Rubus ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Gattung Rubus umfasst je nach Autor etwa 500 oder mehrere tausend Arten und viele Naturhybriden. Am bekanntesten sind Brombeeren und Himbeeren. Rubus-Arten werden vielfältig genutzt, beispielsweise die Früchte, die bei Mensch und Tier beliebte Nahrung sind. Die Wissenschaft von den Brombeeren und Himbeeren wird auch Batologie genannt.
Beschreibung mini|Untergattung Malachobatus: Rubus alceifolius: Illustration mini|Untergattung Rubus: Allegheny-Brombeere (Rubus allegheniensis): Illustration mini|Untergattung Rubus: Kratzbeere (Rubus caesius): Illustration aus American Medical Botany
Vegetative Merkmale Rubus-Arten sind üblicherweise Sträucher, Halbsträucher oder seltener ausdauernde, zwei- oder selten einjährige krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 5 bis 300, selten bis zu 500 Zentimetern erreichen. Je Pflanzenexemplar werden eine bis einige Sprossachsen gebildet. Je nach Art sind die stielrunden oder kantigen Sprossachsen kletternd, klimmend, überwölbend, kriechend oder liegend, aufsteigend, selten aufrecht. An den Sprossachsen können an Knoten oder oberen Enden Wurzeln gebildet werden. Viele oberirdische Pflanzenteile, vor allem der Sprossachse, sind selten unbestachelt, fast immer mehr oder weniger dicht bestachelt. Die Stacheln sind aufrecht bis zurückgebogen, schwach oder kräftig und können an ihrer Basis breit sein. Es können auch Borsten vorhanden sein. Die Pflanzenteile sind kahl oder behaart, dabei können die Trichome ganz unterschiedlich drüsig sein.
Meist sind die Rubus-Arten laubwerfend, nur wenige Arten sind immergrün. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die häutigen bis mehr oder weniger ledrigen Blattspreiten sind verbunden gefiedert, handförmig oder fußförmig oder einfach, dann aber gelappt. Die am Ansatz des Blattstiels oder an der Verbindungsstelle von Zweig und Blattstiel sitzenden Nebenblätter sind mit der Basis des Blattstieles mehr oder weniger, untereinander aber nicht verwachsen. Die Nebenblätter sind fadenförmig oder elliptisch bis eiförmig mit glatten Rändern.
Generative Merkmale Die sehr unterschiedlich aufgebauten Blütenstände sind end- oder seitenständig, geschlossen, aufwendig verzweigt oder schwach bis nicht verzweigt und halten wenige bis viele Blüten, selten sind sie stark reduziert und enthalten annähernd nur eine bis wenige Blüten. Es sind meist Tragblätter, aber keine Deckblätter vorhanden. Es sind Blütenstiele vorhanden.
Die Blüten sind meist zwittrig; selten sind sie eingeschlechtig, dann sind die Pflanzenexemplare zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blüten sind radiärsymmetrisch und in der Regel fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blüten weisen Durchmesser von 5 bis 80 Millimetern auf. Die ringförmigen Blütenbecher (Hypanthium) sind bei Durchmessern von 3 bis 10 Millimetern tassen- bis untertassenförmig. Die fünf oft ungleichmäßigen und an den Rändern gelappten, grünen Kelchblätter sind aufrecht, ausgebreitet bis zurückgebogen und liegen schuppenförmig übereinander. Die meist fünf, selten mehr oder fehlenden, freien Kronblätter sind fast kreisförmig bis elliptisch, verkehrt-eiförmig oder spatelförmig. Die Farben der Kronblätter reichen von weiß über rosafarben bis hin zu rot.
Es sind 20 bis über 100 Staubblätter vorhanden, die kürzer bis länger als die Kronblätter sein können. Die dünnen Staubfäden sind unverwachsen. Die meist vielen freien fadenförmigen und glatten oder behaarten Fruchtblätter sitzen auf dem konvexen Blütenboden. Die Narben sind kopfig oder gespalten. Von den beiden Samenanlagen entwickelt sich meist nur eine.
Die umgangssprachlich als „Beere“ bezeichneten Früchte sind eigentlich Sammelsteinfrüchte aus meist 5 bis 100 (1 bis 150) Steinfrüchten. Die trockenen bis fleischigen, einsamigen Steinfrüchte sind bei einer Länge von 5 bis 20 Millimetern kugelig oder zylindrisch. Die Außenhaut der einzelnen Steinfrüchte (das Exokarp) ist schwarz, rot, orangefarben, gelb oder weiß, das Fruchtfleisch (Mesokarp) ist fleischig bzw. saftig und das Endokarp hart und fest. Die Steinfrüchte hängen zusammen, gelegentlich so lose, dass sie beim Abfallen (möglich mit oder ohne Fruchtboden) vereinzeln. An den Früchten sind meist, die dann zurückgekrümmten Kelchblätter und der Blütenbecher vorhanden. Die Samen haben eine dünne Samenschale und nur sehr wenig Endosperm.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7 und die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder ein Mehrfaches davon, bis hin zu 2n = 98.
