Die Schlacht am Tenaru, manchmal auch Schlacht am Ilu River oder Schlacht am Alligator Creek genannt, war eine Landschlacht, die am 21. August 1942 während des Pazifikkriegs zwischen Einheiten der Kaiserlich Japanischen Armee und der Alliierten, hauptsächlich des United States Marine Corps, auf der Insel Guadalcanal, Salomon-Inseln, stattfand. Sie stellte die erste große japanische Offensive während der Schlacht um Guadalcanal dar.

Während der Schlacht warfen die amerikanischen Marineinfanteristen unter dem Oberkommando von Generalmajor Alexander A. Vandegrift mehrere Angriffe von Soldaten des sogenannten Ichiki-Regiments unter dem Kommando von Oberst Ichiki Kiyonao zurück. Die Marines verteidigten den Lunga-Perimeter, der den Flugplatz Henderson Field schützte. Diesen Flugplatz hatten die Alliierten unmittelbar nach ihrer Landung auf Guadalcanal am 7. August besetzen können. Als Reaktion hierauf wurde Oberst Ichiki mit seiner Einheit nach Guadalcanal entsandt, um den Flugplatz, der in den Vorwochen von japanischen Baueinheiten errichtet worden war, zurückzuerobern und die alliierten Truppen von der Insel zu vertreiben.

Da er die Truppenstärke der Alliierten auf der Insel unterschätzte,Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits etwa 11.000 alliierte Soldaten auf der Insel. ließ Ichiki seine Soldaten einen nächtlichen Frontalangriff auf die feindlichen Stellungen am Alligator Creek am östlichen Ende des Lunga-Perimeters durchführen. Dieser Angriff konnte unter schweren Verlusten für die Japaner abgewehrt werden. Am darauffolgenden Tag konnte die japanische Einheit in einem Gegenangriff fast gänzlich aufgerieben werden.

Die Schlacht stellte die erste von insgesamt drei verschiedenen Landoffensiven dar, welche die Japaner im Verlauf der Schlacht um Guadalcanal durchführten, um die Insel wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach der Schlacht am Tenaru begriff das japanische Oberkommando in Rabaul, dass die Zahl der von den Alliierten bereits auf die Insel gebrachten Soldaten weit höher lag als ursprünglich angenommen. Es beschloss daher, weitere Truppen zur Sicherung der Insel nach Guadalcanal zu entsenden.

Hintergrund Japanische Operationen auf Guadalcanal, Anfang 1942 mini|links|Die Salomoneninseln, unter denen Guadalcanal ist Am 7. August 1942 landeten alliierte Truppen auf den Florida Islands und Guadalcanal, die einige Monate vorher im Zuge der Operation MO von japanischen Truppen besetzt worden waren. Die Landungen sollten die Inseln für die Alliierten zurückgewinnen und dort im Aufbau befindliche japanische Stützpunkte vernichten, von denen aus die Nachschubrouten zwischen Australien und den Vereinigten Staaten hätten bedroht werden können. Darüber hinaus sollten die Inseln als Ausgangsbasis für eine großangelegte Gegenoffensive der Alliierten zur Isolierung des japanischen Regionalhauptquartiers in Rabaul dienen. Die Landungen stellten den Auftakt der insgesamt sechsmonatigen Schlacht um Guadalcanal dar.Frank O. Hough, Verle E. Ludwig und Henry I. Shaw Junior: Pearl Harbor to Guadalcanal. S. 235–236.

Aufgrund ihrer materiellen und personellen Überlegenheit gelang es den Alliierten innerhalb von zwei Tagen, die Florida Islands komplett zu besetzen und auch das im Bau befindliche Flugfeld auf Guadalcanal konnte bis zum Abend des 8. August gesichert werden.Samuel Eliot Morison: The Struggle for Guadalcanal, August 1942 – February 1943. 1958, S. 14–15. In der folgenden Nacht überfiel eine kleine japanische Flotte aus sieben Kreuzern und einem Zerstörer unter dem Befehl von Vizeadmiral Mikawa Gun’ichi eine Gruppe alliierter Schiffe, welche die Entladung von Material und Soldaten deckten. Nach der Niederlage in der daraus entstehenden Schlacht vor Savo Island und dem Verlust mehrerer Schiffe ordnete Konteradmiral Richmond K. Turner am Abend des 9. August den Rückzug aller alliierten Schiffseinheiten an, wodurch die weitere Entladung von schwerer Ausrüstung, Nachschub und Truppen auf Guadalcanal eingestellt werden musste. Zwar konnten 32 Haubitzen der Kaliber 75 mm und 105 mm an Land gebracht werden, dafür wurde jedoch nur Verpflegung für etwa fünf Tage angelandet.John L. Zimmerman: The Guadalcanal Campaign. 1949, S. 49–56.Michael S. Smith: Bloody Ridge: The Battle That Saved Guadalcanal. 2000, S. 11 und 16.

