mini|hochkant|Elsa von Freytag-Loringhoven Elsa von Freytag-Loringhoven (* 12. Juli 1874 in Swinemünde als Elsa Hildegard Plötz; † 15. Dezember 1927 in Paris) war eine deutsche Künstlerin des Dadaismus.

Leben Elsa von Freytag-Loringhovens Vater Adolf Julius war Maurermeister, ihre Mutter Ida-Marie Pianistin. ihre Familie war wohlhabend. Nach dem Tode ihrer Mutter zog sie zu einer Tante in Berlin. Dort nahm sie Malunterricht an der Berliner Kunstschule, arbeitete als Chorsängerin und begann eine Schauspielausbildung, die sie jedoch kurz vor dem Abschluss abbrach.

1901 heiratete sie in erster Ehe den Architekten August Endell, 1907 in zweiter Ehe den Schriftsteller und Übersetzer Frederick Philip Grove (geboren als Felix Paul Greve). Mit ihm lebte sie zunächst in Zürich und Frankreich und emigrierte später in die USA. 1911 trennten sie sich und sie zog nach New York. Dort heiratete sie 1913 den zehn Jahre jüngeren Leopold von Freytag-Loringhoven (eigentlich Leopold Freytag Freiherr von Loringhoven) in New York.Genealogisches Handbuch der Baltischen Ritterschaften. Neue Folge Band X, Hamburg 2022. S. 190

Werk Elsa von Freytag-Loringhoven war Malerin, Bildhauerin, Dichterin, Performance-Künstlerin, Rezitatorin, Muse und Aktmodell. Ihre künstlerische Laufbahn begann in Berlin. Sie stand Modell, posierte für tableaux vivants und nahm Schauspielunterricht. Sie stand im Berliner Central-Theater als Revuegirl auf der Bühne und in Cottbus in Schillers Don Carlos als Marquise de Mondecar.

In New York lernte sie im Salon von Walter Conrad Arensberg während des Ersten Weltkriegs zahlreiche im Exil lebende europäische Künstler wie Marcel Duchamp oder Jean Crotti kennen, dazu gesellten sich US-amerikanische Künstler wie Man Ray oder Alfred Stieglitz. In Kreisen der modernen Künstler wurde Elsa von Freytag-Loringhoven als „Baroness“ (d. i. die Anrede für eine Freiin) bekannt, die zuerst als Künstlermodell, später auch mit eigenen Kunstwerken und Performances in Erscheinung trat.Irene Gammel: Dada-Ikone in New York. Die Performance-Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven. In: Feministische Studien, Vol. 22 (2004), No. 2, S. 248–262.

Als „wandelndes Kunstobjekt“ wurde sie zur Muse der jungen Dada-Bewegung in New York.Jane Heap: Dada. In: The Little Review, Vol. 8, No. 2, S. 46. Elsa von Freytag-Loringhoven liebte es, exzentrisch gemusterte Kleidung zu tragen und dekorierte sich mit Alltagsgegenständen. So dienten ihr Teelöffel als Ohrringe oder leere Konservendosen als Büstenhalter. Mit ihrem um 1920 entwickelten Limbswish, einer Art Peitsche gefertigt aus einer Vorhangskordel und einer Metallfeder, erzeugte sie bei ihren Spaziergängen in den Straßen New York pfeifende Geräusche. Oft wurde ihre Performance-Kunst von anderen vereinnahmt, so wurden ihr Auftreten von Man Ray und Marcel Duchamps in Fotografien und auf Filmen festgehalten. Von dem gemeinsam realisierten Film Elsa, Baroness von Freytag-Loringhoven, Shaving Her Pubic Hair („Elsa, Baroness von Freytag-Loringhoven, ihr Schamhaar rasierend“) blieben nur ein einzelnes Standbild erhalten.Elaine YJ Zheng: Elsa von Freytag-Loringhoven. The Dada Baroness Who Shook the Art World. In: Ocula Magazine vom 27. Juli 2022 (aufgerufen am 6. Juli 2024). Die Baroness verkehrte ebenfalls im literarischen Salon von Margaret Anderson und Jane Heap, den Herausgeberinnen der avantgardistischen Zeitschrift The Little Review. In dieser Zeitschrift veröffentlichte Elsa von Freytag-Loringhoven regelmäßig ihre Dada-Gedichte, 1922 teils zeitgleich mit dem Erscheinen von James Joyce’ Ulysses im selbigen Magazin.

1923, als immer mehr Künstler New York verließen und sich Paris als neues Zentrum der Kunstszene etablierte, kehrte Elsa von Freytag-Loringhoven zunächst nach Berlin zurück und ließ sich 1926 dann ebenfalls in Paris nieder. Wie viele andere Frauen in der Kunst konnte sie von ihrer Arbeit nicht auskömmlich existieren. Häufig in bitterer Armut lebend, da ihre Kunst und Person als zu exzentrisch empfunden wurden und die Kunstszene von Männern dominiert war, wurde sie u. a. von der Sammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim gefördert. Sie war Teil der US-amerikanischen Künstlerszene der Pariser Left Bank (Rive Gauche) in den 1920er Jahren, wo sie unter anderen mit Djuna Barnes bekannt war.

