bad Kissingen, obere Saline« zwei buchartige Schatullen mit – allerdings seitenverkehrten – Abbildungen der Riemenschneider-Exponate.

Aus unbekannten Gründen verkaufte Streit 1890 einen Großteil seiner Sammlung; elf Riemenschneider-Werke aus der Sammlung gingen an das Bayerische Nationalmuseum in München. Wenige Jahre nach seinem Tod stiftete seine Witwe das Marienbildnis Das Rosenkranzbild des Meisters HS von 1604 in der Bad Kissinger MarienkapelleTitel nach Helga Hilgenfeldt: Das Rosenkranzbild des Meisters HS von 1604 in der Bad Kissinger Marienkapelle, Mainfränkische Studien 1998, 1998, S. 58ff. (Anmerkung: das Bildnis befand sich zu dieser Zeit in der Marienkapelle) von Hendrick Goltzius für die Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 6. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2022, S. 161–163 Eine entsprechende Schenkungs-Urkunde hatte das Ehepaar Streit im Jahr 1884 zur Weihe der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche aufgesetzt.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 6. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2022, S. 157 Das Bild wurde 1884 in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche untergebracht, wobei sich der genaue Standort nicht mehr feststellen lässt.

Zu Streits Ehren wurde im Jahr 1950 die in Winkels (heute Stadtteil von Bad Kissingen) befindliche „Karl-Streit-Straße“ nach ihm benannt; das Grab des Ehepaars Streit auf dem Bad Kissinger Kapellenfriedhof existiert allerdings nicht mehr.

Im Jahr 1880 malte der niederländische Maler Jonkheer Jacobus Nicolaas Tjarda van Starkenborgh Stachouwer ein Ölgemälde der Oberen Saline.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 6. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2022, S. 175 Im Jahr 1992 konnte die Stadt Bad Kissingen das Gemälde bei einer Auktion in Amsterdam erwerben; seitdem hängt es im Dienstzimmer des Kulturreferenten der Stadt Bad Kissingen und ist der Öffentlichkeit daher unbekannt.

Nachdem durch den Eintritt Bayerns in den Norddeutschen Zollverein im Jahr 1866 die Saline bedeutungslos geworden war, stand auch die Salinenkirche leer; ihr Altar wurde 1877 nach Trimberg verkauft. Als im Jahr 1922 die Kanzel an die Pfarrei St. Laurentius Bocklet ging, wurde die Kirche zur Scheune umfunktioniert.

Im Jahre 1904 stiftete Friedrich Hessing im Zwischentrakt der Oberen Saline ein Veteranenkurheim für die überlebenden Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 155–158. In dem vom Roten Kreuz betriebenen Kurheim war Friedrich Hessing für Freibäder und Verpflegung für die Veteranen zuständig. Nach Hessing, der im Jahr 1917 Bad Kissinger Ehrenbürger wurde (siehe auch Liste der Ehrenbürger von Bad Kissingen), ist in Bad Kissingen eine Straße benannt. Das Kurheim existierte bis zum Ersten Weltkrieg; im Zwischentrakt der Oberen Saline befinden sich heute Wohnungen.

Am 12. Dezember 1997 wurde die Stadt Bad Kissingen neuer Eigentümer der Oberen Saline. Am 30. Juli 1998, Bismarcks 100. Todestag, eröffnete Staatsminister Erwin Huber hier das Bismarck-Museum.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 1. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011, S. 120 f.

Nach 2000 wurden in der Oberen Saline vier neue Museumsabteilungen eröffnet. Durch diese Erweiterungen bekam das Museum einen neuen Namen und heißt seitdem offiziell „Museum Obere Saline“. Es besteht heute aus dem „Bismarck-Museum“ (1998) sowie den Abteilungen „Salz und Salzgewinnung“ (2007), „Heilbad Kissingen“ (2007), „Spielzeugwelt“ (2011) und „Weltbad Kissingen“ (2016) und verfügt über eine Ausstellungsfläche von 1400 m².

Nutzungen Salinenkirche Die Umgestaltungspläne für Kurresidenz und Salinenkirche für Fürstbischof Seinsheim stammen von Architekt Johann Philipp Geigel, die Innenausstattung von Johann Peter Wagner. Die Einweihung der Salinenkirche erfolgte am 15. September 1767.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 78–79. Johann Adam Schambach, Sohn des Salinenbaudirektors Johann Michael Schambach, übernahm im Jahr 1776 die Leitung des gesamten Salinenbetriebs und stattete die Salinenkirche laut des betreffenden Vermerks im Inventarium bereits 1772 mit einem eigenhändig angefertigten Kreuzweg aus.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 97. Dieser ging 1868 mit der Auflösung der Salinenkirche an die Kaplanei Hausen.

Die Salinenkirche bestand auch nach dem Tod des Fürstbischofs im Jahr 1779; es fanden weitere Anschaffungen statt.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 79 Die Kirche blieb von der Säkularisation unberührt, da sie sich als Teil der Saline bereits in Staatseigentum befand. Am 31. Dezember 1825 erklärte die Generalbergwerks- und Salinenadministration die Kirche zur Pfarrkirche einer Lokalkaplanei.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 80.

Der am 16. Oktober 1857 eingesetzte Lokalkaplan Caspar Ringelmann verwickelte seine Vorgesetzten vom Kgl. Hauptsalzamt und von der Kgl. Generalbergwerks- und Salinenadministration längere briefliche Auseinandersetzungen um eine verbesserte Ausstattung der Salinenkirche und um eine Erhöhung seines Gehalts.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 101–102. Nach Ringelmanns Meinung war deren Hartnäckigkeit in ihrer Zugehörigkeit zum protestantischen Glauben begründet. Unter anderem erinnerte er am 30. Januar 1858 an die bereits erfolgte Genehmigung eines neuen Silberkelches, dessen Beschaffung sich aber mit dem angesetzten Budget von lediglich 97 Gulden als unrealistisch erwies.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 101–103. Auf Grund der von Ringelmann angeführten Argumente, dass die Vergoldung der bisher genutzten Kelche schadhaft geworden war, wohingegen jede noch so arme Kirche über zwei Kelche verfügen konnte, und ein Kelch in einwandfreiem Zustand Eindruck auf die zahlreichen die Hauskapelle besuchenden Kurgäste machen würde, erhöhte die Kgl. Generalbergwerks- und Salinenadministration am 29. September 1858 das Budget für einen neuen Kelch auf 156 Gulden und 24 Kreuzer. Goldschmied Georg Joseph Amberg, Urgroßvater des Würzburger Goldschmieds Michael Amberg, übergab den neuen Kelch nach Ostern 1859 an der Oberen Saline. Der Kelch fand das besondere Gefallen des aus Hausen stammenden Kardinals Julius Döpfner, einem wichtigen Förderer von Georg Joseph Ambergs Enkel Joseph Amberg.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach. Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010, S. 102–103.