mini|Teil des ältesten noch erhaltenen und vollständigen Manuskripts der Gedichtanthologie Kokin Wakashū Die Bezeichnung Nationalschatz wird seit 1897 verwendet, um besonders bedeutsame Kulturgüter zu bezeichnen. Auch wenn sich die Definition und die Kriterien für Nationalschätze im Laufe der Zeit änderten, folgt die nachstehende Liste den Bestimmungen des gegenwärtig gültigen Kulturgutschutzgesetzes von 1951. Die Nationalschätze wurden vom Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie aufgrund ihres „besonders hohen historischen oder künstlerischen Wertes“ ausgewählt.

Die Schrift gelangte erst etwa 400 n. Chr. in Form chinesischer Werke mit einwandernden Schriftgelehrten vom Festland über Korea nach Japan.Christopher Seeley: A History of Writing in Japan. 1991, S. 25.Peter Francis Kornicki: The Book in Japan: A Cultural History from the Beginnings to the Nineteenth Century. 1998, S. 93.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 454. Im 5. und 6. Jahrhundert verblieb die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben noch auf einem geringen Niveau, doch im 7. Jahrhundert begannen gelehrte Aristokraten wie Prinz Shōtoku Chinesisch für amtliche Dokumente und zur Beförderung des Buddhismus zu verwenden.Conrad D. Totman: A History of Japan. 2000, S. 114.Christopher Seeley: A History of Writing in Japan. 1991, S. 41. Dadurch wurden Lesen und Schreiben im späten 7. Jahrhundert feste Bestandteile im Leben des Adels und der intellektuellen Elite, insbesondere solchen in Regierungsämtern und in religiösen Einrichtungen.Christopher Seeley: A History of Writing in Japan. 1991, S. 40. Die frühesten umfangreichen Werke Japans sind das Kojiki (712) und das Nihon Shoki (720). Die frühen Schriften Japans aus der Nara-Zeit umfassen zudem Biografien des Prinzen Shōtoku, geografische Verzeichnisse (Fudoki) und das Man’yōshū, die erste Gedichtanthologie. Diese frühen Schriften sind entweder in Chinesisch geschrieben oder in einem japanisch-chinesischen Mischstil, der sich am Chinesischen orientiert. Erst mit der Entwicklung einer eigenen japanischen Schrift, den Kana, begann im 9. Jahrhundert die klassische japanische Literatur. Diese Entwicklung führte zu einer Reihe neuer japanischer Literaturgattungen und -formen, wie Erzählungen (Monogatari) oder Tagebüchern (Nikki). Durch das außerordentliche Interesse und die Anteilnahme des Hofes in der Heian-Zeit erblühte die schriftstellerische Tätigkeit besonders im 11. und 12. Jahrhundert.

Die nachstehende Liste umfasst japanische Schriftdokumente unterschiedlicher Art, die in der Asuka-Zeit und Kamakura-Zeit zusammengestellt wurden. Bei mehr als der Hälfte der aufgeführten 68 Werke handelt es sich um Lyrik und Prosa. Hinzu kommt ein Abschnitt mit historiografischen Schriften, beispielsweise Manuskripte des Kojiki und Nihon Shoki, aber auch (Gebrauchs)texte wie Wörterbücher, Gesetzestexte, Biografien und Notenblätter sind in diesem Abschnitt zu finden. Die als Nationalschatz designierten Manuskripte entstanden im Zeitraum von der frühen Heian-Zeit (9. Jahrhundert) bis zur Edo-Zeit. Sie sind in buddhistischen Tempeln, Museum, Bibliotheken oder Archiven und Universitäten untergebracht oder befinden sich im Privatbesitz.

Die hier aufgeführten japanischen Schriftstücke repräsentieren etwa ein Drittel der 223 Nationalschätze in der Kategorie „Schriftstücke / Dokumente“. Darüber hinaus gehören 56 chinesische Bücher und 99 „andere“ Schriftstücke zu den Nationalschätzen dieser Kategorie.

