mini|Flügel eines Elfenbeindiptychons mit Inschrift „SYMMACHORUM“. Die Frau stellt eine Priesterin des Bacchus dar. Eiche und Altar repräsentieren den Kult des Jupiter. Quintus Aurelius Symmachus (signo Eusebius) (* um 342; † 402/403) war ein nichtchristlicher Senator, Konsul und Stadtpräfekt im spätantiken Rom. Er gilt als der bedeutendste lateinische Redner seiner Zeit und wurde von Zeitgenossen mit Marcus Tullius Cicero verglichen. Mit seinem Plädoyer für religiöse Toleranz im Streit um den Victoriaaltar, das von Christen literarisch rezipiert wurde, scheiterte Symmachus allerdings. Verwicklungen in politische Intrigen und Parteinahmen für die Usurpationen gegen Kaiser Theodosius zwangen ihn dazu, sich zunehmend von der Politik fernzuhalten.

Besonders in seinen letzten Lebensjahren widmete sich Symmachus der Philologen- und Herausgebertätigkeit, wodurch er eine Tradition begründete. Dank seiner aus den Jahren 365 bis 402 umfangreich erhaltenen Korrespondenz ist sein Lebensweg für einen Nichtchristen des ausgehenden vierten Jahrhunderts außergewöhnlich gut dokumentiert. Als an der altrömischen Restaurationsbewegung im Westen maßgeblich beteiligter Akteur ist Symmachus nach seinem Tod sehr kontrovers beurteilt worden.

Familie

Die Familie der Symmachi war unter Konstantin dem Großen in den Senatorenstand aufgestiegen. Der Vater des Symmachus, Lucius Aurelius Avianius Symmachus, war 364–365 Stadtpräfekt von Rom und designierter Konsul für das Jahr 377, das er nicht mehr erlebte. Über ihn war die Familie der Symmachi mit derjenigen der Nicomachi verschwägert, zu denen etwa Virius Nicomachus Flavianus zählte. Symmachus war spätestens im Jahre 371 mit Rusticiana verheiratet.Sidonius Apollinaris, Brief 2,10. Zur Datierung Seeck (1883), S. XLIXf. Aus der Ehe ging der Sohn Quintus Fabius Memmius Symmachus, Prätor im Jahre 401, hervor. Um das Jahr 393 heiratete Nicomachus Flavianus der Jüngere eine Tochter des Symmachus, zu welchem Anlass die abgebildeten Elfenbeindiptychen entstanden sein könnten. Der Urenkel des Symmachus war Quintus Aurelius Memmius Symmachus, der um 520 eine heute verlorene Römische Geschichte verfasste und Schwiegervater des Philosophen Boethius war. Dessen mit den Symmachi verschwägerten Geschlecht der Anicii gehörte auch Papst Gregor der Große an. Die Familie des Symmachus war sehr reich begütert, zu ihrem Besitz zählten drei Stadthäuser in Rom und eines in Capua sowie 15 Vorstadtvillen in Italien, drei davon in Rom.Seeck (1883), S. XLVf.

Leben Unter Valentinian und Gratian

mini|Stark beschädigter Flügel mit Inschrift „NICOMACHORUM“. Die dargestellte Frau ist eine Priesterin der Ceres. Ihre Attribute entstammen dem Kult der Kybele.

Symmachus hatte eine gründliche Ausbildung in lateinischer Literatur und Rhetorik und zeigte darin ein außergewöhnliches Talent.Pabst (1989), S. 1; Symmachus, Brief 9, 88, 3 online. Allgemein zur Biografie: grundlegend die Vorbemerkungen in der MGH-Edition von Seeck (1883, online); Klein (1971); Jones u. a., The Prosopography of the Later Roman Empire Bd. 1, S. 865ff.; Sogno (2006). Sein erstes kommunales Amt hatte Symmachus 365 inne.Codex Theodosianus 8, 5, 25: corrector Lucaniae et Brittiorum. Im Jahre 369 erhielt er den für sein Alter ungewöhnlichen Auftrag, zum Anlass des fünfjährigen kaiserlichen Regierungsjubiläums an den Hof Valentinians I. nach Trier zu reisen, um diesem im Namen des Senats das Kranzgold zu überbringen. Vor Valentinian und seinem Sohn, dem noch sehr jungen Mitkaiser Gratian, die Rom noch nicht besucht und auch noch keinen Kontakt zum Senat aufgenommen hatten, hielt Symmachus drei Lobreden und wurde mit einem Ehrenrang ausgezeichnet.

