mini|Shampoo: Schaum in den Haaren Haarwaschmittel sind Produkte der chemischen Industrie, werden aber auch in naturnaher Form (Naturkosmetik) hergestellt. Sie sind meist cremig oder flüssig und in der Regel parfümiert. Neben der Reinigung und der Entfettung des Kopfhaars (durch den Einsatz von Tensiden) fördert ein Shampoo auch die Verbesserung der Kämmbarkeit und des Haarglanzes, hat aufbauende, festigende, manchmal eine erfrischende und andere positive Wirkungen, wie z. B. pH-Neutralität, verstärkte Entfettung oder geringere Schuppenbildung. Haarwaschmittel sind den Kosmetika und Körperpflegemitteln zuzurechnen.

Shampoo (Varianten: Shampoon, Schampon, Schampun, Schaumpon) ist eine häufige Bezeichnung für Haarwaschmittel. Das Wort geht über englisch shampoo [] zurück auf das Hindi-Wort चाँपो [], das sich ursprünglich auf eine Kopfmassage mit verschiedenen Pflanzenölen und Pflanzenpulvern bezog. Ähnlich lautende Begriffe gibt es auch in anderen nordindischen Sprachen.

Haarwaschmittel bilden heute zusammen mit Seife, Duschgel, Deodorant und Wasser den Kern der alltäglichen Körperhygiene vieler Menschen. Die „No-Poo“-Bewegung hingegen ist eng mit dem Umweltbewusstsein verbunden. Dabei wird die regelmäßige Verwendung von Shampoo abgelehnt.

Neben flüssigem Shampoo gibt es auch festes Shampoo und Haarseife. Festes Shampoo enthält weniger Wasser als flüssiges Shampoo und als zusätzlichen Bestandteil Stärke, das als Verdickungsmittel wirkt. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Shampoos in Plastikflaschen kann bei festen Shampoos auf eine Plastikverpackung oder andere aufwändige Verpackung verzichtet werden.

Geschichte mini|Flaschen mit Shampoo und Lotionen am Anfang des 20. Jahrhunderts (hergestellt von der C.L Hamilton Co. in Washington) Historisch wurde zunächst Wasser und gegebenenfalls gewöhnliche Seife für die Haarwäsche verwendet. Wegen ihres alkalischen pH-Wertes war sie für die Kopfhaut und die Augenschleimhaut jedoch wenig verträglich. Hinzu kam, dass Seife mit Calciumionen des Wassers Kalkseife bildete, die das Haar nach dem Waschen stumpf und glanzlos machte. Nach dem Waschen mit Seife wurde daher eine zweite Spülung mit verdünnter Essig- oder Zitronensäure vorgenommen.Wilfried Umbach: Kosmetik – Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1988.

Im 19. Jahrhundert kochten englische Friseure erste Haarwaschmittel aus Seifenflocken mit Wasser und Kräuterzusätzen, die dem Haar Glanz und Duft verliehen. Als frühester namentlich bekannter Hersteller von Shampoos gilt derzeit Kasey Hebert. „Shampooing“ wurde im deutschen Sprachraum seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eine Kopfwäsche mit Massage angeboten.Augsburger Postzeitung 1859, Nr. 89 v. 14. April, 8 Ab Mitte der 1870er Jahre gab es auch einschlägige „Shampooning“-Maschinen. Das Waschmittel bereiteten die Friseure meist selbst zu, üblicherweise als eine Mischung aus Eiern mit Rosenwasser und Parfüm. Für den Hausgebrauch entstanden parallel Shampoo-Pulver, Mixturen aus parfümiertem Seifenpulver mit Soda oder Borax. Der Begriff „Shampoo“ findet sich im deutschen Warenzeichenverzeichnis seit spätestens 1899. 1903 wurde „Ebert’s Shampoo Powder“ als Warenzeichen eines Pulvers „zum Shamponieren“ eingetragen.Deutscher Reichsanzeiger 1899, Nr. 36 v. 10. Februar, 8; Deutscher Reichsanzeiger 1903, Nr. 151 v. 30. Juni, 16 Nachhaltigen Erfolg hatte jedoch erst das im gleichen Jahr angebotene „Shampoon“ des Berliner Chemikers und Drogisten Hans Schwarzkopf. Es handelte sich um ein vorgefertigtes Pulver, ein Convenienceprodukt, das häuslich angewandt werden konnte und deutlich bessere Ergebnisse erzielte als das gängige Haarwaschen mit Seife oder Soda. 1927 entwickelte Schwarzkopf das erste flüssige Haarwaschmittel.E. Schulze zur Wiesche: Moderne Haarpflegemittel. In: Praxis der Naturwissenschaften, Chemie. Heft 6, 2006, S. 14.

