Kirchheim bei München (amtlich: Kirchheim b.München) ist eine Gemeinde im Landkreis München in Bayern. Die Gemeinde wurde nach dem Hauptort benannt. Im Dialekt wird Kirchheim als Kiram ausgesprochen.
Die oberbayerische Gemeinde liegt nordöstlich von München in der Nähe des Autobahnkreuzes München-Ost zwischen A 94 und A 99.
Geografie Die Gemeinde befindet sich im Osten der Münchner Schotterebene. Sie ist fast komplett eben und befindet sich in einer Höhe zwischen etwa (Südrand des Gemeindegebiets) und (Speichersee). Das Gemeindegebiet umfasst heute keine natürlichen Oberflächengewässer mehr. Der Abfanggraben, der Mittlere-Isar-Kanal, der Heimstettener See und der Ismaninger Speichersee sind künstliche Gewässer. Der Grundwasserpegel ist in der Gemeinde Kirchheim etwa zwischen 5 und 6 Meter unter Grund.
Die Gemeinde hat drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Hausen (Dorf) Heimstetten (Pfarrdorf) Kirchheim (Pfarrdorf) Im Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Kirchheim und Kirchheim b.München. Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet LSG Grünzug nördlich Aschheim im Gebiet der Gemeinden Aschheim und Kirchheim bei München (LSG-00343.01) Vogelschutzgebiet (Vogelschutzrichtlinie der EU) Ismaninger Speichersee und Fischteiche (7736-471)
Geschichte Das heutige Gemeindegebiet von Kirchheim war schon seit frühesten Zeiten besiedelt. Die bisher frühesten Siedlungsreste – aus der frühen Keltenzeit – wurden beim Bau des neuen Heimstettener Sportzentrums nordwestlich Heimstettens gefunden. Seither war das Gemeindegebiet durchgängig besiedelt, was durch zahlreiche Funde, die bei Bauarbeiten zu Tage traten, belegt ist.
Kirchheim Die Kirchheimer Siedlung wurde im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet, wurde aber wohl im 9. Jahrhundert zur Pfarrkirche St. Andreas verlegt. Früheste Nennungen sind Kirichaim (1098–1137), Chircheim (1127–1147), Chirchhaim (1187–1200), Kircheim (1231–1234). Das Grundwort ist mittelhochdeutsch heim ‘Haus, Heimat’, das Bestimmungswort mittelhochdeutsch kiriche ‘Kirche, Kirchengebäude’.Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 315.
Bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten die landwirtschaftlichen Anwesen verschiedenen Klostern (z. B. dem Angerkloster in München, dem Kloster Schäftlarn oder dem Kloster Rott) sowie wohlhabenden Bürgern. Erst nach der Säkularisation gingen die Anwesen in den Besitz der Bauern über. Bereits in den 1870er Jahren hatte Kirchheim eine Freiwillige Feuerwehr, die von Heimstetten wurde am 1. Mai 1878 gegründet. Im Jahre 1898 wurden erstmals 6 Kirchheimer Anwesen (von ca. 30) an das Stromnetz angeschlossen. Die Straßenbeleuchtung wurde mit drei Bogenlampen ab dem Jahre 1912 eingeführt und erst im Jahre 1928 erweitert.
Hausen Hausen, früher Husun (bei den Häusern), existiert seit dem 8. Jahrhundert und wurde zwischen 937 und 957 schriftlich belegt. Die Ortschaft gehörte kirchlich und administrativ seit jeher zu Kirchheim. Heute hat der Gemeindeteil zwischen 300 und 400 Einwohnern.
Hausen grenzt direkt an den Hauptort Kirchheim, der Dorfcharakter ist jedoch weitgehend erhalten geblieben. Seit 1982 hat Hausen einen eigenen Maibaum, der vom Verein Maibaumfreunde Hausen im Ortszentrum aufgestellt wird.
Aus dem Dorf Hausen stammten Matthias Westermeier, Gründer der Kirchheimer Schäffler, und Toni Meyer, Gründer der Musikkapelle Kirchheim.
Hausen ist Deutschlands häufigster Ortsname, im Landkreis München gibt es nur eine Siedlung mit diesem Namen.„Zuhause in Hausen: Dorf bei Kirchheim trägt Deutschlands häufigsten Ortsnamen“, Münchner Wochenanzeiger vom 24. Juni 2014, abgerufen am 27. Juli 2014.
Heimstetten miniatur|Gasthaus und Tafernwirtschaft von Johann Glasl auf einer Postkarte von 1918
Heimstetten wurde erstmals 1324 schriftlich in einer Urkunde genannt. In dieser Urkunde wird bezeugt, dass Konrad von Baierbrunn (Chunrat von Paybrunn) seinen Hof in Heimstetten samt dem Zehent an Martin Kazmair verkauft. Es wird aber davon ausgegangen, dass Heimstetten schon wesentlich früher bestanden haben dürfte.
