mini|Christus Pantokrator, Ikone im Katharinenkloster auf dem Sinai, 6. Jahrhundert

Jesus Christus (latinisiert aus ) ist nach dem Neuen Testament (NT) der von Gott zur Versöhnung und Erlösung aller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes.

Die Urchristen identifizierten Jesus von Nazaret mit dem im Tanach, der hebräischen Bibel, verheißenen Messias (griechisch latinisiert Christus). Aus ihrem Glaubensbekenntnis „Jesus ist der Christus“ entstand früh der Name „Jesus Christus“. Auch viele weitere Titel der Urchristen für Jesus zur Deutung seines Lebens, Todes und seiner Auferweckung stammen aus der Bibel des Judentums. Die Bezeichnung Menschensohn geht eventuell auf Jesus selbst zurück.

Sein Tod am Kreuz wurde mit verschiedenen biblischen Motiven als Hingabe Gottes und stellvertretender Gerichtstod zur Rettung der Menschen aus Sünde und Tod verstanden. Der Glaube an Jesu Auferstehung beruht nach dem NT auf Erscheinungen des auferstandenen Jesus gegenüber einigen seiner ersten Nachfolger, aber auch gegenüber Paulus von Tarsus, ursprünglich ein Gegner der Urchristen. Dies begründete ihr Bekenntnis, Gott habe Jesus zum Sohn Gottes erhöht und zum kommenden Weltenrichter eingesetzt.

Die urchristlichen Quellen Das Neue Testament überliefert die Botschaft von Jesus Christus in verschiedenen Literaturformen für unterschiedliche Zwecke. Den historischen Jesus kannte wahrscheinlich keiner der Autoren des Neuen Testaments.Bernhard Lang: Die Bibel, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1992, S. 87. Die Paulusbriefe (entstanden in den Jahren 50 bis 60) sind die ältesten urchristlichen Schriften. Ihr Autor stellt sich als Augenzeuge des auferstandenen Jesus dar, den er vorher nicht gekannt habe. Die Paulusbriefe enthalten einige Worte Jesu und biografische Details, aber keine Berichte seines irdischen Wirkens. Wie Paulus mit biografischen Informationen umging, veranschaulicht : Geburt und Herkunft des Christus lassen bereits das Motiv anklingen, dass er die „unter dem Gesetz“ stehenden Gläubigen befreien werde – und nur deshalb werden sie hier erwähnt.Christine Jacobi: Sonstige Schriften des Neuen Testaments In: Jens Schröter, Christine Jacobi (Hrsg.): Jesus Handbuch. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, S. 145–155, hier S. 147.

Die vier kanonischen Evangelien (entstanden zwischen 70 und 100) erzählen Jesu Wirken und Schicksal auf verschiedene, auf ihre Adressaten zugeschnittene Weise. Vor allem die drei synoptischen Evangelien bieten gemeinsame Stoffe, die meist mit der Zwei-Quellen-Theorie erklärt werden.Bernhard Lang: Die Bibel. S. 86f. Ihre Reihenfolge, Auswahl und Darstellung unterscheiden sich durch verschiedene redaktionelle Konzepte; ihre Glaubensaussagen stimmen jedoch in den Grundzügen überein und ergänzen einander.Vgl. aber John S. Kloppenborg: Die Synoptischen Evangelien, die Logienquelle (Q) und der historische Jesus. In: Jens Schröter, Christine Jacobi (Hrsg.): Jesus Handbuch. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, S. 130–137, hier S. 137: „Die synoptischen Evangelien und die Logienquelle bieten … vielgestaltige, mitunter widersprüchliche Zugänge, deren Unterschiede sich einer Vereinheitlichung zu einem Jesusbild oftmals widersetzen.“ Ihre ältesten Bestandteile stammen von Nachfolgern Jesu aus Galiläa, die die Jerusalemer Urgemeinde gründeten und Jesu Worte zuerst mündlich, dann schriftlich weitergaben.

