Porta Westfalica (, lateinisch für Westfälische Pforte) ist eine Mittelstadt mit Einwohnern im Kreis Minden-Lübbecke. Sie liegt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen, in der Region Ostwestfalen-Lippe zwischen Minden und Bielefeld. Die heutige Stadt entstand im Rahmen der Gemeindegebietsreform 1973 durch Zusammenschluss von 15 Gemeinden. Als Stadtzentrum und Verwaltungssitz fungiert der Stadtteil Hausberge.
Der gewählte Name der neuen Kommune deutet auf ihre Lage am Weserdurchbruch Porta Westfalica hin, in dem die Weser durch das Gebirgstor zwischen dem Weser- und dem Wiehengebirge in die Norddeutsche Tiefebene übergeht.
Geografie Geografische Lage mini|Porta Westfalica mini|Blick über die Porta Westfalica zum Wesergebirge Die Stadt Porta Westfalica liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens und im Südosten des Kreises Minden-Lübbecke. Die von Süden kommende Weser durchquert hier an der namensgebenden Porta Westfalica den in west-östlicher Richtung verlaufenden Höhenzug des Weser- und Wiehengebirges mit Gipfelhöhen zwischen 200 und knapp über 300 Metern im Stadtgebiet.
Das Stadtgebiet liegt nördlich und südlich des Gebirgszugs sowie östlich und westlich der Weser. Der südliche Teil der Stadt wird weitgehend vom Großen Weserbogen begrenzt. Im Bereich des Weserbogens entstanden mehrere große Seen als Folge des Kiesabbaus. Naturräumlich liegt das Stadtgebiet im Übergangsbereich des Unteren Weserberglands und der Norddeutschen Tiefebene. Der in der Norddeutschen Tiefebene gelegene Teil des Stadtgebietes beidseitig der Weser im Mittleren Wesertal wird landschaftlich zum Mindener Land gezählt. Der südlich gelegene etwas hügeligere Teil abseits des Oberen Wesertals wird teilweise dem Ravensberger Hügelland zugerechnet.
Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (35 Kilometer südwestlich von Porta Westfalica), Osnabrück (60 km westlich) und Hannover (60 km nordöstlich).
Geologie und Böden mini|Geothermische Karte von Porta Westfalica
Der Untergrund an der Porta Westfalica besteht aus bis zu 4000 m mächtigen Sedimenten der Trias, des Juras und der Unteren Kreide. Darunter Gesteine des Erdaltertums (Devon, Karbon, Perm).
An der Oberfläche besteht das Gestein hauptsächlich aus Ton-, Mergel-, Kalk- und Sandsteinen des mittleren Erdmittelalters (Jura). Überregionale Bedeutung hatte der Portasandstein, der seit dem 11. Jahrhundert verwendet wurde. Am Nordhang der Mittelgebirge treten aber auch Ton- und Mergelsteine des späten Erdmittelalters (Untere Kreide) zutage. Um Holtrup treten auch Ton-, Schluff- und Sandsteine des frühen Erdmittelalters (Oberer Keuper) zutage. Im Kammbereich des Wiehen-/Wesergebirges, das in geologischer Sicht identisch ist, dominieren ebenfalls Gesteine des Jura. Im Bergvorland dominieren Lockergesteine (Kiese, Sande und Schluffe), die während des Eiszeitalters und in der Nacheiszeit abgelagert wurden.
Im Gebiet finden sich großflächig fruchtbare, zum Ackerbau geeignete, Lössböden im Gebirgsvorland. Sie sind als Parabraunerden oder bei Staunässe als Pseudogleye ausgebildet. Bei zutage tretenden Festgesteinen des Erdmittelalters (Holtrup, Kammlagen) sind die Lössdicken stark reduziert. Hier finden sich Braunerden aus steinigem tonigem Lehm. In den exponierten Höhenlagen der Gebirge ist die Mächtigkeit dieser Schichten stark reduziert; auf Kalkgesteinen finden sich daher auch Rendzinen. In der Wesertalung und ihren Auen finden sich weniger fruchtige, teils feuchte, sandige oder kiesige Braunerden, die der Fluss abgelagert hat. Landwirtschaftlich werden diese Böden nur extensiv genutzt. Teilweise entstanden hier auch Torfschichten, die Niedermoore bilden.
