Das Danziger Infanterie-Regiment Nr. 128 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.
Geschichte Durch das Gesetz vom 6. Mai 1880, als die Friedenspräsenzstärke des Heeres um 25.615 auf 427.274 Mann erhöht wurde, stieg zum 1. April 1881 die Anzahl der Infanteriebataillone um 34 auf 503. Drei dieser neuen Bataillone wurden aus Kompanien des I. Armee-Korps und der 17. Division zur Bildung des Infanterie-Regiments Nr. 128 zusammengestellt. Das I. und II. Bataillon bestand aus Musketieren, das Füsilier-Bataillon aus Füsilieren.
Durch A.K.O. wurde der 11. April 1881 als Stiftungstag des Regiments festgelegt.
Am 1. April 1887 wurde die 6. Kompanie an das II. Bataillon des neuerrichteten Infanterie-Regiments Nr. 135 in Diedenhofen abgegeben und anschließend neu gebildet. Gemäß Erlass vom 4. Januar 1889 wurde die Bezeichnung von Füsilier-Bataillon in III. Bataillon umgeändert. Die Mannschaften erhielten die Benennung Musketiere. Mit dem Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des Heeres vom 3. August 1893, war das Regiment um eine 13. und 14. Kompanie erweitert worden. Diese beiden Kompanien bildeten das sogenannte IV. (Halb)Bataillon. Durch Gesetz vom 28. Juni 1896 wurde dieses Halbbataillon zur Aufstellung neuer Infanterieregimenter wieder abgegeben und nicht neu gebildet.
aus Kompanie des Regiments wurde Kompanie Bataillon 12. Grenadier-Regiment Nr. 89 1. I. 2. Infanterie-Regiment Nr. 44 2. I. 3. Füsilier-Regiment Nr. 90 3. I. 4. Füsilier-Regiment Nr. 33 4. I. 6. Grenadier-Regiment Nr. 1 5. II. 6. Infanterie-Regiment Nr. 75 6. II. 7. Infanterie-Regiment Nr. 43 7. II. 8. Infanterie-Regiment Nr. 76 8. II. 9. Grenadier-Regiment Nr. 4 9. III. 10. Grenadier-Regiment Nr. 5 10. III. 11. Grenadier-Regiment Nr. 3 11. III. 12. Infanterie-Regiment Nr. 41 12. III.
Die Friedenszeit des Regiments mini|Geschenk der Stadt (1902) mini|Dominikswall und Kaiser-Wilhelm-Denkmal mini|Kriegerdenkmal am Holzmarkt mini|Technische Hochschule Zwei Jahre nach der Regimentsgründung wurde es am 5. Juni 1883 erstmals vom Kommandierenden General des Armee-Korps, Albert von Barnekow, besichtigt.
Mit Oberst von Heydebreck gelangte das Regiment in jeder Beziehung auf einen Ausbildungsstand, der Wilhelm II. bei seiner Regimentsbesichtigung im Frühjahr 1902 zu dem Ausspruch veranlasste, „dass es von seinem Potsdamer Regiment nicht zu unterscheiden sei“. An den Veranstaltungen zum 100. Jahrestag der Eingliederung der Stadt in den Preußischen Staat nahm das Regiment regen Anteil.
Bis zum Jahre 1895 waren die Wälle der ehemaligen Festung Danzig niedergelegt worden. Hierdurch entfiel der tägliche nicht unerhebliche Personalbedarf, (etwa 100 Soldaten) zur Gestellung der Wachen an den Toren und der Besetzung der Alten Hauptwache.
Der Besichtigung von Regiment und Brigade kam in jenem Jahr besondere Bedeutung zu, da der Inspekteur der I. Armee-Inspektion, Albrecht von Preußen, dieser persönlich beiwohnte.in der Regimentschronik steht: „In der sich anschließenden Kritik fand das Regiment nicht nur die Anerkennung Seiner Königlichen Hoheit, dieser hatte auch die Gnade, selbst an das Regiment heranzureiten und den Mannschaften seine Zufriedenheit und seine Glückwünsche zu der wohlgelungenen Besichtigung auszusprechen.“
Aus der Regimentschronik ist zu entnehmen, dass während des Kaisermanövers im Jahre 1900 dem Verband eine besondere Ehre zuteilgeworden sei, da sich der Kaiser selbst an die Spitze des Regiments gestellt habe.
Die Vereidigung der Rekruten der Garnisonen Danzig, Langfuhr und Neufahrwasser erfolgte ab 1902 nicht regimentsweise auf den Kasernenhöfen, sondern zusammen auf dem offenen Kleinen Exerzierplatz. Angetreten wurde in einem Viereck, mit einem Feldaltar im Zentrum.
