mini|Kurze Trachtenlederhose von 1940 für Jugendlichen mit H-Trägern und umgeschlagenem Hosensaum Eine Lederhose ist eine aus Leder gefertigte kurze oder lange Hose. Größere Verbreitung hat die Lederhose als Trachtenlederhose, als Motorradkleidung, als Ausdruck der Alternativkultur etwa in der Punk-, Rock- oder der Schwarzen Szene sowie in der Lederszene.
Trachtenlederhose Geschichtliche Entwicklung mini|„Buggs“ (von „Bockslederne“), Bestickte Lederhose mit Latz und weitenverstellbarem Bund aus Lothringen aus dem Jahr 1791, helles Sämischleder, Culotte-Form, Musée Lorrain, Nancy. Zwar war diese Hosenform in der Französischen Revolution im Dekret vom 8. Brumaire des Jahres II (29. Oktober 1793) verboten worden, doch trug man sie auch noch während des gesamten 19. Jahrhunderts besonders an der lothringischen Mosel und an der Saar.Francine Roze e.a.: L’Élegance et la Nécessité, Costumes de Lorraine, Collections des Musées de Lorraine, Catalogue réalisé à l’occasion de l’exposition « L’Élegance et la Nécessité, Costumes de Lorraine », Metz 2001, S. 63, 141. mini|Schnittplan einer Lederhose aus dem Jahr 1769; François-Alexandre Pierre Garsault: Art du tailleur, Planche XII: La fabrication des culottes de peau. Leder ist als strapazierfähiges Material für Hosen (ursprünglich ein für Bedeckungen des Unterschenkels gebrauchter BegriffVgl. etwa Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 414 (lederhoß: Lederstrumpf, Ledergamasche).) seit Jahrhunderten gebräuchlich, wobei die Form an die jeweilige Mode angepasst wurde. Während sich bei der städtischen Bevölkerung nach der Französischen Revolution lange Hosen durchsetzten (→ Sansculottes), erhielt sich der von der französischen Culotte abgeleitete Schnitt bei der Landbevölkerung als praktische Arbeitshose für Männer und zum Teil auch für Frauen.Simone Egger: Phänomen Wiesntracht: Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft, Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest (= Münchner ethnographischen Schriften. Band 2). Herbert Utz Verlag, 2008, ISBN 978-3-8316-0831-7, S. 55–57. Das Leder stammte von domestizierten Tieren, meist Hausziege oder Hausschaf, da die Jagd auf Wildtiere (wie Hirsch oder Gams) ein Privileg des Adels war. Die Hosen waren meist mit Blauholz schwarz eingefärbt und ohne Verzierungen wie Stickereien.
mini|Lederhosenträger um 1890
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Leder jedoch mehr und mehr durch Loden verdrängt und auch bei der Landbevölkerung wurden die Hosen länger. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die kurze Lederhose als Arbeitshose nahezu vollständig verschwunden. Der Lehrer Josef Vogl beklagte das Verschwinden dieser, wie er glaubte, „uralten“ Tracht und gründete zusammen mit fünf Stammtischfreunden am 25. August 1883 in Bayrischzell den ersten bayerischen Trachtenverein, den Verein für Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthale. Als Vogl und seine Freunde sich bei einem Säckler kurze Lederhosen nach ihren Vorstellungen anfertigen ließen, wurden sie daraufhin bei den Einheimischen in Bayrischzell allerdings verspottet. Die Kirche bezog sofort Stellung gegen die sogenannten Kniehösler und verbot ihnen die Teilnahme an Prozessionen. Noch 1913 wurden die Kurzhosenvereine vom erzbischöflichen Ordinariat in München für sittenwidrig erklärt.Franz C. Lipp, Eva Bakos, Tracht in Österreich: Geschichte und Gegenwart. Christian Brandstätter Verlag, 2004, S. 193.