Vorkommen Die Gattung Rubus ist annähernd weltweit verbreitet. Die Arten besiedelten ursprünglich offene Standorte sowie Wälder. Vereinzelt haben sich von Menschen verschleppte Arten zu invasiven Pflanzen entwickelt.
Systematik mini|Untergattung Anoplobatus: Zimt-Himbeere (Rubus odoratus): Illustration von Mary Vaux Walcott mini|Untergattung Chamaemorus: Rubus chamaemorus: Illustration aus Svensk Botanik, 1812 mini|Untergattung Cylactis: Allackerbeere (Rubus arcticus): Illustration mini|Untergattung Idaeobatus Rubus corchorifolius: Illustration aus Annin, Smith: American Medical Botany mini|Untergattung Idaeobatus: Rubus rosifolius: Illustration aus Flore des serres, Volume 17 mini|Untergattung Idaeobatus Pracht-Himbeere (Rubus spectabilis): Illustration mini|Untergattung Idaeobatus: Rubus occidentalis: Illustration
Etymologie Der Gattungsname Rubus ist die alte lateinische Bezeichnung der Brombeeren. Er leitet sich vermutlich von einer rekonstruierten indogermanischen Wurzel *reub- (reißen) ab, etwa in der Bedeutung von „Strauch, an dem man sich reißt“. Eine Ableitung vom lateinischen Wort ruber für „rot“ wird auch überlegt.
Äußere Systematik Die Gattung Rubus wird traditionell in die Tribus Potentilleae in der Unterfamilie Rosoideae innerhalb der Familie Rosaceae gestellt. D. Potter et al. haben sie 2007 bei ihrer Revision der Familie Rosaceae mit der Gattung Rosa ohne Zuordnung zu einer Tribus in die neue Supertribus Rosodae gestellt.
Botanische Geschichte Die Gattung wurde von Wilhelm Olbers Focke 1888 in drei große Untergattungen unterteilt, nämlich die Brombeeren (Rubus), Malachobatus und Idaeobatus, sowie einige weitere, meist artenarme oder monotypische Untergattungen; die Einteilung gilt aber insbesondere in Bezug auf die kleinen Untergattungen als stark revisionsbedürftig. Ohne die Arten der Untergattung Rubus umfasst die Gattung rund 250 Arten. Eine Übersicht über diese Untergattung mit den eigentlichen Brombeeren um die Sammelarten Echte Brombeere (Rubus fruticosus agg.) und Haselblatt-Brombeere (Rubus corylifolius agg.) gestaltet sich als sehr schwierig. Vor allem erstere, der Komplex Rubus fruticosus / Rubus caesius, eine Gruppe, die zu einem kleineren Anteil aus sich sexuell vermehrenden, diploiden und selbststerilen Arten, größtenteils jedoch aus apomiktisch sich reproduzierenden, polyploiden Arten hybriden Ursprungs zusammensetzt, erschwert eine Bearbeitung, denn die Untergattung umfasst mehrere Tausend Arten. Nach Heinrich Egon Weber 2005 sind alleine für Europa 2000 Arten oder Kleinarten beschrieben, in Deutschland existieren rund 400, damit machen sie mehr als 10 % aller Bedecktsamer der deutschen Flora aus.
Es gibt auch andere Gliederungen dieser Gattung.
Innere Systematik Nach molekulargenetischen Daten wurde durch Carter et al. 2019 die Gattung Rubus mit ihren etwa 500 Arten und vielen Naturhybriden in zwölf Untergattungen gegliedert. In dieser Arbeit zeigt sich, dass die meisten der dort aufgeführten Untergattungen nicht monophyletisch sind, also weitere Studien erforderlich sind, um die natürlichen Verwandtschaften zu klären.