Am 27. Januar 1902 erhielt der Verband den landsmannschaftlichen Zusatz „Danziger“ und hieß fortan Danziger Infanterie-Regiment Nr. 128. Als das Regiment die Nachricht von der Umbenennung erhielt, entsandte dessen Kommandeur, Oberst Eschenburg unverzüglich seinen Regimentsadjutanten an den Danziger Oberbürgermeister Clemens Delbrück, um diesen davon in Kenntnis zu setzen. Das Regiment führte nun den Namen der Stadt, in der es seit seinem Bestehen in Garnison gelegen hatte. Am Tage darauf erfolgte eine Zusammenkunft einer Abordnung des Regiments mit Honoratioren der Stadt im Rathaus. Hier führte Delbrück aus, wie erfreut die Stadt über die Verleihung des „klangreichen“ Namens sei. „Für alle Zeiten sollte das Regiment mit der ruhmreichen Geschichte Danzigs verknüpft“ sein. „Zudem gereichte die Verewigung des Namens in der Armee der Stadt zum Ruhme“.
Zu der Feier des 21. Stiftungstages des Regiments waren erstmals auch Zivilisten geladen. Hier sorgte Oberbürgermeister Delbrück für den Höhepunkt des Festes. Um der Freude der Stadt über die Benennung des Regiments mit deren Namen Ausdruck zu verleihen, stellte er ihm ein Zeichen der Erinnerung in Aussicht. Im Rathaus hänge ein Gemälde Röchlings, das einen bedeutenden Moment der Stadtgeschichte zeige. Eine Nachbildung dessen werde sie dem Regiment schenken. Diese wurde vom Historienmaler Richard Knötel angefertigt, am Kaisergeburtstag 1903 übergeben und am 1. Februar in den Räumlichkeiten des Offizierkasino feierlich enthüllt.
Zur Enthüllung des von der Provinz Westpreußen zum Andenken an Kaiser Wilhelm I. gesetzten Denkmals traf der Kaiser am 21. September 1903 mit dem Hofzug in Danzig ein. Die Ehrenkompanie war zum offiziellen Empfang am Bahnhof angetreten, der Rest stand Spalier zum Denkmalsplatz.
Anno 1904 wurde am 8. Mai das Kriegerdenkmal am Holzmarkt, zur Erinnerung an die in den letzten drei Kriegen gefallenen Danziger eingeweiht. Es wurde mit Beträgen der Danziger Kriegervereine erbaut. Erstmals war unter diesen auch der „Danziger Verein alter 128er“, der zum Teil Mitbegründer des Regimentes aufwies, vertreten.
Am 28. August hatten die 128er zur in Berlin stattfindenden Fahnenweihe der Kriegsformationen eine Abordnung für die Fahnen des ehemaligen Landwehr-Bataillons „Danzig“ zu stellen. Das Regiment war kurz darauf, am 6. Oktober, bei der Eröffnung der Technischen Hochschule durch den Kaiser angetreten.
Seit 1897 feierte das Offizierskorps am 12. März seine innige Freundschaft zum II. Bataillon des 21. Infanterie-Regiments der Bayerischen Armee.
Kaisermanöver Das jährliche Kaisermanöver fand 1887 im Raum Königsberg statt und das Regiment nahm zum ersten Male daran teil. Angesichts der 700-Jahr-Feier Danzigs fand im September 1894 das Manöver des XVII. Armee-Korps in Elbing statt. Die 71. Infanterie-Brigade wurde 1900 zum Kaisermanöver zwischen dem Gardekorps und dem II. Armee-Korps im Kreis Bütow und Stettin eingesetzt. 1901 fand das Kaisermanöver im Herbst bei strömendem Regen im Raum bei Danzig statt. Beteiligt waren das I. und das XVII. Armee-Korps.
Preisschießen Um die Qualität des Schießens zu steigern, wurde ein jährliches Preisschießen für Offiziere und Unteroffiziere des Korps festgelegt. Der treffsicherste Offizier erhielt einen mit dem Namenszug Se. Majestät versehenen Degen, der beste Unteroffizier bekam eine goldene Uhr.
Unter Oberst Schmidt wurde das Schießtraining dann intensiviert.
Ab 1890 erhielten der beste Schütze der am besten schießenden Kompanie des Korps ein Kaiserabzeichen. Der Kompaniechef wurde mit einem silbernen Schild ausgezeichnet und das Offizierkasino des Regiments erhielt eine Kaiserbüste als bleibendes Erinnerungszeichen.
Dennoch ließ die Begeisterung nach und so fiel das Einzelprüfungsschießen 1898 aus. Mit A.K.O. wurde es, als nicht mehr zeitgemäß, ganz abgeschafft und durch das Vergleichsschießen ersetzt. Zudem wurde das Gefechtsschießen des Regiments erstmals in der Gruppe abgehalten.