Dass sie unter dem Pseudonym „R. Mutt“ das 'einflussreichste Werk der Modernen Kunst'Louise Jury: 'Fountain' most influential piece of modern art, in: http://www.independent.co.uk/news/uk/this-britain/fountain-most-influential-piece-of-modern-art-6156702.html, 2. Dezember 2004 (abgerufen am 14. September 2015), den Fountain geschaffen habe, wird in der Kunstwissenschaft kontrovers diskutiert.Debatte um Urheberschaft, auf monopol-magazin.de Das zum Ready-made deklarierte Urinal wurde allgemein Marcel Duchamp zugeschrieben. Der englische Journalist und Kulturhistoriker John Higgs meinte dazu "Fountain is base, crude, confrontational and funny. Those are not typical aspects of Duchamp's work, but they summarise the Baroness and her art perfectly."(„Fountain“ ist vulgär, primitiv, provokativ und witzig. Das sind keine typischen Merkmale von Duchamps Werk, sie charakterisieren jedoch die Baronin und deren Kunst auf perfekte Weise.) Auch die Schriftstellerin Siri Hustvedt macht sich für diese These stark.

Elsa von Freytag-Loringhoven starb 1927 in ihrer Wohnung in Paris im Schlaf an einer Gasvergiftung. Ob es sich hierbei um einen Unfall, einen Mord oder einen Suizid handelte, wurde nie geklärt. Angeblich soll sie einen Seemann beherbergt haben, der das Gasventil in der Wohnung geöffnet hatte. Djuna Barnes bemerkte hierzu: „Sie könnte einfach das tragische Opfer eines zu weit getriebenen grausamen Scherzes gewesen sein.“

Rezeption Irene Gammel (* 1959) veröffentlichte 2002 unter dem Titel Baroness Elsa. Gender, Dada, and everyday modernity die erste Biografie Elsa von Freytag-Loringhovens.Judith Luig: Völlig Dada. In: Die Tageszeitung vom 22. November 2003.Katharina Rutschky: Unbeeinträchtigt von geistiger Gesundheit. In: Frankfurter Rundschau vom 31. Dezember 2003. Die Erzählerin in Siri Hustvedts Roman Damals (2019) ist eine große Verehrerin der in dem Roman oft nur Baroness genannten Elsa von Freytag-Loringhoven.Siri Hustvedt: Damals. Reinbek bei Hamburg 2019, S. 221–223, S. 347, S. 428 und öfter.

Ausstellungen Die Dada-Baroness. Elsa von Freytag-Loringhoven. Ausstellung, konzipiert von Ernest Wichner und Lutz Dittrich, initiiert von Irene Gammel und von Brigitte Ebersbach; Literaturhaus Berlin, 23. März bis 8. Mai 2005; Ein Katalog erschien im Verlag Edition Ebersbach.

Gruppenausstellungen 2024: der die DADA. Unordnung der Geschlechter, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen. Kuratiert von Dr. Julia Wallner 2010: Wrong; Kunst im Tunnel, Düsseldorf kuratiert von Katharina Fritsch und Gertrud Peters 1943: Exhibition by 31 Women, Galerie Art of This Century von Peggy Guggenheim in New York City.

Literatur Britta Jürgs: Elsa von Freytag-Loringhoven. In: Britta Jürgs (Hrsg.): Etwas Wasser in der Seife. Portraits dadaistischer Künstlerinnen und Schriftstellerinnen. Aviva Verlag, Grambin 1999, ISBN 3-932338-06-5, S. 115–126. Irene Gammel: Die Dada-Baroness. Das wilde Leben der Elsa von Freytag-Loringhoven. (deutsche Übersetzung von Baroness Elsa. Gender, dada, and everyday modernity. A cultural biography) Edition Ebersbach, Berlin 2003, ISBN 3-934703-57-7. Anne Mette: Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven: Her Life, Art and Postion in New York Dada, Grin Verlag, 2009, ISBN 978-3-640-39878-2. Ina Boesch: Die DaDa. Wie Frauen Dada prägten. Scheidegger und Spiess, Zürich 2015, ISBN 978-3-85881-453-1. Suzanne Zelazo (ed.), Irene Gammel (ed.), Elsa Freytag-Loringhoven: Body Sweats: The Uncensored Writings of Elsa von Freytag-Loringhoven, The MIT Press, 2016, ISBN 978-0-262-52975-4.

Weblinks

Biografie Elsa_Freytag-Loringhoven auf www.dieterwunderlich.de Lady Dada: Elsa von Freytag-Loringhoven auf holbachinstitut.wordpress.com

Einzelnachweise

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