Sankt Lambrecht ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Murau in der Steiermark und höchstgelegene Marktgemeinde des Bundeslandes () im Thajagraben der steirisch-kärntnerischen Grenzberge.
Geografie Das Gemeindegebiet umfasst das Einzugsgebiet des Lambachs und seiner Nebenbäche. Die umrahmenden Berge sind der nordöstlichste Teil der Metnitzer Berge. Deren höchste Erhebungen sind der Kalkberg () im Osten, die Grebenzen () im Südosten, Kuhalm () im Südwesten, Karchauer Eck () im Westen und Blasenkogel () im Norden.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst zwei Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ) bzw. gleichnamige Katastralgemeinden (mit abweichender Schreibweise, Fläche Stand ): Sankt Blasen, KG St. Blasen ( Ew., ) Sankt Lambrecht, KG St. Lambrecht ( Ew., )
Nachbargemeinden
Geschichte Die Geschichte St. Lambrechts ist eng mit dem Kloster St. Lambrecht verbunden, das 1076 von Graf Markward von Eppenstein gegründet wurde. Mit dem Aussterben der Eppensteiner fiel Sankt Lambrecht 1122 an die Traungauer und somit an die Steiermark.
Am Ende des 13. Jahrhunderts lebten die Stadauer in St. Lambrecht. Heinrich Stadauer wurde 1291 Landeshauptmann in der Steiermark.Carl Schmutz (Hrsg.): Steiermärkisches Lexikon (= Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark.) Vierter Teil: Si–Z. Andreas Kienreich, Gratz 1823, S. 41 ().
Am 13. Mai 1942 wurde im Ort ein Außenkommando des KZ Dachau für männliche Häftlinge eingerichtet, das ab dem 20. November 1942 als Außenlager des KZ Mauthausen weitergeführt wurde. Die etwa 80 Gefangenen wurden vom „Deutschen Reichsverein für Siedlerhilfe und Volkspflege“ beim Siedlungsbau, zu Sägewerksarbeiten und in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt. Das Lager wurde Ende April 1945 aufgelöst. Ab dem 5. Mai 1943 bestand im Ort auch ein Außenlager des KZ Ravensbrück für weibliche Häftlinge, das ab dem 1. September 1944 als Außenlager des KZ Mauthausen bis zur Schließung am 29. April 1945 weitergeführt wurde. Die inhaftierten Frauen wurden vorwiegend zu Aufforstungsarbeiten eingesetzt.
Mit 1. Jänner 2015 wurde im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark die Gemeinde Sankt Blasen eingemeindet.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 24. Oktober 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinde Sankt Lambrecht und der Gemeinde Sankt Blasen, beide politischer Bezirk Murau. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 15. November 2013. Nr. 131, 32. Stück. . S. 635.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Stift St. Lambrecht: Es ist eines der bedeutendsten Benediktinerstifte Österreichs, das früheste Wirken der Benediktiner ist für das Jahr 1076 belegt. Sehenswert ist neben dem Gesamtkomplex (Stiftskirche, Peterskirche, romanischer Karner) auch der 1643/44 angelegte ca. 3,5 ha große Stiftsgarten mit einem zweigeschoßigen Pavillon in der Mitte. Stiftskirche St. Lambrecht: Der romanische Kirchenbau stürzte 1327 ein, die Langhausmauern bis zum achten Pfeilerpaar und die unteren Teile der Westtürme sind erhalten. Der gotische Kirchenbau erfolgte bis 1421, brannte aber 1471 ab und wurde erneuert. Ab 1639 wurde die Stiftskirche barockisiert und dabei der Lettner entfernt. Von 1945 bis 1951 verband der Oberleitungsbus Sankt Lambrecht die Dynamitfabrik mit dem Bahnhof Mariahof-Sankt Lambrecht an der Rudolfsbahn. Die Anlage diente überwiegend dem Güterverkehr. Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen Klamm St. Lambrecht: Die eiszeitliche Klamm ist durch den Eiszeitwanderweg erschlossen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftliche Standbeine sind eine Sprengstofffabrik und der Tourismus. Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Mühlen und Neumarkt in der Steiermark den Tourismusverband Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen. Dessen Sitz ist in Neumarkt in der Steiermark.Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark. 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück. Nr. 312. S. 627. Wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum ist weiter das Benediktinerstift St. Lambrecht.
