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mini|400px|Dießener Marienmünster vom König-Ludwig-Weg gesehen

Ensembles Ensemble Kloster Augustiner-Chorherrenstift Dießen

mini|J. M. Söckler: Diessen um 1755

Der Komplex des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes Dießen liegt auf einer nach Osten abfallenden Anhöhe oberhalb des gleichnamigen Marktes. Nördlich bzw. nordwestlich führen Straßen am Klosterareal vorbei nach Wengen bzw. nach Landsberg. Durch die exponierte Lage auf der über dem Seebecken aufgehenden Anhöhe wirkt das Kloster mit seiner Kirche weit in die umgebende Landschaft hinaus. Auch bildet es über den See hinweg einen optischen Bezugspunkt zum Kloster Andechs, das sich hoch über dem östlichen Ufer erhebt. Mit Andechs war das Dießener Kloster durch die Stifterfamilie des Grafen von Dießen und Andechs-Meranien seit Anbeginn aufs engste verbunden. Die Gründung der beiden landschaftlich dominanten Baukomplexe drückt deren territoriale beherrschende Stellung aus.

Die Anlage des Dießener Klosters fällt in die Zeit um 1110/20, als die Grafen von Dießen das in St. Georgen bestehende Kloster der Augustiner an die Anhöhe über dem Seebecken verlegten, wo bereits eine ältere Niederlassung von Kanonissen bestand. Während das Frauenkloster bereits im 14. Jahrhundert erlosch, hatte das Augustiner-Chorherrenstift bis zur Säkularisation Bestand.

Aus der Klosteranlage des 12. Jahrhunderts entwickelte sich im Laufe des Spätmittelalters ein umfangreicher Komplex von verschiedenen Kloster- und Ökonomiebauten, deren geordnete Neuerrichtung nach einem den Bau- und Raumvorstellungen des 17. Jahrhunderts entsprechenden Plan bereits unter Propst Simon Wörle um 1620/30 eingeleitet wurde. Die Bauarbeiten wurden durch die in der Gegend verheerenden Einwirkungen des Dreißigjährigen Krieges unterbrochen und konnten erst nach 1673 unter Propst Renatus Sonntag wieder aufgenommen werden. Sonntag beauftragt vermutlich den Vorarlberger Baumeister Michael Thumb mit einer neuen, umfangreichen Planung zur Erweiterung bzw. teilweisen Neuerrichtung des Klosters und sicher auch der Klosterkirche, wobei die Baufluchten der im frühen 17. Jahrhundert errichteten Neubauten einzuhalten waren. Während Thumb den Konvent südlich der alten Kirche als regelmäßigen Komplex um geschlossene Innenhöfe erweiterte, blieben ältere bauliche Vorgaben bestimmend für die leichte Asymmetrie der Fluchten, mit denen sich die Ökonomiebauten um den nach Westen vor Kloster und Klosterkirche gelegten Wirtschaftshof gruppierten. mini|Wening: Stich des Dießener Klosters Mit dem Bau der neuen Klosterkirche zwischen 1720 und 1728 und deren Fortführung und Vollendung unter Johann Michael Fischer zwischen 1732 und 1740/42 erhielt der Klosterkomplex einen neuen dominanten Mittelpunkt. Das unter Propst Herkulan Karg fertiggestellte Kirchengebäude, an dem neben Fischer zunächst die Brüder Asam, dann François Cuvilliés planend mitwirkten, zählt mit seiner äußerst qualitätvollen Ausstattung zu den besten baulichen Leistungen des barocken Kirchenbaus in Süddeutschland.

Nach der Säkularisation und Aufhebung des Stiftes kam es in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu zahlreichen Abbrüchen, die nicht nur den Wirtschaftshof, sondern auch die Konventbauten betrafen; auch die Gartenanlagen wurden verändert.

1867 übernahm der Orden der Dominikanerinnen einige der ehemaligen Wirtschaftsgebäude und errichtete im nordwestlichen Teil des Wirtschaftshofes das Kloster St. Joseph sowie eine Mädchen-Volksschule, was zu Veränderungen und Umbauten in diesem Teil des Klosterareals führte. Nach Wiederbesetzung der alten Konventsbauten südlich der Kirche im Jahr 1917 durch die Barmherzigen Schwestern aus Augsburg wurde 1934 ein Teil des nach der Säkularisation demolierten Kloster-Westflügels durch Michael Kurz wieder aufgebaut.

1978/79 baute Josef Wiedemann den 1627 errichteten Getreidekasten nördlich neben der Klosterkirche als Pfarrzentrum und neue Winterkirche St. Stephan aus und errichtete östlich hinter diesem Bau einen neuen Pfarrhof. 1986 wurde der Turm der Kirche neu gebaut.

