mini|Die Maxhütte (2002) mini|Die Maxhütte (2011) – erkennbarer Teilabriss mini|Die Maxhütte (2022) – das Stahlwerk (Sekundärmetallurgie) sowie das Kraftwerk dahinter wurden abgerissen. mini|Schiene, hergestellt in der Maxhütte

Die Maxhütte (MH), benannt nach dem bayerischen König Maximilian II. Joseph, war ein traditionsreiches Stahlwerk und ist heute ein Industriedenkmal in Sulzbach-Rosenberg. Zur Blütezeit beschäftigte die Maxhütte über 9000 Menschen.Jens Riesner: Glühende Eisen & Knatternde Mühlen. Unterwegs auf der Nordbayerischen Industriestraße. Ars Vivendi, Cadolzburg 2016, ISBN 978-3-86913-640-0, Kapitel 17. Der Konzern hatte Zweigwerke in Haidhof und Unterwellenborn (heute Stahlwerk Thüringen GmbH) und eigene Erzgruben in Sulzbach-Rosenberg (Annaschacht bis 1974, Grube Eichelberg bis 1977) und Auerbach (Maffei bis 1978, Leonie bis 1987).

Die Maxhütte war das letzte Stahlwerk Bayerns mit konventionellem Hochofen, gleichzeitig das letzte der Montan-Mitbestimmung unterliegende Unternehmen Bayerns. Überregional bekannt war sie in der Arbeiterbewegung für den jahrzehntelangen Kampf der Belegschaft um ihre Arbeitsplätze. Durch Eigentums-Beteiligung des Freistaates Bayern war die Maxhütte auch ein Politikum. Nach zwei Konkursen wurde die Stahlerzeugung am 24. September 2002 endgültig eingestellt. Das Rohrwerk Maxhütte mit seinen rund 400 Beschäftigten produziert seit seiner Übernahme durch die Max-Aicher-Unternehmensgruppe seit 2000 weiter. Für die ländliche Region in der mittleren Oberpfalz, die seit dem Mittelalter von Bergbau und Eisenerzeugung geprägt war, wirkten die beiden Konkurse der Maxhütte mit Verlust tausender Arbeitsplätze strukturpolitisch fatal. Nach der endgültigen Schließung wurden die Beschäftigten bis Mitte 2004 in einer Beschäftigungsgesellschaft aufgefangen.

Es ist offen, welche Teile der Maxhütte als Industriedenkmal erhalten werden, wer hierfür den Aufwand trägt, und wie mit den teils enormen Altlasten, etwa dem Schlackenberg, verfahren wird. Für den Tourismus, insbesondere die Bayerische Eisenstraße, sind die erhaltenen Anlagen ein wichtiger Anziehungspunkt. Das Gelände ist heute noch teilweise gewerblich genutzt und an verschiedene Firmen vermietet. Seit April 2012 kann das Gelände über eine externe Dienstleistungsagentur als Location für Film- und Fotoaufnahmen gemietet werden. Regelmäßige geführte Fototouren für Hobbyfotografen wurden mit Beginn umfangreicher Rückbauarbeiten ab Juni 2016 eingestellt.

Geschichte Die Geschichte der Maxhütte reicht bis ins Jahr 1851 zurück, siehe Maxhütte (Maxhütte-Haidhof).

Eisenwerk Maximilianshütte (MH) Mit dem Beschluss der belgischen Firma T. Michiels, Goffard & Cie. in der Oberpfalz ein Schienenwalzwerk anzulegen, begann 1851 die Vorgeschichte der Maxhütte. Ein Jahr später wurde im Sauforst von Burglengenfeld die Eisenbahnschienenfabrik errichtet und in Betrieb gesetzt, aus der ein Jahr später die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte mit ihrem Stammwerk in Haidhof hervorging. Benannt wurde sie nach dem bayerischen König Maximilian II.

1859 wurde durch den Kauf von Erzfeldern bei Sulzbach eine eigene Erzbasis geschaffen, vier Jahre später wurde die Maximilianshütte in Rosenberg eingerichtet. Der erste Kokshochhofen in Rosenberg wurde im August 1864 angeblasen, das Erz stammte aus regionaler Förderung. 1872 erfolgte der Bau der Hüttenanlage zur Gewinnung von Roh- und Gusseisen in Unterwellenborn (Thüringen) und fünf Jahre später wurden Erzfelder im Revier Auerbach angekauft. Zwischen 1898 und 1930 war die Maxhütte („König-Albert-Werk“) im sächsischen Lichtentanne bei Zwickau in Betrieb. Sie wurde mit Roheisen der Maxhütte Unterwellenborn beliefert. Heute erinnert nur noch die einstige, unter Denkmalschutz stehende Werkssiedlung im heutigen Zwickauer Stadtteil Maxhütte an dieses Werk.

Das Thomas-Stahlwerk in Rosenberg wurde 1889 in Betrieb genommen und 1892 die Hauptverwaltung von Haidhof nach Rosenberg verlegt.