1932 kamen als Ersatz für Seifen die Alkylsulfate auf den Markt. Sie sind weniger alkalisch und weniger härteempfindlich als Seifen. Bis in die 1960er Jahre wurden Haarwaschmittel als weißes Pulver in Papiertäschchen oder auch in Tuben als Creme verkauft („Schauma“ und „Trocken-Schaumpon“Die Bezeichnung „Schwarzkopf Trocken-Schaumpon“ ist spätestens 1926/1927 als Warenzeichen und in zeitgenössischer Werbung belegt. von Schwarzkopf, „Smyx“-Haarwaschmittel von Olivin-Wiesbaden).Hermann Römpp: Chemie des Alltags. 23. Auflage. Kosmos Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1976, S. 131.

Mit der Entwicklung der Alkylethersulfate in den 1960er Jahren gab es erstmals sehr gut hautverträgliche Produkte zur Haarreinigung. Zusammen mit der Entwicklung von Kunststoffen und Kunststoffverpackungsflaschen standen nun preiswerte und gute Haarpflegeprodukte für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung.

Im Zuge wachsenden Umweltbewusstseins wurde festes Shampoo entwickelt und zuerst von der Firma Lush 1988 patentiert. Neben dem Vorteil des Einsparens von Plastikmüll kann es außerdem ohne Konservierungsmittel hergestellt werden. Ab etwa 2010 gab es festes Shampoo zuerst in Unverpackt-Läden zu kaufen. Laut statistischem Bundesamt war der erste Höhepunkt des Verkaufs von 2017 auf 2018 mit einer Verdoppelung und 2019 mit einer Verdreifachung der Verkaufsmenge auf 10.500 Tonnen, Tendenz weiter wachsend.

Anwendung Bei der Anwendung werden ca. 10 g Shampoo (bei festem Shampoo weniger) im nassen Haar unter Reiben mit den Fingerspitzen auf der Kopfhaut verteilt, sodass sich ein feinblasiger Schaum bildet. Nach kurzer Einwirkungszeit wird mit warmem Wasser gründlich ausgespült. Das in den Talgdrüsen gebildete Hautfett und die aus den Schweißdrüsen mit Wasser austretenden anorganischen Salze, Aminosäuren, Harnstoff und Milchsäure, Hautpartikel, Umweltschmutz und gegebenenfalls Rückstände haarkosmetischer Behandlungen sollen so entfernt werden.

In Deutschland werden von Frauen im Mittel 2 bis 20 Gramm Shampoo pro Waschgang benutzt.Die Kosmetik-Riesen wissen genau, wie Sie duschen. Welt Online, 27. Juni 2014.

Produktanforderungen für Shampoos Je nach Verkaufspreis sind in einem Haarshampoo höherwertige Rohstoffe oder preiswerte Inhaltsstoffe enthalten. Ein Haarwaschmittel sollte folgende Anforderungen erfüllen: Gute Haarreinigungswirkung Unempfindlich gegen Wasserhärte Hautverträglichkeit Schaumvermögen Biologische Abbaubarkeit Gute Wirkung auf das Haar (Glätte, Glanz, pflegende Wirkung)

Zusammensetzung eines Haarwaschmittels mini|300px|Ungefähre Zusammensetzung eines Shampoos

Obwohl es „nur“ dem Reinigungszweck dient, ist ein Shampoo ein komplex aufgebautes, auf eine bestimmte Gruppe von Käufern zugeschnittenes Produkt. Es besteht aus ca. 10 bis 20, in Einzelfällen bis zu 30 Rezepturbestandteilen, die ihre Funktion in sehr unterschiedlicher Konzentration erfüllen. Neben Wasser bilden in der Regel die Waschrohstoffe den Hauptbestandteil. Sie sind für die Reinigung, die wesentliche Produktleistung, verantwortlich. Daneben bilden die so genannten Hilfs- bzw. Wirkstoffe die zweite und dritte Gruppe. In der Regel ist ein Shampoo aus folgenden Bestandteilen zusammengesetzt:

Wichtige Tenside im Shampoo Das Haupttensid ermöglicht die eigentliche Wirkung des Shampoos – die Reinigung des Haares. Tenside erhöhen die Löslichkeit von Schmutz- und Fettablagerungen im Haar in Wasser. Als waschaktive Substanzen (WAS) finden ausschließlich anionische, wie z. B. Alkylsulfate, Alkylethersulfate und amphotere Tenside Verwendung. Neben Wasser bilden die Tenside in der Regel den Hauptbestandteil des Shampoos.

