Die Gewöhnliche Douglasie (Pseudotsuga menziesii), oft einfach nur Douglasie oder umgangssprachlich auch Douglastanne, Douglasfichte, Douglaskiefer bzw. nach der Herkunft Oregon pine genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Douglasien (Pseudotsuga). Sie ist ein in Nordamerika heimisches und in Europa forstlich angebautes, eingeführtes Nadelgehölz.
Beschreibung mini|Reifer Zapfen mini|Reife Zapfen und Samen mini|Typische spiralverstärkte Tracheiden einer Douglasie in einer Mikroskopie
Erscheinungsbild und Nadeln Die Douglasie ist ein immergrüner Baum. In Europa erreicht sie bisher Wuchshöhen bis über 60, in den USA bis über 100 Meter. Wohl gesichert ist eine Höhe von über 117 Metern. Die höchste jemals gefundene Douglasie, der Nooksack Giant, soll 142 Meter hoch gewesen sein, dies wäre weitaus höher als jeder heute noch stehende Baum (der derzeit höchste ist ein Küstenmammutbaum von etwa 116 Metern Höhe in Kalifornien). Die kräftigsten Exemplare erreichen an der Basis einen Stammdurchmesser bis über 4,5 Meter. Die Douglasie bildet eine relativ schlanke, kegelförmige Krone.
Die Douglasie wächst schnell und kann ein Höchstalter von 400 (Pseudotsuga menziesii var. glauca) bis über 1400 (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) Jahren erreichen. Sie hat ein herzförmiges Wurzelsystem. Die Sämlinge besitzen acht bis zehn Keimblätter (Kotyledonen).
Die Nadeln sind grün bis blaugrün, einzeln stehend, weich und stumpf. Sie sind 3 bis 4 Zentimeter lang und verströmen, wenn man sie zerreibt, einen aromatischen, angenehmen (zitronenartigen) Geruch. Im Unterschied zu Fichten sitzen die Douglasiennadeln unmittelbar auf dem Zweig auf; anders als bei Tannen ist aber ihre Basis nicht verdickt.
Zapfen und Samen Die Douglasie ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die männlichen Zapfen sind gelb-rot. Sie blüht vor dem Austrieb und sie ist windblütig, aber der Pollen hat keine Luftsäcke; auch Bestäubungstropfen fehlen. Mit 15 bis 40 Jahren ist die Douglasie blühfähig. Die Zapfen weisen eine Länge von 4 bis 10 Zentimetern und einen Durchmesser von 3 bis 3,5 Zentimetern auf. Zur Reifezeit hängen sie und fallen als Ganzes ab, wie bei der Fichte. Die Deckschuppen ragen weit über die Samenschuppen hinaus und sind an der Spitze dreizipfelig. Die Douglasie blüht auf der Nordhalbkugel im Allgemeinen von April bis Mai. Die Samen reifen bis September und werden von Oktober bis November freigegeben. Der Samen ist 5 bis 6 Millimeter lang mit einem Flügel, der länger ist als das Samenkorn.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.
Ökologie Die Gewöhnliche Douglasie ist ein Lichtkeimer und die Keimung erfolgt oberirdisch (epigäisch).
Die Gewöhnliche Douglasie ist ein schattenfester, schnellwüchsiger, immergrüner Nadelbaum, der bis etwa 400 Jahre alt werden kann; seine forstliche Umtriebszeit beträgt 60 bis 100 Jahre. In seiner Heimat, im pazifischen Nordamerika, fand man 800 Jahre alte Bäume mit Wuchshöhen von 70, selten bis zu 90 Metern und Stammdurchmessern von über 2 Metern; sie gehören damit zu den größten Bäumen der Welt. 1991 wurde in New Mexico auf einer Höhenlage von 2070 Metern ein 929 Jahre altes Exemplar mit einer Wuchshöhe von 90 Metern gefunden.
Douglasien haben eine relativ feuerresistente Borke und Erneuerungsknospen, die nach einem Brand zerstörte Organe ersetzen können.Rainer Matyssek, Jörg Fromm, Heinz Rennenberg, Andreas Roloff: Biologie der Bäume. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-2840-2, S. 252.
