Die Division 1 1964/65 war die 27. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde der FC Nantes, der überhaupt erst eine Saison zuvor mit der höchsten Spielklasse Bekanntschaft geschlossen hatte.
Erster Spieltag war der 29. August 1964, letzter Spieltag der 30. Mai 1965. Eine „Winterpause“ gab es zwischen 20. Dezember und 3. Januar.Pierre Minier: 1943-2003 – Football Club de Nantes, le doyen de l’élite. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2003, ISBN 2-911698-23-1, S. 268–270
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 14. Platz abgeschlossen hatten, zwei direkte Aufsteiger aus der zweiten Division sowie die beiden Bestplatzierten der Relegationsrunde. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: drei Klubs aus dem äußersten Norden (Racing Lens, US Valenciennes-Anzin, Aufsteiger OSC Lille), zwei aus Paris bzw. Champagne-Ardenne (Stade Français, UA Sedan-Torcy), zwei aus dem Nordosten (Racing Strasbourg, Aufsteiger FC Sochaux), fünf aus dem Westen (FC Rouen, Stade Rennes UC, SCO Angers, FC Nantes, Girondins Bordeaux), sechs aus dem Süden (Titelverteidiger AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Toulouse FC, Olympique Nîmes, Aufsteiger SC Toulon, AS Monaco).
Saisonverlauf Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung.
Die Saison begann in einer verbreiteten Katerstimmung, weil weder die Nationalelf noch die in den europäischen Wettbewerben engagierten französischen Vereinsmannschaften zuletzt überzeugen konnten. In der Division 1 fehlten etliche „Zugpferde“ der vergangenen Jahre, namentlich Racing Paris, Olympique Marseille und Stade Reims, und mehrere Teams, etwa Bordeaux und Lyon, praktizierten die unattraktive Spielweise des Catenaccio (in Frankreich anschaulich als béton bezeichnet). All dies führte zu einem spürbaren Rückgang des Interesses und der Zuschauerzahlen.Beaudet, S. 85f.
Umso mehr überraschten im Saisonverlauf zwei Mannschaften positiv, mit denen kaum gerechnet worden war: Valenciennes bot eine sehr geschlossene Mannschaftsleistung, besaß mit Masnaghetti und Sauvage ein torgefährliches Stürmerduo und führte zum Abschluss der Hinserie, in der auch Bordeaux wiederholt vorne gestanden hatte, die Tabelle an. Allerdings ließen die Nordfranzosen in der zweiten Hälfte der Saison nach, wobei sie bis zum Ende als einzige der Liga zumindest vor eigenem Publikum ungeschlagen blieben.Rethacker, S. 152 Dafür hatte sich in der Rückrunde die junge, unerfahrene Elf aus Nantes eingespielt, die dann einen richtigen „Lauf“ bekam und von ihren letzten 16 Spielen nur ein einziges verlor. Der Vorjahresaufsteiger bevorzugte eine offensive, erfrischende und manchmal spektakuläre Spielweise, in der den Spielern kein taktisches Konzept aufgezwungen wurde; diese Saison war, auch wenn Nantes am Ende nur 43 Punkte auf der Habenseite verzeichnete, der Beginn einer – gemeinsam mit Saint-Étienne – langanhaltenden Vormachtstellung in Frankreich, und das jeu à la Nantaise („Spiel nach Art des FC Nantes“) wird bis in die Gegenwart als vorbildlich gepriesen.Beaudet, S. 86–89
In der Abstiegszone stand frühzeitig fest, dass Toulon in die zweite Liga zurückkehren musste, während die Frage, wer anschließend in den Barrages für den Klassenerhalt zu kämpfen hatte, bis zuletzt offenblieb. Von den fünf Mannschaften, die vor dem letzten Spieltag noch gefährdet waren, traf es Rouen und Nîmes, die sich dann gegen zwei Zweitdivisionäre behaupteten. Da die Division 1 zur Folgesaison auf 20 Teilnehmer aufgestockt wurde, stießen aus der Division 2 drei „alte Bekannte“ (OGC Nizza, Red Star Audonien, AS Cannes) dazu.Rethacker, S. 153
