Hurrikan Gordon war der siebte benannte tropische Wirbelsturm und dritte Hurrikan der Atlantischen Hurrikansaison 1994 und bildete deren Abschluss. Das langlebige System zog auf einem gewundenen Kurs in der Stärke eines tropischen Sturmes durch die westliche Karibik und über Florida hinweg, bevor es sich zu einem Kategorie-1-Hurrikan intensivierte und North Carolina gefährdete. Gordon bedeutete für Haiti ein katastrophales Ereignis und tötete dort 1122 Menschen. Der Sachschaden durch den Sturm wurde mit 514 Millionen US-Dollar (1994; in heutigen Preisen: Millionen US-Dollar) ermittelt. Trotz der hohen Opferzahlen in Haiti und des umfangreichen Sachschadens in Jamaika, Kuba, Florida und North Carolina wurde der Name Gordon nach der Saison nicht von der Liste der Namen atlantischer Hurrikane gestrichen.
Mit einer Dauer von 324 Stunden als tropisches System ist Gordon gemeinsam mit Hurrikan Marco der Atlantischen Hurrikansaison 1996 der langlebigste tropische Sturm in einem November im Atlantischen Ozean.
Sturmverlauf Die dreizehntägige meteorologische Geschichte des Hurrikans hatte einen erratischen, dauerhaften und höchst ungewöhnlichen Verlauf. Der Hurrikan bildete sich am 10. November 1994 im südwestlichen Karibischen Meer und streifte Nicaragua, bevor er sich auf seinem gewundenen Weg nordwärts über die Großen Antillen und Florida zum offenen Atlantischen Ozean und zurück zur Ostküste der Vereinigten Staaten machte. Auf seinem mäandrierenden Zugweg gelangte der Sturm sechsmal über Land, viermal davon als tropischer Sturm und zweimal als tropisches Tiefdruckgebiet. Drei dieser Landfälle ereigneten sich in Florida.
Phase der Entstehung mini|links|Zugbahn von Hurrikan Gordon In der ersten Novemberwoche akkumulierte sich nördlich von Panama über dem südwestlichen Karibischen Meer ein großes Gebiet gestörten Wetters. Eine durchziehende tropische Welle sorgte für milde Konvektionstätigkeit und als am 6. November eine andere tropische Welle vorüberwanderte, fügte diese der Störung eine zyklonische Zirkulation bei. Die Konvektion organisierte sich langsam, während die Störung in nordwestlicher Richtung driftete. Am 7. November um 12:00 Uhr UTC war die Zirkulation ausreichend ausgeprägt, um Intensitätsschätzungen mithilfe der Dvorak-Technik zu ermöglichen. Während der beiden folgenden Tage organisierte sich das System stetig und erzeugte vor der Südostküste Nicaraguas tiefe atmosphärische Konvektion. Diese Organisierung mit anfänglichen Windgeschwindigkeiten von 45 km/h stellte sicher, dass das System vor der Küste Nicaraguas als zwölftes Tiefdruckgebiet der Saison klassifiziert wurde. Das weiter nordwestwärts ziehende System entwickelte ein langsames Muster der Intensivierung und wies günstige Ausströmung in der Höhe auf. Am Morgen des 9. November flackerte die Konvektion an einigen Stellen und Bandstrukturen erschienen kurz darauf, selbst nachdem das System an dem Nachmittag an der nordöstlichen Küste Nicaraguas bei Puerto Cabezas über Land zog. Einen vollen Tag später steuerte ein Trog nordwestlich des Systems über dem Golf von Mexiko das Tiefdruckgebiet erneut vor die Küste, und in nordöstlicher Richtung über die warmen Bereiche des westlichen Karibischen Meeres. Diese warmen Gewässer heizten das Tiefdruckgebiet an, das sich so in der Nacht zum 9. November mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 65 km/h zum Tropischen Sturm Gordon intensivierte.
