Die römisch-katholische Pfarrkirche Thörl-Maglern steht nahe dem Ort Thörl-Maglern in der Marktgemeinde Arnoldstein in Kärnten. Sie ist dem heiligen Andreas geweiht. Ihre Geschichte geht auf eine Kapelle zurück, die im Jahr 1169 erstmals in Thörl-Maglern erwähnt wurde. Die heutige Kirche wurde nach Umbau und Reparaturen 1489 geweiht, später mehrfach umgebaut und im 20. Jahrhundert unter Denkmalschutz () gestellt. Die kunsthistorische Bedeutung verdankt die Kirche ihren Fresken, die zu den Hauptwerken des Thomas von Villach zählen. Sie gehört zum Dekanat Villach-Land/Beljak-dežela, dieses zur Diözese Gurk-Klagenfurt und damit zum Titularbistum Aguntum. Die Kirche ist ein bedeutender Ort auf dem Internationalen Pilgerweg I26 (Via Slavorum).Info auf einer Tafel neben dem Kirchgelände.

Lage Das Gotteshaus steht auf freiem Feld, weitab von jeglicher Bebauung und trägt die Adresse Maglern 2. Das Flüsschen Gailitz liegt in der Nähe, ebenso wie der heutige Grenzübergang zu Italien. Von der vorbeiführenden Bundesstraße besteht eine Abzweigung mit einem Parkplatz zur Fläche vor der Kirchenanlage.

Geschichte Eine Ersterwähnung einer Kapelle s. Andrae mit einem angefügten Friedhof nahe dem Ort Thörl erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Patriarchen Ulrich von Aquileia an das Benediktinerkloster Arnoldstein. Sie gehörte zuerst zur Pfarre St. Johann am Dobratsch, dann, nachdem bei einem Erdrutsch im Jahr 1348 deren Hauptkirche verschüttet worden ist, als Filialkirche zur Pfarre Göriach im Gailtal. Einen verheerenden Schaden richteten nach Kärnten einfallende Türken an, sie brannten 1482 das Kirchlein nieder. Sieben Jahre dauerte dann die Instandsetzung auf den romanischen Grundmauern und 1489 konnte der Generalvikar von Aquileia die Wiedereinweihung feiern. Trotzdem plante die Gemeinde einen kompletten Neubau und führte mit dem ortsansässigen Steinmetzen Christian von Malborghet entsprechende Verhandlungen, die zum Abschluss eines Bauvertrags im Jahr 1503 führten. Die vorhandenen Finanzen reichten aber nur für eine Erhöhung und Einwölbung des Kirchenschiffes sowie einer Verlängerung nach Westen. Das erforderte eine mittlere Stütze, die durch das Einziehen eines Triumphbogens erreicht wurde. Außerdem wurde ein neuer hoher Kirchturm errichtet, der 1517 fertig gestellt war. Die bauliche Erweiterung des Kirchengebäudes erwies sich als notwendig, weil die Andreaskirche zu einer viel besuchten Wallfahrtskirche geworden war. Dokumente aus jener Zeit berichten, dass jährlich stattfanden. Daher wurden vor dem Umbau auch Messfeiern mit einem Tragaltar vor der Kirche im Freien zelebriert. Bereits 1428 findet sich in einer Kunsttopographie vom Herzogtum Kärnten die genannte Kapelle mit einer Kirchenglocke. – Im Jahr 1787 wurde Thörl-Maglern zu einer eigenständigen Pfarre erhoben.

In den Jahren zwischen 1990 und 2020 ist das Kirchengebäude innen und außen mehrfach renoviert worden, auch eine neue Dacheindeckung kam hinzu. Die Vorhalle wurde voll verglast und bietet mit ihrer schlichten Ausstattung einen eigenen kleinen Feierraum.

Bauwerk Außen Der Zugang zum Gotteshaus erfolgt durch eine verglaste Vorhalle, in welcher ein Kruzifix hängt. Das spätgotische Langhaus mit zum Teil romanischem Mauerkern besitzt zweiteilige Lanzettfenster mit ursprünglichem Maßwerk. Die Fenster des Altarraumes sind hoch, mehrsprossig und spitzbogig. An den Längsseiten des Kirchenschiffs sind zwei Fenster eingebaut, eins nordwestlich und eins südöstlich unmittelbar hinter dem Triumphbogen. Alle Fenster zeigen inzwischen das ursprüngliche Maßwerk, das bei Sanierungsarbeiten im Jahr 1969 neu angefertigt wurde. Der mit Spitzgiebelhelm bekrönte Turm erhebt sich über dem westlichen Doppeljoch des Langhauses und weist Mauerschlitze, spitzbogige Schallfenster sowie in den Giebeln Rundfenster auf. Eine Glocke wurde 1478 gegossen. – Der Chor wird von zweifach abgetreppten Strebepfeilern gestützt. Von den vier zweiteiligen Lanzettfenstern mit Maßwerk haben die drei im Chorschluss Fischblasenform. Nördlich schließt an Langhaus und Chor die Sakristei an. Die Tür der Sakristei wurde 1891 geschnitzt. Die große Vorhalle mit Rundbogenöffnungen aus neuerer Zeit hat die gleiche Breite wie das Langhaus. Das spitzbogig profilierte ehemalige Südportal ist vermauert. Zu beiden Seiten des spätgotischen, spitzbogig profilierten Westportals sind spätgotische Weihwasserkessel aufgestellt und ein querformatiges, erst in späterer Zeit ausgebrochenes Fenster, lässt etwas Tageslicht einfallen.