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1963/64 (R) Relegationssieger
Kreuztabelle SCOAngGi.BorRCLenOSCLilOl.LyoASMonFCNanOl.NîmSUCRenFCRouASStÉUASedFCSocSFParRCStrSCTlnFCTlsUSVal SCO Angers2:13:11:12:10:02:25:01:23:00:13:01:01:00:00:02:42:2 Girondins Bordeaux2:10:02:00:22:02:22:11:01:21:15:11:02:11:03:04:21:0 Racing Lens1:03:20:11:22:00:33:11:12:24:13:12:35:20:32:11:13:2 OSC Lille3:43:14:02:23:02:22:13:21:03:33:03:01:11:15:00:21:1 Olympique Lyon5:20:01:11:00:11:10:31:01:10:12:02:14:02:11:02:11:0 AS Monaco3:10:02:11:13:24:11:12:11:00:20:42:01:00:11:02:11:1 FC Nantes2:12:01:11:13:02:10:22:33:04:12:23:04:23:25:14:01:0 Olympique Nîmes2:10:32:22:11:21:00:32:32:01:00:33:03:02:10:10:42:1 Stade Rennes UC6:01:23:33:33:01:04:04:04:02:13:21:12:01:24:11:13:1 FC Rouen0:11:00:12:11:11:11:31:01:00:12:00:41:11:31:03:01:1 AS Saint-Étienne2:10:12:23:36:02:02:01:23:11:31:10:00:01:11:01:00:1 UA Sedan-Torcy1:00:13:10:04:12:12:24:22:20:21:00:00:35:23:26:01:3 FC Sochaux2:04:12:32:12:13:01:11:13:02:33:22:24:10:22:00:23:2 Stade Français Paris2:00:00:00:01:13:21:13:12:12:02:31:03:32:23:22:00:3 Racing Strasbourg0:10:03:03:23:33:31:13:22:33:01:02:00:02:00:05:33:3 Sporting Toulon4:02:01:33:11:10:60:11:24:11:01:31:00:12:10:00:21:3 Toulouse FC1:31:12:21:13:20:23:01:01:10:12:25:01:01:13:10:11:0 US Valenciennes-Anzin0:00:06:13:01:13:02:11:00:03:02:01:11:00:03:01:01:1
Relegationsrunde Die beiden Vereine der Division 1 trugen je zwei Relegationsspiele gegen die Zweitdivisionäre aus. Begegnungen zwischen Mannschaften aus der gleichen Liga gab es nicht. Die beiden bestplatzierten Teams spielten in der folgenden Saison in der Division 1. TabelleKreuztabelle ROU NÎM BOU LIM FC Rouen – 6:0 3:0 Olympique Nîmes – 3:1 1:2 US Boulogne 2:1 1:0 – FC Limoges 2:2 0:1 – Alle vier Teams blieben in ihren jeweiligen Ligen.
Die Meistermannschaft FC Nantes 1. FC Nantes70px|zentriert Tor: Daniel Éon (33/-), André Castel (1/-) Abwehr: Gilbert Le Chenadec (33/3), Robert Budzynski (33/-), Gabriel De Michèle (27/-), Yves Jort (4/-), Georges Grabowski (2/-) Mittelfeld: Jacques Simon (32/24), Jean-Claude Suaudeau (29/3), Robert Siatka (22/-), Georges Bout (15/-), Jean Guillot (5/3), Lionel Lamy (4/-) Angriff: Bernard Blachet (32/7), Ramón Muller (29/6), Rafael Santos (27/9), Sadek Boukhalfa (26/7), Philippe Gondet (16/3), Joël Prou (4/1) Trainer: José ArribasGuillet/Laforge, S. 164, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Jacques Simon FC Nantes 242 Daniel Rodighiéro Stade Rennes UC 203 André Perrin UA Sedan-Torcy 184 André Guy AS Saint-Étienne 175 José Farías Racing Strasbourg 16 Serge Masnaghetti US Valenciennes-Anzin 167 Pierre Dorsini Toulouse FC 15 Michel Lachot OSC Lille 15 Ahmed Oudjani Racing Lens 15 Paul Sauvage US Valenciennes-Anzin 1511 Giovanni Pellegrini Stade Rennes UC 1412 Fleury Di Nallo Olympique Lyon 13 Francis Magny OSC Lille 1314 Héctor De Bourgoing Girondins Bordeaux 12 Claude Dubaële Stade Rennes UC 12 Gérard Hausser Racing Straßburg 12
Siehe auch Division 2 1964/65 Coupe de France 1964/65
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1964/65 Kategorie:Fußballsaison 1964/65