mini|alt=Nico Semsrott in schwarzer Kapuzenjacke|Nico Semsrott in seinem Erkennungszeichen – der schwarzen Kapuzenjacke (2025) Nico Semsrott (* 11. März 1986 in Hamburg) ist ein deutscher Kabarettist, Satiriker, Slam-Poet und Politiker (parteilos, zuvor Die PARTEI). Von Juli 2019 bis Juli 2024 war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Semsrott tritt als depressive Kunstfigur auf Poetry Slams, Kabarettbühnen und im Fernsehen auf.

Werdegang

Schulzeit und Studium Während seiner Schulzeit an der Hamburger Sophie-Barat-Schule gehörte Semsrott zur Redaktion der Schülerzeitung Sophies Welt, die jedoch durch einen Beratungslehrer zensiert wurde. Nach einem Streit mit der Schulleitung gründete Semsrott gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem heutigen Journalisten Arne Semsrott, die eigenständige und später prämierte Schülerzeitung Sophies Unterwelt. Deren Verkauf wurde von der Schulleitung auf dem Schulgelände verboten, nach einer erfolgreichen Klage der Brüder Semsrott außerhalb des Schulgeländes jedoch gestattet.

Nach dem Abitur absolvierte Semsrott zwei journalistische Praktika sowie ein Praktikum bei der Berliner Schaubühne. Er verbrachte ein Freiwilliges soziales Jahr bei der Jungen Presse Hamburg. Da er zunächst abgewiesen worden war, klagte er sich anschließend an der Universität Hamburg für ein Studium der Soziologie und Geschichte ein, brach es jedoch nach sechs Wochen wieder ab.

Comedy-Auftritte Sein erstes Soloprogramm mit dem Titel Freude ist nur ein Mangel an Information hatte am 14. Juni 2012 in Hamburg Premiere. Ab 2014 war Semsrott mit einer ständig aktualisierten Fassung des Programms auf Tour, wobei der Titel durch den Zusatz „Update“ und eine jährlich um 0.5 erhöhte Versionsnummer ergänzt wurde. 2017 bis 2019 gehörte er zum Ensemble der heute-show im ZDF. Er stellte sich dabei dem Publikum als „Demotivationstrainer“ vor. Auch auf dem Stimmzettel zur Europawahl 2019 wurde dies als Beruf angegeben. In: im.nrw, abgerufen am 28. Mai 2019. (PDF; 1,9 MB)

2019–2024 pausierte er aufgrund seiner Tätigkeit als Abgeordneter des 9. Europäischen Parlamentes seine Auftritte.

Politischer Werdegang

Bundestagswahl 2017 Semsrott führte zur Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat die Berliner Landesliste von Die PARTEI an, die dort 2,1 % der Zweitstimmen erreichte.

Mitglied des Europäischen Parlaments (2019 bis 2024) Bei der Europawahl 2019 kandidierte er für Die PARTEI auf Listenplatz 2 hinter Martin Sonneborn.dpa: Mit Göbbels und Speer als Kandidaten. In: faz.net, 22. August 2018, abgerufen am 28. Mai 2019. Im Wahlkampf kritisierte er eine mangelhafte Auseinandersetzung älterer Politiker mit jüngeren Generationen. Er forderte in einer satirischen Wahlwerbung ein „Höchstwahlalter“. Bei der Wahl am 26. Mai 2019 erreichte Die PARTEI in Deutschland 2,4 % der Stimmen. Damit errang Semsrott neben Sonneborn ein Mandat im Europäischen Parlament. Während Sonneborn sich wie in der Legislaturperiode zuvor entschied, fraktionslos zu bleiben, trat Semsrott der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz bei. Für diese war er Mitglied im Haushaltskontrollausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss.

Im Juli 2020 wurde durch Semsrott eine Diebstahlserie im Europäischen Parlament während der COVID-19-Pandemie bekannt. Ein von ihm auf der Plattform YouTube veröffentlichtes Video, in dem er den Diebstahl und die Untätigkeit des zuständigen Sicherheitsdienstes thematisiert, fand internationale Resonanz.

Im April 2024 erschien Semsrotts Buch Brüssel sehen und sterben über seine Zeit im Europaparlament. Er schildert im Buch Machtmissbrauch, Intransparenz und seine Ohnmachtsgefühle. Zur Europawahl 2024 trat Semsrott nicht mehr an. Er schied im Juli 2024 aus dem Europaparlament aus.

Austritt aus der PARTEI Am 13. Januar 2021 gab Semsrott seinen Austritt aus der PARTEI bekannt. Sonneborn habe laut Semsrott seine nicht ausreichend wahrgenommen, als er wiederholt nicht ernsthaft auf die Kritik an ihm reagiert habe. Vorausgegangen war eine Diskussion über einen Twitter-Post Sonneborns, der als rassistisch empfunden wurde.

Der Medienjournalist Michael Hanfeld bewertete in der FAZ den Vorgang als das Ende des „Satireprojekts“ von Die PARTEI und kritisierte, dass Semsrott trotz Austritt sein EU-Mandat behalte. Hanfeld warf ihm zudem eine „engstirnige Borniertheit“ vor, „die Witze und Satire nur erträgt, wenn diese nicht auf Kosten der eigenen Weltanschauung und Peergroup gehen“.

PRÜF

mini|Logo PRÜF mini|Nico Semsrott bei der ersten PRÜF-Demonstration am 8. November 2025 in Hamburg Im November 2025 startete Semsrott die Initiative PRÜF (Akronym für Prüfung rettet übrigens Freiheit). Ihr Ziel ist, durch monatliche Demonstrationen in Deutschland einen Bundesratsbeschluss zur Prüfung aller Parteien zu erwirken, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden. Die Idee hinter PRÜF wurde auch in einer Sondersendung im Januar 2026 von Die Anstalt vorgestellt sowie dem Chaos Communication Congress Ende 2025.

Privates Semsrott leidet unter Depressionen. Im Juli 2021 machte Semsrott öffentlich, dass er seit Mai 2020 eine anhaltende depressive Phase durchlebte. Im November 2021 führte er im Hörfunksender Cosmo ein einstündiges Gespräch darüber.

Auszeichnungen 2009: Gewinner NDR Comedy Contest 2010: Karl-Marx-Poesie-Preis 2011: Bielefelder Kabarettpreis 2. Platz 2011: Stuttgarter Besen, Publikumspreis 2011: Kleines Passauer Scharfrichterbeil (3. Preis) 2011: Gewinner NDR Comedy Contest, N-JOY.de 2012: Die Freiburger Leiter 2014: Bayerischer Kabarettpreis, Senkrechtstarter 2017: Deutscher Kleinkunstpreis, Sparte Kleinkunst

Schriften

Weblinks

Persönliche Website Ausführliches Interview auf Jung & Naiv (YouTube, 19. Mai 2019) Handlungsspielräume – Das Aktionskabarett von Nico und Arne Semsrott – in: Querköpfe, Deutschlandfunk, 13. Mai 2026 (Audio, 54:38 Minuten)

Einzelnachweise

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