Von den urchristlichen Schriften, die nicht in den späteren Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurden, kann vor allem das Thomasevangelium einige authentische Jesusworte enthalten. Sie können aus einer gemeinsamen Überlieferung mit der Logienquelle stammen.Reinhard Nordsieck: Das Thomasevangelium. Neukirchener Verlag, 2. Auflage. 2004, Einleitung (Forschungsgeschichte) S. 7–23. Die neuere Forschung zum Thomasevangelium sieht dieses allerdings eher als Sammlung von Material, das von den synoptischen Evangelien abhängig ist; das bedeutet, dass der Quellenwert für den historischen Jesus von Nazareth gering ist. Das Thomasevangelium ist aber aufschlussreich für die Weiterentwicklung der Jesusüberlieferung im 2. Jahrhundert.Simon Gathercole: Außerkanonische Schriften als Quellen für den historischen Jesus? In: Jens Schröter, Christine Jacobi (Hrsg.): Jesus Handbuch. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, S. 155–158, hier S. 157. Einige außerchristliche Schriften erwähnen Jesus beiläufig oder indirekt.

Alle neutestamentlichen Schriften verkünden Jesus Christus, seine Geschichte, sein Verhältnis zu Gott und seine Bedeutung auf verschiedene, aber im Kern übereinstimmende Weise als Evangelium (Frohbotschaft) für die ganze Welt. Denn ihre Autoren glaubten an die Auferstehung Jesu Christi, die ihnen eine unbeteiligte Mitteilung biografischer Daten unmöglich machte. Jesus war für sie der zur Rettung aller Menschen aus Sünde und Tod in die Welt gekommene Sohn Gottes, der den Gerichtstod auf sich genommen habe, von Gott auferweckt worden sei, nun für alle Zeiten lebe und sich selbst immer neu in Erinnerung rufe, bis er seine Botschaft am Ende der Zeit selbst wahr machen werde.

Dieser Glaube veranlasste die Urchristen, Gemeinden zu bilden, Jesu Worte zu sammeln, aufzuzeichnen und als jeden angehende Botschaft weiterzugeben. Ihre Schriften wollen alle Menschen zum Glauben an den menschgewordenen, für sie stellvertretend getöteten und auferstandenen Gottessohn einladen. So wurde das NT zur Grundlage für das Christentum, das seit etwa 100 als eigene Religion neben dem Judentum hervortrat.

Der Name

mini|Herz-Jesu-Statue in Osttimor als König mit timoresischen Herrscherinsignien Kaibauk und Belak

Jesus Christus (Latinisierung des griechischen ) ist eine im Urchristentum entstandene und bis heute verbreitet übliche Bezeichnung für Jesus von Nazaret. Sie setzt sich aus dem Personennamen Jesus und dem zum Beinamen gewordenen Titel Christus zusammen. Jesus (griech. ) ist die griechische Form des hebräisch-aramäischen Vornamens Jeschua oder Jeschu, beides Kurzformen von Jehoschua. Christus ist die latinisierte Form des griechischen Verbalsubstantivs , das das hebräische Wort (griechische Übertragung , siehe Messias) übersetzt.

Der Name Jesus Christus entstand aus dem Bekenntnissatz ‚Jesus (ist) Christus‘. Die Urchristen identifizierten Jesus von Nazaret mit dem im Alten Testament verheißenen Messias (griechisch latinisiert Christus).

Hebräisch GriechischeÜbertragung GriechischeÜbersetzung LateinischeÜbertragung DeutscheÜbersetzung Jehoschua (Jeschua, Jeschu) Iēsus Iesus, Jesus JHWH ist Rettung / Gott rettet Maschiach Messias Christos Christus Gesalbter

Deklination Im Deutschen wurde Jesus Christus bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts konsequent lateinisch dekliniert: „Jesus Christus, unser Heiland“ (Nominativ) – „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen“ (2 Thess 3,18) (Genitiv) – „Darum kann ich mich rühmen in Jesu Christo, daß ich Gott diene“ (Röm 15,17) (Dativ) – „O Mensch, schau Jesum Christum an“ (Akkusativ) – „O Jesu Christe, wahres Licht“ (Vokativ).

Heute ist noch der einfache Genitiv Jesu Christi gebräuchlich; in Zusammensetzungen wird meist die Nominativform verwendet („Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen“, ). Dativ und Akkusativ werden stets durch den Nominativ ersetzt, so auch der Vokativ mit Ausnahmen in der lutherischen Liturgie (z. B. „Ehre sei dir, Christe, der du littest Not“).