Alkylsulfate Alkylsulfate waren die ersten synthetischen Shampoo-Tenside. Sie werden auch heute noch eingesetzt. Sie besitzen ein gutes Reinigungs- und Schaumbildungsvermögen. Ihre nachteiligen Eigenschaften, wie Empfindlichkeit gegen Wasserhärte, schlechte Kältelöslichkeit oder unvollkommene Hautverträglichkeit, können durch Mischung mit anderen Tensiden ausgeglichen werden. Alkylethersulfate Alkylethersulfate sind unempfindlich gegen Wasserhärte und auch hautverträglicher als Alkylsulfate. Häufig werden sie in Kombination mit Alkylethersulfaten, die aus zwei- oder dreifach ethoxyliertem Lauryl- und Myristylalkohol bestehen, eingesetzt. Alkylethercarboxylate Alkylethercarboxylate gehören zu den mildesten Tensiden. Ihr Schaumvermögen ist jedoch schlecht, daher werden sie in Kombination mit Alkylethersulfaten eingesetzt. Eiweiß-Fettkondensate Eiweiß-Fettkondensate haben sehr gute hautverträgliche und haarpflegende Eigenschaften, es wird jedoch mehr Konservierungsmittel benötigt. Sulfobernsteinsäureester Sulfobernsteinsäureester sind recht mild für die Haut und haben eine gut schäumende Wirkung. Alkylpolyglykoside Alkylpolyglycoside sind nichtionischen Waschrohstoffe ohne Polyoxyethylengruppen (Polyethergruppen). Sie sind besser hautverträglich als alle ionischen Tenside und besitzen günstige Tensideigenschaften.

Co-Tenside Ein Co-Tensid ergänzt die Effekte des Haupttensids. Durch den Einsatz von Co-Tensiden lässt sich die Konzentration des Haupttensides senken, wodurch die Gefahr von Überempfindlichkeiten beim Benutzer reduziert wird.

Filmbildner Filmbildner, oft aus der Gruppe der Polyquaternium-Verbindungen, bilden auf der Haaroberfläche eine zusammenhängende Schicht. Durch den kunststoffähnlichen Film soll das Haar geschützt und leichter kämmbar werden. Diese Substanzen bewirken jedoch auch, dass Shampoos auf Textilien kaum entfernbare Flecken hinterlassen können.

Silicone Manche Shampoos enthalten auch Silicone. Auf der Inhaltsstoffliste sind diese z. B. als Dimethicone, Dimethiconol, Amdimethicone gekennzeichnethttps://www.gesundheitsdienstportal.de/files/Kosmetika-Inhaltsstoffe-Funktionen.pdf. Silicone bilden einen dünnen Film auf der Oberfläche des Haares. Dieser Film reduziert die Nass- und Trockenkämmkraft, hält Feuchtigkeit und erhöht den Glanzhttps://www.dow.com/documents/27/27-1/27-1550-01-the-beauty-of-silicone-in-hair-care-application.pdf?iframe=true.

Parfümöle & Farbstoffe Diese Komponenten dienen nur der sensorischen Aufwertung des Produktes. Farb- und Duftstoffe sollen z. B. das Produkt für den Verbraucher attraktiver machen. Durch Kombination verschiedener Parfümöle sollen entweder in der Natur vorkommende Gerüche nachgeahmt oder neue Dufteffekte, sog. Phantasienoten, kreiert werden.H. Aebi, E. Baumgartner, H.P. Fiedler, G. Ohloff: Kosmetika, Riechstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1978.

Für den trübenden „Perlglanz“, der das einfallende Licht gut reflektiert, werden winzige Kristallplättchen aus Fettsäureestern (etwa wachsartiges Glyzerindistearat) und Fettsäurealkanolamiden eingesetzt.

Konservierungsmittel Bedingt durch den hohen Wassergehalt müssen Shampoos vor Befall durch Mikroorganismen geschützt werden. Das ist die Aufgabe der Konservierungsmittel bzw. Biozide. Bei spezieller Zusammensetzung (z. B. hoher Tensidgehalt) kann gegebenenfalls auf Konservierung verzichtet werden. Obwohl mittlerweile mikrobiologisch vorgeprüfte Roh-, Hilfs- und Wirkstoffe verwendet werden, wird den Herstellern empfohlen, antimikrobiell wirksame Stoffe zuzusetzen, sodass eine Veränderung der Kosmetika während der Lagerung ausgeschlossen und die Mindesthaltbarkeit eingehalten werden kann. Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt dagegen im kompletten Widerspruch: „Dabei Produkte mit antimikrobiell wirksamen Substanzen meiden“.

Zur Konservierung werden Harnstoff-Kondensate, p-Hydroxybenzoesäureester (Parabene), Phenoxyethanol, Methyldibromglutaronitril, Benzoesäure, Salicylsäure eingesetzt.

Früher wurde oft auf Formaldehyd als Konservierungsmittel zurückgegriffen. Da es aufgrund seines hautreizenden Potentials als nicht unbedenklich gilt und beim Verbraucher einen schlechten Ruf hat, wird immer häufiger darauf verzichtet. Es muss ab einer Konzentration von 0,05 % deklariert werden.

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