Bildung In der Marktgemeinde gibt es einen Pfarrkindergarten, eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.
Gesundheit Die Caritas Steiermark betreibt in St. Lambrecht ein Pflegewohnhaus mit angebundenen Gemeindewohnungen.
Politik Gemeinderat mini|Gemeindeamt in der ehemaligen Volksschule Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 ÖVP, 5 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 ÖVP und 7 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 ÖVP, 5 SPÖ und 2 FPÖ.
Bürgermeister
1978–1990 Markus Schafflechner (SPÖ) 1990–2015 Johann Pirer (ÖVP) seit 2015 Fritz Sperl (ÖVP)
Wappen 120px|links
Beide Vorgängergemeinden hatten ein Gemeindewappen. Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren diese mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit. Die Blasonierung des Wappens von St. Lambrecht lautete: „In quadriertem Schild oben rechts in Silber an schwarzer Rebe abhangend eine blaue, grün beblätterte Weintraube, oben links in Grün die aus der Teilungslinie schräg wachsende silberne Krümme eines Bischofsstabes, unten rechts in Rot aus dem Spalt wachsend ein silbernes zwölfspeichiges Wagenrad, unten links in Silber ein schwarzes Ochsenjöchl.“
Die Neuverleihung des Gemeindewappens für die Fusionsgemeinde erfolgte mit Wirkung vom 30. September 2016116. Verlautbarung der Steiermärkischen Landesregierung vom 15. September 2016 über die Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Marktgemeinde Sankt Lambrecht (politischer Bezirk Murau) Die neue Blasonierung lautet: „Im durch zwei goldene gekreuzte und in die Schildecken sowie an die Schildränder reichende brennende Kerzen von Blau zu Grün geteilten Schild unten silbern ein mit gekreuzten Beinen auf Felsgestein sitzender und Hammer und Schlägel aufrecht in Händen haltender Bergmann in historischer Tracht, oben mittig eine goldene Mitra.“ Das neue Wappen kombiniert die Wappen der beiden Vorgängergemeinden.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde 1959: Othmar Wonisch (1884–1961), Benediktiner und HistorikerSüdost-Tagespost (3. Juli 1959), S. 4. 2016: Johann Pirer, Altbürgermeister von St. Lambrecht
Söhne und Töchter der Gemeinde Andreas Stengg (1660–1741), Baumeister Blasius Hanf (1808–1892), römisch-katholischer Geistlicher, Benediktiner und Ornithologe Wolfgang Edlinger (1889–1943), Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung von 1919 bis 1920, Abgeordneter zum Nationalrat von 1920 bis 1923 Hans Spreitzer (1897–1973), Geografgeschichte.univie.ac.at (abgerufen am 7. November 2018). Josef Moser (1919–2003), Politiker der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat (1959–1979), Bundesminister für Bauten und Technik (1970–1979) Helmut Lackner (1954–2024), Historiker Christian Ilic (* 1996), österreichischer Fußballspieler, Motherwell FC (Premiership, 1. schottische Liga) Antonio Mrsic, österreichischer Futsal-Nationalspieler
Persönlichkeiten mit Bezug zur Gemeinde Mönch Magnus (um 790), Begründer von Mariazell
Literatur
Peter Becker: Leben und Lieben in einem kalten Land. Sexualität im Spannungsfeld von Ökonomie und Demographie. Das Beispiel St. Lambrecht 1600–1850 (= Studien zur historischen Sozialwissenschaft. Band 15). Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-593-34208-1. Walter Brunner: St. Lambrecht: Geschichte einer Marktgemeinde, 2011.
Weblinks
Webpräsenz der Gemeinde Sankt Lambrecht
Einzelnachweise
Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Murau Kategorie:Gurktaler Alpen Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Mur Kategorie:Lambert von Lüttich