Kennzahlen mini|Aufbewahrungsorte der Nationalschätze in der Kategorie japanische Schriftstücke

Präfektur Stadt Anzahl der Nationalschätze Präfektur Aichi Nagoya 1 Präfektur Fukuoka Dazaifu 1 Präfektur Kagawa Takamatsu 1 Präfektur Kōchi Kōchi 1 Präfektur Kyōto Kyōto 27 Präfektur Miyagi Sendai 1 Präfektur Nara Nara 2 Tenri 3 Präfektur Osaka Izumi 1 Kawachinagano 2 Minō 1 Osaka 2 Präfektur Saga Saga 1 Präfektur Shiga Ōtsu 1 Präfektur Tokio Tokio 22 Präfektur Yamaguchi Hōfu 1

ZeitabschnittStammen Teile des Nationalschatzes aus unterschiedlichen Zeitabschnitten, so ist hier nur der älteste aufgeführt. Nationalschätze Heian-Zeit 50 Kamakura-Zeit 16 Namboku-chō 2

Legende Die Spalten der nachfolgenden Tabelle sind, mit Ausnahme der Spalten Anmerkungen und Bild, sortierbar. Titel: Bezeichnung des Nationalschatzes gemäß der Datenbank Nationaler Kulturgüter Autor: Name des Verfassers Anmerkung: Art und Inhalt des Manuskripts Datum: Entstehungszeit, sortiert nach Jahr. Ist nur der Zeitabschnitt bekannt, wird der Beginn des Abschnitts als Sortierkriterium verwendet. Format: Art, Technik und Abmessung, sortiert nach folgenden Dokumentarten: Schriftrolle (inclusive Briefen und handscrolls), Buch (umfasst Alben, Bücher mit Standardbindung und Bücher mit Fukuro-toji Bindung)Fukuro-toji () Buchblock aus ungeschnittenen Lagen. Es handelt sich dabei um eine Bindeart, bei der die Bögen nur von einer Seite bedruckt sind und in der Mitte gefaltet gebunden werden. Sie besteht aus vorne geschlossenen Viertelbögen, bei denen nur die Außenseiten bedruckt sind. und andere (umfasst auch Hängerollen) Aufbewahrungsort: Tempel, Schrein, Museum – Stadt – Präfektur, sortiert nach Präfektur Bild: Bild des Manuskripts

Nationalschätze Japanische Schriftstücke Die Übernahme der chinesischen Schrift, die im 5. oder 6. Jahrhundert nach Japan gelangte und die darauf folgende Entwicklung eines eigenen Schriftsystems, der japanischen Sprache, spiegelt sich in der klassischen japanischen Literatur und den alten Schriftdokumenten aus der Zeit des 7. bis 13. Jahrhunderts wider. Dieser Prozess bewirkt auch die Entstehung einzigartiger Gattungen der japanischen Literatur, die auf chinesisches Vorbild zurückgeht. Die frühesten Zeugnisse japanischer Literatur reichen ins 7. Jahrhundert zurück. Es handelt sich dabei um japanische Gedichte (Waka) und um Lyrik, die von japanischen Dichtern in Chinesisch verfasst wurde (Kanshi). Während Letztere im Vergleich zu den umfangreichen chinesischen Anthologien literarisch noch einen geringeren Wert besaßen, machte die Waka Lyrik in der Nara-Zeit große Fortschritte und fand einen ersten Höhepunkt im Man’yōshū, eine Anthologie mit etwa 4000 Tanka (Kurzgedichten), kompiliert von der Mitte des 7. bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts.

Bis zum 9. Jahrhundert verwendete man zum Schreiben japanischer Texte die sogenannten Man’yōgana, chinesische Schriftzeichen, die nach ihrem Lautwert und weniger nach ihrer Bedeutung benutzt wurden. Weil Texte dadurch lang und unhandlich wurden, begann man die Man’yōgana für Gedichte zu verwenden, während das Chinesische der Prosa vorbehalten blieb.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 460–461.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 475. Folglich sind die Prosa-Abschnitte des Man’yōshū in Chinesisch, während die Gedichte und Lieder des Kojiki etwa in Man’yōgana geschrieben sind. Als weitere revolutionäre Errungenschaft folgte die Entwicklung der Kana, einer eigenständigen japanischen Schrift von Mitte bis Ende des 9. Jh. Diese neue Schrift ermöglichte es den japanischen Autoren einfacher in ihrer eigenen Sprache zu schreiben und sie führte zu neuen Formen der Prosaliteratur wie dem Monogatari und dem Tagebuch („Nikki“).

