400px|links|Ansicht der Kali-Schachtanlage der„Gewerkschaft Johannashall“ um 1920 Das Kalibergwerk Johannashall der gleichnamigen Gewerkschaft war ein Bergwerk auf Kalisalze mit angeschlossener Düngemittelfabrik ca. 700 m südlich der Ortschaft Trebitz in Sachsen-Anhalt (Saalekreis). Diese Schachtanlage liegt am Nordost-Rand der Mansfelder Mulde. Bedingt durch die Nähe des Muldenrandes machten sich in der Umgebung der Grubenfelder Einflüsse der randnahen Salzauslaugung bemerkbar (z. B. lokal fehlendes Salinar des Zechstein 4 und 3). Bedingt durch den Einfluss der Randstörungen des Halleschen Porphyrgebietes sind die Lagerungsverhältnisse des Salinars auf Johannashall sehr kompliziert. Abgebaut wurde das Kali-Flöz „Staßfurt“ überwiegend in carnallitischer Fazies, in geringem Umfang auch Hartsalz.

Im Zusammenhang mit dem Ende des deutschen Kalimonopols nach dem Ersten Weltkrieg und dem Bestreben nach grundlegender Reorganisation und Rationalisierung der Kaliindustrie, welche sich in der sogenannten Stilllegungsverordnung vom 18. Juli 1919 niederschlug, erfolgte die Betriebseinstellung 1922. Teufzeit: Oktober 1899 bis September 1903 (Endteufe 541,45 m); Schachtdurchmesser 5,50 m; noch offenstehende Grubenhohlräume: rd. 100.000 m³.

Zur Erfüllung eines von der Bergbehörde geforderten zweiten Schachtes wurde mit der benachbarten Gewerkschaft Wils ein Durchschlagsvertrag geschlossen. Die „Gewerkschaft Wils“ hatte in der Nähe des Bahnhofs Beesenstedt einen Schacht hergestellt, welcher Ende 1911 fertig geworden war. Der Durchschlag beider Grubenfelder erfolgte im Februar 1912. 400px|links|Lage der Schächte Johannashall (Kurt) und Wils mit Angabe der Koordinaten

Geologische und hydrogeologische Lagerstättenverhältnisse der Schachtanlage Johannashall Geologische und lagerstättenwirtschaftliche Situation miniatur|rechts|Die vom Schacht Johannashall (auch als Schacht Kurt bezeichnet) durchteuften Gesteinsschichten Die Schachtanlage Johannashall liegt im Nordost-Teil der Mansfelder Mulde. Gegen die präsalinaren Schichten der Halleschen Mulde (Rotliegendes und Porphyre) im Osten und die Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke im Norden hebt sich die Mansfelder Mulde hier relativ steil heraus. Die Auslaugung des Zechsteins vom Ausgehenden her zum Muldeninnern ist in diesem Raume – bedingt durch das steile Einfallen dieser Schichten – ziemlich weit fortgeschritten. Der Salzspiegel liegt am Nordrand der Mansfelder Mulde bei rund −190 m NN; er wurde u. a. mit der Bohrung Zaschwitz (Solequelle) nachgewiesen. Neben der Auslaugung führten tektonische Vorgänge zu starken Störungen der Lagerstätten des Zechsteins in diesem Gebiet. Das Generalstreichen des Salinars verläuft zwar annähernd parallel zur Achse der Mansfelder Mulde (SE-NW), jedoch kommt es durch den wellenförmigen Verlauf der Mulden- und Sattellinien zur Bildung unregelmäßiger Kuppen und Vertiefungen. Daneben sind durch Fließtektonik und Salzanstauung starre Horizonte (wie z. B. Hauptanhydrit) ausgegliedert worden, sodass im Bereich der Schachtanlage relativ komplizierte geologische Verhältnisse vorliegen. Die Intensität der Störungen nimmt nach dem Muldenrand infolge des dort vorhandenen Porphyrwiderlagers zu, sodass der Zechstein in der nördlicher davon gelegenen Schachtanlage Johannashall stärker tektonisch beeinflusst wurde als auf der westlich benachbarten Schachtanlage Wils. In der Umgebung beider Schachtanlagen gibt es eine Vielzahl von OT-Bohrungen, deren Auswertung doch ein recht detailliertes Bild der örtlichen geologischen Strukturen zulassen.

