mini|GW-Nachschub Gerätewagen (GW) sind in Deutschland spezielle Fahrzeuge der Hilfsorganisationen, die dafür ausgelegt sind, umfangreiches Gerät für ein Aufgabenfeld an Einsatzstellen zu bringen. Sie unterscheiden sich heute von den Rüstwagen dadurch, dass sie im Wesentlichen dem Transport des Gerätes dienen, während im Rüstwagen auch festeingebaute Geräte (Stromerzeuger, Seilwinde) vorhanden sind; außerdem sind Rüstwagen mit Allradantrieb ausgestattet. Als weiterer Unterschied kommt hinzu, dass Rüstwagen im Regelfall mit einer Truppkabine (0/1/1/2 bzw. 0/1/2/3) ausgestattet sind, während Gerätewagen über Kabinen in Staffel- oder Gruppengröße (0/1/5/6 oder 0/1/8/9) verfügen können. Die transportierten Geräte unterscheiden sich je nach Aufgabe des Fahrzeugs. Häufig handelt es sich um Geräte für spezielle Aufgaben wie etwa die Ölschadensbekämpfung, die nicht oder in deutlich geringerem Umfang auf anderen Fahrzeugen mitgeführt werden.
Aus wirtschaftlichen Gründen werden, vor allem in neuerer Zeit, von einigen Feuerwehren statt Gerätewagen ein Wechselladerfahrzeug und entsprechende Abrollbehälter beschafft. Trotz der sprachlichen Ähnlichkeit sind Gerätewagen nicht mit den Gerätekraftwagen (GKW) zu verwechseln, die anderen Normen und Zielsetzungen unterliegen.
Hintergrund Gerätewagen entstanden vor einigen Jahren als die Aufgabenbereiche der Hilfsorganisationen immer umfangreicher wurden und die nötigen Geräte in diesem Umfang auf anderen Fahrzeugen nicht mehr vorhanden waren.
Haupteinsatzgebiete von Gerätewagen Gerätewagen finden sich in einer Vielzahl von Typen, die häufig entweder nicht oder von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich genormt sind. Dadurch ergibt sich eine regional höchst unterschiedliche Ausstattung, womit Fahrzeuge unter Umständen nur schwer vergleichbar sind, obwohl sie die gleiche Bezeichnung führen oder umgekehrt, dass sie mit unterschiedlichen Namen ähnliche Aufgaben erfüllen. Zudem werden vergleichbare Fahrzeuge auch von verschiedenen Organisationen (Feuerwehr, Hilfsorganisationen) mit teils unterschiedlichen Schwerpunkten beschafft. Die Liste ist eine beispielhafte, nicht abschließende Auflistung mit den weitverbreitetsten Bezeichnungen:
Atemschutz/Strahlenschutz
Beispiel: Gerätewagen Atemschutz (GW-A) Gerätewagen Atemschutz/Strahlenschutz (GW-A/S)Bayerisches Staatsministerium des Inneren (2003): Technische Beschreibung für einen Gerätewagen Atem-/Strahlenschutz (GW A/S) Gerätewagen Strahlenschutz (GW-S) Gerätewagen Analytische Task Force (GW-ATF)
Behandlung/Betreuung
Beispiel: Gerätewagen Sanität (GW-San) (Für mehr Informationen siehe dort) Gerätewagen Behandlung (GW-Beh) Gerätewagen Massenanfall von Verletzten (GW-MANV) Gerätewagen Rettungsdienst (GW-RD) Gerätewagen Rettung (GW-Rett) Gerätewagen Betreuung (GW-Bt)
Logistik
Beispiel: Gerätewagen Logistik (GW-L) Gerätewagen Nachschub (GW-N) Mehrzweckfahrzeug Gerätewagen Zusatzbeladung (GW-Z) (nach technischer Weisung in Niedersachsen) Versorgungs-LKW (V-LKW) (nach technischer Weisung in Bayern) Gerätewagen Transport (GW-Trsp oder teils auch GW-T) Erlass des Innenministeriums vom 9. Februar 2006
Umweltschutz/Gefahrgut/Messtechnik Gerätewagen Gefahrgut (GW-G) Gerätewagen Umwelt (GW-U) Gerätewagen Umweltschutz (GW-U) Gerätewagen Öl (GW-Öl) Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess) / Strahlenspürtrupp (GW-StrSpTr) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Dekontamination Personal (GW Dekon P) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert)
Spezielle Einsatzzwecke Gerätewagen Höhenrettung (GW-H oder GW-SRHT) Gerätewagen Licht (GW-Licht) Gerätewagen Rettungshundestaffel (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Tauchen (GW-Tauchen oder GW-T) oder Taucheinsatzfahrzeug (TEF) Gerätewagen Technik (GW-Technik oder teils auch GW-T) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Tierrettung (GW-Tier) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Tragkraftspritze (GW-TS) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Verpflegung (GW-V) (wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert) Gerätewagen Wasserrettung (GW-W)
Normierung Bei den Gerätewagen sind derzeit der Gerätewagen Gefahrgut und der Gerätewagen Logistik (letzterer in zwei Baugrößen) DIN-genormt; der GW-Z wird in Niedersachsen nach technischer Weisung hergestellt und kann somit für das Land als genormt angesehen werden. Vergleichbare landesrechtliche Normungen gibt es beispielsweise für den Gerätewagen Tragkraftspritze und Gerätewagen Atemschutz in Rheinland-Pfalz, dem Gerätewagen Atemschutz/Strahlenschutz in Bayern.