Der Kirchturm erhebt sich über dem Gewölbe des Langhauses und ist etwa doppelt so hoch wie das Dach des Kirchenschiffes. Aus historischen Dokumenten folgt, dass er insgesamt 52 Meter hoch ist, ohne Turmkugel und Kreuz circa 47 m. Ein steiler Spitzhelm schließt das Bauwerk ab. Darin befindet sich die Glockenstube für ein dreistimmiges Geläut. Nördlich seitlich wurde die Sakristei mit einer Grundfläche von etwa 4 × 8 m angebaut.Darstellung des Kirchengrundrisses mit einer Maßangabe in Die Pfarrkirche in Thörl-Magern..., S. 7.

Nordseitig am Vorhallenpfeiler ist ein alter Grabstein erhalten, der einem Hammerarbeiter gewidmet ist.

Innen Der Kircheninnenraum ist rund 28 m lang (einschließlich Apsis) und 7 m breit. Der Chorraum ist dagegen etwas schmaler und hat einen fünfeckigen Grundriss bzw. einen Fünfachtelschluss.

Das Netzrippengewölbe (Sternrippengewölbe) über gekehlten Wandpfeilern mit Rundvorlage im Langhaus wird durch einen herabgezogenen abgefasten Spitzbogen in zwei Doppeljoche geteilt. Im westlichen Joch steht die barocke Holzempore mit einer neugotischen Orgel. Ein eingezogener, spitzbogig abgefaster Triumphbogen verbindet das Langhaus mit dem einjochigen Chor. Die östlich an die Triumphbogenwand anschließenden älteren Mauerteile stammen von einer halbkreisförmigen romanischen Apsis. Im Chor erhebt sich ein Kreuzrippengewölbe über halbrunden Wandvorlagen, die im unteren Drittel der Wand in fratzenhafte Kopfkonsolen enden. Die insgesamt acht Köpfe schmücken die Dreiviertelsäulen in Höhe der Fensterbänke. Die Kopfdekore sind symbolische Darstellungen von Dämonen, die in den Dienst der Kirche gezwungen worden sind. In der Chornordwand befindet sich eine Sakramentsnische mit ursprünglichem Gitter, die von einem Kielbogen mit Kreuzblume sowie seitlichen Fialen bekrönt wird.

Der Fußboden des Hauptgebäudes besteht aus Keramikplatten, die erst 1969 verlegt wurden und ältere Zementplatten ersetzten. Darunter sind Reste der Grundmauern der ersten Apsis der Kapelle erhalten.

Ausstattung mini|hochkant|links|Innenansicht gegen den Altar mini|hochkant=1|Fresko: Jüngstes Gericht am Triumphbogen

Kirchenhauptraum mini|hochkant=0.66|links|Über der Sakra­ments­nische gemaltes Sakra­mentshaus mini|hochkant|Fresko: Lebendes Kreuz

Der Triumphbogen zeigt chorseitig das Jüngste Gericht (auch Weltgericht genannt) mit Christus in der Mandorla und einem nackten Papst bei den Verdammten. In den Gewölbefeldern des Westjochs ist je ein Kirchenvater, ein Evangelistensymbol und ein Symbol eines Elements abgebildet. In den Chorschlussfenstern sind Maria mit Kind und Veronika mit dem Schweißtuch, umgeben von musizierenden Engeln, wiedergegeben. mini|Rosenkranzmadonna

Die Rosenkranzmadonna vor dem Triumphbogen wurde im 17. Jahrhundert von Hans Finkhl geschnitzt und 1655/56 von Piero Asuardo gefasst. Im Langhaus sind in den Zwickeln des östlichen Doppeljochs acht Dreipässe mit Heiligenbüsten und dazwischen ganzfigurig die heiligen Wolfgang und Andreas gemalt.