Im Jahre 1921 erwarb die Familie Röchling mit knapp über 50 Prozent der Anteile die Aktienmehrheit, die 1929 zusammen mit den in Belgien liegenden Geschäftsanteilen (von rund 33 Prozent) Friedrich Flick erwarb.

Im Zweiten Weltkrieg leisteten ab 1939 polnische Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit in der Maxhütte. Konzernchef Flick wurde dafür in Nürnberg 1947 im Flick-Prozess zu sieben Jahren Haft verurteilt. Mit der Einrichtung der sowjetisch besetzten Zone nach Kriegsende 1945 kam es zum Verlust der thüringischen Eisenerzgruben bei Schmiedefeld und der thüringischen und sächsischen Werke (z. B. Unterwellenborn) im damaligen Hauptabsatzgebiet.

Zeche Maximilian Zur Deckung des Bedarfes an Steinkohle erwarb man um 1900 die Rechte an 15 Hektar Land bei Hamm und gründete dort die Zeche Maximilian, um unabhängiger vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat zu sein. Die Erschließung der Kohleflöze dauerte wegen Wassereinbrüchen über zehn Jahre, so dass erst 1912 mit dem systematischen Kohleabbau begonnen werden konnte. Wegen weiter steigender Wassereinbrüche wurde jedoch am 13. August 1914 das Bergwerk geschlossen, ohne dass Kohle in nennenswertem Umfang gefördert worden wäre. Weitere Versuche der Reaktivierung 1921 sowie 1942–1944 waren erfolglos. Nach 1980 wurde im Zuge der Landesgartenschau 1984 der Maximilianpark auf dem Gelände errichtet.

Nachkriegszeit mini|Die fünf Hochöfen der Maxhütte, Sulzbach-Rosenberg (1969)

Sechs Jahre nach Kriegsende übernahm der Freistaat Bayern im Zuge der Entflechtung der deutschen Montanindustrie 26 Prozent der MH-Geschäftsanteile.Protokoll der Ministerratssitzung Mittwoch 18. Juli 1951 S. 9–10 In: Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1962 Online Drei Jahre später ging das Rohrwerk in Rosenberg in Betrieb. Ab 1955 gehörte die Maxhütte wieder vollständig zur Flick-Gruppe. Ab 1956 wurde schwedisches, ab 1969 brasilianisches Erz zuzüglich erworben. 1962 wurde das Kaltwalzwerk in Haidhof in Betrieb genommen und in den 1970er Jahren der erste OBM-Konverter im Stahlwerk Rosenberg sowie die Bandverzinkungsanlage Salzgitter in Betrieb genommen. Das Thomas-Stahlwerk wurde auf das selbstentwickelte OBM-Stahlherstellungsverfahren umgestellt, im Werk Haidhof wurde auf kontinuierliche Stab- und Betonstahlstraßen umstrukturiert. Damit einher ging eine Konzentration der Stahlproduktion auf Rosenberg.

Die 70er und 80er Jahre waren durch Umstrukturierung und Arbeitskampf bestimmt. Am 1. Oktober 1976 wurde das Eisenwerk Fronberg an die Luitpoldhütte verkauft. Am 17. August 1976 erwarben die Klöckner-Werke Duisburg für 270 Millionen DM nahezu die gesamten Maxhütte-Geschäftsanteile. In dieser Zeit wurde der Bergbau auf den Leonie-Schacht bei Auerbach konzentriert. Eine bedeutende Entwicklung war das KMS-Verfahren (Klöckner-Maxhütte-Stahlherstellungsverfahren) ab 1980. Zum 1. Januar 1984 beteiligte sich der Eschweiler Bergwerks-Verein mit 15 Prozent am Stammkapital der Maxhütte durch Einbringung der Eschweiler Hüttenbetriebe; am 1. Juli des Jahres erwarb die Maxhütte eine 49-prozentige Beteiligung an Salmax/Salzgitter-Drütte durch Einbringung der Eschweiler Hüttenbetriebe. In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1985 verkaufte der Maxhüttenvorstand das Kaltwalzwerk in Haidhof an den Eigentümer Klöckner-Werke. Am 31. März 1987 war die letzte Schicht im dortigen Kaltwalzwerk.

Konkurs 1987 und Insolvenz 1998 Am 16. April 1987 kam es zum ersten Konkurs der Maxhütte mit damals 4500 Beschäftigten. Der Betrieb wurde durch die Maxhütte i. K. aufrechterhalten. Knapp einen Monat später wurde die letzte deutsche Eisenerzgrube „Leonie“ in Auerbach geschlossen und am 30. Juni 1990 das Werk Maxhütte-Haidhof stillgelegt. Am 1. Juli 1990 wurden die NMH Stahlwerke GmbH und Rohrwerk Neue Maxhütte GmbH in Rosenberg gegründet.