In Trier lernte Symmachus Ausonius kennen, der aus Burdigalia, dem antiken Bordeaux, stammte, dort das damalige Amt eines Rhetorikprofessors innehatte und als Dichter der Mosella, eines Gedichts über die Mosel, bekannt ist. Unter den erhaltenen Briefen des Symmachus sind mehr als dreißig an Ausonius adressiert, die ein Freundschaftsverhältnis erkennen lassen. Sie geben Einblick in die Kontaktpflege zwischen dem alten stadtrömischen Senatsadel und der aufstrebenden gallorömischen Provinzaristokratie.Siehe Hagit Sivan: Ausonius of Bordeaux. Genesis of a Gallic Aristocracy. New York 1993, bes. S. 111ff. Ausonius, eher äußerlich ein Christ, widmete Symmachus sogar das Gedicht Griphus ternarii numeri, das im Kontext eines Trinkgelages die Zahl Drei metrisch und thematisch variiert und mit dem Vers aufgelöst wird: „Dreimal zeche, die Dreizahl ist das Größte, dreifach ist der eine Gott!“Ausonius, Griphus ternarii numeri (online).

Förderlich für seine Karriere war eine weitere Rede, die Symmachus an Valentinian aus Anlass dessen dritten Konsulats im Jahre 370 hielt. Nachdem er noch im gleichen Jahr nach Rom zurückgekehrt war, versah er in den Jahren 373–374 das Prokonsulat von Africa, der Kornkammer Roms und einer der wichtigsten Provinzen des Westens. Möglicherweise Während dieser Statthalterschaft unterstützte Symmachus den Feldzug des Flavius Theodosius, des Vaters des späteren Kaisers, gegen den Usurpator Firmus. Zumindest gab es aus dieser Zeit eine politische Allianz zwischen Symmachus und Flavius Theodosius, der dessen Güter im afrikanischen Mauretania Caesariensis zurückerobert hatte.John F. Matthews: Symmachus and the magister militum Theodosius. In: Historia. Zeitschrift für Alte Geschichte. Band 20, Heft 1, 1971, S. 122–128. Flavius Theodosius wollte für Symmachus eine Ehrenstatue errichten, was allerdings durch politische Neider verhindert wurde.Seeck (1883), S. XLVIII.

Nach dem Tod Valentinians I. hielt Symmachus im Senat eine Rede Pro Trygetio, die mit großem Beifall aufgenommen wurde, da er mit seiner Würdigung des Nachfolgers Gratian zugleich auf die negativen Eigenschaften des verstorbenen Kaisers anspielte. Dieser rhetorische Erfolg veranlasste Symmachus dazu, eine Edition seiner Reden herauszugeben, die auf einem Palimpsest in Fragmenten erhalten geblieben sind.

Da Ausonius zum Erzieher des jungen Gratian ernannt worden war, bestand ein für die Familie des Symmachus günstiges politisches Klima. Symmachus wurde ausgewählt, vor dem Senat eine Rede Gratians zu verlesen, in welcher der kürzlich von seinen Truppen akklamierte Seniorkaiser des Westens seine Politik darlegte.Neben Gratian war formal auch dessen Halbbruder Valentinian II. Kaiser im Westen. Diese Rolle konnte er aufgrund seines jungen Alters allerdings nicht ausfüllen. Die gleiche Ehrenaufgabe wurde ihm anlässlich des Sieges des Gratian über die Alamannen sowie des Theodosius I. über die Goten im Jahre 379 zuteil.Wenngleich Theodosius die Goten militärisch nicht entscheidend treffen konnte. Erst 382 kam es zu einer vertraglichen Regelung mit den Goten, die anschließend an der unteren Donau als Foederaten angesiedelt wurden. Jedoch war der Vater des Symmachus, der zum Konsul des Jahres 377 designiert worden war, noch vor Amtsantritt verstorben. Wohl infolge des Verlustes hielt Symmachus sich in den folgenden Jahren zurückgezogen auf seinen Landgütern in Kampanien auf, und selbst auf Einladung des Ausonius anlässlich dessen Konsulats vermied er es, Rom zu betreten.Seeck (1883), S. X, LIIf.