Porta Westfalica eignet sich in Berg- und weiteren Einzellagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Das rund 105 Quadratkilometer große Stadtgebiet dehnt sich von Süden nach Norden etwa neun Kilometer aus. Die maximale Ausdehnung von Osten nach Westen beträgt rund 14 Kilometer. Der höchste Punkt der Stadt ist der im Wesergebirge gelegene Papenbrink mit (). Der tiefste Punkt liegt im Wesertal bei Neesen mit rund ().
Die Stadtfläche wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Im Wesentlichen sind nur das Wiehengebirge und das Wesergebirge bewaldet. Eine Übersicht über die Flächennutzung gibt folgende Tabelle: Flächenach Nutzungsart Flächein ha Anteil Landwirtschaft 5555 52,8 % Wald 1713 16,3 % Siedlungs- undVerkehrsfläche 2498 23,8 % Gewässer 400 3,8 % Sonstige Nutzung 352 3,4 % Quelle: LDSLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW: Kommunalprofil Porta Westfalica, Stadt
Nachbargemeinden Porta Westfalica grenzt im Westen an die Stadt Bad Oeynhausen, im Norden an die Stadt Minden (beide Kreis Minden-Lübbecke, Nordrhein-Westfalen), im Norden, Osten und Südosten an die Städte Bückeburg und Rinteln im niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Im Südwesten grenzt sie an die Stadt Vlotho im Kreis Herford und im Süden an Kalletal im Kreis Lippe (beide Nordrhein-Westfalen).
Stadtgliederung mini|300px|Ortsteile der Stadt Porta Westfalica
Nach § 3, Abs. 4 der Hauptsatzung werden die 15 Stadtteile von Porta Westfalica durch acht Bezirksausschüsse organisiert, um anfallende Probleme in den einzelnen Ortsteilen aufzugreifen und zu lösen.
(Einwohnerzahl Stand 31. Dezember 2022):
Bezirksausschuss I: Hausberge (5421), Bezirksausschuss II: Holzhausen (4463) Bezirksausschuss III: Barkhausen (4334) Bezirksausschuss IV: Neesen (2380), Lerbeck (3960) Bezirksausschuss V: Nammen (2258), Wülpke (614), Kleinenbremen (3467) Bezirksausschuss VI: Eisbergen (3454) Bezirksausschuss VII: Veltheim (2697), Lohfeld (1257) Bezirksausschuss VIII: Möllbergen (1618), Holtrup (1059), Vennebeck (1004), Costedt (537)
Klima Das Klima in Porta Westfalica wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine naturräumliche Lage in der Ravensberger Mulde im Süden und im Mindener Land im Norden bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,5 °C, wobei die Höhenlage diese beeinflusst. Die Höhenlagen des Wiehen- und Wesergebirges sind rund 0,5 °C kühler. Die Wesertalung und der Bereich der Norddeutschen Tiefebene um bis zu 0,5 °C wärmer.
Die Niederschläge in der Ravensberger Mulde sind maßgeblich durch die geschützte Beckenlage beeinflusst. Der Teutoburger Wald, das Eggegebirge und Lipper Bergland schirmen die Ravensberger Mulde gegen die vom Atlantik kommenden, feuchten Wetterfronten aus Vorzugswindrichtung Süd-West ab. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge liegt hier bei rund 750 mm. Der in der Norddeutschen Tiefebene gelegene Teil weist niedrigere Jahresniederschlagssummen von rund 700 mm auf.Klima auf der Seite von Wald und Holz Nordrhein-Westfalen für das Weserbergland mit Karte, abgerufen am 20. September 2023 (zip; 349 kB)
Geschichte mini|Porta Westfalica um 1841
Jungsteinzeitliche Funde im heutigen Stadtgebiet belegen eine frühe Besiedlung der Niederterrassen rechts und links der Weser.
Der lateinische Name der Stadt entstand erst im 18. Jahrhundert, als die lateinische und französische Sprache bei den Adeligen in Mode war, so dass er kein Indiz für eine römische Besiedlung sein kann. Mit dem Namen Porta Westfalica („Westfälische Pforte“) benannte man das Durchbruchstal der Weser zwischen Weser- und Wiehengebirge. Als Bezeichnung für die heutige Stadt wurde Porta Westfalica erst 1973 gewählt.
