Johann Kaspar Riesbeck, auch Risbeck(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 3/Anm.: oder ähnlich (getauft 12. Januar 1754 in Höchst am Main, KurmainzFaksimile des Taufregisters bei Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 28 ().; † 8. Februar 1786 in Aarau, SchweizFaksimile des Sterberegisters bei Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 29 ().), war ein deutscher Schriftsteller. Seine in der Alten Eidgenossenschaft veröffentlichten Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland fanden am Vorabend der Französischen Revolution europaweit Beachtung.
Leben und Werk mini|Namenszug Riesbecks.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, neben S. 26.
Das Meiste, was über Riesbeck bekannt ist, findet sich in einem 54-seitigen Nachruf, den Johann Pezzl (1756–1823) – damals Vorleser und Sekretär des kaiserlich-königlichen Staatskanzlers KaunitzPezzl an Johann Heinrich Heidegger, Wien, 30. April 1785, Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, V 307.23, Nr. 2. – zwei Monate nach dem Tod des Freundes veröffentlichte.
Ein angebliches Riesbeck-PorträtJohann Kaspar Lavater: Physiognomische Fragmente. 3. Band, Winterthur 1787, S. 282 f., Abb. LXXXVIII; Leo Weisz: Johann Kaspar Risbeck (…) In: Die Redaktoren der Neuen Zürcher Zeitung (…) Zürich 1961, S. 35–45, hier: S. 35; Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, neben S. 26. Das Original befindet sich in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. zeigt in Wirklichkeit Johann Kaspar Häfeli.Der Dargestellte hat keine wie Riesbeck – laut (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 50 – und war anders als dieser wortkarg (Lavater).
Riesbecks Vater Johann Melchior (1707–1761) war laut Pezzl .(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 6. Er kam aus Soden bei Salmünster (Fürstabtei Fulda) und war der Sohn eines Tirolers. Die Mutter Maria Katharina geborene Schindling (1717–1777) stammte aus Höchst. Riesbeck hatte sieben Geschwister, von denen aber nur Maria Anna (1751–1807) das Erwachsenenalter erreichte. Mit sieben Jahren verlor er den Vater, den man gerade zum Bürgermeister vorgeschlagen hatte. Drei Wochen später schloss die Mutter eine zweite Ehe mit dem wohlhabenden Weber Matthäus Mühlfelder. Die Schwester heiratete 1770 in Höchst den italienischen Kaufmann Joseph Modest Prina.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 6 inklusive Anm. 7 f., S. 12.
Katholische Aufklärung mini|Mainz war um 1770 ein Zentrum der katholischen Aufklärung und eine lebensfrohe Stadt (Landesmuseum Mainz). Seine erste Schulbildung soll Riesbeck bei den Antonitern in Höchst erhalten haben. 1768 ist er als in Mainz nachweisbar.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 6. Laut Pezzl sollte er Geistlicher werden, zeigte dazu aber keine Lust.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 7 f. Stattdessen studierte er ab etwa 1770 an der Universität Mainz Jura. Von seinen Lehrern Schlör und Horix wurde er im Sinn der katholischen Aufklärung beeinflusst. Horix war ein Anhänger des Würzburger Kirchenrechtlers Barthel,Johann Kaspar Barthel (1697–1771). der die Rechte der deutschen Fürstbischöfe gegenüber der Kurie und den Orden betonte.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 6 f. Während Horix später den Illuminaten beitrat, fehlen Belege für eine Mitgliedschaft Riesbecks.Richard van Dülmen: Der Geheimbund der Illuminaten. Stuttgart-Bad Cannstatt 1975, S. 61, 378, 444, 449. Hingegen wurde er unter unbekannten Umständen Freimaurer, wie Winkelmaß und Zirkel auf seinem Siegel zeigen.Vgl. Riesbecks Briefe in der Zentralbibliothek Zürich. Kurze Zeit studierte er auch an der lutherischen Universität Gießen.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 8.
Pezzl berichtet: (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 8.