Die häufigsten Pilzschädlinge für die Douglasie sind die „Rostige Douglasienschütte“ (Rhabdocline pseudotsugae ) und die „Rußige Douglasienschütte“ (Phaeocryptopus gaeumannii ). Beide Pilze sind Schlauchpilze (Ascomyceten); die Infektion mittels der Sporen erfolgt direkt durch die Epidermis bei der Rostigen bzw. durch die Stomata der Blätter bei der Rußigen Douglasienschütte. Das Symptom ist jeweils eine Verfärbung der Blätter von gelbgrün bis hin zu rostbraun. Die Entnadelung erfolgt jahrweise, sodass benadelte und unbenadelte Jahrestriebe an einem Ast nebeneinander vorkommen können. Die Küsten-Douglasie scheint weniger anfällig für einen Befall der Rostigen Douglasienschütte zu sein, weshalb sie in Deutschland bevorzugt angebaut wird. Außerdem kann Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea ) auf Douglasien vorkommen.
Zu den Fressfeinden der Douglasie zählt in ihrer Aufwuchsphase auch das pflanzenfressende Wild, in ihrer Heimat in Nordamerika etwa der Maultierhirsch und in Europa u. a. das Reh. Fegen und Schälen durch Wild tritt typischerweise bis zur Ausbildung der Grobborke im Alter von rund 15 Jahren auf.
Douglasien gehen eine Mykorrhiza-Symbiose mit dem Zweifarbigen Lacktrichterling ein, die bei den Keimlingen eine Verdreifachung der Biomasse bewirken kann.J. G. Huang, F. Lapeyrie: Ability of ectomycorrhizal fungus Laccaria bicolor S238N to increase the growth of Douglas Fir seedlings and their phosphorus and potassium uptake. In: Pedosphere. 4(3), 1994, S. 217–224. Vor diesem Hintergrund wird der Pilz im französischen Douglasienanbau zur Verbesserung des Pflanzenwachstums eingesetzt.J. Weber, J. Díez, M. A. Selosse, D. Tagu, F. Le Tacon: SCAR markers to detect mycorrhizas of an American Laccaria bicolor strain inoculated in European Douglas-fir plantations. In: Mycorrhiza. 12(1), 2002, S. 19–27. PMID 11968943, . Mit der Douglasie wurden der Douglasien-Röhrling (Suillus lakei) und der Blauende Schmierröhrling (Suillus caerulescens) nach Europa eingeschleppt.tintling.com.fundkorb.de.
Synökologie in Nordamerika Naturbelassene Douglasienbestände in Nordamerika zeichnen sich durch eine sehr hohe Biodiversität aus. Die Douglasie gilt hier als diejenige Baumart mit der höchsten Vielfalt an, auf und von ihr lebenden wirbellosen Arten. Rund 140 phytophage Arten nutzen sie hier als Nahrungspflanze. Douglasiensamen sind eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Kleinsäuger und Vogelarten. In alten, hohen Douglasienbeständen kommt auch die hochspezialisierte Rote Baumwühlmaus vor, die ihr Leben nahezu ausschließlich in den Wipfeln von Douglasien verbringt und die sich in erster Linie von Douglasiennadeln ernährt. Mit der Douglasien-Zwergmistel (Arceuthobium douglasii) gibt es auch eine parasitische Pflanzenart, die ausschließlich von Douglasien abhängig ist.
Synökologie in Europa In Europa ist die Douglasie im Vergleich zu den heimischen Arten Fichte und Tanne entgegen älteren Auffassungen nicht generell und durchgängig artenärmer besiedelt. Je nach betrachteter Artengruppe, Bestockungsanteil der Douglasie und Jahreszeit ergeben sich große Unterschiede, weshalb eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Allerdings existiert eine Reihe spezialisierter Nadelbaumbesiedler, die die Art zumindest bisher meiden, sodass insbesondere bei seltenen und hoch spezialisierten Arten (z. B. den auf den Roten Listen aufgeführten Arten) die Douglasie artenärmer besiedelt ist als die heimischen Nadelbaumarten. In Europa wurden beispielsweise bisher 24 Borkenkäferarten und 14 Bockkäferarten an Douglasienholz nachgewiesen. Douglasienwälder weisen nach Erkenntnissen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen eine geringere Artenvielfalt und Individuendichte bei Vögeln, Asseln, Spinnen, Laufkäfern, Rüsselkäfern, Ameisen, Moosen, Flechten und Pilzen als heimische Baumarten auf.Carla Michels: Douglasie – eine invasive Art? Natur in NRW 4/2014, S. 27–31.
Zwei pflanzenfressende Insektenarten aus dem nordamerikanischen Ursprungs-Verbreitungsgebiet der Douglasie wurden unbeabsichtigt mit importiert und haben sich in Europa ausgebreitet: die Douglasienwolllaus (zwei Arten, Gilletteella cooleyi, Gilletteella coweni) und die Douglasiensamenwespe (Megastigmus spermotrophus). Die Douglasienwolllaus zählt auch in Mitteleuropa zu den wichtigsten forstschädlichen Arten. Seit 2015 haben sich in Europa auch Douglasien-Gallmücken der Gattung Contarinia ausgebreitet.