Eine kontinuierliche Besiedlung besteht mutmaßlich seit der sächsischen Zeit. Eine erste Besiedlung des heutigen Stadtgebiets ist seit 1019 schriftlich belegt. Die erste bekannte Ansiedlung an diesem Ort datiert man auf das Jahr 1096, als erstmals die Schalksburg urkundlich erwähnt wurde. Sie war im Besitz der Herren vom Berge, die bis 1397 die Vogteirechte im Hochstift Minden ausübten. Die Schalksburg entwickelte sich zu einem bedeutenden Verwaltungssitz der Region und war Jahrhunderte Sitz des Amtes Hausberge. Um diese herum entstand der heutige Stadtkern von Porta Westfalica. Erstmals im Jahre 1353 wurden auch Burgleute bekundet, welche in der nunmehr „Haus zum Berge“ genannten Burg residierten. Die umgebende Siedlung wurde mit der Zeit nach der Burg „Hausberge“ genannt.
Die Marktrechte wurden 1618, die Stadtrechte 1720 vergeben. Der Ort lag abseits der Hauptverkehrswege und entwickelte sich daher in der Folgezeit nur langsam. Als das Hochstift Minden 1648 an Brandenburg-Preußen fiel, blieb Hausberge Sitz des nun preußischen Amtes Hausberge mit den Vogteien Übernstieg, Berg und Bruch, Gohfeld und Landwehr (zzgl. Flecken Hausberge). Das Amt umfasste vollständig oder in Teilen die heutigen Gebiete der Kommunen Porta Westfalica, Minden, Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho. Zwar verblasste die Bedeutung des Amtes nach Gründung Minden-Ravensbergs und der Einführung landrätlicher Bezirke zusehends, aber dennoch sollte das Amt Hausberge bis zum Ende des Fürstentums Minden Bestand haben.
1806 wurde das Gebiet von Frankreich besetzt und 1807 dem de facto französischen Vasallenstaat Königreich Westphalen eingegliedert. Es war zunächst Teil des Departements der Weser und dessen Distrikt Minden. Die Orte rechts der Weser wurden im Kanton Hausberge zusammengefasst. Nur Barkhausen links der Weser war Teil des Kantons Haddenhausen. 1810 fiel Barkhausen direkt an Frankreich und war fortan Teil der Bürgermeisterei Dützen im Kanton Minden (Departement der Oberen Ems). Der rechtsseitige Teil der heutigen Stadt Porta Westfalica verblieb größtenteils im Königreich Westphalen. Dieser Teil wurde in das Departement der Leine (Distrikt Rinteln) eingegliedert.
Ein größeres Wachstum von Hausberge setzte erst mit dem Bau der Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft im 19. Jahrhundert ein. 1864 wurde die erste Weserbrücke im heutigen Stadtgebiet zwischen Barkhausen und Hausberge errichtet, damals eine Kettenbrücke.
1896 wurde das Wahrzeichen der Stadt, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal erbaut.
1944 ereignete sich in der Nähe des Bahnhofs Porta der Eisenbahnunfall an der Porta Westfalica, bei dem 79 Menschen starben.
2008 wurden im Ortsteil Barkhausen das Marschlager Porta Westfalica entdeckt. Vor Ort befindet sich heute noch eine Dauerausstellung zu dem Römerlager und zur weiteren Funden. Ergänzt wird die Ausstellung seit 2022 durch einen weiteren Teil, in dem unterschiedliche ur- und frühgeschichtliche Funde aus dem Ressort der Stadt Porta Westfalica präsentiert werden. Betrieben wird dieses Kleinstmuseum seit der Wiedereröffnung am 26. Februar 2022 von einer Arbeitsgruppe der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke e. V. und dem Verein Natur- und Heimatpflege Porta e. V. (NHP).
Im Jahr 2023 feiert die Stadt Porta Westfalica ihr 50-jähriges Bestehen seit der Gebietsreform im Januar 1973.Mindener Tageblatt: 15 Ortsteile feiern 50. Geburtstag Stadt Porta plant Jubilaeumsjahr zur Gebietsreform, abgerufen am 27., Dezember 2022
Eingemeindungen Die heutige Stadt Porta Westfalica entstand im Rahmen der Gebietsreform nach dem Bielefeld-Gesetz vom 24. Oktober 1972 mit Wirkung vom 1. Januar 1973 und wurde dadurch amtlich als solche benannt. Damit wurde ein Begriff, der vorher nur als Landschaft bekannt war, auf eine Stadt übertragen. Zum Sitz von Rat und Verwaltung wurde der alte Amtssitz Hausberge bestimmt, gleichzeitig wurde Hausberge Stadtkern, der im Zeitraum von 1978 bis 1988 als Stadtmitte städtebaulich entwickelt wurde.