Symmachus im Streit um den Victoriaaltar

mini|Münze mit Victoriastatue, geprägt von Augustus in Erinnerung an den Sieg gegen Marcus Antonius bei Actium. Reste des Sockels sind wiedergefunden worden.

Siehe auch: Streit um den Victoriaaltar

Constantius II. hatte im Jahre 356 ein allgemeines Opferverbot verfügt und die Schließung der Tempel gesetzlich befohlen.Codex Theodosianus 16,10,4 und 6. Ein Jahr später besuchte der Kaiser Rom, zeigte sich dabei von den öffentlichen Bauten der Stadt beeindrucktAmmianus Marcellinus 16, 10. Bloch (1963), S. 194. und erneuerte mit Rücksicht auf die nichtchristliche Mehrheit im Senat einige Privilegien stadtrömischer Traditionen. Allerdings ließ er den Altar der Victoria aus dem Senatsgebäude entfernen, den Augustus dort geweiht hatte und der als Symbol der militärischen Stärke Roms galt. Der vom Christentum abgefallene Kaiser Julian (361–363) ließ ihn wieder aufstellen. Der Konflikt stand im Kontext des allgemeinen Erlöschens altrömischer Traditionen: Die letzte Weihinschrift in einem nichtchristlichen religiösen Monument, das durch einen stadtrömischen Offiziellen gesetzt wurde, ist aus dem Jahre 367/8 erhalten. Sie besagt, dass Vettius Agorius Praetextatus, der zum Kreis des Symmachus zählte, die Porticus Deorum Consentium und ihre Bilder mit römischen Gottheiten auf dem Forum Romanum wiederherstellen ließ. = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae 4003.

Symmachus war ein Mitglied des Priester-Kollegiums, welches den Vorwurf des Keuschheitsvergehens gegen die Vestalische Jungfrau Primigenia untersuchte und eine Verurteilung „nach der Sitte der Vorfahren“ empfahl,Symmachus, Brief 8, 147f. online worunter man das Lebendig-Begraben der Vestalin bei der Porta Collina sowie die Hinrichtung des Liebhabers durch Geißelung auf dem Forum Romanum verstand. Die Verurteilung und Ausführung der Strafe durch den römischen Staat dürfte jedoch aus politischen Gründen nicht zustande gekommen sein.Siehe José Carlos Saquete: Las vírgines vestales, un sacerdocio femenino en la religión pública romana. Madrid 2000, S. 103. Die letzte Nachricht von einer vermutlich bereits emeritierten Vestalin stammt aus dem Jahr 394.Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae 4151; Zosimos 5, 38, 3. Der christliche Dichter Prudentius beschrieb in einer polemischen Schrift wenig später das Liebesleben der aus ihrer 30-jährigen Dienstzeit entlassenen Vestalinnen, das schon Ambrosius in Abgrenzung zu den christlichen Nonnen gerügt hatte: „Sie trägt ihre verwelkten Falten zum Hochzeitslager und lernt als Jungvermählte, heiß zu werden in einem kalten Bett.“Prudentius, Gegen Symmachus 2, 1084f.

Gratian stellte im Jahre 382 die staatlichen finanziellen Zuwendungen an den Vesta-Kult ein und ließ zudem den Victoriaaltar erneut aus der Kurie entfernen. Eine auf Initiative des Praetextatus gebildete und von Symmachus geführte Gesandtschaft protestierte 382 gegen die Maßnahmen, wurde aber am Mailänder Hof abgewiesen. Obwohl Symmachus aufgrund seines Protests aus Rom verbannt worden war, gelang ihm nach dem Tod Gratians 383 die politische Rückkehr und im Jahre 384 die Wahl zum Stadtpräfekten. Da der Nachfolger im Kaiseramt, Gratians minderjähriger Bruder Valentinian II., beeinflussbar zu sein schien, verfasste Symmachus noch in diesem Jahr die dritte Relatio an den Kaiser, in welcher er um Wiederaufstellung des Victoriaaltars und daneben um staatliches Geld für den Vestakult bat.Zum Streit um den Victoriaaltar Klein (1972) und (1971), hier besonders S. 76ff. Die Bittschrift wurde von christlichen Gegnern in umfangreichen Widerlegungen nachgeahmt, so besonders die Rom-Prosopopöie: Symmachus, Dritte Relatio 9–10