Unterstützung erhielten die Lederhosenfreunde jedoch von König Ludwig II., den Vogl per Brief auf sein Anliegen aufmerksam machte. Die Wittelsbacher waren begeisterte Verfechter der Idee einer bayerischen Volkstracht. Diese Idee entstand in der Zeit der Romantik und erfreute sich bei der Oberschicht vielerorts in Europa großer Beliebtheit. Der Adel veranstaltete „Bauernhochzeiten“, bei denen sich die Gäste als Bauern kostümierten. Die eigens dafür entworfenen Kostüme waren jedoch meist so prachtvoll, dass diese für Bauern wohl kaum leistbar waren. Auch Künstler wie der Maler Ludwig Richter verfestigten mit ihren wenig realistischen Werken bei der Oberschicht die Vorstellung einer regional differenzierten Volkstracht. Um diese Vorstellung auch in den unteren Schichten zu verbreiten, erließ bereits Ludwigs Vater, König Maximilian II., am 1. Juni 1853 eine Verordnung zur „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten“.Karl-Sigismund Kramer: Volkskultur – Ein Beitrag zur Diskussion des Begriffs und seines Inhalts. In: Volkskultur – Geschichte – Region: Festschrift für Wolfgang Brückner zum 60. Geburtstag. (= Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie. Band 7). Königshausen & Neumann, 1992, ISBN 3-88479-709-3, S. 16. mini|Kaiser Franz Joseph I. bei der Jagd in Lederhose, Lithographie von Josef Kriehuber, 1864 Maximilian zeigte sich bei der Jagd, wie auch der österreichische Kaiser Franz Joseph und zuvor bereits Erzherzog Johann, in graugrüner Jacke und Lederhose und stattete auch seine Jagdgehilfen mit dieser Kombination aus.Gereon Blaseio, Hedwig Pompe, Jens Ruchatz: Popularisierung und Popularität. DuMont, 2005, S. 106–107.
Ludwig antwortete auf Vogls Brief mit einem wohlwollenden Schreiben und ließ an alle Kreis- und Bezirksämter die Aufforderung ergehen, Vereine zur Erhaltung der Tracht zu gründen. Dies gab der neu entstandenen Trachtenbewegung großen Auftrieb, dem sich schließlich auch die Kirche beugte. In vielen Städten in Bayern (aber auch in Österreich, dort mit Unterstützung des österreichischen Kaiserhauses) entstanden Trachtenvereine, welche die Idee der Lederhose als Teil der regionalen Volkstracht übernahmen. Selbst in München gründeten begeisterte Bürger einen Gebirgstrachtenverein. Damit vollzog sich endgültig der Wandel von der alpenländischen Arbeitshose zum festtäglichen Selbstdarstellungsmittel des städtischen Bürgertums. Die nunmehr hauptsächlich zu Schauzwecken getragenen Lederhosen wurden immer üppiger mit Ornamenten verziert und die Trachtenvereine begannen damit, vereinstypische Stile festzuschreiben.Simone Egger: Phänomen Wiesntracht: Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft ; Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest. (= Münchner ethnographische Schriften. Band 2). Herbert Utz Verlag, 2008, ISBN 978-3-8316-0831-7, S. 25. Jedoch erfassten die Trachtenvereine nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Bevölkerung. Der allgemeine Durchbruch gelang der Lederhose erst nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Aufkommen des Alpentourismus als Massenphänomen. Die Lederhose wurde zur Freizeithose für Sommerfrischler, die sich jeweils an den sich ändernden Modegeschmack anpasste.Simone Egger: Phänomen Wiesntracht. 2008, S. 27–28.
Papst Pius XI. empfing 1924 eine Chiemgauer Männerabordnung in ihrer Gebirgskluft. Die kurze Lederhose, die Wichs, wurde dabei erstmals bei einer Audienz zugelassen und somit „salonfähig“.Schwandorfer Tagblatt. 14. Februar 1924 In: Ludwig Weingärtner: Katholischer Deutscher Frauenbund Zweigverein St. Jakob, Schwandorf. Festschrift. 2014, ISBN 978-3-00-045823-1, S. 60.