Geologische Verhältnisse der Schachtanlage Von der „Bohrgesellschaft Johanna“ wurden im östlichen Felde der Mansfelder Mulde acht Tiefbohrungen geteuft. Steinsalz hatte man in Teufen von 415 m bis 646 m, Carnallit in Teufen von 427 m bis 655 m und Mächtigkeiten von 5 m bis 20 m erbohrt. Der Schacht Johannashall selbst liegt innerhalb eines Verbreitungsgebietes von Sangerhäuser Anhydrit, einer faziellen Vertretung des Kalilagers Flöz „Staßfurt“. Es existierten im Grubenfeld Aufschlüsse vom Zechstein 4 (Roter Salzton) bis zum Zechstein 2 (Staßfurt-Steinsalz). Abgesehen von Gebieten mit örtlichen Störungen, in denen insbesondere Roter und Grauer Salzton sowie Hauptanhydrit mit großen Mächtigkeitsschwankungen auftreten, liegen die übrigen Horizonte in den für die Mansfelder Mulde typischen Mächtigkeiten und in normaler Ausbildung vor. Das Kalilager Flöz „Staßfurt“ ist tektonisch sehr stark gestört. In bauwürdiger Mächtigkeit tritt es vor allem in Bereichen örtlicher Stauchungen und Faltungen auf. Dabei sind folgende Vorkommen zu unterscheiden:

a) Normale Lagerung des Kaliflözes zwischen Grauem Salzton und Staßfurtsteinsalz.

b) Lagerung des Kaliflözes innerhalb des Staßfurtsteinsalzes.

c) Lagerung des Kaliflözes zwischen Leinesteinsalz und Staßfurtsteinsalz.

Petrographisch besteht das Kalilager aus anhydritischem Carnallit-Halit mit wenig Kieserit. Es lag meist als umkristallisierter konglomeratischer schmutzig-brauner bis ziegelroter Carnallitit vor; geschichteter Carnallitit fehlte völlig. K2O- und Kieseritgehalt zeigten in Richtung Hangendes eine zunehmende Tendenz; der Kieseritgehalt lag niedriger als in den übrigen Aufschlüssen der Mansfelder Mulde. Vorkommen von Hartsalz sind im Ost- und Südostfeld im Hangenden des Lagers beobachtet worden. Petrographisch handelte es sich um einen tonig-anhydritischen Sylvin-Halit von schmutzig-rotbrauner Färbung, der vor allem in Form von Nestern oder Brocken auftrat. Über die Mächtigkeit und den K2O-Gehalt des Lagers liegen bei den verschiedenen Autoren unterschiedliche Angaben vor:

Nach LÖFFLER erreichte der Carnallitit Mächtigkeiten bis zu 17 m, das Hartsalz bis zu 2 m. Der K2O-Gehalt des Hartsalzes soll im Durchschnitt bei 8,8 % gelegen haben. In einer späteren Neueinschätzung des Kaliwerkes wurde ein Kalilager mit schwankender Mächtigkeit mit einem K2O-Gehalt von 7 bis 12 % erwähnt.

Durch den Einfluss der Tektonik liegen auf der Schachtanlage Johannashall recht „verwickelte/wellige“ Lagerungsverhältnisse vor. Erwähnenswert ist hierbei besonders das Ostfeld, in dem größere Deckenüberschiebungen im Salzlager aufgeschlossen wurden. Über dem Kalilager traten hierbei zunächst Blöcke von Steinsalz auf, die sich dann zu einer bis 20 m mächtigen Decke zusammenschlossen. Der Schacht selbst stand im nördlichen Flügel eines breiten Salzsattels. Weiter nach Norden hin schließt sich eine breite Mulde an, deren Achse sich östlich vom Schacht allmählich heraushebt. Das Kalilager verdrückt sich nach Norden hin. Bis rund 200 m vom Schacht wurde es noch in kleinen Mulden und Spezialsätteln nachgewiesen. In westlicher Richtung wurde nur eine söhlige Strecke zu der nördlichen Störung im Kalilager vorgetrieben. Östlich vom Schacht erreichte das Kalilager abbauwürdige Mächtigkeiten nur im Muldentiefsten. In Richtung Süden steigt der Sattel sehr hoch an und erreicht im Südost-Querschlag seine größte Höhe.

Nach MÜLLER ist das Kalilager auf dem Sattelkamm vermutlich abgetragen. Im Allgemeinen fällt der südliche Schenkel des Sattels flacher als der nördliche, nach Südosten flacht der Sattel immer mehr ab. Das Kalilager liegt hier fast söhlig. MÜLLER charakterisiert diese Lagerstätte als ein von Süd nach Nord allmählich sich heraushebendes Kalilager, das im nördlichen und westlichen Teil intensiv gefaltet wurde und durch drei große Faltenverwerfungen ausgewalzt, jedoch an anderer Stelle wieder angestaut ist.