Die bereits auf Guadalcanal gelandeten Marines konzentrierten sich darauf, Verteidigungsstellungen um das eroberte Flugfeld zu errichten, die angelandeten Nachschubgüter dorthin zu schaffen und das Flugfeld einsatzbereit zu machen. Generalmajor Vandegrift verteilte seine etwa 11.000 auf Guadalcanal befindlichen Truppen hierzu in loser Formation im Gebiet um Lunga Point. Für die einsetzenden Arbeiten am Flugfeld setzten die Amerikaner hauptsächlich das von den Japanern zurückgelassene Gerät ein. Am 12. August wurde es zu Ehren des in der Schlacht um Midway gefallenen Marinepiloten Lofton R. Henderson in Henderson Field umbenannt. Erbeutete japanische Verpflegung ergänzte die amerikanischen Rationen, sodass diese nach Plan für etwa 14 Tage reichen würden. Da nicht bekannt war, wann die alliierte Flotte neue Verpflegung würde anlanden können, ließ Vandegrift die Rationen seiner Soldaten auf zwei Mahlzeiten am Tag kürzen.Henry I. Shaw: First Offensive: The Marine Campaign For Guadalcanal. 1992, S. 13.Michael S. Smith: Bloody Ridge: The Battle That Saved Guadalcanal. 2000, S. 16–17.

mini|links|Oberst Ichiki Kiyonao, Kommandeur des 28. Infanterieregiments

Als Reaktion auf die alliierten Landungen befahl das Kaiserliche Hauptquartier der 17. Armee, den Feind zurückzuwerfen und die Insel zu sichern. Da die 17. Armee, die unter dem Befehl von Generalleutnant Hyakutake Harukichi stand und ihr Hauptquartier in Rabaul hatte, mit dem Großteil ihrer Truppen in Kämpfen in Neuguinea gebunden war, konnte sie nur einige wenige Einheiten in die südlichen Salomonen entsenden. Unter diesen Einheiten waren die 35. Infanteriebrigade unter Generalmajor Kawaguchi Kiyotake, die sich noch auf Palau befand, das 4. Infanterieregiment auf den Philippinen sowie das 28. Infanterieregiment unter Oberst Ichiki Kiyonao, das sich bereits auf dem Transport von Guam befand.John Miller Junior: Guadalcanal: The First Offensive. 1995, S. 96. Da es nicht erst in Marsch gesetzt werden musste, sondern sich bereits auf dem Transport befand, erreichte das 28. Infanterieregiment als erstes Guadalcanal.Michael S. Smith: Bloody Ridge: The Battle That Saved Guadalcanal. 2000, S. 88.David C. Evans: „The Struggle for Guadalcanal“. The Japanese Navy in World War II: In the Words of Former Japanese Naval Officers. 1986, S. 158.Richard Frank: Guadalcanal: The Definitive Account of the Landmark Battle. 1990, S. 141–143.Das 28. Infanterieregiment wurde nach seinem Befehlshaber auch Ichiki-Regiment genannt und war Teil der auf Hokkaido aufgestellten 7. Division. Das 4. Infanterieregiment wurde auch Aoba-Regiment genannt, nach der Burg Aoba in Sendai, Präfektur Miyagi, aus der ein Großteil seiner Soldaten stammte. (Gordon L. Rottman: Japanese Army in World War II: The South Pacific and New Guinea, 1942–1943. 2005, S. 52.) Ichikis Regiment war für die Invasion und Besetzung Midways vorgesehen, nach dem Scheitern dieser jedoch auf dem Rücktransport nach Japan. Einige Quellen behaupten, Ichikis Regiment habe sich auf Truk befunden, nach David C. Evans, welcher sich auf den japanischen Admiral Tanaka Raizō stützt, wurde es nach der verlorenen Schlacht von Midway zunächst nach Guam gebracht. Bereits vor dem Befehl, in die südlichen Salomonen zu verlegen, waren die Soldaten des Regiments eingeschifft worden, um sie zu verlegen; das Ziel dieser Verlegung wurde nach den alliierten Landungen auf Guadalcanal auf Truk geändert.

