Aschheim ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München. Sie liegt nordöstlich von München direkt am Autobahnring A 99.
Geographie Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Aschheim (Pfarrdorf) Dornach (Kirchdorf)
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Naturschutzgebiet Vogelfreistätte südlich der Fischteiche der Mittleren Isar (NSG-00007.01) Landschaftsschutzgebiet LSG Grünzug nördlich Aschheim im Gebiet der Gemeinden Aschheim und Kirchheim bei München (LSG-00343.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet NSG südlich der Ismaninger Fischteiche (7736-372) Vogelschutzgebiet (Vogelschutzrichtlinie der EU) Ismaninger Speichersee und Fischteiche (7736-471)
Geschichte Der Name „Aschheim“ wurde erstmals 756/757 als „ascheim“ erwähnt. Der althochdeutsche Name setzt sich zusammen aus asc- (= „Esche“) und -heim (= „Wohnort“) und bedeutet daher „Heim bei den Eschen“.R. Riepertinger: Aschheim und Dornach. Eine Mikroanalyse zweier altbayerischer Dörfer bis zum Jahr 1800. Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte 18, München 2000.
mini|hochkant=0.75|Statuette der Göttin Athene/Minerva aus keltischem Fundzusammenhang Doch die Besiedelung im Bereich der heutigen Ortsflur reicht weit länger zurück als diese erste Nennung. Die ältesten Spuren von Menschen, die sich hier niedergelassen hatten, bezeugen Grabfunde der Schnurkeramischen (2800–2300 v. Chr.) und der Glockenbecherkultur (2600–2300 v. Chr.), die beim Bau der Umgehungsstraße im Jahr 2008 zu Tage kamen. Hausbefunde, Gruben und Brunnen aus der Bronzezeit (2300–1200 v. Chr.) fanden sich vor allem im südöstlichen Gemeindegebiet. Hervorzuheben ist dabei ein 7,5 m tiefer Brunnen aus der frühen Bronzezeit (etwa um 2000 v. Chr.), in dessen unterem Meter sich die mehrphasige Holzkonstruktion des Brunnenkastens sehr gut erhalten hatte (heute ausgestellt im AschheiMuseum). Im Süden der Ortsflur, wo heute ein Gewerbegebiet wächst, befand sich in der späten Bronzezeit (ca. 1200–800 v. Chr.) ein großflächiges Hügelgräberfeld, dessen letzte Zeugnisse die kreisförmigen oder ovalen Einfassungsgräben sind, die von den Archäologen vorgefunden werden.
In der älteren Phase der Eisenzeit, der so genannten Hallstattzeit, sind vor allem im östlichen Gemeindegebiet von Aschheim Siedlungszeugnisse nachgewiesen. Ausgedehnte ländliche Siedlungen und Gehöftgruppen mit Gräbern der jüngeren Phase – der so genannten La-Tène-Zeit – sind an unterschiedlichen Stellen im gesamten südlichen Ortsgebiet aufgedeckt worden und vor allem auch in Dornach zu finden. Im Bereich des Dornacher Einsteinringes sowie westlich von Aschheim bezeugen Hausgrundrisse, Brunnen und Gruben mit entsprechendem Fundmaterial eine Nutzung bis in die Endlatènezeit und damit fast bis in die Zeit der römischen Erschließung der Münchner Schotterebene. Aus dieser Spätphase der keltischen Besiedlung stammt unter anderem eine bronzene Statuette der Göttin Athene/Minerva (ca. 100/50 v. Chr.), ein Importstück aus dem Mittelmeerraum.
Die verkehrsgünstige Lage an der nördlichen Trasse der römischen Verbindungsstraße von Augsburg nach Wels/Oberösterreich führte bereits im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. zur Gründung von mindestens drei römischen Landgütern – so genannten villae rusticae – in Aschheim. Südlich des Ortes, nahe der heutigen Straße nach Feldkirchen, konnte in den Jahren 2000 und 2005 ein Haupthaus eines solchen Landgutes freigelegt werden, das in kombinierter Stein- und Holzbauweise gebaut war. Zu dessen Wohnkomfort zählte auch ein kleines Badezimmer mit Fußbodenheizung, steinernen Badewannen und Glasfenstern. Dieser Komplex liegt heute wieder geschützt unter der Erde, kann aber mithilfe eines Durchblickpanoramas in seiner rekonstruierten Form in der Landschaft nachvollzogen werden.