Die schwachen Luftströmungen konnten Gordon keine fest Zugbahn vorgeben, sodass dieser bei Vorhandensein leichter westsüdwestlicher Windscherung in grob nordnordöstlicher Richtung mäandrierte und unter diesen Bedingungen sich nicht weiter verstärken konnte. Schließlich schubste ein herannahender Trog Gordon mit einer Zuggeschwindigkeit von 13 km/h nach Nord-Nordosten, wobei sich der Sturm leicht intensivierte, während er durch das zentrale Karibische Meer zog und andauernden Windgeschwindigkeiten von 75 km/h erreichte. Der Trog steuerte Gordon auch weiterhin und drängte ihn am Nachmittag des 12. November ostwärts in Richtung Jamaika. Trotz des warmen Wassers intensivierte sich Gordon an dem Tag nicht weiter, was auf starke Windscherung in der oberen Troposphäre zurückzuführen war, die die Zirkulation in der Höhe erodierte und die Windgeschwindigkeiten auf 65 km/h reduzierte.
Zug durch die Großen Antillen Der 13. November war ein ereignisreicher Tag im Lebenszyklus von Gordon. Der Trog über dem südlichen Florida und dem Golf von Mexiko drückte den tropischen Sturm weiter ostwärts in Richtung Jamaika. In den frühen Morgenstunden erreichte der Sturm den westlichen Rand der Insel und lud auf Jamaika 189 mm Niederschlag ab. Südwestliche Windscherung hinderte den Sturm daran, Windgeschwindigkeiten von mehr als 75 km/h zu entwickeln, doch der Landfall schien die Organisierung des Systems nicht weiter zu stören. Vorwärts beschleunigend wandte sich Gordon nach Nordosten. Windscherung behinderte weiterhin die Entwicklung in der Höhe, die für eine typische zyklonische Organisierung notwendig ist, doch die bodennahe Zirkulation war stärker geworden. Die andauernden Windgeschwindigkeiten betrugen immer noch nur 65 km/h, doch bei der Annäherung des Systems an den Osten von Kuba wurde eine Windböe mit 192 km/h aufgezeichnet. Das Zentrum überquerte die Küstenlinie in der Nähe der Guantanamo Bay und Gordon lud heftige Starkregenfälle ab, als das Zentrum den Osten des Landes überquerte; in Camp-Perrin im Westen von Haiti wurden mit 583 mm Niederschlag noch erheblich stärkere Niederschläge verzeichnet.
In der Zwischenzeit war die großräumige Zirkulation, die den größten Teil des Karibischen Meeres bedeckte und von der Gordon nur ein Teil war, in Interaktion mit einem Trog in der oberen Troposphäre nahe der Floridastraße getreten. Dieser Trog verstärkte die großräumige Zirkulation in der Höhe, was wiederum Gordon antrieb und im westlichen Karibischen Meer mehrere andere bodennahe Zirkulationen erzeugte. Bei Einbruch der Nacht war der Sturm an diesem Tag nicht nur zweimal über Land hinweggezogen, sondern hatte subtropische Eigenschaften entwickelt.
mini|Gordon während der hybriden tropisch/subtropischen Phase, in der eine Front Regen über Haiti ablud Das großräumige Tiefdrucksystem, in das der Tropische Sturm Gordon eingebettet war, steuerte diesen nun west-nordwestwärts, am 14. November südlich an Turks und Caicos sowie den Bahamas vorbei. Ein Hochdruckrücken in der Nähe der Mittelatlantikstaaten erhöhte den Luftdruckgradient in der Umgebung des Sturmes, sodass dieser trotz seiner subtropischen Eigenschaften, insbesondere dem Fehlen tiefer Konvektion, unmittelbar außerhalb des Zentrums eine Starkwindzone entwickelte. Diese Winde erreichten Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 km/h. Der Rücken steuerte das hybride System weiter west-nordwestwärts an den westlichen Bahamas vorbei. Dadurch gelangte der südliche Teil der Sturmzirkulation über den Norden Kubas, während der nördliche Teil der Zirkulation sich intensivierte und bei Palm Beach andauernde Windgeschwindigkeiten von 90 km/h erzeugte. Der vierte Landfall des Sturmes ereignete sich am 15. November, als Gordon über Key West, Florida hinwegzog. Der Sturm setzte seine Wanderung nach Westen fort über die unteren Florida Keys in die Floridastraße, wo das Sturmzentrum begann, sich zu erwärmen und tiefe Konvektion die Rückkehr tropischer Eigenschaften ankündigte.