Am 12. August überflog ein aus Rabaul kommender japanischer Luftaufklärer die alliierten Stellungen auf Guadalcanal und konnte dabei nur wenige feindliche Truppen auf der Insel und keinerlei größere Schiffe in den umgebenden Gewässern sichten, was das kaiserliche Hauptquartier davon überzeugte, dass die Alliierten den Großteil ihrer Truppen von der Insel zurückgezogen hätten. In Wirklichkeit befanden sich jedoch noch alle Truppen auf Guadalcanal und waren der Entdeckung durch den Aufklärer entgangen.Richard Frank: Guadalcanal: The Definitive Account of the Landmark Battle. 1990, S. 143–144. Generalleutnant Hyakutake befahl dem 28. Infanterieregiment daraufhin, 900 Mann auf die schnelleren, ihren Konvoi begleitenden Kriegsschiffe überzusetzen und so schnell wie möglich auf Guadalcanal zu landen, um die alliierten Stellungen anzugreifen und das Flugfeld zurückzuerobern. Später sollte die erfolgreiche Einheit durch den Rest des Regiments, der auf den langsameren Transportschiffen verblieb, verstärkt werden. In der japanischen Marinebasis auf Truk, wo Ichikis Regiment vorerst angelandet worden war, erhielt Oberst Ichiki die Information, dass die Stärke der feindlichen Truppen auf Guadalcanal zwischen 2.000 und bis zu 10.000 Mann geschätzt wurde und er daher einen Frontalangriff vermeiden solle.David C. Evans: „The Struggle for Guadalcanal“. The Japanese Navy in World War II: In the Words of Former Japanese Naval Officers. 1986, S. 161.Samuel B. Griffith: The Battle for Guadalcanal. 1963, S. 98–99.Michael S. Smith: Bloody Ridge: The Battle That Saved Guadalcanal. 2000, S. 31.

Ichiki und 916 der 2.300 Soldaten des Regiments wurden gegen 1:00 Uhr am 19. August, mit Verpflegung für sieben Tage, bei Taivu Point, etwa 35 Kilometer östlich von Lunga Point von sechs Zerstörern ohne Gegenwehr angelandet.Die angelandeten Soldaten gehörten hauptsächlich zum 1. Bataillon des Regiments und stammten zum größten Teil aus Asahikawa auf Hokkaido. Befehlshaber war ein Major Kuramoto. Bei Taivu Point befand sich ein durch Marinepersonal errichteter japanischer Außenposten, dessen etwa 200 Mann Besatzung Ichikis Einheit beim Anlanden unterstützten. Nachdem er etwa 100 Mann als Wache an der Landungsstelle zurückgelassen hatte, rückte Ichiki mit den restlichen 800 Soldaten vor und errichtete etwa 14 Kilometer vor den alliierten Stellungen ein Lager. Die japanische Landung war durch die alliierte Aufklärung registriert und den Truppen um Henderson Field mitgeteilt worden, die nun Schritte einleiteten, diese Vorgänge näher zu untersuchen und den Feind aufzuspüren.Samuel B. Griffith: The Battle for Guadalcanal. 1963, S. 99–100.Michael S. Smith: Bloody Ridge: The Battle That Saved Guadalcanal. 2000, S. 29, 43–44.

Schlacht Vorbereitungen mini|Der britische Offizier Martin Clemens mit einheimischen Angehörigen der British Solomon Islands Protectorate Defence Force, die während der gesamten Schlacht um Guadalcanal als Kundschafter und Führer für die Alliierten dienten

Die Alliierten erhielten aus verschiedenen Quellen teils detaillierte Berichte über die Bewegungen, Stärke und Position der auf Guadalcanal angelandeten japanischen Streitkräfte. Besonders hilfreich erwiesen sich hierbei die Informationen von Einheimischen, die in der von der britischen Kolonialmacht organisierten British Solomon Islands Protectorate Constabulary und der British Solomon Islands Protectorate Defence Force dienten. Am 19. August wurde eine Patrouille aus 60 Marines und vier einheimischen Führern von Lunga Point aus in Richtung Osten entsandt, um weitere Informationen über die Japaner zu sammeln.Richard Frank: Guadalcanal: The Definitive Account of the Landmark Battle. 1990, S. 148.Stanley Coleman Jersey: Hell's Island: The Untold Story of Guadalcanal. 2008, S. 205.John L. Zimmerman: The Guadalcanal Campaign. 1949, S. 62.