Komponenten Der Personenname Jesus

Der Name Jesus geht auf den hebräischen männlichen Personennamen Jehoschua () und dessen Kurzform Jeschua () zurück. Jesus ist die latinisierte Form von altgriechisch . Mit übersetzte die Septuaginta sowohl den Namen Jehoschua () als auch dessen Kurzform Jeschua ins Griechische.Karl Heinrich Rengstorf, Klaus Haacker: Jesus Christus. In: Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament. 3. Sonderauflage. R. Brockhaus, Wuppertal 2014, S. 1052. Ab ca. 500 v. Chr. ersetzte die Kurzform die Langform weitestgehend.Werner Foerster: Ἰησοῦς. In: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Band 3, Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1938 (Nachdruck 1990), ISBN 3-17-011204-X, S. 285. Die Hebräische Bibel verwendet beide Formen zum Teil für identische Personen. Daran erkennt man, dass es sich bei Jehoschua und Jeschua nur um verschiedene Formen ein und desselben Namens handelte. Im Anschluss an Luther wurde es im Deutschen allerdings üblich, diesen Namen nur im Neuen Testament mit ‚Jesus‘, im Alten Testament hingegen mit ‚Josua‘ oder ‚Jeschua‘ zu übersetzen. Dadurch wurde verdunkelt, dass Jesus von Nazaret im Bewusstsein seiner Zeitgenossen denselben Namen trug wie z. B. Josua, der Sohn Nuns.

Die Bedeutung des Namens lässt sich aus seinen ursprünglichen Komponenten ableiten: Jehoschua () setzt sich aus einer Kurzform des Gottesnamens JHWH () und einer Form der hebräischen Wurzel jascha' (‚helfen‘, ‚retten‘) zusammen,Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 47; Martin Noth, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung. Kohlhammer, Stuttgart 1928, 154. so dass sich als Bedeutung ergibt: „JHWH hilft/rettet“ oder: „JHWH ist Retter / Rettung / Hilfe“. In der Kurzform Jeschua trat der Bezug zum Gottesnamen zurück. Daher brachte die antike Etymologie den Namen Jesus meist nur mit dem hebräischen Verb jascha (‚helfen‘, ‚retten‘) bzw. dem Substantiv (‚Rettung‘, ‚Heil‘) in Verbindung.Werner Foerster: Ἰησοῦς. In: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Band 3, Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1938 (Nachdruck 1990), ISBN 3-17-011204-X, S. 290; Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 47; John Nolland: The Gospel of Matthew. A Commentary on the Greek Text. Eerdmans, Grand Rapids / Cambridge, S. 98. Vgl. die Deutung des Namens Josua/Jesus in .

Den Evangelisten Matthäus und Lukas zufolge erhielt Jesus von Nazaret seinen Personennamen aufgrund eines durch Engel übermittelten, göttlichen Auftrags (; ). In lautet die Begründung für die Namenswahl: „denn er wird sein Volk von seinen Sünden retten.“ Dies spielt erkennbar auf die Bedeutung des Namens an.Karl Heinrich Rengstorf, Klaus Haacker: Jesus Christus. In: Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament. 3. Sonderauflage. R. Brockhaus, Wuppertal 2014, S. 1053. Auch viele weitere Stellen im Neuen Testament bringen Jesus mit Rettung in Verbindung. Martin Karrer folgert daraus: „Das Neue Testament kennt und nutzt die etymologische Bedeutung [des Namens Jesus].“Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 47. Als Belegstellen verweist Karrer u. a. auf , , , sowie auf den Ruf Hosanna (‚hilf/rette doch‘) beim Einzug in Jerusalem ( u.ö.), welcher ebenfalls auf die hebräische Wurzel jascha' zurückgeht.

Der Beiname Christus Zu ‚Christus‘ als Hoheitstitel siehe auch: Messias sowie Christologische Hoheitstitel.

Christus ist ein jüdischer Hoheitstitel, der im Urchristentum zum Beinamen für Jesus von Nazaret wurde. In seiner Funktion ähnelt er Ehrennamen, wie sie in der griechisch-römischen Antike Herrschern verliehen wurden (vgl. Augustus oder Epiphanes).Stefan Schreiber: Die Anfänge der Christologie. Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2015, S. 67 mit Verweis auf Matthew V. Novenson: Christ among the Messiahs: Christ Language in Paul and Messiah Language in Ancient Judaism. Oxford University Press, Oxford 2012, S. 87–97.