Bruck (; fränkisch ebenfalls BruckD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 39. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „brųkʰ“.) ist ein Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Erlangen (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Bruck hat eine Fläche von 4,293 km². Sie ist in 3904 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1099,54 m² haben. Durch die starke bauliche Erweiterung mit vielen Hochhausbauten sowie die Nähe der Bundesautobahn hat Bruck insgesamt seinen dörflichen Charakter verloren. Dieser ist jedoch im alten Ortskern um die Wehrkirche noch zu spüren.

Lage Der ehemalige Markt Bruck bildet mit Erlangen im Norden eine geschlossene Siedlung. Diese liegt am rechten Ufer der Regnitz.

Geschichte mini|Kupferstich von C.M. Roth, 1760 mini|Luftbild von Erlangen-Bruck 2019 mini|Keltschenschloss mini|Fachwerkhäuser an der Fürther Straße und Evangelische Kirche St. Peter und Paul, 2010 mini|Ehemaliges Gasthaus Zum Goldenen Schiff, Fürther Straße 27 (früher Haus Nr. 95), 2010 Ortsgeschichte Der Ort ist wohl im 11./12. Jahrhundert entstanden und wurde 1282 als „Brukk“ erstmals urkundlich erwähnt. König Rudolf belehnte damals den Nürnberger Burggrafen Friedrich V. mit dem Dorf aus dem Nürnberger Reichsgut. 1374 wurden die Nürnberger Burggrafen zusätzlich mit Zoll und Geleit belehnt. Die Grundherrschaften teilten sich seit dem 14. Jahrhundert Burggraf, Bürger und kirchliche Einrichtungen aus Nürnberg sowie die Ansbacher Markgrafen.

Im Ersten Markgrafenkrieg wurde der Ort 1449 niedergebrannt. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort weitgehend zerstört. Dennoch entwickelte sich die an der Regnitz gelegene Ansiedlung wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der einzigen Regnitzbrücke zwischen Vach und Baiersdorf zu einem blühenden Dorf. Zahlreiche Fuhrleute und Wirte lebten dort, zeitweilig gab es vier Brauereien. Ab dem 17. Jahrhundert florierte zusätzlich zum Handel die Tabakverarbeitung.

Von 1797 bis 1810 unterstand Bruck dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt Bruck gebildet. Zu diesem gehörten Eltersdorf, Kleingründlach, Mittelmühle und Tennenlohe. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Bruck. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Bruck zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt) und zum Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1904 eine Gebietsfläche von 4,215 km². Am 15. September 1924 erfolgte die Eingemeindung nach Erlangen.

In den 1840er Jahren wurde Bruck zum Hafenort, als der 1835 bis 1846 erbaute Ludwig-Donau-Main-Kanal den Ort erreichte. Es gab dort eine Ladestelle (Anlände) für den Güterumschlag. 1950 wurde der Ludwigskanal wieder aufgelassen und in den 1960er Jahren vollständig mit der Bundesautobahn 73 überbaut. An der Stelle der ehemaligen Anlegestelle steht heute der Wohnblock in der Keltschstraße 1.

Der Ausbau der Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Erlangen und weiter bis Bamberg ließ Brucks Bedeutung zunächst sinken. Erst durch die Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Herzogenaurach 1894 erhielt Bruck einen eigenen Bahnhof.

Die nahen Erlanger Industriebetriebe führten dazu, dass sich Bruck im 19. Jahrhundert vom Dorf zur Arbeitersiedlung entwickelte. Im Südosten Brucks entstand 1939 jenseits der Eisenbahnlinie eine Werksiedlung mit kleinen Einfamilienhäusern. Auf dem Anger, einem ehemaligen Weideland und späteren Exerzierplatz, errichtete die Baugenossenschaft für das Verkehrspersonal in den 1920er Jahren eine weitere Siedlung. Diese wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schwerpunkt des sozialen Wohnungsbau in Erlangen. Bis 1974 wuchs die Einwohnerzahl allein dieses Viertels auf 8.230 an, sank jedoch bis 1999 wieder auf 6.700. Mit 27 Prozent weist dieses Viertel den höchsten Ausländeranteil innerhalb Erlangens auf.

Nationalsozialismus Am 8. Juli 1932 demonstrierten Arbeiter auf dem Marktplatz in Bruck gegen die Nationalsozialisten in Erlangen. An der von SPD, Eiserner Front, KPD und Rotfront initiierten Versammlung nahmen etwa 3000 Menschen teil.Martin Droschke: Propagandaschlacht in Erlangen – ein Durchmarsch der Rechten liegt in der Luft. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 8. Juli, Blatt 9. Juli und Blatt 10. Juli.

