Der Platinpreis ist der Marktpreis für das Edelmetall Platin, angegeben pro Feinunze in US-Dollar. Die Weltmarktpreise für Platin werden täglich auf dem London Platinum and Palladium Market ermittelt.

Allgemeines Die Preisbildung ergibt sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Teilmarkt des Platinmarkts. Einflussgrößen beim Angebot sind die Platingewinnung und Recycling, bei der Nachfrage spielen insbesondere Emotionen (etwa die Angst vor der Inflation), Ereignisse (politische Ereignisse), Erwartungen und nicht zuletzt die Spekulation eine Rolle. Vergleichbar sind Goldpreis, Silberpreis oder Palladiumpreis.

Geschichte Frühe Neuzeit mini|Britische Platinmünze von 1825

Im 17. Jahrhundert wurde Platin noch als unbrauchbares und wertloses Metall angesehen. Es verursachte im spanischen Kolonialreich als lästiges Begleitmaterial beim Goldsuchen große Probleme. Man hielt es für „unreifes“ Gold und warf es wieder in die Flüsse Ecuadors zurück. Da es ein ähnliches spezifisches Gewicht wie Gold hat und selbst im Feuer nicht anlief, wurde es zum Verfälschen desselben verwendet. Daraufhin erließ die spanische Regierung ein Exportverbot. Sie erwog sogar, sämtliches bis dato erhaltenes Platin im Meer zu versenken, um Platinschmuggel und Fälscherei zuvorzukommen und davor abzuschrecken.

Die erste europäische Erwähnung stammt von dem italienischen Humanisten Julius Caesar Scaliger aus dem 18. Jahrhundert. Er beschreibt ein mysteriöses weißes Metall, das sich allen Schmelzversuchen entzog. Eine ausführlichere Beschreibung der Eigenschaften findet sich in einem 1748 veröffentlichten Bericht von Antonio de Ulloa. 1750 stellte der englische Arzt William Brownrigg gereinigtes Platinpulver her. Louis Bernard Guyton de Morveau fand im Jahre 1783 ein einfaches Verfahren, um Platin industriell zu gewinnen.

19. Jahrhundert mini|Platinrubel von 1842. Die russischen Rubel waren de facto die einzigen Platinmünzen, die ein Staat jemals als reguläre Umlaufmünze ausgegeben hat.

1825 prägte die Royal Mint eine Platinmünze zu Testzwecken.

1819 wurden im Ural umfangreiche Gold- und Platinlagerstätten gefunden und ausgebeutet. Jährlich fielen etwa 1000 kg Platin an, und da die russische Regierung unter Zar Nikolaus I. hierfür ebenso wenig Interessenten fand wie seinerzeit die Spanier, prägte sie ab 1828 aus dem Metall den Platinrubel, der neben den Goldmünzen umlaufen sollte (Ukas vom 24. April (6. Mai) 1828). Die Wertrelation Platin zu Gold wurde mit 3:1 festgesetzt, doch da der Platinpreis am freien Markt niedriger lag, wurden die Platinmünzen nicht gern in Zahlung genommen.Metall. Internationale Zeitschrift für Technik und Wirtschaft. Metall-Verlag GmbH, Berlin 1963, Band 17

Da das Münzplatin in Russland 289 Rubel je kg kostete und für 1 kg Reinplatin an der Pariser Börse 374 Francs bezahlt wurden, waren die Platinmünzen minderwertig und daher nicht nur wegen der Verwechslung mit dem Silbergeld im Lande unbeliebt.Schweizerische numismatische Rundschau. Schweizerische Numismatische Gesellschaft, Bern 1974, Bände 53–54 Die „Neueste Münzkunde“ bezifferte den wahren Wert eines „Platindukaten“ (= 3 Rubel) mit 1 Rubel und 63 Kopeken, was die offizielle russische Überbewertung der Platinmünzen deutlich machte. Da der Platinpreis entgegen den russischen Erwartungen gegenüber dem Gold- und Silberpreis nicht stieg, gingen die Münzen an die Staatskassen zurück.Ferdinand Fliessbach: Neueste Münzkunde. Verlag Ernst Schäfer, Leipzig 1853, 2 Bände

1845 wurde die Prägung des Platinrubel deshalb wieder eingestellt (Ukas vom 10. (22.) Juni 1845). Zu dieser Zeit kamen aus Russland ungefähr 90 Prozent des Platinangebotes; die Jahresgewinnung stieg von 1000 kg bis auf fast 5000 kg. Die Folge war ein weiterer Preisverfall. Der russische Großindustrielle Anatole Demidoff di San Donato, Besitzer der reichen Gold- und Platinminen von Nischni Tagil im Ural, regte auch nach 1845 immer wieder an, dass in Russland Platinmünzen weitergeprägt wurden; aber alle seine Versuche misslangen. Mit der fortschreitenden Industrialisierung in der Welt wurde schließlich der wirkliche Wert dieses Edelmetalls erkannt.