Untergattung Anoplobatus : Rubus aboriginum Rubus aliceae Rubus deliciosus Rubus koehleri Rubus neomexicanus Zimt-Himbeere (Rubus odoratus ) Weiße Zimthimbeere (Rubus parviflorus ) Untergattung Chamaebatus : Rubus calycinus Rubus hayata-koidzumii Rubus nivalis Rubus pectinellus Untergattung Chamaemorus : Moltebeere (Rubus chamaemorus ) Rubus pseudochamaemorus Untergattung Comaropsis: Es gibt nur eine Art: Rubus geoides Untergattung Cylactis : Allackerbeere (Rubus arcticus ) Rubus fockeanus Rubus humulifolius Rubus lasiococcus Rubus pedatus Steinbeere (Rubus saxatilis ) Rubus sierrae Goldbeere (Rubus xanthocarpus ) Untergattung Diemenicus : Rubus gunnianus Untergattung Dalibardastrum : Rubus amphidasys Himalaja-Himbeere (Rubus nepalensis ) Rubus tricolor Rubus tsangiorum Untergattung Idaeobatus : Rubus acuminatissimus Rubus adenophorus (Syn.: Rubus sagatus ) Rubus alexeterius Rubus alpestris Rubus amabilis Rubus apetalus Rubus archboldianus Rubus aurantiacus Rubus biflorus Rubus chingii Rubus cockburnianus Rubus columellaris Rubus copelandii Rubus corchorifolius Rubus coreanus Rubus crataegifolius Rubus croceacanthus Rubus ellipticus Rubus eustephanos Rubus flosculosus Rubus fraxinifolius Rubus glabricarpus Rubus grayanus Rubus hawaiensis Rubus hirsutus Rubus hoffmeisterianus Rubus hypargyrus Himbeere (Rubus idaeus ) Erdbeer-Himbeere (Rubus illecebrosus ) Rubus innominatus Rubus inopertus Rubus irritans Rubus komarovii Rubus lasiostylus Oregon-Himbeere (Rubus leucodermis ) Rubus ludwigii Rubus lutescens Rubus macilentus Rubus macraei Rubus mesogaeus Rubus microphyllus Rubus minusculus Rubus niveus Schwarze Himbeere (Rubus occidentalis ) Rubus palmatus Rubus parvifolius Rubus peltatus Rubus pentagonus Japanische Weinbeere (Rubus phoenicolasius ) Rubus pileatus Rubus pinfaensis Rubus pinnatus Rubus probus Rubus pungens Rubus queenslandicus Rubus racemosus Rubus rigidus Rubus rosifolius Rubus sachalinensis Rubus simplex Pracht-Himbeere (Rubus spectabilis ) Rubus stans Amerikanische rote Himbeere (Rubus strigosus ) Rubus suavissimus Rubus subornatus Rubus sumatranus Rubus teledapos Rubus thibetanus Rubus trianthus Rubus trifidus Rubus vernus Untergattung Lampobatus : Rubus acanthophyllos Rubus adenothallus Rubus adenotrichos Rubus betonicifolius Rubus bogotensis Rubus briareus Rubus bullatus Rubus choachiensis Rubus coriaceus Rubus costaricanus Rubus eggersii Rubus eriocarpus Rubus fagifolius Rubus florulentus Rubus gachetensis Rubus giganteus Rubus glabratus Andenbrombeere (Rubus glaucus ) Rubus hondurensis Rubus imperialis Rubus irasuensis Rubus macvaughianus Rubus megalococcus Rubus nubigenus Rubus peruvianus Rubus roseus Rubus sapidus Rubus shankii Rubus trichomallus Rubus turquinensis Untergattung Malachobatus : Rubus acuminatus Rubus alceifolius Rubus assamensis Kletter-Himbeere (Rubus bambusarum ) Rubus buergeri Rubus chroosepalus Rubus chrysophyllus Rubus elongatus Rubus fairholmianus Rubus flagelliflorus Rubus fockei Rubus formosensis Rubus gardnerianus Rubus glomeratus Rubus henryi Rubus hunanensis Rubus ichangensis Rubus irenaeus Rubus kawakamii Rubus lambertianus Rubus lineatus Rubus moluccanus Rubus multibracteatus Rubus paniculatus Rubus parkeri Rubus pseudosieboldii Rubus pyrifolius Rubus rolfei Rubus rugosus Rubus setchuenensis Rubus sieboldii Rubus splendidissimus Rubus swinhoei Rubus tephrodes Rubus tiliaceus Rubus wardii Rubus xanthoneurus Untergattung Micranthobatus : Rubus australis Rubus cissoides Rubus moorei Rubus nebulosus Rubus parvus Rubus schmidelioides Rubus squarrosus h Untergattung Orobatus: Es gibt nur eine Art: Rubus loxensis Untergattung Rubus (Syn.: Subgenus Eubatus): Sie wird in etwa sechs Sektionen gegliedert: Sektion Allegheniensis: Allegheny-Brombeere (Rubus allegheniensis ) Rubus alumnus Rubus pennus Sektion Arguti: Rubus abactus Rubus andrewsianus Rubus argutus Rubus frondosus Rubus orarius