Hydrogeologische Verhältnisse der Schachtanlage Die hydrogeologischen Verhältnisse des Gebietes werden in gewissem Umfang durch die am Nordostrand der Mansfelder Mulde umgehende Auslaugung im Bereich des Ausgehenden des Zechsteins beeinflusst. Insbesondere trifft dies für den Bereich nördlich und westlich der Schachtanlage Johannashall zu. In den Verbreitungsgebieten der Salzauslaugung sind nur selten nutzbare Wasservorkommen vorhanden. Meist ist das Hangende weitgehend entwässert, während das Liegende mehr oder weniger versalzen ist, bzw. je nach dem Stand der Auslaugung nur Wässer mit hohen Härtegraden auftreten. Als Hauptwasserleiter tritt der mittlere Buntsandstein in Erscheinung. In seinem Verbreitungsgebiet liegt der Hauptteil des Grubenfeldes Johannashall. Der Obere Buntsandstein zeigt nur geringe Wasserführung, hauptsächlich gebunden an den Unteren Röt. Die Wässer sind durch hohe Karbonathärten gekennzeichnet. Erwähnenswert sind weiterhin Wasservorkommen in quartären fluviatilen Bildungen, beispielsweise nordwestlich der Schachtanlage Wils, bzw. südöstlich der Schachtanlage Johannashall. Infolge der geringen räumlichen Ausdehnung dieser Vorkommen und ihrer kleinen Einzugsgebiete sind sie jedoch nur von lokaler Bedeutung. Detaillierte hydrogeologische Unterlagen liegen aus den Gebieten der Schachtanlage Johannashall bzw. der benachbarten Schachtanlage Wils nicht vor, sodass Angaben über Teufe und Verlauf wasserführender Horizonte, sowie Angaben zum Chemismus der Wässer nicht gemacht werden können.

Schachtabteufen / Schachtausbau links|300px|Lage des „Trebitzer Stollen's“ (auch als Henriette-Stollen bezeichnet). Er führte in gerader Linie von der Schachtröhre des Schachtes Kurt (Johannashall) in einer Teufe von 91 m in Richtung und Höhenniveau zur Saale Nach Ankauf einer Fläche von 67 Morgen in der Gemeinde Trebitz, auf dem linken Saale-Ufer, gegenüber dem Städtchen Wettin, wurde am 25. Oktober 1899 mit dem Abteufen des Schachtes Johannashall, auch unter dem Namen Schacht Kurt bekannt, begonnen. Mitte März 1900 hatte man ohne besondere Schwierigkeiten eine Teufe von 82 m erreicht. Im Juli 1900 erreichte man mit Mühen infolge sich stark vermehrender Wasserzuflüsse aus dem durchteuften Sandstein die Teufe 91,55 m.

Das Schachtprojekt sah ohnehin bereits vor, die kurze Entfernung des Schachtes zum Wasserweg der Saale zu nutzen, um eine Stollenverbindung – den „Trebitzer Stollen“ (auch als „Henrietten-Stollen“ bezeichnet) – herzustellen. Auf diesem sollten sowohl die erheblichen Wasserzuflüsse aus dem Buntsandstein ohne Aufwendung von Pumpen zur Saale hin abgeführt sowie auch dieser Weg zu Transportzwecken (Material und Versand) genutzt werden. Also wartete man mit dem Weiterverteufen des Schachtes so lange, bis der vom Saaleniveau aus angesetzte Stollen den Schacht Kurt erreichen würde. Dieser Stollen mündete nach etwa 720 m auch Ende 1900 am Schacht (Stollensohle bei Schacht-Teufe 91 m). Das weitere Abteufen begann am 7. Januar 1901. Trotz Zuflüssen bis 7 m3 / min erreichte man nahezu mühelos die Teufe von 110,25 m, um hier einen Mauerfuß zu setzen. Anfang März war der Schachtbereich bis zutage mit Mauerwerk verkleidet. Das weitere Verteufen per Handarbeit verlief normal. Einen zweiten Mauerfuß setzte man bei Teufe 155,20 m; einen dritten bei Teufe 417,5 m. Auch das Verteufen bis zur Endteufe von 541,45 m (im Steinsalz) verlief ohne besondere Vorkommnisse. Auch dieser Teil wurde mit Mauerwerk ausgekleidet (Schachtdurchmesser 5,50 m lichte Weite). Ende September 1903, also nach nicht ganz drei Jahren, war Schacht Johannashall für den Beginn der weiteren Lagerstättenerschließung bereit.

Die letzte Befahrung des Trebitzer Stollens fand im August 1942 statt. Damals war er noch bis auf einer Länge von ca. 250 m befahrbar, anschließend verbrochen. Über den genauen Verlauf des Stollens liegen keine exakten Unterlagen vor. Nach neueren Recherchen ist anzunehmen, dass der Stollen einen fast geradlinigen Verlauf zwischen Schacht Johannashall und dem Austritt des Stollens in Saalenähe nimmt (siehe obere linke Abbildung).