Die Nachfolgegesellschaften NMH Stahlwerke GmbH („neue Maxhütte“) und Rohrwerk Neue Maxhütte GmbH sollten den Betrieb der Maxhütte sichern. Gesellschafter waren Thyssen, Krupp, Klöckner, Mannesmann und der Freistaat Bayern. Im Jahre 1993 übernahm Max Aicher, Bauunternehmer aus Freilassing über seine Firma Lech-Stahlwerke, die Anteile von Thyssen, Klöckner und Krupp sowie die industrielle Führung und kaufte im Folgejahr auch den Anteil des Freistaates Bayern von 45 Prozent für 3 DM.

Am 6. November 1998 folgte der zweite Insolvenzantrag der Maxhütte durch Arbeitsdirektor Peter Moschinski. Die beiden anderen Geschäftsführer reichten Vergleichsanträge nach. Das Insolvenzverfahren wurde am 31. Dezember 1998 eröffnet. Der Betrieb wurde durch die NMH i. K. weitergeführt.

Vier Jahre wurde im Konkurs weiter produziert, doch Konkursverwalter Jobst Wellensiek fand keinen Investor. Eine Übernahme durch das Osnabrücker Unternehmen Georgsmarienhütte scheiterte 2000 an Aichers Grundbuchforderungen. Am 22. Juli 2002 wurden die NMH Stahlwerke GmbH stillgelegt, es begann die Ausproduktion mit einer Belegschaft von noch 850 Personen. Der letzte Hochofenabstich war am 23. September 2002. Tags darauf verließ die letzte Charge das Stahlwerk, die letzte Betriebsversammlung fand statt.

Bei der Auktion des stillgelegten Oberpfälzer Stahlwerks Maxhütte im Februar 2003 ersteigerte Alteigentümer Max Aicher den größten Teil des Inventars. Für 4,2 Mio. Euro gingen das komplette Stahlwerk sowie die Walz- und Strangguss-Anlage an das vor zwei Jahren von der Maxhütte abgetrennte Rohrwerk, das nach dem Konkurs des Stahl- und Rohrwerks Maxhütte vor vier Jahren der österreichischen Beteiligungs-Verwaltungsgesellschaft mbH Wien Parn zugesprochen wurde, die der Ehefrau des früheren Maxhütte-Chef Max Aicher gehört.

Rohrwerk Das Rohrwerk ging im Jahr 2000 an die heutige Max-Aicher-Unternehmensgruppe und produzierte weiter. Im Sommer 2021 übernahm ein privater Finanzinvestor aus München das Werk. Im Dezember 2021 meldete das Unternehmen dennoch Insolvenz in Eigenverwaltung an. Die Corona-Pandemie und die steigenden Stahl- und Energiekosten setzten das Werk unter Druck. Dazu kamen Lieferengpässe bei Materialien und Logistikprobleme. Der Russisch-Ukrainische Krieg hat die Situation branchenweit inzwischen verschärft. Am 15. Juni 2022 wurde auf einer Betriebsversammlung bekanntgegeben, dass es zwei Investoren gebe, die fest zugesagt hätten. Nun müsse noch geklärt werden, welcher der beiden Kaufinteressenten „das bessere Konzept für ein zukunftsträchtiges Rohrwerk hat“. Am 4. Juli 2022 teilte die für die mit der Insolvenz beauftragte Anwaltskanzlei mit, dass die britische Mertex Gruppe neuer Eigentümer des Rohrwerks werde. Die Mertex Gruppe sei ein auf den „Energiesektor spezialisiertes Rohrunternehmen“, welches im Wege der „übertragenden Sanierung“ den Geschäftsbetrieb der Rohrwerk Maxhütte GmbH übernimmt und fortführte. Die neuen Inhaber bringen ein großes Auftragsvolumen in das Unternehmen ein und planten weitere Investitionen am Standort in Sulzbach-Rosenberg. Zum 1. September 2025 wurde bekannt, dass auch das Rohrwerk seinen Betrieb endgültig einstellen muss.

mini|Arbeiter der Maxhütte beim damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber

Die Maxhütte als technisches Denkmal mini|Äußerlich macht die stillgelegte Hütte noch einen intakten Eindruck (2009)

Die Maxhütte besitzt aufgrund ihres Alters und wegen ihrer teilweise einmaligen technischen Ausstattung hohen Denkmalwert.

Sie ist das einzige integrierte Stahl- und Hüttenwerk in ganz Europa, welches auf engstem Raum alle Phasen der Produktion vom Erz bis zum fertigen Endprodukt beinhaltet.Tauziehen um ein Industriedenkmal: Der Maxhütte droht der Abriss - Schrottreife Aussichten abgerufen am 14. September 2016.

Sogar Zeugnisse der Erzförderung sind in unmittelbarer Nähe der Anlage erhalten wie das Fördergerüst des Annaschachts, das nur 1,7 km von der Maxhütte entfernt im Stadtgebiet steht. Weitere Zeugnisse sind auf dem Sulzbacher Bergbaupfad zu sehen.

Die Konverter des Stahlwerks sind die letzten verbliebenen Sachzeugen des auf der Maxhütte entwickelten OBM-Verfahrens.