Zweiter Landfall in Florida und Intensivierung zum Hurrikan mini|links|Hurrikan Gordon in der Phase der größten Intensität am 18. November um 13:08 Uhr (UTC) Die Steuerungsströmungen blieben schwach was dem Sturm während seines Verharrens auf See die Chance gab, die tief Konvektion vollständig wieder zu entwickeln. In dieser Phase begann Gordon mit der Erzeugung von Tornados. Weil sich das Sturmzentrum jedoch vor der Küste befand, dürften die meisten dieser Tornados nicht registriert worden sein, doch einige von ihnen machten an der Küste Floridas Bodenkontakt. Vier dieser Tornados wurden in der Kategorie F0 der Fujita-Skala eingestufte, zwei in der Kategorie F1 und einer in der Kategorie F2, die Windgeschwindigkeiten von 181–253 km/h umfasst.
Nachdem der Sturm fast einen Tag auf der Stelle verharrt hatte, zog ein Trog in der mittleren bis oberen Troposphäre über den zentralen Vereinigten Staaten Gordon nordwärts und dann nord-nordostwärts in Richtung der Westküste Floridas, die das Zentrum des Sturmes zwischen Ft. Myers und Naples mit andauernden Windgeschwindigkeiten voh 85 km/h überquerte. Die ostwärts gerichtete Komponente der Bewegung des Sturmes begann stärker zu werden, und Gordon zog in nordöstlicher Richtung mit einer Vorwärtsgeschwindigkeit von 17 km/h über die Halbinsel hinweg. Während der Überquerung des Festlandes schwächte sich Gordon kaum ab, sondern behielt Windgeschwindigkeiten von 85 km/h bei. Er überquerte Florida in knapp sechs Stunden und beschleunigte sich nach vorne. Als der Sturm früh am 17. November zurück über dem offenen Atlantischen Ozean angelangt war, begann der Luftdruck in seinem Zentrum zu fallen. Eine Verbesserung der Organisierung war nicht erkennbar und die Windscherung verbiss sich im Kern der tiefen Konvektion, doch am 17. November erreichte Gordon plötzlich andauernde Windgeschwindigkeiten von 120 km/h und wurde in einen Hurrikan der Kategorie 1 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala aufgestuft.
Dritter Landfall in Florida und Abgang Der kurzwellige Trog, der Gordon über Florida hinweg gesteuert hatte. überholte den Sturm und lag nun vor diesem, sodass an seine Stelle die Beeinflussung der Zugbahn durch einen Rücken in der mittleren Troposphäre über dem Osten der Vereinigten Staaten trat. Unter diesem Einfluss setzte der Sturm, der zuletzt mit fast 40 km/h nach Nordosten gezogen war, spät am 17. November zu einer Wendung nach Norden an. Diese Bewegung entwickelte sich nun zu einer Schleife, während der Gordon, nun westnordwestlich ziehend, kurzfristig die Outer Banks von North Carolina bedrohte, bevor er vor der Küste erneut zum Stillstand kam. In der Gegenwart schwacher steuernder Strömungen verlor Gordon etwas an Kraft und erreichte mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 110 km/h nur noch die Stärke eines tropischen Sturmes. Am 18. November begann Gordon, etwa 80 Seemeilen vor den Outer Banks liegend, von der Küste North Carolinas weg südwärts zu driften. Warmes Wasser verbesserte die Struktur der Organisierung, doch führte dies nicht zu stärkeren Winden, und der Sturm folgte dem Trend zur Abschwächung. Starke Schwerwinde in der höhe traten auf, wodurch die Konvektion in der Höhe verblasen wurde und kältere und trockenere Luftmassen in das Sturmsystem gelangten, wodurch die bodennahe Konvektion schwächer wurde.