Die vielfältige Verwendbarkeit des Metalls in der Industrie ließ den Platinpreis Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich ansteigen: 1880 hatte sich der Preis so weit erholt, dass er ein Drittel des Goldpreises betrug. In Deutschland kostete 1 kg 1880 noch 600 Goldmark, 1885 etwa 1000 Goldmark, 1890 bereits 2500 Goldmark und war damit etwa preisgleich mit Gold. 1906 waren 5000 Goldmark aufzuwenden. In den USA stieg der Preis von 6 US-Dollar pro Feinunze 1900 auf 20 US-Dollar pro Feinunze 1901. Platin war damit so teuer wie Gold und wurde gleichzeitig zum begehrten Schmuckmetall.

20. Jahrhundert mini|links|Hans Merensky entdeckte 1924 in Südafrika die bedeutendste Platinlagerstätte der Erde. Die Entdeckung führte zu einem Sturz des Platinpreises. mini|Börse Berlin. Im November 1923 stieg der Platinpreis auf 18 Billionen Papiermark pro Feinunze.

Von 1876 bis 1880 wurden in Russland 8760 kg gewonnen, von 1896 bis 1900 bereits 24.340 kg. Da in Russland selbst keine Industrie für die Platinverarbeitung vorhanden war, wurde das Metall in die USA und nach Europa exportiert; allein 1910 wurden 8484 kg Rohplatin ausgeführt, davon über 2000 kg nach Deutschland. Nach der Oktoberrevolution 1917 ging diese Metallgewinnung zunächst rapide zurück; sie fiel von 5500 kg (1914) auf 185 kg (1921), während der Preis in den Jahren des Ersten Weltkrieges noch mehr gestiegen war und den des Goldes bald um das Fünffache übertraf. In den USA wurde am 26. Januar 1920 mit 154,23 US-Dollar pro Feinunze ein Höchststand erreicht.Commodity Research Bureau: The CRB Encyclopedia of Commodity and Financial Prices. John Wiley & Sons, New York 2009, ISBN 0-470-34406-7.

In Deutschland kostete Platin 1913, unmittelbar vor dem Krieg, 6.000 Papiermark pro kg. Der Platinpreis lag damit doppelt so hoch wie der Goldpreis. 1921 schwankte der Preis mit den Devisenkursen zwischen 100.000 (Januar) und 700.000 (Anfang November), im Jahresdurchschnitt betrug er 217.000 Papiermark pro kg. Während der deutschen Hyperinflation hatte das Edelmetall 1922 bei einer Geldentwertung um mehr als das Tausendfache den 1700-fachen Vorkriegspreis erreicht.Deutsche Goldschmiede-Zeitung. Verlag Wilhelm Diebener, Leipzig 1922, Band 25

Am 19. Oktober 1922 stieg der Platinpreis an der Hamburger Börse auf 8.650.000 Papiermark pro kg; da Gold am gleichen Tag bei 2.100.000 Papiermark, Silber bei 64.500 Papiermark notierte, betrug der Platinpreis somit das Vierfache des Goldpreises und das 134fache des Silberpreises. Ende Oktober 1922 stand Platin nominell bei 10 Millionen Papiermark pro kg. Da Platin auf dem deutschen Edelmetallmarkt ganz verschwunden war – man handelte an der Börse Berlin nur noch Altplatin – wurden die offiziellen Notierungen in Hamburg eingestellt. In Berlin stieg der Preis von 145 Papiermark pro Feinunze im Juli 1921 auf 18 Billionen Papiermark pro Feinunze im November 1923.Ralf Schrank: Heraeus – Ein Familienunternehmen schreibt Industriegeschichte. Von der Einhorn-Apotheke zum Weltkonzern. Piper Verlag, München 2001, ISBN 3-492-04332-1, S. 94.

1924 entdeckte der Geologe Hans Merensky im nördlichen Transvaal in Südafrika das nach ihm benannte Merensky Reef, die bedeutendste Platinlagerstätte der Erde. Eine ähnliche Lagerstätte wurde dann noch im Great Dyke in Nordrhodesien entdeckt, und überdies fand man Platin als Nebenmetall in den Gold- und später auch in den Uranbergwerken Südafrikas. So verlagerte sich der Schwerpunkt der Weltplatingewinnung nach Südafrika.