mini|Mit zeittypischem Tierstil verzierte Riemenzungen einer vielteiligen Gürtelgarnitur des 7. Jahrhunderts aus Aschheim Seit dem frühen Mittelalter reißt die Besiedelung des Ortes nicht mehr ab. Für die Zeit zwischen 480/90 bis an das Ende des 7. Jahrhunderts fand sich im heutigen Ortsbereich ein großes Gräberfeld, das in den Jahren 1997/98 ausgegraben wurde. Zahlreiche Fundstücke geben Auskunft über Grab- und Beigabensitten, die Kleidung der Menschen, die Sozialhierarchie der Gesellschaft und ihrer Kontakte in die nähere Umgebung sowie in fernere Gegenden wie Skandinavien oder Byzanz. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts scheint sich eine Familie von den übrigen zu separieren und an einem anderen Ort zu bestatten, auf dem sie um 600 eine sehr frühe Holzkirche errichten lässt. Diese Kirche diente der historischen Überlieferung folgend um 680/90 als vorläufiger Begräbnisort des Heiligen Emmeram, bevor dieser nach Regensburg überführt wurde. Die Holzkirche mit dem Patrozinium des heiligen Peter steht am Anfang von insgesamt sieben Kirchenbauphasen.H. Dannheimer: Aschheim im frühen Mittelalter. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 32, München 1988. Seit dem 16. Jahrhundert ist neben dem Heiligen Peter auch Paulus als Patron nachgewiesen.St. Peter und Paul, auf kath-pfarrei-aschheim.de
Die frühmittelalterliche Bedeutung des Ortes kam schließlich auch der modernen medizinischen Forschung zugute: Anfang 2013 zeigte eine an verschiedenen Laboratorien parallel durchgeführte internationale Studie unter der Leitung von Michaela Harbeck und Holger C. Scholz anhand von DNA-Material aus Gräbern aus Aschheim, die eindeutig in das spätere 6. Jahrhundert datiert werden können, dass es sich bei dieser ersten belegbaren Pest im engeren Sinne tatsächlich um den Erreger Yersinia pestis gehandelt hat.M. Harbeck, L. Seifert u. a.: Yersinia pestis DNA from skeletal remains from the 6(th) century AD reveals insights into Justinianic Plague. In: PLoS pathogens. Band 9, Nummer 5, 2013, S. e1003349, . doi:10.1371/journal.ppat.1003349. PMID 23658525. .
Im Jahr 756/57 fand in Aschheim die erste bayerische Landessynode statt, bei der 15 Beschlüsse über geistige und weltliche Belange getroffen wurden, die in Form eines Protokolls in der Bibliothek des Domstiftes Freising überliefert wurden. Dieses Protokoll enthält gleichzeitig die erste schriftliche Überlieferung des Ortsnamens (siehe oben). Kurz darauf findet Aschheim in der Vita des heiligen Emmeram Erwähnung, die um 770 vom Freisinger Bischof Arbeo verfasst wurde und sich auf Ereignisse am Ende des 7. Jahrhunderts bezieht. Diese beiden prominent auftretenden Nennungen in kurzem zeitlichen Abstand zueinander belegen ebenso wie einige Auffälligkeiten im archäologisch festgestellten Siedlungsbild eine besondere Stellung des Ortes „Ascheim“ im späten 7. und 8. Jahrhundert.A. Pütz, Ch. Later: Auf den Spuren der villa publica – Flächengrabungen im frühmittelalterlichen Aschheim. Arch. Jahr Bayern 2013, S. 134–136. Nach der direkten Unterstellung Bayerns unter den Frankenkönig Karl den Großen im Jahr 788 verlor Aschheim offensichtlich diese Sonderstellung und wurde als Lehen vergeben.
Im 12. Jahrhundert erscheinen die Edlen von Aschheim oftmals als Zeugen in Urkunden, ehe der Besitz zersplitterte und in erster Linie an Münchener Patrizier ging. Es handelte sich hierbei u. a. um die Familien Schrenk, Rosenbusch, Donnersberg, Ruepp oder Lerchenfeld. Diese aus der Münchner Stadtgeschichte bekannten Familien stehen seit 1500 eng mit der Aschheimer Geschichte in Verbindung.
Jüngere Entwicklung des Ortes Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 wurden Aschheim und Dornach selbstständige politische Gemeinden.