Normengeschichte Nur ein kleiner Teil der Gerätewagen war und ist genormt. Die Normen für die meisten Typen wurden zurückgezogen. Der Gerätewagen Logistik 1 ersetzt wegen seiner Sonderbeladung den Gerätewagen Gefahrgut 1, der Gerätewagen Logistik 2 den Gerätewagen Gefahrgut 2 und den Schlauchwagen 2000 mit Truppbesatzung (SW 2000-Tr). Viele Länder haben eigene Vorschriften für Gerätewagen herausgebracht. Die Norm nennt aber beispielhaft weitere Typen von Gerätewagen.
+ Normfahrzeuge (DIN-genormt)FahrzeugNorm (DIN)Ausgabe vonzurückgezogenGerätewagen14555 Blatt 10197430. Mai 1990Geräte- und Rüstwagen14555 Blatt 1Oktober 2003.Rüstwagen14555 Blatt 3Mai 2007.Rüstwagen (Norm-Entwurf)14555 Blatt 3März 2016.Gerätewagen Gefahrgut14555 Blatt 12April 2005April 2015Gerätewagen Gefahrgut14555 Blatt 12April 2015.Gerätewagen Gefahrgut 114555 Blatt 13April 1992Oktober 1997Gerätewagen Gefahrgut 114555 Blatt 14Oktober 1997April 2005Gerätewagen Gefahrgut 214555 Blatt 12Oktober 1990Oktober 1997Gerätewagen Gefahrgut 214555 Blatt 13Oktober 1997April 2005Gerätewagen Gefahrgut 314555 Blatt 12Oktober 1997April 2005Gerätewagen Logistik 114555 Blatt 21Mai 2013.Gerätewagen Logistik 214555 Blatt 22Mai 2013.Gerätewagen Öl14555 Blatt 11August 197830. Mai 1990
+ Fahrzeuge nach LändervorschriftLandFahrzeugAusgabe vonzurückgezogenBaden-WürttembergRüstwagen-Säure1970erzurückgezogenBaden-WürttembergGerätewagen-Transport2006.BayernGerätewagen Atemschutz/Strahlenschutz?.BayernGerätewagen Gefahrgut (Bayern)19882005BayernVersorgungs-LKW?.NiedersachsenGerätewagen mit Sonderausrüstung für den Einsatz bei Schadensfällen mit gefährlichen Stoffen?.NiedersachsenGerätewagen mit Zusatzbeladung2002.Nordrhein-WestfalenGerätewagen Gefahrgut (3,5 t, NRW)1989.Rheinland-PfalzGerätewagen Atemschutz?.Rheinland-PfalzGerätewagen Gefahrgut (RP)?.Rheinland-PfalzGerätewagen Tragkraftspritze?.SachsenGerätewagen Gefahrgut (3,5 t, Sachsen)1993zurückgezogen
mini|GW-G der Feuerwehr Saarlouis Gerätewagen Gefahrgut Der Gerätewagen Gefahrgut (GW-G) dient unter anderem zur Bereitstellung der Geräte zum Messen/Nachweisen, Auffangen, Umfüllen und Abdichten von Gefahrgütern bzw. -stoffen sowie der Mitführung persönlicher Sonderausrüstung einer Gruppe für den ABC-Dienst. Der Gerätewagen Gefahrgut ist meist in Form von LKW in Kastenbauweise realisiert. Er ist nach DIN 14555-12 genormt.Normübersichtsseite für einen GW-G auf din.de Seine maximal zulässige Gesamtmasse beträgt laut dieser aktuellen Normfassung von 2015 16 Tonnen. mini|GW-G Der Gerätewagen Gefahrgut wurde anstelle des Gerätewagens Öl genormt, da der Anteil von Gefahrgutunfällen mit anderen Stoffen als Mineralöl ständig zunahm. Es waren zuletzt drei Baugrößen genormt: In den Jahren 1997 bis 2005 waren die Typen Gerätewagen Gefahrgut 1 (GW-G1 nach DIN 14555-14), Gerätewagen Gefahrgut 2 (GW-G2 nach DIN 14555-13) und Gerätewagen Gefahrgut 3 (GW-G3 nach DIN 14555-12) genormt. Seit dem Jahr 2005 ist nur noch ein (großer) Fahrzeugtyp namens „Gerätewagen Gefahrgut“ genormt; die Aufgaben eines GW-G1 können mittels des Gerätesatzes Gefahrgut (nach Normentwurf DIN 14800-19)Status des Normentwurfs für einen Gerätesatz Gefahrgut auf din.de zum Beispiel von einem Gerätewagen Logistik übernommen werden. Insbesondere bei Fahrzeugen, die der DIN-Norm nicht entsprechen, finden sich auch die Bezeichnungen Gerätewagen Umwelt oder Gerätewagen Umweltschutz (GW-U). Der GW-G rückt normalerweise im Gefahrstoffzug aus.