Im 200. Jahr der preußischen Monarchie trugen die einstigen Bemühungen des Kommandeurs erstmals Früchte. Die 6. Kompanie, die bereits als die beste der Brigade galt, gewann 1901 erstmals das Korpsschießen. Die verliehene bronzene Kaiserbüste ruhte seitdem auf einem eichenen Postament im Offizierskasino.
Schiffstaufen unter Beteiligung des Regiments Kaiserliche Werft Zur Taufe der Cormoran am 17. Mai 1892 auf der Kaiserlichen Werft begrüßte das Regiment erstmals den neuen, auf der Hohenzollern angereisten Kaiser in der Garnison. Die Ersatz Alexandrine (Baubezeichnung vor der Taufe) wurde von Oberbürgermeister Ehlers am 23. September 1905 auf den Namen der Stadt, Danzig, getauft. Hierzu war die Ehrenkompanie des Regiments an der Steuerbordseite angetreten.
Schichau-Werft Auf der Schiffswerft von Schichau lief am 31. Mai 1893 im Beisein des Kaisers und des Regiments Gefion vom Stapel. Als der Kaiser am 5. Oktober 1897 Kaiser Friedrich III. auf der Schichauwerft taufte, waren Teile des Regiments anwesend und bildeten auch das Spalier, als er zum Bahnhof zurückfuhr. In Gegenwart des Kaisers und des Prinzen Heinrich wurde am 27. Mai 1904 das Linienschiff Lothringen vom Stapel gelassen. Wie im Vorjahr, bei der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals stellten die 128er die Ehrenkompanie und bildeten das Spalier zum Bahnhof.
Boxeraufstand mini|Deutsche Truppen auf zeitgenössischer Postkarte 1897 hatte Deutschland in China das Gebiet Kiautschou durch Pacht erworben. Der Boxeraufstand bedrohte ab 1900 deutsche Interessen. Durch die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking, Clemens von Ketteler, wurde am 9. Juli durch A. K. O. die Bildung eines Expeditionskorps befohlen. Dieses wurde bereits am 27. Juli in Bremerhaven eingeschifft.
Danzig war als Sitz des Generalkommandos und Formierungsort für die im Bereich des XVII. und I. Armee-Korps aufzustellenden Teile bestimmt worden. Es wurde befohlen, den Stab des II. Bataillons des 1. Ostasiatischen Infanterie-Regiments sowie deren 5. und 6. Kompanie abzustellen. Sie traten am 16. Juli auf dem Hof der Kaserne Herrengarten zusammen und verließ am 27. mit dem Dampfer Batavia Bremerhaven.
Mitte August war vom Regiment die 9. Kompagnie des 5. Ostasiatischen Infanterie-Regiments zu bilden. Diese fuhr am 21. August ins Lockstedter Lager und verließ am 31. an Bord der Pallatia Bremerhaven.
Von den nach China abkommandierten (acht Offiziere, acht Unteroffiziere, 47 Mannschaften) kam niemand durch Kampfhandlungen ums Leben. Dekoriert mit der China-Denkmünze kehrten fast alle Soldaten im Herbst 1901 zum Regiment zurück.
Herero-Aufstand mini|Kamelreiterkompanie der deutschen Schutztruppe während des Herero-Aufstands, 1904 Mitte Januar 1904 drangen die ersten Nachrichten vom Aufstand der Herero nach Deutschland. Die Herero in Südwestafrika lehnten sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft auf. Im Jahr darauf schlossen sich ihnen die Nama (Hottentotten) an. Generalleutnant Lothar von Trotha, der Militärbefehlshaber von Deutsch-Südwestafrika, unterdrückte den Aufstand mit äußerster Brutalität und schlug ihn Anfang 1907 nieder. Bereits am 17. Januar erging der Befehl zur Mobilmachung eines Marine-Expeditionskorps, das am 21. seine Fahrt nach Swakopmund antrat.
Die Lage verlangte eine deutliche Verstärkung der Schutztruppen aus den Reihen der Armee. Wie beim Boxeraufstand gab es eine Vielzahl von Freiwilligen des Regiments. Von diesen wurden 32 bis 1906 nach Deutsch-Südwestafrika entsandt, von denen in den ersten zwei Jahren sechs fielen.
Erster Weltkrieg
Während des gesamten Krieges und danach bis zum 20. Dezember 1918 war das Regiment der 71. Infanterie-Brigade unterstellt.
Verbleib Nach Kriegsende wurde das Regiment ab 16. Dezember 1918 in Danzig demobilisiert. Aus Teilen begann man im Frühjahr 1919 mit der Aufstellung des Freiwilligen-Infanterie-Regiments 128 mit drei Bataillonen sowie einer MG- und MW-Kompanie. Weitere Teile gingen zum Bahnüberwachungs-Kommando der 36. Division über.