Den Mittelpunkt der einstigen Klosteranlage bildet die ehemalige Klosterkirche Mariae Himmelfahrt mit ihrer nach Westen gerichteten Schaufassade; südlich schließt sich der dreigeschossig umbaute Konventhof an, nördlich begrenzt der fluchtgleich mit der Kirche errichtete einstige Getreidekasten den Klosterhof. Die nördliche Hofbegrenzung ist durch den im Kern noch in spätmittelalterliche Zeit zurückgehenden, kurz nach 1762/63 (Dendrochronologie|dendrochronologisch datiert) wohl unter Johann Michael Fischer überformten Taubenturm gekennzeichnet; westlich neben dem Turm, der die Hauptzufahrt zum Klosterhof bildete, steht ein kleiner Wirtschaftsbau mit Satteldach, errichtet 1628 als Wagenremise des Klosters. Der heute als „Scheffler-Stadel“ bezeichnete Bau stellt als letztes erhaltenes Ökonomiegebäude der Nordseite ein wichtiges Zeugnis für die Art und Maßstäblichkeit der einstigen Umbauung des Klosterhofes dar (Klosterhof 6). Im Nordwesten verwischten die Zubauten des Dominikanerinnenklosters St. Joseph die einstige Bauflucht, doch waren in diesem Klosterkomplex ebenfalls frühere Wirtschaftsbauten des Augustiner-Chorherrenstiftes mit barocker Bausubstanz integriert. Der Komplex wurde 1994 abgebrochen und durch einen Schul-Erweiterungsbau ersetzt, mit dem die Nord-West-Ecke des Klosterareals geschlossen wird. Die ursprüngliche westliche Bebauung des alten Hofes ist vollständig verschwunden. Durch die Parzellierung in fünf Grundstücke (Fl.-Nr. 1682/6, 1682/7, 1682, 1681, 1682/8) und deren offene Neubebauung mit kleinen Einfamilienhäusern ist hier eine neue städtebauliche Situation entstanden, doch bilden die Hecken und Umzäunungen der Grundstücke einen Sichtschutz, so dass der Bereich des alten Klosterhofes auch nach Westen durch die heutigen Wegeführungen nachvollziehbar bleibt. mini|Marienmünster Westfassade Eine weitgehend geschlossene, noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende Bebauung begrenzt dagegen die Südseite des Hofes. Hier erheben sich die Bauten der einstigen Klostermühle, der Bäckerei und weiterer betrieblicher Einrichtungen des ehemaligen Chorherrenstiftes (Klosterhof 22). Die Erlebbarkeit des ländlich weiten, einst mit einem Brunnen in seiner Mitte akzentuierten Klosterhofes ist durch spätere Bepflanzung und Umgestaltung beeinträchtigt.

Außerhalb vor der um Höfe gruppierten geschlossenen Klosteranlage liegen im Norden die einstige zum Kloster gehörende Tavernwirtschaft (Hofmarkstraße 28), im Südwesten wird der Mühlbach für die einstigen klostereigenen Mühlen durch die Wiesen geleitet, und im Süden dehnen sich die früheren klösterlichen Gartenanlagen (Fl.-Nr. 1662) mit einem spätbarocken Gartenhaus (Klosterhof 20) sowie einem Obstgarten, der bereits im 18. Jahrhundert an gleicher Stelle bestand (Fl.-Nr. 1660). Die Gartenanlage um den Tobel des Mühlbachs (Fl.-Nr. 1666/2 und 1659) ist im Laufe des 19. Jahrhunderts im landschaftlichen Stil umgestaltet worden. Unterhalb des Klosters wird der Mühlbach über eine Schleuse geleitet.

Östlich hinter Konvent und Kloster liegt eine sich bis zur Hangkante erstreckende und von dieser begrenzte Grünfläche (Fl.-Nr. 1658, 1656, 1651). Hier stand im Südteil das einstige Kloster der Kanonissen mit der im 17. Jahrhundert abgegangenen Kirche St. Stephan (mit wichtigen Bodenfunden ist hier zu rechnen). Im 17./18. Jahrhundert war der Bereich als barocke Gartenanlage mit regelmäßigem Wegesystem angelegt. Heute besteht hier ein Obstgarten, der als Freifläche den Klosterbauten vorgelegt, diese in ihrer Monumentalität unterstreicht.

Obwohl die Bausubstanz im Bereich des Wirtschaftshofes und die zum Kloster gehörenden gärtnerischen Anlagen im Süden und Osten zahlreiche Veränderungen bzw. Verluste erfahren haben, ist der gesamte Klosterbereich mit den ihn umgebenden Freiflächen als bauliches Ensemble erfahr- und nachvollziehbar, es umschließt auch die zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift gehörenden Freiflächen und wirtschaftlichen Anlagen.

Aktennummer: E-1-81-114-1

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Anmerkungen

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Literatur

Weblinks

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