Philipp Loth von Seers, auch Sehrs oder Sers (* 1695 in Herford; † 10. Mai 1767 in BerlinAbweichende Daten bei Priesdorff (Lit.): Er ist im Jahre 1700 in Bünde geboren und am 9. Mai 1767 in Berlin verstorben.) war ein preußischer Generalmajor, Chef des Ingenieurkorps und Kommandant der Festung Schweidnitz sowie Ritter des Ordens Pour le Mérite.

Leben

Herkunft

Seers stammte wahrscheinlich aus einer Familie hugenottischer Einwanderer und war 1695 in Herford als Sohn des nachmaligen Generalmajors Peter von Seers geboren worden.Bernhard von Poten: Seers, Philipp Loth von, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 33 (1891), S. 589–590 Nach den Ausführungen Kurt von Priesdorffs waren seine Eltern hingegen Samuel Seers und Marie Luise, geb. Kleinsieck. Auch Geburtsort (Bünde) und Geburtsjahr (1700) weichen hier ab.Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum, Bd. 1, Hamburg 1937, S. 424f

Karriere im Militär

Seers begann zunächst im Infanterieregiment »Grumbkow« (benannt nach dessen Inhaber Friedrich Wilhelm von Grumbkow) und kam 1716 als Kondukteur (vergleichbar mit einem Sous-Lieutnant) zum Ingenieurkorps. Hier wurde er 1726 zum Kapitän befördert. Die Gruppe der Ingenieure war zu dieser Zeit sehr heterogen und entzog sich einer straff militärischen Orndnung, da geeignete Offiziere und sonstige Personen nach Bedarf angestellt und beauftragt wurden. Sie war jedoch zahlenmäßig überschaubar. Die erste offizielle Liste aller tätigen Ingenieure aus dem Jahr 1728 umfasste 39 Offiziere, darunter ein Oberstleutnant, 5 Majore, 12 Kapitäne, 10 Leutnante und 11 Kondukteure.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 33

Ab dem 21. März 1729 wurde das Ingenieurkoprs von König Friedrich Wilhelm I. unter die Leitung von Gerhard Cornelius von Walrave gestellt und straffer organisiert. Die Offiziere berichteten direkt an Walrave, der sie wiederum zu Beförderungen vorschlagen konnte. Die Ingenieure fielen dabei unter besondere Geheimhaltungsverpflichtungen, da sie die Beschaffenheit der preußischen Festungen bis ins Detail kannten, was bedeutete, dass sie nicht einfach aus dem Dienst entlassen werden konnten.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 33–38 Auch unter diesen Bedingungen avancierte Seers 1734 zum Major und gehörte damit zu den 10 ranghöchsten Offizieren des Ingenieurkorps als Friedrich II. im Jahr 1740 die Regierung Preußens übernahm. Kurz darauf erfolgte die Eroberung Schlesiens im Ersten Schlesischen Krieg (als Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges). Zur Sicherung dieser neuen Provinz wurden die dortigen Festungsanlagen verstärkt oder zum Teil neu angelegt. Das betraf auch die Stadt Schweidnitz, wo Seers bereits 1741 mit der Anlage neuer Befestigungen (Enceinte) beauftragt wurde.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 52 Inzwischen trat eine neue Organisation des Ingenieurkorps ein. Anfang 1742 wurde in Neisse das neue Pionierregiment „Walrave“ („Regiment Pionniers“) aufgestellt, dessen Inhaber Walrave wurde. Die Offiziersstellen dieses Regiments wurden mit den aktiven Ingenieuroffizieren besetzt.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 50f Am 8. Januar 1742 wurde Seers Oberstleutnant und als solcher in dem neuerrichteten Regiment eingereiht.Anton Balthasar König: Philipp Loth von Seers. In: Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, welche sich in Preußischen Diensten berühmt gemacht haben, Bd. 3, Berlin 1790, S. 478 Im Zweiten Schlesischen Krieg 1744/45 befand er sich bei der Feldarmee, die in Böhmen operierte.