In der Schweiz werden derartige Fahrzeuge teilweise auch als Chemiewehrrüstfahrzeug bezeichnet.Kanton Basel-Stadt: Chemiewehrrüstfahrzeug.
Gerätewagen Gefahrgut nach Landesvorschrift Mehrere Länder haben schon vor der Normung eigene Richtlinien zum Bau erlassen.
Baden-Württemberg In Baden-Württemberg gab es seit den 1970er Jahren den Rüstwagen-Säure, der allerdings nicht weit verbreitet war. Er führte Schutzkleidung und Auffanggeräte mit. Die Vorschrift wurde zurückgezogen.
Bayern In Bayern wurde im Jahr 1988 eine Baurichtlinie erlassen, die ein zulässiges Gesamtgewicht von 12 t vorsieht. Mit Einführung des neuen GW-G nach DIN 14555-12 im Jahr 2005 wurde die Baurichtlinie zurückgezogen.
Seit 2022 wird ein GW-TS gefördert, als Nachfolger eines TSA.
Niedersachsen Die Technische Weisung Nr. 12 des Landes Niedersachsen beschreibt einen Gerätewagen mit Sonderausrüstung für den Einsatz bei Schadensfällen mit gefährlichen Stoffen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 t und einer Besatzung von 0/1/2/3. Dieser wird im Fachzug Gefahrgut eingesetzt. In Niedersachsen sind aber auch GW-G nach DIN verbreitet.
mini|GW-G Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen In Nordrhein-Westfalen gibt es seit dem Jahr 1989 einen GW-G mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t und einer Besatzung von 0/1/1/2.
Rheinland-Pfalz Zu den Gefahrgutzügen des Landes Rheinland-Pfalz gehört ein GW-G nach Technischer Richtlinie 1 (GW-G1 (RP)) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 t und einer Besatzung von 0/1/2/3.
Seit 2016 wird ein GW-TS gefördert, als Nachfolger eines TSA
Sachsen In Sachsen galt seit 1993 bis vor wenigen Jahren eine Verwaltungsvorschrift für einen 3,5-Tonner-GW-G (GW-G3,5).
Gerätewagen Logistik mini|Gerätewagen Logistik 1 Der Gerätewagen Logistik (GW-L1 bzw. GW-L2) ist ein Fahrzeug zum Transport von Material, das zum Bewältigen verschiedener Einsatzlagen benötigt wird. Es ist in zwei Größen seit April 2005 genormt. Zwischenzeitlich wurde zur Anpassung an die Abgasbestimmungen und wegen einer besseren Achslastverteilung in der Norm eine Anpassung der Längen vorgenommen. Aufgaben des GW-L sind die Einsatzstellenversorgung mit Geräten und Materialien, die Beseitigung von Gefahrgut mit dem Modul „Gefahrgut“ und die Löschwasserversorgung mit dem Modul „Wasserversorgung“ (nur für GW-L2, Ersatz des Schlauchwagens 2000 mit Truppbesatzung).Zawadke, Brandschutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung, 2/2004, S. 132f.
Der Gerätewagen Logistik 1 besitzt ein handelsübliches Fahrgestell der Kraftfahrzeuggewichtsklasse „Leicht“ mit Straßenantrieb und möglichst Differentialsperre und eine Ladefläche mit Plane oder einem Kofferaufbau. Seine zulässige Gesamtmasse soll nach Norm maximal 7,5 Tonnen betragen. Die Nutzlast des Fahrzeuges muss mindestens 2.000 kg betragen. Am Heck des Fahrzeuges muss eine Ladebordwand mit einer Mindestnutzlast von 750 Kilogramm vorhanden sein. Auf der Ladefläche müssen zudem mindestens vier Rollcontainer oder Gitterboxen transportiert werden können. Die Besatzung besteht entweder aus einem Trupp oder einer Staffel.
Das Land Baden-Württemberg hat per Verwaltungsvorschrift einen flexibel auszugestaltenden Gerätewagen-Transport (GW-T) definiert.
Der Versorgungslastkraftwagen (V-LKW) ist ein in Bayern per Baurichtlinie genormter Gerätewagen, welcher in seinen Aufgaben den Gerätewagen Logistik ähnelt, aber durchwegs Staffelbesatzung besitzt und sich in der Beladung leicht vom GW-L1 unterscheidet.Technische Baurichtlinie des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren für einen V-LKW. Sein maximal zulässiges Gesamtgewicht beträgt 14 Tonnen. Mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug-Logistik wurde zudem eine Brücke zwischen Norm-TSF und GW-L1 bzw. V-LKW geschlagen.
mini|Gerätewagen Logistik 2
mini|Gerätewagen Logistik der Feuerwehr Bretten