Als Affäre Hildebrand wird die Affäre um Devisentransaktionen in US-Dollar über ein Konto des damaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, bezeichnet.
Dies war bekannt geworden, weil ein Mitarbeiter der Bank Sarasin als Whistleblower Kundendaten von Hildebrand an den Rechtsanwalt und SVP-Kantonspolitiker Hermann Lei weiterleitete.NZZ Online.: Das Bindeglied zwischen Sarasin und Blocher. Lei gab die Unterlagen an SVP-Nationalrat Christoph Blocher und an den Journalisten Urs Paul Engeler von der Weltwoche weiter.Aargauer Zeitung: «Weltwoche» überprüft Vorwurf - zieht ihn vorerst aber nicht zurück
Kurspolitik der SNB Nachdem der Schweizer Franken als «Sichere-Hafen»-Währung im Sommer 2011 infolge der Eurokrise zunehmend an Stärke zugelegt hatte, wurde aus der Schweizer Tourismus- und Exportindustrie die Forderung nach einer fixen Untergrenze des Wechselkurses Franken-Euro laut. Am 6. September 2011 legte die Nationalbank einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro fest.Nationalbank legt Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro fest. Medienmitteilung der Schweizerischen Nationalbank vom 6. September 2011 (PDF-Datei; 57 kB) Video in: Schweizer Fernsehen vom 6. September 2011.
Ablauf der Affäre Hildebrand Am 3. Januar 2012 teilte die Bank Sarasin mit, dass Kundendaten von einem Mitarbeiter der Bank entwendet und unerlaubterweise an externe Dritte weitergegeben wurden. Beim geschädigten Kunden handelte es sich um die Familie des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand. Der Mitarbeiter, der im Bereich des IT-Supports tätig war, wurde entlassen. Er stellte sich der Polizei. Medienmitteilung vom 3. Januar 2012 (PDF-Datei; 40 kB) Die Bank Sarasin reichte auch gegen Dritte eine Strafanzeige ein.NZZ Online.: Bank Sarasin reicht auch gegen Dritte eine Strafanzeige ein. Privatbank prüft Schadenersatzforderung gegen die «Weltwoche». 6. Januar 2012. Am 13. Januar 2012 wurde eine Strafuntersuchung gegen Lei und den Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid wegen Widerhandlung gegen das Bankengesetz ( BankG) bzw. eine Teilnahme daran eingeleitet. Lei wurde zusätzlich die Verletzung des Berufsgeheimnisses vorgeworfen. Es fanden diverse Hausdurchsuchungen und Befragungen statt.Weitergabe vertraulicher Bankdaten: Ausweitung des Strafverfahrens. Medienmitteilung in: Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom 13. Januar 2012. In: Schweizer Fernsehen vom 13. Januar 2012.
Im Dezember 2011 bzw. Januar 2012 kam Hildebrand wegen Insiderhandelsvorwürfen, insbesondere wegen eines Devisenkaufs von 504'000 US-Dollar gegen Schweizer Franken seiner Frau Kashya Hildebrand im August 2011 über sein Konto – nach seinen Angaben ohne sein vorgängiges Wissen – im Vorfeld der Festlegung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Schweizer Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank im September 2011,SNB-Präsident: Massnahme kann mit grossen Kosten verbunden sein. Video in: Schweizer Fernsehen vom 6. September 2011 stark unter Druck.
Hermann Lei spielte die Kontounterlagen der Bank Sarasin dem Nationalrat Christoph Blocher zu.Aargauer Zeitung: So kam Christoph Blocher zu Hildebrands Kontodaten, 7. Januar 2012. Blocher informierte zunächst den Bundesrat als Kontrollbehörde der SNB über die Transaktionen, daraufhin beauftragte der Bankrat die Revisionsstelle PricewaterhouseCoopers (PWC) mit der Untersuchung der Banktransaktionen der Familie Hildebrand im Jahr 2011. PWC kam zum Schluss, dass kein Verstoss gegen das Reglement über Eigengeschäfte mit Finanzinstrumenten vorliege und dass alle Transaktionen regelkonform getätigt worden seien.SNB veröffentlicht internes Reglement über Eigengeschäfte und Prüfungsbericht von PWC. Medienmitteilung vom 4. Januar 2012 (PDF-Datei; 4,5 MB)Finanztransaktionen der Familie Hildebrand und Ereignisse der letzten Tage. Medienkonferenz des Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand vom 5. Januar 2012 (PDF-Datei; 88 kB) Video in: 10vor10, Schweizer Fernsehen vom 5. Januar 2012 (9 Minuten) Nach einer Darstellung durch Urs Paul Engeler in der Wochenzeitung Die Weltwoche soll Philipp Hildebrand die umstrittenen Devisengeschäfte selbst in Auftrag gegeben haben. Hildebrand bestritt diese Vorwürfe.Neue Zürcher Zeitung: «Ich halte am Begriff Lügner fest», 7. Januar 2012. Die Unterlagen bekam die Weltwoche durch Hermann Lei. In: Blick. vom 9. Januar 2012.