Sturm und Drang Gegen Ende von Riesbecks Studien begann in Deutschland die Geniezeit. Goethe veröffentlichte den Götz von Berlichingen (1773), Lenz den Hofmeister (1774), Wagner die Kindermörderin (1776); Klinger schließlich gab der Epoche mit seinem Sturm und Drang (1776) den Namen. Die erwähnten Autoren lebten in der Nachbarschaft von Höchst, was Riesbeck ermöglichte, sie persönlich kennen zu lernen. Pezzl schreibt: Dieser Rausch habe aber nicht lange angehalten, Riesbeck ging nach Mainz und bereitete sich auf den Staatsdienst vor. Doch die Minister Groschlag und Bentzel, auf die er seine Hoffnung setzte, verloren mit dem Tod des aufgeklärten Kurfürsten und Erzbischofs Emmerich Joseph (1774) ihre Ämter.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 10–12.
Riesbeck lebte nun abwechselnd in Mainz, Höchst und Frankfurt von seinem Erbe. Am letztgenannten Ort scheint er vorübergehend Sekretär des Iren Hermann Ludolf Ibbeken alias William Thompson gewesen zu sein, der Englischlehrbücher und Theaterstücke in deutscher Sprache veröffentlichteVgl. Erich Mertens zu Hermann Ludolf Ibbeken ().. Am Karneval von 1775 besuchte Riesbeck in weiblicher Begleitung einen Ball in Mainz. Da gab ein geistlicher Libertin Dieser Zwischenfall soll ihn gezwungen haben, Mainz zu verlassen.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 13 f.
Schauspieler in Wien mini|Das 1763 eingeweihte Theater am Kärntnertor in Wien. 1775–1777 lebte Riesbeck in Wien. Laut Pezzl beabsichtigte er zuerst, .Das Amt des Reichserzkanzlers für Germanien bekleidete der jeweilige Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Reichsvizekanzler war Rudolf Joseph von Colloredo. Letzteres führte aber nicht zum Erfolg – sofern er den Plan nicht selbst wieder aufgab.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 14 f. Zu den besagten Landsleuten rechnet Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 11, Georg Michael von La Roche, der sich zeitweise in Wien aufhielt. Wäre Riesbeck mit La Roche bekannt gewesen, hätte Pezzl dies aber erwähnt.
Pezzl fährt fort: (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 15–17. Die zitierten Angaben sind nicht überprüft. Riesbeck wird unter einem Künstlernamen aufgetreten sein.
Privatier in Salzburg mini|hochkant|Riesbecks Freund Johann Pezzl.Die Legende des Schattenrisses lautet irrtümlich . In Wien machte Riesbeck die Bekanntschaft des Schauspielers Karl Starke.Starkes Geburtsdatum wird mit 1743 angegeben. Laut (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 17, kam er aus einer guten Familie in Hamburg und hieß eigentlich (Albeck?). 1770 wurde er nach Brünn engagiert und erhielt bei seinem Debüt als Paul Werner in Lessings Minna von Barnhelm . (Genaue Nachrichten von beyden kaiserlich-königlichen Schaubühnen. 2. Theil, Wien 1773, S. 213 f., 229.) 1774 debütierte er im ungarischen Eszterháza. (Litteratur- und Theater-Zeitung, Berlin, 26. Juni 1779, S. 410.) Laut Pezzl trieb dieser und erweckte dadurch in Riesbeck eine Neigung zum . Im Frühjahr 1777 hätten die beiden in Prag erfolglos über ein Engagement verhandelt.Der Direktor der deutschen Schaubühne in Prag, Johann Joseph von Brunian, reiste im April 1777 mit einem Teil der Truppe nach Dresden und übergab die Leitung des Hauses dem Schauspieler Maximilian Scholz. (Litteratur- und Theater-Zeitung, Berlin, 24. November 1781, S. 744.) Auf der Weiterreise seien sie in Linz auseinandergegangen, wo Riesbeck darauf mehr als ein halbes Jahr als Privatier gelebt habe. In der Absicht, nach Italien zu reisen, sei er im Dezember 1777 nach Salzburg gekommen. Dort sei er dann geblieben, weil ihm gefallen hätten.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 17–19.