Aber bald danach widmete er sich wieder dem Ausbau der schlesischen Festungen. So wurden die Werke Kosels nach seinen Plänen ausgebaut. Allgemein erstreckte sich Seers Zuständigkeit auf einige Festungen, sodass er für Schweidnitz zwar weiter leitender Ingenieur blieb, aber die Arbeiten vor Ort zumindest zeitweise von Johann Wilhelm d’Embers geleitet wurden. Friedrich II. legte großen Wert auf den Ort, der nicht nur als Bollwerk, sondern auch als Haupt-Depot ausersehen war. Er ließ sogar ein Model der Festung und ihrer Umgebung von Embers anfertigen und mischte sich aktiv in die Gestaltung der Anlagen ein.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 54 Retrospektiv urteilte er hart gegen die Leistung der Ingenieure: „Man ließ es dabei bewenden, die Werke ganz leicht anzulegen. welches eigentlich sehr übel geurteilt war, denn Festungen baut man nicht für eine kurze Zeit, sondern für immer. Man beging hier Fehler und bekam in der Folge Gelegenheit genug sie zu bereuen und richtiger urteilen zu lernen.“Franz Wachter: Akten des Kriegsgerichts von 1763 wegen der Eroberung von Glatz 1760 und Schweidnitz 1761, Breslau 1897, S.XIII f S. 54f Allerdings hatte Friedrich II. erst 1754 die hohen Baukosten bemängelt sowie die seiner Ansicht nach zu tiefen Fundamente.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 54

Ungeachtet dessen erreichte Sehrs Karriere einen neuen Höhepunkt. Bereits am 10. September 1747 wurde er zum Oberst befördert und erhielt den Orden Pour le Mérite. Nachdem kurz darauf sein Vorgesetzter Walrave am 10. Februar 1748 wegen Betrugs und Veruntreuung verhaftet wurde, rückte Sehr zum Chef des Ingenieurkorps und Inhaber (Chef) des Pionierregiments auf. Allerdings war diese Stellung eher formal, denn Friedrich II. hatte die Aufsicht über das Militärbauwesen sukzessive an sich gezogen und unterhielt dazu einen kleinen Stab an Ingenieuren an seinem Hof. Seers kam weiterhin die Aufsicht über den schlesischen Festungsbau zu.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 64

Schweidnitz mini|Zeitgenössischer (italienischer) Plan der Belagerungsarbeiten; kolorierter Kupferstich (ca. 1758) mini|Zeitgenössische Darstellung der Beschießung von Schweidnitz (ca. 1760) von Gabriel Nicolaus Raspe

Im zweiten Jahr des Siebenjährigen Krieges wurde Seers 1757 zum Generalmajor befördert und zum Kommandant der wichtigen Festung Schweidnitz ernannt. Die Festung war als Hauptstützpunkt an der schlesisch-böhmischen Grenze mit umfangreichen beständen an Proviant, Munition und sonstigem Kriegsmaterial versehen. Allerdings mangelte es an ausgebildeten Artilleristen und ein Großteil der Besatzung bestand aus ursprünglich sächsischen Soldaten, die man im Vorjahr in preußische Dienste (→ Belagerung bei Pirna) gepresst hatte. Diese waren unzuverlässig und neigten in hohem Ausmaß zu Desertation. Nachdem Friedrich II. Ende August 1757 mit einem Teil seiner Feldarmee nach Thüringen abgezogen war ergriffen die Österreicher die Initiative. Sie drängten die preußische Deckungsarmee unter dem Herzog von Bevern auf Breslau ab und besetzten einen großen Teil Schlesiens. Um ihre Nachschubrouten nach Böhmen zu öffnen schoben sie im Oktober schließlich ein Korps unter Franz Leopold von Nádasdy gegen Schweidnitz vor.