Herrensitze Es gab in Bruck mehrere Herrensitze: Der so genannte „Rudelshof“ (Fürther Straße 33), seit dem 16. Jahrhundert im Besitz von Nürnberger Patrizierfamilien (zuletzt der Tucher) wurde 1687 von Melchior Christian von Mayersbach erworben, der 1687/88 ein zweigeschossiges Herrenhaus mit einem Erker erbaute. Nach dem Wegzug Mayersbachs wurde der Herrenhof jedoch zerschlagen und die Ländereien und Hofgebäude getrennt verkauft. Der breite, 1728 veränderte Walmdachbau fiel 1966 einem Neubau zum Opfer. Ein weiterer Herrensitz befand sich daneben, in der Fürther Straße 36. Er war bis 1417 im Besitz des Hans Remar/Reymar zu Buckenhof und wechselte im 15. Jahrhundert häufig den Besitzer. Als der Sitz 1548 an den Nürnberger Patrizier Sigmund Pfinzing d. Ä. veräußert wurde, zog der Markgraf nach einem Prozess das Mannlehen 1561 ein, da die Veräußerung an einen einflussreichen Nürnberger Ratsherren ohne seine Zustimmung erfolgt war. Die seinerzeit als baufällig bezeichnete Liegenschaft wurde ab 1562 vom Markgraftum als Erbzinslehen vergeben. Ab 1600 folgten jüdische Besitzer, die das im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannte Haus wieder aufbauten und teilweise auch als Synagoge nutzten. 1876 wurde es an einen Büttnermeister verkauft, der es unter weitgehenden Bestandsverlusten umbaute. In der jüngsten Zeit wurde das Haus erneut stark verändert, doch blieb dabei der vermutlich frühneuzeitliche Keller mit einer Mikwe des 16. oder 17. Jahrhunderts erhalten. Das „Steinhaus“ (im Bereich Fürther Straße 47–49) wurde bereits 1632/34 im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Es wurde 1477 als Amtmannssitz für Grundbesitzungen errichtet, die zum Reichslehen Heroldsberg gehörten, das seit 1391 an die Nürnberger Patrizierfamilie Geuder von Heroldsberg vergeben waren. Später wurde es von den Geudern an Erbrechtler verliehen. Nach seiner Zerstörung wurde die Ruine als „das Steinhauß..., das einem Schlößlein gleich gesehen“ bezeichnet. An der Stelle wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hummelmannsche Mälzerei errichtet, die 1919 abbrannte. Im 20. Jahrhundert wurde das Grundstück mit einem Wohnhaus modern überbaut. Das „Keltschenschloss“ (Fürther Straße 53) gehörte um 1400 Cuntz Hewplinn, dem von 1481 bis nach 1513 die Familie Humser folgte. Der Name geht auf die irrige Annahme zurück, der Brucker Fuhrmann Cunz Keltsch habe dort gewohnt, der sich von 1501 bis mindestens 1505 mit Unterstützung der Markgrafen eine Fehde mit der Reichsstadt Nürnberg geliefert hatte. Das den Geuder von Heroldsberg grundbare und im Dreißigjährigen Krieg um 1633 niedergebrannte Anwesen wurde noch vor Kriegsende 1649 als Wirtshaus wiederaufgebaut. Es besaß nur um 1800 kurzzeitig den Status eines Herrenhauses, nachdem es der Arzt Georg Pfann 1724 mit Schweifgiebeln sowie einem Turmerker versehen hatte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde hier wieder das schon seit 1702 unter diesem Namen bekannte Wirtshaus Zum goldenen Bären betrieben. 1801 verkauften die Geuder das Anwesen, 1828 entstand dort eine Tabakfabrik. Es ist heute in Privatbesitz.

Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1950 1961 1970 1987 2001Einwohner 1170 1179 1300 1301 1243 1184 1205 1305 1309 1492 1409 1569 1648 1680 1941 2080 1601 3856 4792 8360 8250 20700HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 218 134 161 148 162 187 95 471 651 1522 Quelle

Religion mini|links|hochkant|Evangelische Kirche St. Peter und Paul, 2009 Seit der Reformation 1527 war Bruck evangelisch-lutherisch geprägt. Zur Gemeinde St. Peter und Paul gehören 2001 etwa 4.620 Mitglieder.

mini|Ehemalige Synagoge, Judengasse 1a (früher Haus Nr. 58), 2011 Vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde in Bruck. 1763 wurden 37 jüdische Familien am Ort gezählt, 1811 184 jüdische Einwohner (15 % der Gesamteinwohnerschaft). Zwischen 1860 und 1900 verzogen die meisten Familien in das für eine jüdische Niederlassung wieder offene Erlangen. Die Erlanger jüdische Gemeinde war zunächst Filialgemeinde zu Bruck (Israelitische Kultusgemeinde Bruck-Erlangen). Die ehemalige Synagoge in der Judengasse 1a (früher Haus Nr. 58) ist erhalten und wird für Lager- und Wohnzwecke genutzt.

mini|hochkant|Katholische Kirche St. Peter und Paul, 2010 Die wenigen verbliebenen Katholiken wurden bis zur Einrichtung einer Kuratie in Erlangen (1784) durch die Pfarrei St. Xystus in Büchenbach betreut. Doch erst 1908 erhielten die Brucker Katholiken mit der Weihe der Kirche St. Peter und Paul eine eigene Kirche. Am 8. November 1924 erhielt Bruck einen eigenen Kaplan und wurde zur Kuratie. Über vier Jahrhunderte nach der Reformation wurde diese Kuratie am 1. November 1956 zur Pfarrei erhoben. Im Jahr 2001 zählte die Pfarrgemeinde 2750 Mitglieder.

Um dem raschen Anstieg der katholischen Bevölkerung Rechnung zu tragen, wurde für das nördliche Bruck am 24. August 1967 eine weitere Pfarrei namens Heilig Kreuz errichtet. Die Seelsorge übernahmen die Karmeliten, die direkt neben der 1969 geweihten modernen Kirche ein Kloster errichteten.

Die seit mindestens 1903 in Erlangen vertretenen Siebenten-Tags-Adventisten haben 1995 in Bruck ein neues Gemeindezentrum bezogen. Die im Jahr 2003 gegründete Adventgemeinde ERlebt hat im Oktober 2007 in der Gutenbergstr. 1 die zweite Adventistenkirche in Bruck eingeweiht. Zwischen beiden Gemeinden besteht eine gute Zusammenarbeit. Die Adventisten nehmen am Erlanger Stadtgeschehen aktiv teil. Ihr soziales Engagement zeigt sich unter anderem an der Pfadfinderarbeit (Stamm „Erlanger Markgrafen“) oder an öffentlichen Blutspendeaktionen, die in den Gemeinderäumen durchgeführt werden. Der Verein „Christen für Kultur e. V.“ wurde im Jahr 1999 von Erlanger Adventisten gegründet.

Die Erlanger Zeugen Jehovas haben seit 1980 in Bruck einen Königreichssaal.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

mini|hochkant|Ehemaliges Gasthaus Zum Schwarzen Adler, Fürther Straße 19 (früher Haus Nr. 91), 2010 Wichtigstes Wahrzeichen ist die evangelisch-lutherische Kirche St. Peter und Paul. Diese liegt im Zentrum des alten Dorfes direkt an der Regnitz. Der Baubeginn für diese Kirche lag im 13. Jahrhundert. Der 68 Meter hohe Chorturm besteht aus vier klar gegliederten Geschossen und ist mit einem achtseitigen Spitzhelm sowie vier Scharwachttürmchen versehen. Der ursprünglich spätromanische Bau wurde mehrfach verändert. Das kurze Langhaus weist gotische Elemente unter anderem am Nord- und Südportal auf. Der Innenraum ist durch die Barockisierung geprägt, die während der durch die nach dem Dreißigjährigen Krieg erforderlich gewordenen Instandsetzung 1726 vollendet wurde. Im Inneren der Saalkirche ergibt sich durch die Doppelempore von 1660, die Kanzel von 1680, das Kirchengestühl und die Chorschranken aus der Zeit um 1700 sowie der Stuck und das Deckengemälde von 1726/27 ein geschlossener Eindruck barocker Kirchenbaukunst.

Naturdenkmäler mini|Wasserschöpfrad an der Regnitz, 2010 Östlich von Bruck findet sich das Waldgebiet Brucker Lache. In den Aurachwiesen an der Regnitz wurde im Jahr 2004 ein Biotop mit einem historischen Wasserschöpfrad angelegt.

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