Heimstetten (wie auch Kirchheim) wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde. Der Ort hatte bis 1960 aber immer unter 600 Einwohner, zur Zeit der Eingemeindung wurden 1684 Bürger gezählt. 1973 wurde der Gemeinde erstmals ein Wappen verliehen. Im Zuge der im Jahr 1976 verabschiedeten Gebietsreform wurde Heimstetten am 1. Mai 1978 in die Gemeinde Kirchheim bei München eingegliedert.
Die Eisenbahnstrecke München–Neuötting wurde am 1. Mai 1871 eröffnet, Heimstetten bekam zum 1. Mai 1897 einen „Halteplatz für den Vorortverkehr“. 1907 wurde diesem wegen „des starken Verkehrsaufkommens“ eine Bahnhofswirtschaft beigefügt. Im Jahr 1972 wurde die Haltestelle nach Umbau Station der S-Bahn München – eine der Hauptursachen für die spätere starke Zunahme der Einwohnerzahl.
Religionen Kirchheim und Heimstetten waren ursprünglich rein katholisch. Erst zur Zeit Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts kamen mit den sogenannten Überrheinern (Flüchtlinge aus den durch Napoléon Bonaparte besetzten linksrheinischen Gebieten Deutschlands) auch evangelische Christen in das Gemeindegebiet. Bis 1985 mussten sie nach Feldkirchen in die dortige evangelische Kirche gehen. Seit den 1960er Jahren leben auch Muslime in Kirchheim.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 11.649 auf 12.806 um 1.157 Einwohner bzw. um 9,9 % – nach Gräfelfing der geringste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.
Eine Auswahl der Einwohnerentwicklung seit 1840 von Kirchheim, seit 1978 inkl. Heimstetten Jahr Einwohner 1840 253 1871 293 1900 375 1925 379 1945 354 1960 545 1966 787 1970 1.009 1978 3.510 1985 10.486 1990 12.070 1995 12.555 2000 12.323 2005 12.102 2010 12.240 2022 13.7582023 14.030
Politik mini|Stephan Keck (2025)
Bürgermeister Hauptamtlicher 1. Bürgermeister war von 1990 bis 2014 der Stadtplaner Heinz Hilger. Am 1. Mai 2014 übernahm Maximilian Böltl (CSU) das Amt, der am 15. März 2020 mit 74,9 % bestätigt wurde. Nachdem Böltl im Herbst 2023 Abgeordneter im Bayerischen Landtag geworden war, übernahm sein Stellvertreter Stephan Keck bis zur Neuwahl des Ersten Bürgermeisters die Geschäfte. Bei der Wahl am 25. Februar 2024 erreichte Stephan Keck 83,5 Prozent der gültigen Stimmen und ist seit 27. Februar 2024 Erster Bürgermeister von Kirchheim bei München.
Für frühere Bürgermeister der Gemeinde Kirchheim b. München siehe: Liste der Bürgermeister von Kirchheim bei München Für die Bürgermeister der Gemeinde Heimstetten siehe: Liste der Bürgermeister von Heimstetten
Gemeinderat Die Tabelle zeigt die Sitzverteilungen seit 1978 jeweils zu Beginn der jeweiligen Wahlperiode: Jahr CSU SPD FDP Grüne ödp VFWVereinigte freie Wählergemeinschaft NKNeues Kirchheim LWKLebenswertes Kirchheim Unabh.JU 1978 7 4 2 n. a. n. a. 3 n. a. n. a. 0n. a. 1984 10 6 1 1 n. a. 2 n. a. n. a. 0n. a. 1990 8 4 1 2 n. a. 6 3 n. a. 0n. a. 1996 9 4 1 2 1 7 n. a. n. a. 0n. a. 2002 10 4 2 1 1 5 n. a. n. a. 1n. a. 2008 7Austritt zweier Fraktionsmitglieder der CSU im Juni 2010, Bildung der „Neuen Union“ 4 1 1 1 7 n. a. 3Austritt eines Fraktionsmitglied Herbst 2009, ab sofort fraktionslos 0n. a. 2014 10 7 1 2 1 2 n. a. 1 0n. a.20209424n. a.2n. a.n. a.03 n. a. = bei dieser Wahl nicht angetreten
Quelle: verschiedene Ausgaben der Broschüre Kirchheim von A–Z
Wappen Im Zuge der Gebietsreform wurden die beiden Wappen der Gemeinden Kirchheim und Heimstetten vereint. Die heraldisch rechte Hälfte entspricht dem Wappen der Gemeinde Kirchheim, die heraldisch linke dem der Gemeinde Heimstetten.