In Salzburg regierte der aufgeklärte Erzbischof Colloredo.Colloredo, ein Sohn des Reichsvizekanzlers, war Arbeitgeber Mozarts (der sich auf Konzertreise befand). Riesbeck lernte dort den zwei Jahre jüngeren Jurastudenten Pezzl kennen. Pezzl schreibt über Riesbecks damalige Situation: (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 19 f. Die erwähnten Schriften sind verschollen. In den Briefen eines Reisenden Franzosen (…) 1. Band, (Zürich) 1783, S. 221, befürwortet Riesbeck den Anschluss Bayerns an Österreich.
Wahrscheinlich in Salzburg begann Riesbeck, der in jüngeren Jahren auch Gedichte verfasste, eine dramatische Posse in Versen mit dem Titel Die keusche Susanne.Das Werk ist verschollen. Laut (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 51, war es im Geschmack von Voltaires Pucelle d’Orléans, .
Dass der Stiefvater nach dem Tod der Mutter das ElternhausDas Haus stand in der Dreikönigsgasse. (Rudolf Schäfer: Chronik von Höchst am Main. Frankfurt am Main 1986, S. 92.) erwarb, hielt Riesbeck noch einmal zwei Jahre über Wasser.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 12 f. Dann teilte ihm die Schwester mit, mit der nächsten Post erhalte er zum letzten Mal Geld. Pezzl schreibt: (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 21.
Briefe über das Mönchswesen mini|hochkant|Riesbecks Fortsetzung der Briefe über das Mönchswesen. 4. Band, (Zürich) 1781. Laut Pezzl war es der Buchhändler Karl Friedrich Walliser,Walliser war Faktor in der Mayr’schen Buchhandlung in Salzburg, dann ab 1780 Buchhändler in Klagenfurt. der Riesbeck auf den Gedanken brachte, eine Fortsetzung der Briefe über das MönchswesenBriefe über das Mönchswesen von einem catholischen Pfarrer an einen Freund. (Zürich) 1771. zu schreiben.Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck (…) Frankfurt am Main-Höchst 1971, S. 13, zieht dies mit wenig überzeugender Begründung in Zweifel. Diese hatten bei ihrem Erscheinen 1771 Furore gemacht. Pezzl dazu: . Als Autor sei allgemein Georg Michael von La Roche (1720–1788) angesehen worden, der darum das Amt des kurtrierischen Regierungskanzlers verloren habe.Laut (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 25 f., erfuhr er dies 1781 aus einem Brief von La Roches Frau Sophie an Johann Jakob Bodmer. La Roche habe aber bloß dem wirklichen Verfasser Johann Jakob Brechter (1734–1772)(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 26/Anm.: die Idee und Materialien zu dem Buch geliefert.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 21–26.
Riesbeck nahm den Vorschlag an. Doch laut Pezzl wagte Walliser nicht, das Buch in Salzburg drucken zu lassen; Dies gab Riesbeck Gelegenheit, mit den erwähnten Verlegern in Verbindung zu treten. Er schlug ihnen vor, nach Zürich zu kommen, um für sie zu arbeiten.(Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s (…) Kempten 1786, S. 27 f. Während darüber verhandelt wurde, übersetzte er die Histoire de Zulmie Warthei einer Mademoiselle Motte.Histoire de Zulmie Warthei. Par Mademoiselle M****. La Haye/Paris 1776. Die Französin hatte drei Liebesromane veröffentlicht, bevor sie mit knapp zwanzig Jahren – ohne die Sakramente zu empfangen – an Tuberkulose starb. (Joseph-Marie Quérard: Les écrivains pseudonymes. Paris 1854, S. 341.) Riesbeck konnte sich nicht verkneifen, den von Tugend und Idealismus triefenden Roman zu ironisieren: In der Vorrede unterschiebt er der Autorin die Aussage, man solle bestimmte Aspekte der Wirklichkeit, . Der Schluss des Werks lautet in der Übersetzung, das wiedervereinigte Protagonistenpaar habe sich geliebt, .
mini|Zürich um 1780.