Im Zusammenhang mit dem Mittleren-Isar-Kanal von 1920 bis 1929 wurden nördlich von Aschheim der Ismaninger Speichersee sowie der in ihn entwässernde Abfanggraben gebaut. Dies bedeutete massive Eingriffe in die Grundwasserverhältnisse, führte zum Versiegen des Aschheimer Bachs und machte die Errichtung eines Wasserturms für die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser 1923 notwendig.
Im Jahr 1973 gab die Autobahndirektion Südbayern den Neubauabschnitt der Autobahn 99 zwischen den Anschlussstellen Haar und Aschheim/Ismaning frei, zwei Jahre später konnte die Anschlussstelle Aschheim/Ismaning und das Autobahnkreuz München-Nord eröffnet werden. Aufgrund des zunehmenden Verkehrs durch die Ortsmitte errichtete die Gemeinde östlich des Ortes, entlang der Autobahn 99 eine Umgehungsstraße, die im Sommer 2010 eingeweiht wurde.Neubau von Bundesautobahnen, Zusammenstellung der Verkehrsfreigaben 1973, abgerufen am 8. Februar 2019.Radler-Korso auf frischem Asphalt. Süddeutsche Zeitung, Nr. 163/Landkreisteil vom 19. Juli 2010.
Am 1. Mai 1978 wurden Aschheim und Dornach im Zuge der Gemeindegebietsreform zur Gemeinde Aschheim vereinigt.
Im Jahr 1987 eröffnete das offene Jugendhaus im Bodermo-Haus an der Sonnenstraße in Aschheim. Bis heute befindet sich hier der vom Kreisjugendring geführte Jugendtreff.
1992 wurde das Kulturelle Gebäude („Kulti“) als Kultur-, Bildungs- und Geschichtszentrum der Gemeinde Aschheim an der Münchner Str. 8 errichtet. Unter dessen Dach befinden sich die Verwaltung der Volkshochschule, ein Theater- und Konzertsaal, die Gemeindebücherei und das AschheiMuseum.
In den Jahren 1999 bis 2001 sowie 2014 wurde das Feuerwehrhaus in Aschheim erweitert. Durch die Betreuung eines Abschnitts des vielbefahrenen Autobahnrings A99 obliegt der Freiwilligen Feuerwehr AschheimEinsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Aschheim besondere Verantwortung. Die Feuerwehr wurde 1874 gegründet und gehört zu den ältesten Vereinigungen der Gemeinde. Seit 1972 ist sie verantwortlich für den Aschheimer Maibaum.
Die ehemalige Aschheimer Grundschule an der Ismaninger Straße wurde 1974 zum neuen Standort des Rathauses. Mehrere Um- und Anbauten prägten das Gebäude. Die größte Veränderung erfolgte durch die Aufstockung und den Anbau im Jahr 2000. Im Rahmen der Planung zum barrierefreien Ausbau im Jahr 2018 stellten Fachplaner statische Probleme an dem um 1900 errichteten Altbau des Rathauses fest. Nach längerer Diskussion entschied man sich letztendlich für einen Neubau, der seit Juni 2026 am Standort des abgerissenen alten Rathauses entsteht.Aschheimer Rathaus droht der Abriss, abgerufen am 8. Februar 2019
Bereits 1956 hatte man in Aschheim die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahr 756 mit einem großen Ortsfest gefeiert. Dieses Fest empfanden die Aschheimer nach den Jahren des Krieges und der folgenden Wohnungsnot als besonderes Fest und Großereignis. Im Jahr 2006 nahm man diesen Gedanken wieder auf und feierte, diesmal gemeinsam mit Dornach die beiden Ortsjubiläen: Aschheim zelebrierte seine 1250-Jahr-Feier und Dornach seine 1150-Jahr-Feier.
Das erste interkommunale Geothermieprojekt wurde im Jahr 2006 in Folge von erfolgreichen Bohrungen nach heißem und förderbarem Untergrundwasser möglich. Durch den Zusammenschluss der Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim zur AFK-Geothermie gelang die Nutzung lokaler Ressourcen zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Energieversorgung.Geothermie, auf afk-geothermie.de, abgerufen am 8. Februar 2019.
Nördlich des Abfanggrabens und westlich der A 99 wurde am 9. September 2011 ein Bürgersolarpark (Photovoltaik) eingeweiht.
Schulgeschichte