Chor Altäre In der Kirche stehen drei Altäre: Der Hochaltar aus dem Jahre 1613 mit Säulenretabel ist in den Farben Schwarz und Gold gefasst und besitzt einen Aufsatz aus späterer Zeit. Laut Memorabilienbuch der Kirche wurde der Hochaltar 1653 gefertigt. Im Schrein stehen die Statuen des Apostels Andreas sowie zweier spätgotischer Leuchterengel. Assistenzfiguren sind links der hl. Benedikt, rechts die hl. Scholastika. Das Marienkrönungsrelief im Aufsatz wurde 1969 ergänzt. An der Altarrückseite ist das Schweißtuch der heiligen Veronika von 1613 abgebildet. Der Tabernakel stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Der linke Seitenaltar enthält die Jahreszahl 1678 und ist ebenfalls in Gold und Schwarz gefasst. Er trägt eine Stifterinschrift von Georg Regatschnig, einem hochrangigen Vertreter aus dem Bistum Bamberg. Die Ausführung wurde dem rechten Seitenaltar angepasst, einschließlich einer Marienstatue mit Kind und im Aufsatz einer weiblichen Heiligen, die wohl ursprünglich eine Maria einer Kreuzigungsgruppe war. Die beiden Heiligenfiguren an der Emporenbrüstung waren ursprünglich auf diesem Altar aufgestellt.

Der rechte Seitenaltar wurde laut lateinischer Inschrift 1657 von Johannes Ehegartner von Rosenau, einem bambergischen Beamten, gestiftet. Das Altarblatt zeigt eine stark erneuerte Taufe Christi. Die jugendliche Aufsatzfigur war wohl als Johannes Teil einer Kreuzigungsgruppe.

An den Wänden vor den Nebenaltären hängen je drei Kreuzweg-Gemälde, die restlichen sechs sind an der Emporenbalustrade angebracht.

Vor dem Hauptaltar steht ein hölzerner Altartisch.

Fresken Die Fresken wurden bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1886/89 durch den Künstler Berthold Winder entdeckt und unter Theophil Melicher freigelegt. Allerdings wurden unkenntliche Teile übermalt oder ergänzt. Kunstfachleute nehmen an, dass Thomas von Villach das Lebende Kreuz 1470–1475, das Jüngste Gericht sowie die Sakramentsnischenwand vor 1482 und das Gewölbe um 1489 gemalt hat. Auftraggeber und gedanklicher Entwerfer könnte Thomas Steyerberger gewesen sein, der 16. Abt des Stiftes Arnoldstein.

Im westlichen Joch der Chornordwand ist ein Lebendes Kreuz dargestellt. Von den Enden des Kreuzes gehen vier Arme aus. Der untere bricht mit einem Hammer das Höllentor auf, dahinter dringt Christus in die Vorhölle ein. Links unter dem Kreuz sind der Kampf der Engel gegen die Mächte des Bösen und in der Ecke die drei christlichen Tugenden dargestellt. Der Arm am linken Kreuzbalken bekrönt das Haupt der Ecclesia, die ein Kirchenmodell und die Auferstehungsfahne hält und von einem Tetramorph getragen wird. Links daneben pflückt Maria eine Frucht vom Lebensbaum und reicht einer vom Papst angeführten Menschengruppe die Hostie. Der Arm am rechten Kreuzbalken durchbohrt mit einem Schwert die auf einem Esel reitende Gestalt der Synagoga. Die Augen der Synagoga sind verbunden, ihre Krone fällt zu Boden und ihre Fahne zerbricht. Rechts daneben bekommt Eva von der Schlange den Apfel der Versuchung gereicht und reicht ihrerseits drei verzweifelten Menschen einen Totenkopf. Der oberste Arm öffnet mit einem Schlüssel das Himmelstor. Über dem Tor steht der Erzengel Michael mit Schwert und Seelenwaage. Zuoberst thront Gottvater in einer kreisrunden Glorie. Den Rest der Bildfläche füllen die in Bildstreifen übereinander angeordneten neun Engelschöre aus.

Das Lebende Kreuz ist umrahmt mit einem Passionszyklus. Dargestellt sind in der unteren Reihe: Der Einzug in Jerusalem, die Austreibung der Wechsler, die Fußwaschung, das Gebet im Garten Getsemani, die Gefangennahme und die Verspottung; in der darüber liegenden Reihe: Christus vor Kaiphas, Christus vor Pilatus, die Geißelung, die Dornenkrönung, Ecce homo, die Handwaschung des Pilatus; darüber zu beiden Seiten des Kreuzes: die Kreuztragung, die Grablegung, die Auferstehung, Christus und der ungläubige Thomas, Christi Himmelfahrt und das Pfingstereignis.