Wappen der Gemeinde Kirchheim Geteilt von Blau und Gold, oben silberne Windfahne, unten rotes Andreaskreuz. Das Kreuz weist auf die seit 1098 bestehende Grundherrschaft des Stiftes St. Andrä hin. Die Windfahne geht auf eine Geschichte zurück, nach der vier Bauern (die vier Windigen von Kirchheim) Anfang des 19. Jahrhunderts eine goldene Windfahne für den Kirchturm stifteten.
Wappen der Gemeinde Heimstetten Geteilt von Gold und Schwarz, oben rotes Schwert und roter Palmenzweig, unten drei silberne Leisten. Das Wappen soll durch die Farben gelb und schwarz die Beziehung zu München symbolisieren und an den Regensburger Bischof St. Emmeram erinnern, dessen Märtyrer-Attribute die Palme und das Schwert waren. Die silbernen Leisten wurden aus dem Wappen der Baierbrunner übernommen. Konrad IV. von Baierbrunn verkaufte 1324 seinen Kirchheimer Hof samt Zehent an den Münchner Bürger Martin Katzmair und schenkte 1328 dem Kloster Anger seine zwei Höfe in Heimstetten.
Gemeindepartnerschaften Seit dem 26. September 1998 besteht eine Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Caramanico Terme. Seit Anfang 2006 besteht auch eine Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Páty.Páty in der ungarischsprachigen Wikipedia
Seit 1992 besteht eine kommunale Freundschaft mit der Gemeinde Boxdorf, einem Vorort von Dresden, heute Großgemeinde Moritzburg. Mit der Gemeinde Boxdorf wurde nach der Maueröffnung u. a. eine Verwaltungshilfe durchgeführt. Die Partnerschaft schlief dann ab 1996 wieder ein und wurde 2018 zur 40-Jahr-Feier der Gebietsreform in Kirchheim wieder aufgeweckt.
Neue Ortsmitte Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Kirchheim (anfangs die eigenständigen Gemeinden Kirchheim und Heimstetten) daran, eine neue Ortsmitte (früher „Ortszentrum“) zu erstellen. Erster Schritt war die Errichtung der Grund- und Mittelschule I (damals Grund- und Teilhauptschule) in der Mitte zwischen den damals noch selbstständigen Gemeinden Kirchheim und Heimstetten im Jahr 1971. Langjährige Planungen folgten. Im Jahre 1989 wurde dazu der damalige Bebauungsplan 61 beschlossen. Im Jahr 1990 brachten die Kommunalwahlen eine wesentliche Änderung der Kräfteverhältnisse im Gemeinderat von Kirchheim, was dazu führte, dass sich der neue Gemeinderat mehrheitlich gegen die bisherige Planung entschied. Es kam zu einer völligen Neuplanung der Ortsmitte, die zwischenzeitlich u. a. eine Überdeckelung der Staatsstraße 2082, die zwischen den Gemeindeteilen Kirchheim und Heimstetten hindurchführt, vorsah. Nach weiteren Um- und Neuplanungen – u. a. wurde die Überdeckelung der Staatsstraße aus Kostengründen wieder aus den Planungen gestrichen – stellte der Kirchheimer Gemeinderat das Bauleitplanverfahren im Dezember 2012 ein. auf der Webseite der Gemeinde; Abgerufen am 25. Januar 2013
Im Jahr 2014 befasste sich der neu gewählte Gemeinderat mit der Ortsentwicklungsplanung, die im Herbst 2009 durch Bürgerbeteiligung und Kommunalpolitiker entstand. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den Gemeinderatsmitgliedern und dem ersten Bürgermeister, konkretisierte die Planung. Es entstand das Strukturkonzept Kirchheim 2030, das im Oktober 2016 im Gemeinderat beschlossen wurde. Die Planungsidee sieht die Verknüpfung der Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten durch einen Ortspark vor. Um den Park mit öffentlichen Bildungseinrichtungen und Kultur- und Erholungsmöglichkeiten herum soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Zudem wurden Verkehrslösungen u. a. für die Kreuzung der Staatsstraße St 2082 und dem Heimstettener Moosweg entwickelt. Um die Zustimmung der Bürger für das Strukturkonzept zu sichern, kam es am 24. September 2017 zusammen mit der Bundestagswahl zum Bürgerentscheid über das Konzept, dem letztendlich zugestimmt wurde. Inzwischen sind Teile der Planungen auch umgesetzt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kirchheim bei München und Liste der Bodendenkmäler in Kirchheim bei München
Museen Das Freilichtmuseum Bajuwarenhof Kirchheim gibt einen lebendigen Einblick in das bäuerliche Leben des frühen Mittelalters.
Musik