Der Platinpreis stieg 1924 auf das Sechsfache des Goldpreises. Die Stellung der Sowjetunion gegen das internationale Verkaufssyndikat, die wiederansteigende sowjetische Platinproduktion und die Entdeckung der riesigen Platinvorkommen in Südafrika ließ den Platinpreis 1926 abbröckeln. 1927 und 1928 konnte zwar noch ein im Durchschnitt vierfacher Goldpreis gehalten werden, aber 1929 ging er auf den dreifachen, 1930 zeitweise auf den eineinhalbfachen Goldpreis zurück. Die Weltwirtschaftskrise mit ihrer immer geringeren Edelmetallnachfrage brachte 1931 vorübergehend den Platinpreis in die Nähe des Goldpreises. Das Einlenken der Sowjetunion, die sich 1931 dem Weltplatinkartell anschloss, ließ 1932 den Platinpreis für kurze Zeit den doppelten Goldpreis erreichen. An der New York Mercantile Exchange (NYMEX) notierte Platin im Februar 1933 bei 21,67 US-Dollar pro Feinunze und damit um 86 Prozent tiefer als 1920.

Die in Etappen durchgeführte Abwertung von Pfund Sterling und US-Dollar 1931/1935 und die Furcht vor weiteren Abwertungen gaben dem Platinpreis in London Ende 1935 bei 158 Schilling pro Feinunze einen Rückhalt. Der Goldpreis lag bei 141 Schilling pro Feinunze. Ende 1938 kostete Platin mit 150 Schilling nur 1 Schilling mehr als Gold. Nachdem Großbritannien im September 1939 vom Goldstandard abgegangen war, unterlag der bis dahin stabile Goldpreis teilweise recht erheblichen Schwankungen, und vorübergehend konnten die Goldnotierungen wieder über den Platinpreis steigen. Prinzipiell blieb Platin auch in der Folge das wertvollere Metall.Ferdinand Friedensburg, Johann Paul Krusch: Die Metallischen Rohstoffe: ihre Lagerungsverhältnisse und ihre wirtschaftliche Bedeutung. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1962, Band 16 Ende 1939 stabilisierte die Bank of England den Goldpreis bei 168 Schilling, sodass nur noch die Preisschwankungen des Platins zu berücksichtigen blieben. Die Platinnotierung lag mit 200 Schilling um nicht weniger als 32 Schilling über dem Goldpreis. 1940 ging der Platinpreis auf 180 Schilling zurück, und die Differenz zwischen beiden Notierungen betrug noch 12 Schilling zugunsten des Platins.Deutsche Goldschmiede-Zeitung. Verlag Wilhelm Diebener, Leipzig 1941, Band 44

Die hohe Nachfrage seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges, die den Platinpreis bis 1956 auf 104,00 US-Dollar pro Feinunze in die Höhe trieb und die Produktion steigerte, wurde 1957 von einer Baisse abgelöst; schon 1958 erreichte die Notierung mit 53,50 US-Dollar pro Feinunze ihren tiefsten Punkt. Seither war wieder eine langsame Erhöhung zu verzeichnen: ein Anzeichen für die ständig zunehmende Nachfrage. Mitte des Jahres 1968 betrug der Preis für Platin 40.000 Deutsche Mark (DM), im Herbst 1969 noch 24.800 DM, sank aber weiter und kostete in der Zeit von Januar bis Juni 1972 noch 13.200 DM. Im Juli 1974 war der Preis für 1 kg wieder auf 19.200 DM angestiegen.

Zwischen 1971 und 1980 wuchs der Platinpreis in US-Dollar um das Elffache. In den 1970er Jahren herrschte in den Industrieländern Stagflation mit starker Inflation, schwacher Wirtschaftsentwicklung, niedriger Produktivität und hoher Arbeitslosigkeit. Dieser Zeitabschnitt war gekennzeichnet durch eine große Verunsicherung der Finanzwelt, Ölkrise, einen starken Anstieg der US-Staatsverschuldung, eine massive Ausweitung der Geldmenge und einer Flucht der Kapitalanleger in Sachwerte. Am 6. März 1980 stieg der Preis für den Platin-Future an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) auf einen Höchststand von 1045,00 US-Dollar pro Feinunze. Der Kurs für den Gold-Future lag bei 636,00 US-Dollar.

Am 21. Juni 1982 notierte Platin bei 246,00 US-Dollar und damit um 76,5 Prozent tiefer. Von 1989 bis 1999 verblieb der Preis in einer Handelsspanne zwischen etwa 300 bis 600 US-Dollar.

21. Jahrhundert mini|Platinpreis in US-Dollar pro Feinunze 1880–2011