Am 9. Januar 2012 gab die Schweizerische Nationalbank bekannt, dass Hildebrand sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stellt. In der folgenden Pressekonferenz begründete Hildebrand seinen Rücktritt damit, dass er «in Anbetracht der andauernden öffentlichen Debatte rund um diese Finanztransaktionen, nach gründlicher Prüfung der gesamten Dokumentation und eingehendem Nachdenken seit der Medienkonferenz» zum Schluss gekommen sei, dass «es nicht möglich ist, einen abschliessenden Beweis zu liefern, dass meine Frau ohne mein Wissen die Devisentransaktion am 15. August veranlasst hat.» Er bekräftigte die Aussage mit einem Ehrenwort.Erklärung von Philipp M. Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, zu seinem Rücktritt. Vom 9. Januar 2012 (PDF-Datei; 1,6 MB) Mit seinem Rücktritt veröffentlichte er auch neue Dokumente, die ihn schwer belasteten. Gemäss den Dokumenten gab Hildebrand – „um von den gegenwärtigen tiefen Preisen zu profitieren“ – sein grundsätzliches Einverständnis für Dollartransaktionen seiner Frau im Vorfeld des umstrittenen Dollar-Kaufs vom August 2011, ordnete ihn aber nicht an.Neue Bankunterlagen belasten Philipp Hildebrand. In: Neue Zürcher Zeitung. vom 10. Januar 2012.Über dieses E-Mail stolperte Hildebrand. In: 20 Minuten. vom 9. Januar 2012.Marcel Gyr: Der verschlungene Weg einer verhängnisvollen E-Mail. In: Neue Zürcher Zeitung. vom 14. März 2012.
Den Vorsitz des Direktoriums der SNB übernahm interimistisch Vizepräsident Thomas Jordan., Website der Financial Times Deutschland, 9. Januar 2012, abgerufen am 12. Januar 2012.
Im Januar 2012 beauftragte der Bankrat der SNB die Revisionsgesellschaft KPMG Schweiz mit der Durchsicht und Analyse aller noch nicht in der Öffentlichkeit bekannten und bereits geprüften Finanztransaktionen von Philipp Hildebrand und aller Mitglieder des Erweiterten Direktoriums sowie deren Angehörigen (ausgenommen von Kashya Hildebrand) der SNB für den Zeitraum von 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2011. KPMG Schweiz publizierte ihren Prüfungsbericht am 7. März 2012. KPMG fand keine Reglementsverletzungen.Marcel Gyr: Keine heiklen Finanzgeschäfte. In: Neue Zürcher Zeitung. vom 8. März 2012.Finanztransaktionen des Nationalbank-Direktoriums: KPMG legt Prüfbericht vor. In: Schweizerische Nationalbank vom 7. März 2012 (PDF-Datei; 97 kB) ( Mitte März 2012 weitete die Nationalbank den Prüfungsauftrag auf die Konten von Ehefrau Kashya Hildebrand aus.Konten von Kashya Hildebrand unter der Lupe. In: NZZ Online. vom 15. März 2012. Am 25. April 2012 folgte das Resultat der Prüfung der Privat- und Geschäftskonti von Kashya Hildebrand. Die Überprüfung umfasste alle Devisentransaktionen ab 20'000 Franken und alle übrigen Transaktionen ab 100'000 Franken im Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis Ende Dezember 2011. Es wurden keine Reglementsverletzungen festgestellt.Kashya Hildebrand hat keine Regeln verletzt. In: NZZ Online. vom 25. April 2012.Finanztransaktionen Kashya Hildebrand: Überprüfungsergebnis liegt vor. Medienmitteilung vom 25. April 2012 (PDF-Datei; 8,1 MB)
Am 17. Februar 2012 gab Bankrats-Präsident der SNB Hansueli Raggenbass bekannt, dass er im Frühjahr 2012 zum Ende seiner Amtsdauer 2008 bis 2012 nicht mehr zur Wahl antrete. Raggenbass war wegen seines Krisenmanagements unter Druck geraten.Bankratspräsident Raggenbass tritt nicht mehr an. In: NZZ Online. vom 17. Februar 2012.Bankrat der Nationalbank: Sämtliche Arbeiten auf Kurs – Dr. Hansueli Raggenbass kandidiert nicht mehr für das Bankratspräsidium. In: Schweizerische Nationalbank vom 17. Februar 2012 (PDF-Datei; 63 kB)
Am 12. März 2012 verabschiedete der Bankrat der Nationalbank ein neues Reglement für Eigengeschäfte von Mitgliedern der Bankleitung. Dies geschah, nachdem das bishergehende Reglement als zu lasch kritisiert wurde. Das verschärfte Reglement trat auf den 1. Mai 2012 in Kraft.Nationalbank verschärft Anlageregeln für Direktoren. In: NZZ Online. vom 13. März 2012.Der Bankrat der Nationalbank verabschiedet neues Reglement für Eigengeschäfte von Mitgliedern der Bankleitung. In: Schweizerische Nationalbank vom 12. März 2012 (PDF-Datei; 792 kB)