Bedingt durch die Wiederbelebung traditioneller Werte und die hohe Wertschätzung, die der Kaiserhof der Literatur beimaß, erreichten die Waka-Dichtung und die japanische Prosa ihren Höhepunkt etwa im 10. Jahrhundert.R. H. P. Mason, John Godwin Caiger: A History of Japan, 1997, S. 81.Donald Keene: Anthology of Japanese Literature, from the Earliest Era to the Mid-nineteenth Century, 1955, S. 23.Donald H. Shively, William H. McCullough: The Cambridge History of Japan: Heian Japan, 1999, S. 432–433. Daher wird die Heian-Zeit (von 794 bis 1185) im Allgemeinen auch als das Zeitalter der klassischen japanischen Literatur betrachtet.William George Aston: A History of Japanese Literature, 2001, S. 54. Als eindrucksvolle Errungenschaft dieser Zeit gilt das Genji Monogatari der Hofdame Murasaki Shikibu.Donald H. Shively, William H. McCullough: The Cambridge History of Japan: Heian Japan, 1999, S. 444.

Eine weitere Gattung der Erzählliteratur sind die Setsuwa, ursprünglich mündlich tradierte Mythen, Legenden und Volksmärchen. Als solche sind die Setsuwa die älteste japanische Erzählform, geprägt von buddhistischen Themen und mit belehrendem Duktus.Helen Craig McCullough: Classical Japanese Prose: An Anthology, 1991, S. 7.Helen Craig McCullough: Classical Japanese Prose: An Anthology, 1991, S. 8. Die älteste Sammlung solcher Setsuwa ist das Nihon Ryōiki aus dem frühen 9. Jahrhundert. Weitere Zusammenstellungen entstammen dann dem späten 11. Jahrhundert beginnend mit dem Konjaku Monogatarishū.Haruo Shirane: Traditional Japanese Literature: An Anthology, Beginnings to 1600, 2008, S. 116. Das Genji Monogatari beeinflusste viele literarische Werke des 11. und 12. Jahrhunderts. In der frühen Kamakura-Zeit (um 1200) entsteht eine Vielzahl von Monogatari und poetologischen Schriften.Haruo Shirane: Traditional Japanese Literature: An Anthology, Beginnings to 1600, 2008, S. 571.

Waka Waka (wörtlich „japanisches Gedicht“) oder Uta (Lied) sind wichtige Gattungen der japanischen Literatur. Die Bezeichnung entstammte der Heian-Zeit und diente dazu von Japanern verfasste Dichtung in japanischer Sprache von solcher in chinesischer Sprache (Kanshi) zu unterscheiden.Louis Frédéric: Japan Encyclopedia, 2005, S. 1024.Shūichi Katō, Don Sanderson: A History of Japanese Literature: From the Man'yōshū to Modern Times, 1997, S. 2. Waka wurden zu Beginn mündlich tradiert in Geschichten, bei Festen und KulthandlungenSpuren dieser alten Dichtung vom Werben und Lob der Herrscher sind im Kojiki, Nihonshoki und Man’yōshū überliefert. bis sie im 8. Jahrhundert auch schriftlich fixiert wurden.Haruo Shirane: Traditional Japanese Literature: An Anthology, Beginnings to 1600. 2008, S. 20.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 466. In der Asuka- und Nara-Zeit umfasste das Waka noch eine Vielzahl poetischer Formen, wie das Tanka, das Chōka („Langgedicht“), das Bussokusekika („Buddhafußspurgedicht“), das Sedōka und das Kata-Uta, von denen bis zum 10. Jahrhundert nur das Tanka mit seinen 31 Moren fortbestand.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 476.Haruo Shirane: Traditional Japanese Literature: An Anthology, Beginnings to 1600. 2008, S. 2, 6. Das Man’yōshū ist die erste und früheste Aufzeichnung japanischer Dichtung und die erste Waka-Anthologie.Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 460, 472–473.Steven D. Carter: Traditional Japanese Poetry: An Anthology, 1993, S. 18. Es umfasst mit ca. 4200 Tanka, 260 Chōka und 50 Sedōka die drei Hauptformen der Dichtung aus einem Zeitraum von annähernd einem Jahrhundert bis zu seiner Fertigstellung im Jahre 759.Das Man’yōshū beinhaltet zudem eine kleine Zahl chinesischer Gedichte und Prosa (Kanbun).Delmer M. Brown, John Whitney Hall: The Cambridge History of Japan: Ancient Japan. 1993, S. 473.