Die Nationalsozialisten versuchten, die Lederhose vom alpenländischen Regionalbezug zu lösen, und machten sie zu einer gesamtdeutschen Nationaltracht. Es galt, die „geerbte Vätertracht“ als „Reliquie aus alter Zeit“ gegen Vereinnahmung zu schützen. 1938 wurde Juden das öffentliche Tragen von Lederhosen verboten. Dieses Verbot wurde stückweise auf andere Volksgruppen bzw. Menschen mit anderer regionaler Herkunft, wie Polen oder Ostarbeiter, erweitert.Ulrike Kammerhofer-Aggermann: Dirndl, Lederhose und Sommerfrischeidylle. In: Robert Kriechbaumer (Hrsg.): Der Geschmack der Vergänglichkeit: jüdische Sommerfrische in Salzburg (= Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für Politisch-Historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Forschungsinstitut für Politisch-Historische Studien Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek. Band 14). Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99455-8, S. 329. In der Nachkriegszeit war die Lederhose in Deutschland und Österreich die beliebteste Kinderkleidung für Jungen schlechthin. Sie erhielt große Zustimmung sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern. Abgelöst wurde ihre Epoche erst durch den Siegeszug der Jeans, die wie die Lederhose ihren Ursprung in der Arbeitskleidung hatte. Im Gegensatz zur Lederhose stieß die Jeans bei der Elterngeneration jedoch meist auf scharfe Ablehnung und wurde mit Jugendrebellion in Verbindung gebracht.Ingeborg Weber-Kellermann: Kindheit der fünfziger Jahre. In: Dieter Bänsch: Die Fünfziger Jahre: Beiträge zu Politik und Kultur. Gunter Narr Verlag, 1985, ISBN 3-87808-385-8, S. 179–181. Mit dem Aufkommen der Rock-’n’-Roll-Musik in den fünfziger Jahren und der damit einhergehenden Halbstarken-Bewegung bekam die Lederhose einen ganz anderen kulturellen Hintergrund. In dieser Subkultur war das Tragen von – insbesondere schwarzen – Lederhosen sehr verbreitet, seit den Siebzigerjahren ebenso unter Rockmusikern sowie Liebhabern dieser Musik. Auch in der Punk- und Metal-Szene werden häufig schwarze Lederhosen getragen.
Formen und Verbreitung mini|Goaßlschnalzer in der Chiemgauer Tracht mit Leinenhemd, kurzer Lederhose, Haferlschuhen, Loferl und Hut mit Gamsbart mini|Paar in Miesbacher Tracht – der Mann trägt eine bayerische Lederhose. Typisch für Trachtenlederhosen sind die Bestickung und der Hosenlatz, das Hosentürl, der angeblich auf die Schamkapsel, einen von 1400 bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Europa allgemein üblichen Teil der Männerkleidung zurückgeht. An beiden Seiten, oder nur einseitig, meistens rechts, ist an der Lederhose üblicherweise eine Messertasche angebracht, die den Nicker, das Jagdmesser, ein anderes Messer oder ein Fuhrmannsbesteck aufnimmt.
Die Trachtenlederhose gibt es in drei Formen:
Kniebundhose Die Kniebundhose kommt von der französischen Culotte und war in ganz Mitteleuropa verbreitet. Sie wird auch Bundlederne oder (nicht ganz korrekt) Knickerbocker genannt. Eine Besonderheit, welche die Herkunft der Kniebundlederhose zeigt, ist die „Arschnaht“. Im Bereich Ostbayern, dem Salzburger Raum, Tirol und Oberösterreich wird sie oft als Tellernaht (bspw. Salzburger Teller) tellerartig über das Gesäß ausgeführt, wohingegen im Allgäu, der Steiermark und Kärnten diese Naht meist senkrecht verläuft. In der aktuellen Trachtenmode findet sich die Tellernaht häufig bei industriell gefertigten Kniebundlederhosen. Zur Bundhose trägt man lange Bundhosenstrümpfe, die man bis übers Knie hinaufzieht und dort umschlägt. Erst dann zieht man die Bundhose an, die unter dem Knie zugebunden wird, und so wird der Bundhosenstrumpf daran gehindert, aus dem Hosenbein herauszurutschen.
Kurze Lederhose Sie ist im Ostalpenraum aus der Kniebundhose entstanden. Sie wird dort zu den Gebirgstrachten getragen. Um mehr Beinfreiheit bei der Arbeit und beim Klettern in den Bergen zu haben, kürzten Holzarbeiter und Jäger die Kniebundhose. Kurze Lederhosen mit Tellernaht sind selten. Hervorzuheben ist, dass die kurze Lederhose in Deutschland nur im südbayerischen Raum am Rande der Alpen verbreitet war. Nördlich von München und im Rest Deutschlands gehörte sie nicht zur Tracht.
Stiefellederhose Sie reicht mindestens bis zur Mitte des Unterschenkels und kann in die Stiefel oder die Socken gesteckt werden. Dazu gehört z. B. die Dachauer Lederhose. Sie ist eine Stiefellederhose mit sehr eng geschnittenen langen Hosenbeinen, die an den Fesseln zugebunden werden. Der Hosenbund ist sehr hoch geschnitten. mini|Lederhosenladen in München