Von Oktober bis November 1757 wurde um die Festung gekämpft (→ Belagerung von Schweidnitz). Der eigentliche Belagerungsangriff dauerte 17 Tage und nach einem Bombardement sowie der Erstürmung mehrerer Außenwerke kapitulierte Seers. Die Preußen hatten etwa 200 Tote und Verwundete in den Kämpfen verloren, 911 Soldaten waren desertiert und 800 krank. Sie verloren ferner 180 Geschütze und 48 Fahnen. Vier Generäle, 194 Offiziere und 5.971 Soldaten gerieten am 14. November in Gefangenschaft. Schmerzlich war der Verlust an Proviantvorräten, welche die Armee reichlich in der Festung eingelagert hatte.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1902, S. 188f Friedrich II. war darüber empört, dass einer seiner wichtigsten Waffenplätze so schnell gefallen war und resümierte in seinen Erinnerungen: „Herr von Seers, der Commandant, und sein Adjutant Herr von Grumbkow verloren darüber alle Fassung, sie capitulirten und ergaben sich mit ihrer aus 10 Husaren-Schwadronen und 10 Infanterie-Bataillonen bestehenden Besatzung kriegsgefangen.“Heinrich Merkens/Franz Xaver von Wegele : Ausgewählte Werke Friedrichs des Großen, Bd. 2, Würzburg 1874, S. 173

Noch im Januar 1758 schritten die Preußen an die Blockade von Schweidnitz und eroberten die Festung am 18. April 1758 (→ Belagerung von Schweidnitz) schließlich wieder zurück. Dabei spielte Seers Schwiegersohn, der Ingenieur-Oberst Johann Friedrich von Balbi, eine entscheidende Rolle.

Lebensabend

Im gleichen Jahr wurde Generalmajor von Seers aus der Gefangenschaft ausgetauscht, jedoch gleich darauf aus dem aktiven Dienst verabschiedet und von Friedrich II. fallen gelassen. Als sich sein Schwiegersohn Oberst von Balbi für ihn einsetzte, antwortete der König: „Seers ist nicht zu pardonniren, da er seine Instruktionen und Ordres in keinem Punkte befolgt hat.“ Seers und Grumbkow hatten darauf verwiesen, dass das schwere Bombardement zahlreiche Backöfen zerstört habe und daher Brotmangel drohte. Außerdem seien die Reihen durch Krankheit und Desertation gelichtet gewesen, wobei besonders ins Gewicht gefallen sei, dass ein Mineur-Unteroffiziere und zwei Infanterie-Offiziere mit genauer Kenntnis der Verteidigungsanlagen übergelaufen seien. Ein zeitgenössischer österreichischer Bericht hingegen verweist darauf, dass die preußische Verteidigung schwächer als erwartet ausgefallen sei und in manchen Nächten kein Schuss von den Wällen abgefeuert worden sei.Udo von Bonin: Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen, Bd. 1, Berlin 1877, S. 74

Seers zog sich ins Privatleben zurück. Er hatte bereits 1727 Francoise de St. Laurent geheiratet und ging nun nach deren Tod eine zweite Ehe mit Charlotte du Trossel (1728–1774) ein.Hochzeitsanzeige. vgl.: Fortgesetzte neue genealogisch-historische Nachrichten. Leipzig 1762, S. 697, (Digitalisat).

Ihm wurden in erster Ehe vier Kinder geboren, wovon zwei jung verstarben. Die anderen beiden waren: Ernst Ludwig, Sekondeleutnant im Füsilierregiment Nr. 49, in der Schlacht bei Kay schwer verwundet Susanne Luise, ⚭ Johann Friedrich von Balbi, preußischer Ingenieur-Oberst

Seers starb im Mai 1767 mit 72 Jahren. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Witwe im Dezember 1773 den Oberst in holländischen Diensten Philipp du Ham de Vence.Hochzeitsanzeige. vgl.: Fortgesetzte neue genealogisch-historische Nachrichten. Leipzig 1774, S. 515, (Digitalisat).

Literatur

Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 1, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , , S. 424–425, Nr. 442.

Einzelnachweise

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