Durch Etablierung auf Douglasien spezialisierter Insektenarten in Europa werden Ökosysteme mit Douglasienanteil artenreicher, zudem wird der teils invasive Charakter der Art in Europa abgeschwächt und zahlreiche heimische Insektenfresser finden in ihr zunehmend bessere Nahrungsgründe, wodurch eine gewisse ökologische Integration der Douglasie in Europa stattfindet.
Vorkommen mini|Natürliches Verbreitungsgebiet der Douglasie, grün: Pseudotsuga menziesii var. menziesii, blau: Pseudotsuga menziesii var. glauca mini|Douglasiengruppe im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath (Landkreis Fürstenfeldbruck)
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Douglasie (Pseudotsuga menziesii) ist der Westen Nordamerikas, wo sie an den Hängen der Rocky Mountains sowie der Kaskadenkette von British Columbia entlang der kalifornischen Sierra Nevada bis nach Mexiko weite Flächen einnimmt.
Der schottische Botaniker David Douglas brachte den nach ihm benannten Baum 1827 von einer nordamerikanischen Expedition mit nach Kew Gardens bei London. Seitdem wird die Douglasie in Mitteleuropa in bedeutendem Umfang im Forst, aber auch in Parks und Gärten angepflanzt. Im Jahr 1831 erreichten die ersten Douglasienpflanzen Deutschland. Die erste nachweislich im Südwesten gepflanzte Douglasie stand bis 1990 in Baden-Württemberg, sie wurde 1868 im damaligen württembergischen Forstbezirk Herrenberg am Dreimarkstein als wahrscheinlich 3-jähriger Baum gepflanzt. Als Pionier der Douglasie in Deutschland gilt der 1924 zum Landesforstmeister und Leiter der badischen Forstverwaltung ernannte Karl Philipp (1865–1937), der mit der Reichstagsabgeordneten Klara Philipp (Zentrum) verheiratet war. Er wurde zu einem der umstrittensten Forstleute seiner Zeit.Eintrag zu Philipp bei LEO-BW, landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg. Philipp hatte Weymouthskiefern und Douglasien bei einem privaten Aufenthalt in den USA 1891/92 kennengelernt. Er sorgte in Sulzburg und Freiburg für massive Anpflanzungen dieser raschwüchsigen Baumarten. Gleichzeitig rückte er unter dem Motto Der Rechenstift belehrt uns, dass reine Buchenwaldungen Bankrottbetriebe sind den traditionellen Buchenbeständen zu Leibe, wogegen die forstlichen Traditionalisten und älteren Fachleute wie Hans Hausrath regelrecht Sturm liefen.Hans Hausrath: Richtlinien für die Erziehung und Verjüngung der Hochwaldungen in Baden. Eine kritische Betrachtung. In: AFJZ. 101, 1925, S. 438–444.
Von der Lehrmeinung unberücksichtigt blieb lange Zeit John Richmond Booth, Inhaber der Baumschule James Booth und Söhne. Er hatte bereits 1831 im Jenischpark im damals zu Altona gehörenden Othmarschen eine Douglasie gepflanzt. Er und auch sein Sohn John Cornelius Booth haben auf Ländereien des Hamburger Kaufmanns Cesar Godeffroy zwischen 1842 und 1872 weit über 500 Douglasien gepflanzt.
Als eingeführte Art hat sich die Douglasie in vielen Ländern der Erde bewährt, sie ist die in Europa bei weitem wichtigste nicht heimische Forstbaumart. Die ersten, nun 120-jährigen Versuche in Deutschland ergeben je nach Unterart faszinierende Waldbilder. Der größte und massereichste Douglasienbestand EuropasDouglasien auf den Zahn gefühlt In: Schweriner Volkszeitung. 16. November 2013. steht in Kiekindemark bei Parchim im Naturschutzgebiet Sonnenberg. In dem Endmoränengebiet wurden bereits im Frühjahr 1882 durch den Parchimer Forstsenator W. Evers die ersten Bestände mit Douglasiensamen direkt aus dem US-Staat Washington angelegtFritz Hackert: Zur Einführung ausländischer Holzarten im Revier Kiekindemark. In: Heimatbund Parchim (Hrsg.): Pütt Heft 1985. Parchim 1987, (PDF; 130 kB)..